Nachrichten und Pressemitteilungen des DIW Berlin http://www.diw.de/de/diw_02.c.288763.de Nachrichten und Pressemitteilungen de-de http://diw.de/sixcms/media.php/37/diw_logo_farbe_mini.jpg DIW Berlin http://diw.de/ Hannes Ullrich in Industrieökonomischen Ausschuss des Vereins für Socialpolitik aufgenommen http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.555076.de Hannes Ullrich, Abteilung Unternehmen und Märkte, wurde in den Industrieökonomischen Ausschuss des Vereins für Socialpolitik (VfS) aufgenommen. Mit rund 4.000 persönlichen und institutionellen Mitgliedern ist der Verein eine der größten Vereinigungen von Wirtschaftswissenschaftlern in Europa. Ein großer Teil der Forschungstätigkeit des Vereins für Socialpolitik findet in den 24 Fachausschüssen statt. Ihre Aufgabe ist die Durchführung besonderer Arbeiten und die Förderung des fachlichen Diskurses in ihren jeweiligen Fachgebieten. Dazu finden regelmäßig Tagungen und Arbeitssitzungen statt.


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Fri, 24 Mar 2017 06:29:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.555076.de
Batterieunterstützte Eigenversorgung mit Solarstrom kann unter bestimmten Voraussetzungen einen positiven Beitrag zur Energiewende leisten http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554851.de DIW-Studie: Batterieunterstützte Eigenversorgung mit Solarstrom wächst deutlich, ist momentan aber noch ein Nischenmarkt – Sie kann einzel- und gesamtwirtschaftliche Vorteile mit sich bringen, birgt aber auch Risiken – Batteriespeicher sollten systemorientiert betrieben und für weitere Markinteraktionen genutzt werden, um einen möglichst positiven Beitrag zur Energiewende zu leisten.  

Zunehmend produzieren Haushalte in Deutschland ihren eigenen Strom aus Photovoltaik-Anlagen und speichern ihn mittels Batterien. Noch ist dies ein Nischensegment, mit ca. 50.000 installierten Speichern, es wächst aber rapide. Ohne Batteriespeicher erreichen Haushalte mit Aufdach-Photovoltaikanlagen einen Eigenversorgungsanteil von rund einem Drittel – durch Batteriespeicher lässt er sich deutlich steigern. Dabei bleiben die Haushalte aber mit dem Stromnetz verbunden und beziehen noch in vielen Stunden Strom aus dem Netz oder speisen ihn in das Netz zurück.


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Wed, 22 Mar 2017 09:30:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554851.de
Photovoltaik-Batteriespeicher sollten für weitere Marktinteraktionen zur Verfügung stehen: Interview mit Wolf-Peter Schill http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554875.de Herr Schill, welche Rolle spielt die dezentrale Eigenstromversorgung mit Solarenergie und Batteriespeichern momentan in Deutschland?

Momentan spielt die batterieunterstützte solare Eigenstromversorgung noch eine Nischenrolle in Deutschland. Im Moment haben wir eine Größenordnung von ungefähr 50.000 Batteriespeichern installiert. Das ist insgesamt nicht besonders viel. Die Speicherkapazität liegt insgesamt also deutlich unter den anderen Stromspeichern, die wir heute haben. Es ist eine Nische, die stark wächst, aber von einem sehr niedrigen Niveau aus. [...]

Das Interview mit Wolf-Peter Schill ist aus dem DIW Wochenbericht 12/2017. Hier gibt es das Interview als PDF-Dokument und Podcast


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Wed, 22 Mar 2017 09:29:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554875.de
Veränderung der Erwerbs- und Familienbiografien lässt einen Rückgang des Gender-Pension-Gap erwarten http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554871.de Die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Rentenzahlbetrag der Gesetzlichen Rentenversicherung werden sich im Kohortenvergleich verringern. Während in der Kriegskohorte der 1936 bis 1945 Geborenen der so genannte Gender-Pension-Gap noch 56 Prozent in West- und 34 Prozent in Ostdeutschland beträgt, wird er sich basierend auf einem vom DIW Berlin entwickelten Fortschreibungsmodell zur Simulation von Erwerbs- und Familienbiografien bei der Kohorte der 1966 bis 1970 Geborenen auf 43 beziehungsweise 18 Prozent reduzieren. Mitverantwortlich für diesen Trend ist, dass Männer im Kohortenvergleich kürzere Phasen ihres Erwerbslebens in Vollzeit arbeiten werden. Bei westdeutschen Frauen dagegen ist eine starke Zunahme von Teilzeitbeschäftigung bei gleichzeitigem Rückgang von Phasen der Hausfrauentätigkeit zu beobachten. Aber auch ostdeutsche Frauen werden in zunehmenden Maße Teilzeittätigkeiten aufnehmen. Allerdings weisen sie längere Phasen von Vollzeiterwerbstätigkeit auf und weichen damit weiterhin von westdeutschen Frauen ab.

Der vollständige Bericht von Christian Westermeier, Markus M. Grabka, Björn Jotzo und Anika Rasner im DIW Wochenbericht 12/2017       


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Wed, 22 Mar 2017 09:28:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554871.de
Wirtschaftsförderung für die Stadt, Daseinsvorsorge fürs Land: Kommentar von Ronny Freier http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554877.de Die Wirtschaftsleistung moderner Volkswirtschaften entsteht zunehmend in urbanen Zentren, die gut ausgebildete ArbeitnehmerInnen, komplexe Dienstleistungen, Forschungseinrichtungen und eine industrielle Basis zusammenbringen. Schon heute produzieren die 15 größten Städten Deutschlands etwa 25 Prozent aller Waren und Dienstleistungen – Tendenz steigend.

Diese Konzentration führt zu wachsender Ungleichheit zwischen Stadt und Land. Der ländliche Raum kämpft mit Bevölkerungsschwund und Fachkräftemangel, fühlt sich kulturell und politisch zunehmend abgehängt, in Medien und der gesellschaftlichen Debatte unterrepräsentiert. Nötig ist eine intelligente Kombination von moderner städtischer Wirtschaftsstruktur und Förderung des ländlichen Raums. [...]

Der vollständige Kommentar von Ronny Freier im Wochenbericht 12/2017


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Wed, 22 Mar 2017 09:12:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554877.de
Armut gefährdet die Demokratie http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554734.de Dieser Beitrag ist am 17. März in der ZEIT ONLINE–Kolumne „Fratzschers Verteilungsfragen“ erschienen.

Die deutsche Wirtschaft brummt, so scheint es, aber auch die Anzahl der Arbeitnehmer, die von Armut bedroht sind, nimmt deutlich zu. Das ist ein blinder Fleck in der Diskussion um Arbeitsmarktreformen. Die Politik muss die Frage beantworten, wie „gute“ Arbeit in Zukunft definiert werden soll und wie sie mehr Menschen die Chance geben kann, mit ihrer eigenen Arbeit für sich selbst zu sorgen.

Seit 2005 sind nicht nur viele Arbeitslose, sondern viele neue Beschäftigte, vor allem gut qualifizierte Frauen, Ältere und EU-Zuwanderer, in Arbeit gekommen. Gleichzeitig aber, und das ist der zentrale Widerspruch der gegenwärtig guten wirtschaftlichen Entwicklung, hat sich der Anteil derjenigen, die von Armut bedroht sind, in Deutschland von 4,8 Prozent auf 9,6 Prozent aller Arbeitnehmer erhöht – ein dramatischer Anstieg. Somit verdient fast jeder oder jede zehnte Beschäftigte heute weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland. Die Quote liegt – anders als noch 2005 – über dem europäischen Durchschnitt.

Die Vermutung liegt nahe, der Übergang vieler aus der Arbeitslosigkeit in die Beschäftigung sei verantwortlich für diese Entwicklung, denn viele der ehemaligen Arbeitslosen haben geringe Qualifikationen und damit meist auch niedrige Einkommen. Es sind aber bei weitem nicht nur ehemalige Arbeitslose, die von Armut gefährdet sind. Es stellt sich zudem die grundlegende Frage, ob es Anspruch einer Gesellschaft ist, lediglich die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Sollte der Anspruch nicht vielmehr sein, dass die Menschen mit ihrer Arbeit ein auskömmliches Dasein haben? Also "Sozial ist, was gute Arbeit schafft" statt nur "Sozial ist, was Arbeit schafft"?

Die Fakten zur Armutsgefährdung von Beschäftigten in Deutschland zeigen ein klares und für manchen überraschendes Bild: Es sind vor allem Frauen, Alleinerziehende (meist Mütter), junge Menschen und Menschen mit temporärer Beschäftigung betroffen.

Große Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Lag die Armutsgefährdung bei berufstätigen Frauen in Deutschland im Jahr 2005 mit 5,6 Prozent noch deutlich unter dem europäischen Durchschnitt, so übertraf sie ihn 2015 mit 10,5 Prozent deutlich. Der Anteil der beschäftigten, von Armut bedrohten Männer in Deutschland ist zwar auch gestiegen. Doch er liegt weiterhin unter dem europäischen Wert.

Junge Frauen bis 24 Jahre weisen in Deutschland eine 50 Prozent höhere Armutsgefährdung auf als junge Männer. Besonders stark ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern auch bei Teilzeitbeschäftigten. Mehr als jede fünfte Frau in Teilzeit ist armutsgefährdet, deutlich mehr als bei Frauen im restlichen Europa und mehr als bei den Männern.

Zudem zeigt der europäische Vergleich, dass die Unterschiede zwischen Frauen und Männern bezüglich der Armutsgefährdung in kaum einem Land zu groß sind wie hierzulande. Für die meisten Personengruppen liegt die Armutsgefährdung bei Männern in Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt, für Frauen liegt sie dagegen fast immer deutlich darüber. Dass Deutschland mit 22 Prozent einen der höchsten Gender Pay Gaps in Europa hat, ist auch ein Ausdruck dieser Ungleichheit.

Sicherlich mag ein Teil des Anstiegs der Armutsgefährdung insgesamt durch die steigende Zahl von Studenten erklärt werden – die wenig verdienen und trotz ihrer vergleichsweise guten Zukunftsperspektiven als von Armut bedroht gelten – doch die Zahl der Studenten ist auch anderswo in Europa gestiegen. Dafür, dass die Armutsgefährdung in Deutschland so viel stärker zugenommen hat als dort, muss es also andere Gründe geben.

Es sind auch keineswegs nur Teilzeitbeschäftigte, die von Armut gefährdet sind: der Anteil der Vollzeitbeschäftigten, bei denen das der Fall ist, hat sich seit 2005 von 3,5 Prozent auf heute 7,1 Prozent mehr als verdoppelt.

Die Armutsgefährdung ist in Deutschland sehr viel ungleicher über unterschiedliche Haushaltstypen verteilt als in anderen europäischen Ländern. Die Armutsgefährdung für Ehepartner mit Kindern ist im europäischen Vergleich deutlich geringer und seit 2005 auch weniger stark gestiegen.

Die wohl schockierendste Entwicklung ist die Verdoppelung der Armutsgefährdung von alleinerziehenden Eltern seit 2005 auf fast 25 Prozent heute. In anderen Worten, fast jede vierte alleinerziehende Mutter (oder alleinerziehender Vater) in Deutschland ist heute von Armut bedroht.

Nun kann man zu Recht anmerken, dass gerade der starke Anstieg der Erwerbsquote von Frauen (wie auch die starke Migration und die höhere Erwerbsquote älterer Menschen) den Beschäftigungsboom seit 2005 ausgelöst hat, und es daher zu erwarten war, dass ein höherer Anteil dieser Frauen armutsgefährdet ist. Dies erklärt jedoch nur einen begrenzten Teil dieser Entwicklung, denn zum einen sind im vergangenen Jahrzehnt viele hochqualifizierte Frauen in den deutschen Arbeitsmarkt gekommen, zum anderen liegt die Armutsgefährdung in Ländern wie Frankreich, die eine ähnlich hohe Frauenerwerbsquote haben, zum Teil deutlich unter der in Deutschland.

Einige mögen auch zu Recht darauf verweisen, dass der Anstieg der Armutsquote in Deutschland zum Teil durch den Anstieg der mittleren Einkommen erklärt wird, und dass viele derer, die heute armutsgefährdet sind, heute sogar höhere Einkommen haben als noch vor zehn Jahren.

Auch dieser Punkt führt aber letztlich wieder zu der Frage, welchen Anspruch wir als Gesellschaft an unser Zusammenleben richten. Ist unser Anspruch lediglich, Menschen in Arbeit zu bringen und ihnen ein Minimum an sozialer Sicherung, wie Sozialhilfe, Unterkunft und eine Krankenversicherung zu bieten? Wollen wir den Bürgerinnen und Bürgern nicht vielmehr eine „gute“ Arbeit ermöglichen, die ein auskömmliches Einkommen bietet, Chancen eröffnet und den Menschen Freiheiten zur persönlichen und beruflichen Entwicklung gibt?

Arbeit alleine reicht nicht

Diese Fragen haben eine normative Dimension – wie unsere Gesellschaft „Gerechtigkeit“ und „gute Arbeit“ definiert – aber auch eine positive Dimension – also wie Ungleichheit, und in diesem Fall Armutsgefährdung, sich auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und den Wohlstand auswirken. Was diese positive Dimension angeht, ist klar: Menschen, die armutsgefährdet sind, haben eine geringere soziale und politische Teilhabe, was das Funktionieren unserer Demokratie gefährdet und den Wohlstand aller, nicht nur der direkt Betroffenen, schadet.

Die zunehmende Armutsgefährdung führt zu einer stärkeren Abhängigkeit vom Sozialstaat. Dies reduziert die Möglichkeiten der Betroffenen, in ihre eigene Bildung und die ihrer Kinder zu investieren und ihre Fähigkeiten in Gesellschaft und Wirtschaft einzubringen. Es schädigt aber auch die Leistungsfähigkeit des Sozialstaates, der für immer mehr Menschen Leistungen erbringen muss und dies dadurch immer weniger gut und weniger zielgenau tun kann.

Kurzum, der Anstieg der Armutsgefährdung von Menschen in Arbeit sollte ein Weckruf für die Politik und ein zentrales Thema im politischen Diskurs sein. Dazu gehören drei große Fragen. Zum Ersten, wie vor allem die Schwächsten qualifiziert werden sollen, um ihnen am Arbeitsmarkt bessere Chancen zu eröffnen. Viele wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine gute und gezielte Qualifizierung die entscheidende Frage für den Abbau von Arbeitslosigkeit und Amtsgefährdung ist. Qualifizierung und Bildung sind essenziell für unsere Gesellschaft und den Erfolg der Wirtschaft. Zum Zweiten, wie die Verhandlungsmacht im Arbeitsmarkt gestaltet werden kann, sodass Menschen auch mit relativ geringen Qualifikationen ihre Interessen vertreten können.

Zum Dritten benötigen wir einen noch stärkeren Diskurs über die Familienpolitik in Deutschland. Die Tatsache, dass Frauen und Alleinerziehende im Arbeitsmarkt so viel schlechter dastehen und so viel häufiger von Armut gefährdet sind, ist kein Zufall. Es ist ein Spiegelbild der Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik, die noch immer sehr stark auf das traditionelle Familienbild eines Ehepaares mit Kindern ausgerichtet ist und somit immer weniger Menschen in Deutschland ausreichend erreicht.


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Mon, 20 Mar 2017 09:54:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554734.de
SOEP-Analyse des DIW Berlin zum Weltglückstag am 20. März: Lebenszufriedenheit in Ostdeutschland holt auf http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554636.de Die Menschen in ganz Deutschland sind heute zufriedener als zum Tiefpunkt 2004

Die Menschen in West- und Ostdeutschland sind seit 2015 im Durchschnitt zufriedener als zu jedem anderen Zeitpunkt nach der Wiedervereinigung (Abbildung 1). Dass die Zufriedenheit in Deutschland im Vergleich zu 1990 deutlich angestiegen ist, geht im Wesentlichen auf den Aufholprozess in Ostdeutschland zurück. Das in Ostdeutschland gemessene Niveau der Zufriedenheit liegt jedoch auch mehr als 25 Jahre nach der Wiedervereinigung noch unter dem westdeutschen Niveau (Abbildung 2). Das zeigt eine neue Auswertung von Daten der für Deutschland repräsentativen Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am DIW Berlin

„So ernüchternd es ist, dass es ihn immer noch gibt: Der Abstand zwischen Ost und West hat sich über die Jahre maßgeblich verringert und ist so niedrig wie noch nie“, sagt SOEP-Direktor Jürgen Schupp, der die Analyse durchgeführt hat.


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Fri, 17 Mar 2017 09:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554636.de
Konjunkturmotor trotz zahlreicher Risiken weiter auf Touren http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554494.de Deutsche Wirtschaft bleibt robust und dürfte 2017 um 1,4 Prozent wachsen – Beschäftigungsaufbau hält an, höhere Inflation dämpft aber privaten Verbrauch – Investitionen nach wie vor schwach – Nur begrenzte finanzpolitische Spielräume

Brexit und Trump zum Trotz präsentiert sich die deutsche Wirtschaft nach wie vor robust und dürfte auch in diesem Jahr deutlich wachsen: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) prognostiziert einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,4 Prozent und erhöht seine Vorhersage aus dem Dezember damit um 0,2 Prozentpunkte. Deutlich nach oben korrigierte offizielle Arbeitsmarktdaten zeigen, dass sich der Beschäftigungsaufbau nicht seit Mitte vergangenen Jahres abgeflacht hat, sondern bis zuletzt dynamisch blieb – und so dürfte es auch weitergehen: 600.000 Erwerbstätige werden nach der DIW-Prognose in diesem und weitere 440.000 im nächsten Jahr hinzukommen. Die Arbeitslosenzahl sinkt weiter, obwohl mehr und mehr Geflüchtete eine Arbeitserlaubnis erhalten und einen Job suchen. Es gibt jedoch zwei Wermutstropfen, die in auffälligem Kontrast stehen zum Beschäftigungsboom: Erstens investieren die Unternehmen nach wie vor äußerst verhalten und zweitens steigt der private Konsum in der ersten Jahreshälfte 2017 nur moderat.


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Wed, 15 Mar 2017 10:35:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554494.de
„Höhere Inflation ist nur ein temporäres Phänomen“: Interview mit Ferdinand Fichtner http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554517.de Herr Fichtner, wird die deutsche Wirtschaft ihr Wachstumstempo in diesem Jahr beibehalten können?

Die deutsche Wirtschaft verliert etwas an Schwung, allerdings weniger, weil ihr die Puste ausgeht, sondern vor allem, weil dieses Jahr deutlich weniger Arbeitstage anfallen als vergangenes Jahr. Dazu kommt, dass die zuletzt merklich gestiegenen Energiepreise sich mehr und mehr auch auf die Verbraucherpreise auswirken werden. Das entzieht den Haushalten etwas Kaufkraft, sodass vom Konsum wahrscheinlich nicht mehr so starke Impulse kommen werden wie noch im letzten Jahr. Alles in allem rechnen wir für dieses Jahr mit einer Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent, also tatsächlich etwas weniger als im vergangenen Jahr, da hat die deutsche Wirtschaft noch um 1,9 Prozent zugelegt. [...]

Das Interview mit Ferdinand Fichtner ist aus dem DIW Wochenbericht 11/2017. Hier gibt es das Interview als PDF-Dokument und Podcast.


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Wed, 15 Mar 2017 10:34:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554517.de
Steuereinnahmen nehmen vor allem dieses Jahr nur verhalten zu http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554501.de Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden werden hinter bisherigen Erwartungen zurückbleiben – Gewinnsteuern schwächeln vor allem im Jahr 2017

Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen werden dieses Jahr voraussichtlich um rund 1,6 Prozent auf 714,6 Milliarden Euro und nächstes Jahr um über 3,5 Prozent auf 740,2 Milliarden Euro steigen, so die Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis seiner jüngsten Konjunkturprognose. Der Anstieg der Steuereinnahmen schwächt sich ab: Im Jahr 2015 hatten sie noch um 4,6 Prozent, im Jahr 2016 um 4,4 Prozent zugenommen.


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Wed, 15 Mar 2017 10:33:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554501.de
Kommunale Investitionen: Engpässe bei Planungs- und Baukapazitäten bremsen Städte und Gemeinden aus http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554507.de Obwohl der Bund zusätzliche Gelder für Investitionen bereitstellt, investieren Kommunen kaum mehr als zuvor – Bau- und Planungsämter haben in den letzten 25 Jahren deutlich mehr als ein Drittel Personal abgebaut – Kommunale Infrastrukturgesellschaft und Investitionsrücklage in öffentlichen Haushalten könnten helfen

Die kommunale Infrastruktur fährt nach wie vor auf Verschleiß: In den vergangenen beiden Jahren investierten Städte und Gemeinden in Deutschland deutlich weniger in Straßen, Schulen und andere Gebäude, als diese an Wert verloren. Wie eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt, liegt dies maßgeblich an zu geringen Kapazitäten der Bauwirtschaft und fehlendem Personal in den Bau- und Planungsämtern, die in den vergangenen 25 Jahren stark ausgedünnt wurden. „Obwohl die Bundesregierung den Kommunen zusätzliche Gelder zur Verfügung gestellt hat, sind die kommunalen Investitionen bisher nicht substanziell gestiegen“, sagt DIW-Ökonom Claus Michelsen, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Konjunkturpolitik. „Unter dem Strich haben die Kommunen bislang nur einen Bruchteil der finanziellen Mittel abgerufen, was maßgeblich auf Engpässe in den Verwaltungen und einen Auftragsstau bei den Baufirmen zurückgeht.“


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Wed, 15 Mar 2017 10:30:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554507.de
Sarah Dahmann has successfully defended her dissertation http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554419.de Sarah Dahmann, who worked at the department of Socio-Economic Panel until December 2016, has successfully defended her dissertation at Freie Universität zu Berlin.

The dissertation with the title „Human Capital Returns to Education – Three Essays on the Causal Effects of Schooling on Skills and Health“ was supervised by Prof. Dr. C. Katharina Spieß (DIW Berlin, Freie Universität Berlin) and Prof. Dr. Silke Anger (DIW Berlin, IZA).

We congratulate Sarah on her success and wish her all the best for her future career.


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Tue, 14 Mar 2017 12:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554419.de
Maurice Obstfeld diskutierte am DIW Berlin über Fiskalpolitik zur Unterstützung von Strukturreformen http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554391.de Maurice Obstfeld (IMF), Romain Duval (IMF) und Marcel Fratzscher auf dem Podium (v.l.n.r.)

Mit Maurice Obstfeld war am Montag (13.03.2017) einer der weltweit einflussreichsten Makroökonomen zu Gast am DIW Berlin. Der Chefökonom des International Monetary Fund (IMF) und ehemalige Wirtschaftsberater von Barack Obama kommentierte im Rahmen der Veranstaltung „The role of fiscal policy in advancing structural reforms in Europe“ das aktuelle IMF-Paper „Labor and product market reforms in advanced economies: fiscal costs, gains, and support”.

Ein Fazit der Analyse ist, dass Reformen nicht nur das Wirtschaftswachstum fördern, sondern im Laufe der Zeit die öffentliche Schuldenlast senken. Die Umsetzung von Reformen hilft laut IMF auch Regierungen mit knappen Haushaltskassen.

Begleitet wurde Obstfeld von den beiden AutorInnen des Papers, Angana Banerji (Senior Economist im IMF European Department) und Romain Duval (Advisor im IMF Research Department). Duval stellte die Ergebnisse zunächst in einem einführenden Vortrag vor, die dann im Anschluss von Ludger Schuknecht, Chefökonom und Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, und Maurice Obstfeld in Kurzvorträgen kommentiert wurden.

Nach den Präsentationen eröffnete DIW-Präsident Marcel Fratzscher eine Diskussionsrunde, an der sowohl die ReferentInnen als auch das Publikum teilnahmen.

Fotos von der Veranstaltung finden Sie in der Mediathek.

Präsentation von Maurice Obstfeld

Präsentation von Ludger Schuknecht

Präsentation von Romain Duval


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Tue, 14 Mar 2017 09:20:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554391.de
Wie steigende Einkommensungleichheit das Wirtschaftswachstum in Deutschland beeinflusst http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554113.de Das Wachstum der deutschen Wirtschaft wäre seit der Wiedervereinigung kumuliert um rund zwei Prozentpunkte höher gewesen, wenn die Einkommensungleichheit konstant geblieben wäre. Darauf weisen Simulationsrechnungen mit dem DIW Makromodell hin, die unter der Annahme durchgeführt wurden, dass die Entwicklung der Einkommensverteilung nicht umgekehrt von der wirtschaftlichen Entwicklung beeinflusst wurde. Das reale Bruttoinlandsprodukt hätte im Jahr 2015 gut 40 Milliarden Euro über seinem tatsächlichen Wert gelegen. Vor allem die private Konsumnachfrage, aber auch Investitionen und Exporte, wären stärker gestiegen, wenn die Ungleichheit – hier gemessen am Gini-Koeffizienten der Nettohaushaltseinkommen – auf ihrem Stand des Jahres 1991 geblieben wäre. Gleichzeitig hätte der Außenhandelssaldo nicht so stark zugenommen; er hat den Effekt der Ungleichheit auf das Bruttoinlandsprodukt abgemildert. Dieser Befund ist nicht nur vor dem Hintergrund der Debatte um Ungleichgewichte in der Europäischen Währungsunion relevant. Er macht auch deutlich, dass der Fokus der Diskussion über die makroökonomischen Folgen zunehmender Einkommensungleichheit zu Unrecht auf den negativen Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt liegt, denn der für die Lebensqualität der Menschen ungleich wichtigere private Konsum wird noch stärker und dauerhafter gemindert.

Der Bericht von Hanne Albig, Marius Clemens, Ferdinand Fichtner, Stefan Gebauer, Simon Junker, Konstantin Kholodilin in: DIW Wochenbericht 10/2017.


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Wed, 08 Mar 2017 09:13:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554113.de
„Der Konsum wird durch die gestiegene Ungleichheit stark gedämpft“: Interview mit Ferdinand Fichtner http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554120.de Herr Fichtner, das DIW Berlin hat den Zusammenhang zwischen zunehmender Einkommensungleichheit und Wirtschaftswachstum untersucht. Hätten wir ein höheres Wachstum gehabt, wenn die Ungleichheit in den letzten Jahren nicht gestiegen wäre?

Tatsächlich wäre das Wachstum in Deutschland etwas höher gewesen, wenn die Ungleichheit zwischen 1991 und 2015 nicht so deutlich gestiegen wäre. Insgesamt, also auf den Gesamtzeitraum von 1991 bis 2015 gesehen, verliert die deutsche Wirtschaft durch die steigende Ungleichheit ein Wachstum von etwa zwei Prozentpunkten. Auf das einzelne Jahr herunter gebrochen ist das immer noch ein guter halber Zehntelprozentpunkt Wachstum. [...]

Das Interview mit Ferdinand Fichtner ist aus dem DIW Wochenbericht 10/2017. Hier gibt es das Interview als PDF-Dokument und Podcast.


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Wed, 08 Mar 2017 08:12:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554120.de
Vier Denkfehler bei der Euro-Kritik: Kommentar von Marcel Fratzscher http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554122.de Wie würden Sie diese Frage beantworten: War die deutsche Währungsunion vom 1. Juli 1990 ein Erfolg? Viele würden die Frage für sinnlos halten. Die Einführung der D-Mark in Ostdeutschland war natürlich prinzipiell die richtige Entscheidung. Ist die europäische Währungsunion ein Erfolg? Vor allem in Deutschland wird der Euro gerne zum Sündenbock für Europas Probleme gemacht. Das ist jedoch falsch. Er ist genauso essenziell für die wirtschaftliche Integration und den Wohlstand in Europa, wie es die D-Mark für das vereinte Deutschland war.

Denjenigen, die den Euro kritisieren, unterlaufen vier grundlegende Denkfehler: Sie weisen erstens darauf hin, dass der Euroraum kein „optimaler Währungsraum“ sei und dass die gemeinsame Geldpolitik nicht den Bedürfnissen aller Euro-Länder gleichermaßen entspreche. Das ist zwar richtig, doch nach dieser Logik hätte es keine deutsche Währungsunion geben dürfen, denn Ost- und Westdeutschland waren 1990 noch viel unterschiedlicher als Portugal und Deutschland heute. Eine gemeinsame Währung dient der Integration und Vertiefung des gemeinsamen Wirtschaftens und schafft dadurch einen größeren Wohlstand für alle beteiligten Länder. [...]

Der vollständige Kommentar von Marcel Fratzscher im Wochenbericht 10/2017


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Wed, 08 Mar 2017 07:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554122.de
Mehr Chancen als Risiken http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554135.de Dieser Gastbeitrag von Tomaso Duso und Martin Gornig ist am 7. März auf tagesspiegel.de erschienen.

Der PSA-Konzern und General Motors sind sich einig: Der größte französische Autobauer und Opel, deutscher Sprössling des US-Konzerns General Motors, heiraten. Welche Chancen und Gefahren bestehen für den Industriestandort Europa und welche Folgen hat die Fusion für Deutschland? Wie muss die Politik reagieren?

Aus wettbewerbspolitischer Sicht ist die Lage relativ entspannt: Wenn die versprochenen Effizienzgewinne tatsächlich auftreten, wird trotz erhöhter Konzentration der Wettbewerb europaweit sogar intensiver. Auch industriepolitisch kann aus der Anfang der Woche besiegelten Ehe eine Erfolgsgeschichte werden. Wenn die Politik die Weichen richtig stellt, könnte Europa mithilfe dieses neuen mächtigen Akteurs den notwendigen Erneuerungsprozess in der Automobilindustrie besser bewältigen. Davon würde gerade das Autoland Deutschland, wo viele sich gegenwärtig Sorgen um die Arbeitsplätze bei Opel machen, profitieren.

Schärferer Wettbewerb

Selbstverständlich wird der Zusammenschluss wettbewerbsrechtlich geprüft. In Anbetracht der Größe der Fusion und ihrer globalen Auswirkung wird die Europäische Kommission zuständig sein. Die Fusion wird den zweitgrößten Automobilkonzern Europas mit einem EU-Marktanteil – nach abgesetzten Personenkraftwagen – von knapp mehr als 16 Prozent schaffen. Damit würde die Fusion die Lücke zum europäischen Marktführer, die Volkswagen Gruppe (ca. 24 Prozent Marktanteil), teilweise schließen und möglicherweise für schärferen Wettbewerb sorgen. Nimmt man als Maßstab die Umsätze, ist die Lage noch entspannter, denn Luxusmarken wir Daimler und BMW können dann einen größeren Teil vom Kuchen für sich beanspruchen.

Die neue Gruppe wird in einigen Ländern wie Spanien und Frankreich vermutlich Marktführer werden. Die europäischen Wettbewerbshüter könnten daher spezifische Auflagen in diesen Märkten verlangen. Insgesamt aber ist der Zusammenschluss wettbewerbsrechtlich weitgehend unproblematisch, weil die drei Marken Peugeot, Citroën und Opel in unterschiedlichen EU-Ländern stark vertreten sind. Genau diese geographische Aufteilung deutet darauf hin, dass der Zusammenschluss auch signifikante Effizienzgewinne erzeugen kann. Neben möglichen Größenvorteilen könnte Synergien in Vermarktung und Vertrieb insbesondere dort generiert werden, wo die zwei Verlobten bislang keine starke Präsenz haben.

Am Beispiel Deutschland wird das besonders deutlich. Mit knapp über 100.000 Neuzulassungen haben Peugeot und Citroen zusammen dort in 2016 einen Marktanteil von drei Prozent erreicht. Mit etwa sieben Prozent war Opel der fünftgrößte Anbieter. Kombiniert würde die neue Gruppe aber immer noch deutlich unter VW mit seinen über 650.000 verkauften Autos bleiben. Die PSA Gruppe könnte aber hierzulande stark vom Vertrieb- und Händlernetzwerk Opels profitieren und damit für mehr Wettbewerb gegenüber VW sorgen. Das Umgekehrte gilt dann für Frankreich. Die Verbraucher in Deutschland und Europa dürften sich also auf bessere und günstigere Autos und einen solideren Service freuen.

Sorge um die Arbeitsplätze

Was aber wird aus den Arbeitsplätzen bei Opel und seinen Zulieferern? Zu Recht vermutet man hinter dem Hinweis auf „signifikante Effizienzgewinne“, dass Arbeitsplätze verloren gehen werden. Betroffen sind vermutlich zunächst die Zulieferer und der Vertrieb, später, wenn die Beschäftigungsgarantien ausgelaufen sind, möglicherweise auch bei Opel und PSA. Aber hätte Opel im bisherigen Verbund eine Chance im Verdrängungswettbewerb der Automobilindustrie gehabt? General Motors schien schon lange kein wirkliches Interesse an einer strategischen Partnerschaft mehr zu haben. So erscheint es fraglich, ob die Arbeitsplätze bei Opel in der mittleren Frist sicherer gewesen wären.

Nun gut, die Erfahrungen der Deutschen mit europäischen Fusionen sind gemischt. Während der europäische Konzern Airbus heute ein wichtiger Eckpfeiler der deutschen Industrie ist und als industriepolitischer Erfolg gefeiert wird, gibt es auch andere Beispiele. Schaut man in die Rhein-Main-Region, wo Opel seinen Stammsitz hat, drängt sich das Beispiel der Höchst AG auf – eingegliedert in den französischen Sanofi-Aventis-Konzern und schließlich aufgelöst. Von einem der einst größten Chemiekonzerne Europas sind heute in Frankfurt ein Bruchteil der Arbeitsplätze übrig geblieben.

Mehr Anstrengungen in Forschung und Entwicklung

Was kann die Politik tun, damit Opel kein ähnliches Schicksal erleidet? Falsch wäre es, unter dem Deckmantel der Arbeitsplatzsicherung die Realisierung der fusionsbedingten Effizienzgewinne zu verhindern. Richtig ist es dagegen, dem fusionierten Konzern auf dem Weg in das neue Zeitalter der Automobilindustrie zu helfen. Neue Antriebssysteme, autonomes Fahren und digitale Dienstleistungen werden Einzug halten. Dies bedeutet enorme Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen, bei denen die Automobilbauer auf staatliche Forschungsinfrastrukturen angewiesen sind. Deutschland ist nicht nur das Land der Autoliebhaber, Deutschland ist auch der führende Forschungsstandort für Automobiltechnologien. Davon profitiert Opel, auch als Teil von PSA. Die deutsche Politik sollte die Franzosen einladen, diese Forschungsstärke zu nutzen und sie gezielt in die eigenen Förderprogramme zu integrieren. Von den Synergieeffekten der Forschung und Entwicklung können dann nicht nur Mercedes, BMW und VW profitieren, sondern der gesamte Industriestandort Europa.


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Tue, 07 Mar 2017 12:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.554135.de
Wer arm ist, wird noch ärmer http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.553937.de Dieser Beitrag ist am 3. März in der ZEIT ONLINE– Kolumne „Fratzschers Verteilungsfragen“ erschienen.

Noch mehr Deutsche als bislang sind von Armut bedroht. Ausgerechnet ihnen hören Politiker immer weniger zu. Der Trend verselbstständigt sich und bedroht die Demokratie.

Erst vor kurzer Zeit hat die Bundesregierung ihren 5. Armuts- und Reichtumsbericht präsentiert. Die Öffentlichkeit hatte sich damals schon darüber empört, dass bestimmte Passagen zur politischen Einflussnahme der Vermögenden gestrichen worden waren. Eine breite politische Teilhabe ist eine ganz zentrale Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie – diese ist jedoch in Deutschland, auch im internationalen Vergleich, sehr ungleich verteilt. Am Donnerstag haben auch die paritätischen Verbände ihren Armutsbericht 2017 vorgestellt. Trotz guter Wirtschaftsentwicklung sei die Armutsgefahr in Deutschland so groß wie nie, warnen Sozialverbände.

Damit sich endlich etwas verbessern kann, müssen vor allem die Ursachen der sozialen Ungleichheit benannt werden. Nur so können Politiker an Legitimation gewinnen, wirtschaftlichen Schaden abwenden und Populismus verhindern. Politiker dürfen nicht versuchen, dieses Thema zu verstecken. Sie sollten das Problem offen zur Diskussion stellen und nach Lösungen suchen.

Arme Deutsche gehen deutlich seltener wählen

Es ist nicht überraschend, dass – wie die erste nicht veröffentlichte Fassung des Regierungsberichts befand – Menschen mit hohen Vermögen und Einkommen einen deutlich stärkeren Einfluss auf die Politik ausüben als sozial- und einkommensschwächere Bürgerinnen und Bürger. Besorgniserregend ist aber, dass die politische Teilhabe in Deutschland sogar stärker vom Einkommen abhängt als in anderen Ländern. So nehmen beispielsweise 90 Prozent der einkommensstärksten, aber nur 65 Prozent der einkommensschwächsten Bürgerinnen und Bürger in Deutschland regelmäßig an Wahlen teil.

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Fratzscher_Zeit-Kolumne_Wahlbeteiligung_Einkommengruppe_3-2017.png
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Dieser Unterschied von 25 Prozentpunkten ist doppelt so hoch wie der Durchschnitt der Industrieländer und fünfmal höher als in Schweden und Dänemark. Auch andere Indikatoren zeichnen ein ähnliches, beunruhigendes Bild für Deutschland.

Dabei geht die Kausalität in beide Richtungen: Eine hohe Ungleichheit bei Chancen, Einkommen und Vermögen führt dazu, dass sich immer weniger Menschen politisch beteiligen. Gleichzeitig berücksichtigen Politiker immer weniger die Anliegen derer, die nicht partizipieren, was wiederum die Ungleichheit erhöhen kann. Es droht eine gefährliche Abwärtsspirale zwischen Ungleichheit in politischer Teilhabe und sozialer Ungleichheit zu entstehen.

Es gibt sogar Anzeichen dafür, dass es einen solchen Abwärtstrend längst gibt. Immer mehr Menschen sind heute von Armut gefährdet, ihr Anteil stieg in den vergangenen 20 Jahren sehr deutlich von 10 Prozent auf über 15 Prozent der gesamten Bevölkerung. Dabei sind bestimmte Bevölkerungsgruppen sehr viel stärker betroffen als andere. Alleinerziehende sowie junge und alte Menschen sind dem Armutsrisiko stärker ausgesetzt als andere. Menschen, die von Armut bedroht sind, sind oft abhängig von staatlichen Transferleistungen. Sie nehmen weniger am sozialen und gesellschaftlichen Leben teil.

Wer gesellschaftlich nicht teilnimmt, kann wirtschaftlich kaum profitieren

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Fratzscher_Zeit-Kolumne_Armutsrisikogruppe_3-2017.pdf.png

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Eine geringe politische und gesellschaftliche Teilhabe ist auch mit weniger wirtschaftlicher Teilhabe verbunden. Politiker vertreten dabei immer weniger die Interessen der sozial Schwächsten. Ein Beispiel ist die große Rentenreform der Bundesregierung vor drei Jahren. Weder die Rente mit 63 noch die Mütterrente haben den wirklich Bedürftigen geholfen. Das waren in erster Linie Entscheidungen für die wichtigsten Wählergruppen der beiden Volksparteien – eine Klientelpolitik, häufig für Menschen, die auf diese Hilfe weniger angewiesen sind als einkommens- und sozialschwächere. Die Einführung des Mindestlohns hat zwar vielen Menschen ermöglicht, ihr Einkommen zu verbessern. Aber zum einen ändert der Mindestlohn wenig am Umfang des Niedriglohnbereichs in Deutschland. Zum anderen gibt es immer noch 2,7 Millionen Arbeitslose, darunter eine Million Langzeitarbeitslose, deren Interessen kaum Gehör finden und die bei den Arbeitsmarktreformen der vergangenen 15 Jahre vergessen wurden.

Die ungleich verteilte politische Teilhabe ist für Deutschland ein besonders akutes Problem. Der Aufstieg der AfD speist sich zum großen Teil aus ihrer Anziehungskraft auf Nicht- oder unzufriedene Wähler, die sich über eine zu geringe politische Teilhabe beklagen.

Bei zwei der wichtigen Themen des kommenden Wahlkampfes, Renten und Steuersenkungen, sollte es den konkurrierenden Parteien mehr um die Menschen, die auf die staatlichen Leistungen am stärksten angewiesen sind, gehen. Die Klientelpolitik reflektiert jedoch das völlig normale Verhalten einer Partei in einer Demokratie: Sie versucht, Stimmen zu gewinnen, indem sie möglichst vielen Wählern möglichst viel verspricht. Menschen ohne politische Teilhabe haben keine Stimme und verlieren somit jeglichen politischen Einfluss.

Anstatt Wahlversprechen über Steuersenkungen und Rentenerhöhung abzugeben, sollten Politiker sich viel stärker auf die Ursachen der geringen politischen Teilhabe konzentrieren. Diese Ursachen liegen in erster Linie in der hohen Ungleichheit bei Chancen, Vermögen und Einkommen in Deutschland.

Menschen, denen es sozial und wirtschaftlich gut geht, können sich stärker politisch und gesellschaftlich einbringen und einbinden lassen. Dadurch verlieren populistische Parolen an Attraktivität, Menschen fühlen sich weniger ausgegrenzt und sind weniger geneigt, Parteien an den Extremen des politischen Spektrums ihre Stimme zu geben. Dazu muss die Politik jedoch zuallererst das Problem der sozialen Ungleichheit offen und ehrlich ansprechen und konkrete Lösungen anbieten. Nur so lässt sich langfristig die politische Teilhabe und damit das Funktionieren unserer Demokratie sichern.


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Fri, 03 Mar 2017 03:30:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.553937.de
Den Deutschen ist in der gegenwärtigen Situation vieles wichtiger als wirtschaftliche Ziele http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.553719.de DIW-Studie: Erhalt der Demokratie, Verbesserung der Pflege und Bekämpfung der Kriminalität waren den Wahlberechtigten in Deutschland im Januar 2017 wichtiger als wirtschaftliche Ziele – Über die Bedeutung dieser Politikziele herrscht breiter Konsens – Wertungen verglichen mit 2013 nur mit leichten Veränderungen

Noch mehr als auf wirtschaftliche Ziele wie die Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens legen die deutschen Wahlberechtigten zur Zeit Wert auf den Erhalt der Demokratie, die Verbesserung der Pflegequalität und die Bekämpfung der Kriminalität. Diese drei Ziele wurden in einer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und dem Umfrageinstitut Kantar Public jüngst durchgeführten repräsentativen Umfrage über die Relevanz von Politikbereichen an oberster Stelle genannt. „Arbeit schaffen“ kommt an vierter Stelle.

Über diese vier Ziele herrscht ein breiter Konsens: Über alle Bevölkerungsschichten hinweg ernten sie hohe Zustimmungsquoten von über 90 Prozent wenn es darum geht, welche Bereiche für die Politik wichtig sein sollten. „Dieses Ergebnis zeigt, dass Volksparteien in Deutschland im demokratischen Wettbewerb nur dann eine starke Position erreichen werden, wenn sie diese Werte und Zielsetzungen hochhalten,“ so DIW-Vorstandsmitglied und Studienautor Gert G. Wagner. „Mehrheiten bekommen nur die politischen Programme, die offensiv für den Erhalt der Demokratie einstehen, auf den zunehmenden Bedarf an Pflege in der alternden Gesellschaft Bezug nehmen und ein klares Profil in der Sicherheits- und Beschäftigungspolitik aufweisen.“

„Es ist nicht so, dass der wirtschaftliche Wohlstand den Menschen egal ist“, fügt Hauptautor Marco Giesselmann hinzu. „Aber er scheint in der guten wirtschaftlichen Situation weniger dringend zu sein und mag sich in anderen Zielsetzungen ausdrücken als im Pro-Kopf-Einkommen.“


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Wed, 01 Mar 2017 09:30:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.553719.de
"Die Verbesserung der Pflegequalität ist für alle Altersgruppen von hoher Relevanz": Interview mit Marco Giesselmann http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.553740.de Herr Giesselmann, Sie haben untersucht, wie die  Wahlberechtigten in Deutschland die Bedeutung verschiedener Politikziele im Jahr 2013 und Anfang dieses  Jahres einschätzten. Nach welchen Politikzielen wurde  gefragt?

Wir haben zum einen nach direkten wirtschaftlichen Aspekten gefragt. Dazu gehören zum Beispiel  das Pro-Kopf-Einkommen, aber auch Einkommens- und  Vermögensindikatoren. Und wir haben soziale Aspekte  abgefragt; dazu gehören beispielsweise die Erwerbstätigenquote, die Bildungsquote, die Lebenserwartung,  aber auch der Erhalt von Demokratie. Ein dritter Bereich,  der in der Befragung adressiert wurde, sind ökologische  Aspekte, wie die Reduktion von Treibhausgasen und  Stickstoffemissionen, sowie der Erhalt der Artenvielfalt. [...]

Das Interview mit Marco Giesselmann ist aus dem DIW Wochenbericht 9/2017. Hier gibt es das Interview als PDF-Dokument und Podcast.


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Wed, 01 Mar 2017 09:29:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.553740.de