Nachrichten und Pressemitteilungen des DIW Berlin http://www.diw.de/de/diw_02.c.288763.de Nachrichten und Pressemitteilungen de-de http://diw.de/sixcms/media.php/37/diw_logo_farbe_mini.jpg DIW Berlin http://diw.de/ Senkt die Mehrwertsteuer! http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.559193.de Dieser Beitrag ist am 26. Mai in der ZEIT ONLINE–Kolumne „Fratzschers Verteilungsfragen“ erschienen.

Glaubt man den politischen Parteien, dann scheint die Steuerlast in Deutschland ungerecht verteilt zu sein. Sie überbieten sich im Bundestagswahlkampf mit Versprechen von Steuererleichterungen an ihre Wähler oder mit Forderungen nach Steuererhöhungen für Reiche. Die hohen fiskalischen Überschüsse von fast 24 Milliarden Euro im vergangenen Jahr haben Begehrlichkeiten geweckt. Der Bundestagswahlkampf wird wohl in den kommenden Monaten immer mehr zu einem Steuerwahlkampf. Gibt es dafür einen guten Grund, wie sieht die Steuerbelastung für die Menschen wirklich aus?

Das deutsche Steuersystem beruht auf dem Grundprinzip der Leistungsfähigkeit. Menschen mit hohen Einkommen aus Arbeit und Kapital sollen demnach einen höheren Anteil ihres Einkommens zum staatlichen Steueraufkommen leisten – Steuern sollen prinzipiell progressiv sein. Das heißt, sie sollen prozentual mit dem Einkommen steigen.

Aber wie progressiv ist das deutsche Steuersystem wirklich? Veranschaulicht in einer Grafik liefert die Studie meines DIW-Kollegen Stefan Bach und seiner Co-Autoren vom IW Köln und der FU Berlin dazu die Antwort. Zu entnehmen ist, welche Prozentanteile des gesamten Haushaltseinkommens für welche Steuern und Abgaben aufgebracht werden. Die Haushalte mit den geringsten Einkommen werden links, die mit den höchsten ganz rechts in der Grafik gezeigt.

Diese Grafik hat den Spitznamen „Wal in der Badewanne“ bekommen. Die Badewanne zeigt die Summe der indirekten Steuern und der direkten Steuern. Der Wal veranschaulicht die Sozialbeiträge. Für viele ist der „Wal in der Badewanne“ ein überraschendes Bild, denn offensichtlich ist das Steuersystem Deutschlands weit weniger progressiv als von vielen angenommen.

Dabei ist es wichtig, zwischen direkten Steuern (Einkommen- und Unternehmensteuern) und indirekten Steuern (Mehrwertsteuer, Versicherungsteuer, Energiesteuern, Tabak-, Alkohol- und Wettsteuern, Grundsteuer, Kfz-Steuer und sonstige Steuern) zu unterscheiden. Die Abgaben für Sozialbeiträge (unterteilt in Anteilen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einerseits und der Arbeitgeber andererseits) sind dagegen keine Steuern, denn Menschen erwerben hierfür eine Versicherungsleistung, also Forderungen an den Staat.

Das Bild zeigt deutlich, dass die Einkommen- und Unternehmensteuern deutlich progressiv sind. Fast der gesamte Anteil dieser direkten Steuern wird von der reichsten Hälfte der Haushalte bezahlt. Einige Politiker prangern diese Progressivität an und fordern niedrigere Einkommensteuersätze, was aber nach fast allen Vorschlägen der politischen Parteien vor allem den Besserverdienenden zu Gute kommen würde.

Die indirekten Steuern spielen im Wahlkampf hingegen meist gar keine Rolle. Dabei sind gerade sie das Gegenteil von progressiv, nämlich degressiv: Menschen mit geringen Einkommen wenden einen sehr viel höheren Anteil ihres Einkommens für indirekte Steuern auf als Menschen mit hohen Einkommen. So zahlt beispielsweise ein Haushalt in der Gruppe der 10 Prozent mit den niedrigsten Einkommen mehr als 20 Prozent seines Einkommens als indirekte Steuern an den Staat. Ein Haushalt, der zu den oberen 10 Prozent gehört, zahlt dagegen knapp 8 Prozent seines Einkommens als indirekte Steuern.

Das ist eigentlich wenig überraschend, denn Menschen mit geringen Einkommen können kaum etwas sparen und brauchen diese fast ausschließlich, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Bei einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf die meisten Güter und Dienstleistungen (mit zahlreichen Ausnahmen wie bei Lebensmitteln) bedeutet dies nun mal, dass hier ein signifikanter Teil des Einkommens in indirekte Steuern fließt. Die Konsumquote von Menschen mit hohen Einkommen dagegen ist viel geringer, sodass die indirekten Steuern hier einen deutlich niedrigen Anteil ausmachen.

Im Gesamtbild aber sind direkte Steuern und indirekte Steuern fast gleich wichtig: Der deutsche Staat nimmt jedes Jahr knapp 380 Milliarden Euro durch Einkommen- und Unternehmensteuern und 330 Milliarden Euro durch indirekte Steuern ein.

Die zwei Arten von Steuern sind jedoch sehr ungleich zwischen dem Einkommensgruppen verteilt. So zahlen die 10 Prozent einkommensstärksten Haushalte 60 Prozent der gesamten Einkommensteuer, aber nur 20 Prozent aller indirekten Steuern. Die unteren 50 Prozent der Einkommensverteilung zahlen 4 Prozent der gesamten Einkommensteuer, aber immerhin 36 Prozent des gesamten indirekten Steueraufkommens.

Die gesamten Abgaben sind in Deutschland nicht durchgehend progressiv. Menschen am unteren Ende der Einkommensverteilung haben nur eine leicht geringere Steuerbelastung als Menschen am oberen Ende. So ist das Steuersystem in Deutschland gar degressiv bis zum 20. Perzentil der Einkommensverteilung. Danach bleibt die steuerliche Belastung bis hin zum Medianeinkommen bei knapp 18 Prozent konstant und steigt danach erst langsam an.

Auch für Haushalte mit relativ hohen Einkommen ist die gesamte Steuerbelastung geringer als von vielen wahrgenommen. So zahlt ein Haushalt aus den 10 Prozent einkommensstärksten (ab dem 90. Perzentil) knapp 25 Prozent seines Einkommens an Steuern. Dies ist nur geringfügig mehr als die 20 Prozent, die ein Haushalt mit den 10 Prozent der niedrigsten Einkommen (10. Perzentil) durchschnittlich an Steuern zahlt.

So ist das deutsche Steuersystem also weder durchgehend progressiv, noch ist es für Menschen mit hohen Einkommen stark progressiv. Nur für die Menschen unter den 5 Prozent einkommensstärksten Haushalten (ab dem 95. Perzentil) steigt die Steuerbelastung recht stark an, wenn sie in eine noch höhere Einkommensgruppe aufsteigen.

Fast durchgehend progressiv dagegen sind die Sozialbeiträge, also gesetzliche Versicherungen für Rente, Gesundheit und Pflege, zumindest bis zu den 15 Prozent einkommensstärksten Haushalten (85. Perzentil), wo dann die Beitragsbemessungsgrenze wirksam wird. Es ist wichtig, die Sozialbeiträge von Steuern zu unterscheiden, denn durch Sozialbeiträge erwerben Menschen direkt Ansprüche an den Staat. So soll das Äquivalenzprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung sicherstellen, dass jeder eingezahlte Euro auch die gleichen Rentenansprüche erzielt, unabhängig vom Einkommen des Haushalts. Dies gilt jedoch nicht, oder zumindest sehr viel weniger, für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung, sodass die Sozialbeiträge sehr wohl eine Verteilungswirkung von oben nach unten haben.

Das deutsche Steuersystem insgesamt betrachtet ist also alles andere als stark progressiv, zumindest wenn man die indirekten Steuern berücksichtigt. Vor allem Menschen im unteren Viertel der Einkommensverteilung erfahren eine degressive Besteuerung – für sie geht ein geringeres Einkommen mit einer prozentual höheren Besteuerung einher.

Würden die Einkommensteuersätze verändert, könnte man damit die Menschen mit geringen Einkommen nicht entlasten, denn sie zahlen kaum oder keine Einkommensteuer. Ein Absenken der Mehrwertsteuer oder anderer indirekter Steuern, wie der EEG-Umlage, wäre hier der bessere Ansatz. Für Menschen mit mittleren Einkommen würde eine Reduzierung der relativ hohen Sozialbeiträge helfen, wogegen Menschen mit hohen Einkommen am ehesten von einer geringeren Einkommen- und Unternehmensbesteuerung profitieren würden.

Es gibt keine überzeugenden Anzeichen, dass das deutsche Steuersystem für die Mehrheit der Deutschen besonders ungleich ist – mit der wichtigen Ausnahme der 25 Prozent der Geringverdiener. Sie werden steuerlich relativ stark belastet. Aber diese Botschaft hört keine der politischen Parteien gerne, da sie schwer in Einklang mit der von vielen praktizierten Klientelpolitik zu bringen ist.


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Mon, 29 May 2017 10:30:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.559193.de
Die Löhne der Geringverdienenden bleiben seit der Finanzkrise nicht mehr zurück – obwohl sie seit 1995 real gesunken sind http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.559011.de Nur mittlere Löhne wachsen zuletzt unterdurchschnittlich

Die realen Bruttostundenlöhne der Beschäftigten in Deutschland sind für die unteren 40 Prozent der Lohnverteilung seit 1995 real gefallen, für die oberen 50 Prozent dagegen gestiegen. Nach der Finanzkrise haben die Stundenlöhne auch für die Geringverdienenden real zugenommen, so dass die Lohnentwicklung weniger ungleich war als in den Jahren zuvor. „Auffallend ist“, so DIW-Forschungsdirektor Alexander Kritikos, „dass nach 2010 die Lohnsteigerungen in den mittleren Lohngruppen unterdurchschnittlich ausfallen.“ Am besten schnitten sowohl in der kurzen wie auch in der längeren Frist die Beschäftigten am oberen Ende der Lohnskala ab. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Grundlage von Daten der Längsschnittstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP).


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Wed, 24 May 2017 09:59:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.559011.de
„Seit 2010 legen die unteren und die oberen Dezile bei den Löhnen mehr zu“: Interview mit Alexander Kritikos http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558972.de Herr Kritikos, Sie haben die Entwicklung der realen Bruttostundenverdienste in Deutschland untersucht. Wie haben sich die Stundenlöhne seit der Wiedervereinigung entwickelt?

In den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung gab es zunächst durchaus größere Lohnzuwächse. Das endete 1997/98. Bis zum Jahr 2004 sehen wir nur noch ein schwaches Wachstum bei den Löhnen, und dann sind sechs, sieben Jahre lang sogar Reallohnverluste zu beobachten. Bis zur Finanzkrise gingen die Reallöhne runter und stiegen eigentlich erst wieder ab dem Jahr 2010 etwas an. [...]

Das Interview mit Alexander S. Kritikos ist aus dem DIW Wochenbericht 21/2017. Hier gibt es das Interview als PDF-Dokument und als Podcast.


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Wed, 24 May 2017 09:28:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558972.de
Folge der G8-Schulreform: Weniger Abiturientinnen und Abiturienten studieren http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558994.de Um ein Jahr verkürzte Gymnasialschulzeit sorgt für weniger Studierende, spätere Einschreibungen und unregelmäßigere Studienverläufe – Ziel, dass Abiturientinnen und Abiturienten früher studieren, wird dennoch erreicht – Rückkehr zu G9 ist daher nicht zwangsläufig empfehlenswert

Die von neun auf acht Jahre verkürzte Gymnasialschulzeit (G8-Reform) hat zur Folge, dass weniger Abiturientinnen und Abiturienten studieren. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die als eine der ersten Effekte der G8-Reform untersucht, die erst nach der Schulzeit auftreten. Demnach sinkt aufgrund der G8-Reform der Anteil derer, die im Jahr des Abiturs oder im Folgejahr ein Studium aufnehmen, um sechs Prozentpunkte im Vergleich zu einem Referenzszenario, in dem es die Reform nicht gegeben hätte. Diejenigen, die sich für ein Studium entscheiden, legen vor dem Uni-Start häufiger eine Pause ein und wechseln im ersten Studienjahr mit einer höheren Wahrscheinlichkeit das Studienfach oder brechen das Studium komplett ab. Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern oder den Geschlechtern gibt es dabei kaum.


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Wed, 24 May 2017 09:28:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558994.de
Erneuerbare Energien in Indien: „Wenn der Elefant losrennt…“: Kommentar von Christian von Hirschhausen http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558987.de Wer schon einmal auf einem Elefanten geritten ist, weiß, dass sich dieser von einem Moment zum anderen aus seinem gemütlichen Trott reißen kann und anfangen, loszurennen, weil er am Rand der Lichtung Wasser oder Bambussprossen sieht. Ähnlich kann und wird es hoffentlich dem indischen Sektor der erneuerbaren Energien ergehen, der im Moment gemütlich vor sich hintrottet.

Das Potenzial an erneuerbaren Energien in dem Land, insbesondere Sonne, aber auch Wind und Biomasse, ist riesig, diese Energiequellen haben aber in Indien bisher nur eine geringe Bedeutung gehabt. Ähnlich wie die Industriestaaten im 20. Jahrhundert setzte das zweit bevölkerungsreichste Land der Welt bisher vor allem auf einheimische Kohlevorkommen und 180 Gigawatt installierte Kohlekraftkapazitäten, um seinen Strombedarf zu stillen; dem stehen lediglich 20 Gigawatt an Erneuerbaren gegenüber (je hälftig Wind und Sonne). [...]

Der vollständige Kommentar von Christian von Hirschhausen ist im Wochenbericht 21/2017 erschienen.


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Wed, 24 May 2017 09:27:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558987.de
Livestream: BCCP Conference and Policy Forum 2017 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.559138.de Algorithmen und Online-Plattformen – wieviel politischen Handlungsbedarf gibt es?

Das Bundeskartellamt hat ein wettbewerbsrechtliches Verfahren gegen Facebook eröffnet, die EU-Kommission geht gegen Google vor und die EU-Gerichte überprüfen die rechtliche Behandlung und Möglichkeiten der Regulierung der Online-Plattform Uber. Das Potential der Entfaltung und des möglichen Missbrauchs von Marktmacht in dynamischen digitalen Märkten steht den großen Effizienzgewinnen vieler digitaler Geschäftsmodelle gegenüber. Schnell werden Rufe nach staatlichem Eingreifen durch Regulierung oder Wettbewerbsbehörden laut, die Folgen der Digitalisierung und der damit entstehenden neuen Produkte und Märkte für die gesellschaftliche Wohlfahrt sind aber unzureichend quantifiziert und diskutiert. Wer profitiert am meisten von der immer intensiveren Verwertung von Nutzerdaten und Informationstechnologien, die zeitnahe Anpassungen von Produkten, Dienstleistungen und Preisen ermöglichen. Die Konsumenten? Große bestehende Unternehmen und Konglomerate? Innovative Start-ups? Welcher Handlungsbedarf steht von Seiten der Regulierungsbehörden und welche sind die größten Herausforderungen für die Politik?

Diese und andere Fragen diskutieren wir unter anderem mit Catherine Tucker (MIT), Arun Sundararajan (New York University), Michael Baye (Indiana University), Maurice Stucke (University of Tennessee), Konrad Ost (Bundeskartellamt), Andrea Coscelli (UK Competition and Markets Authority) und Christian d’Cunha (Büro des EU Datenschutzbeauftragten) unter dem Titel „Regulatory Challenges in Digital Markets: Algorithms and Platform Competition“.

Verfolgen Sie die Veranstaltung in unserem Livestream. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.


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Tue, 23 May 2017 08:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.559138.de
Livestream: DIW Women’s Finance Summit http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558761.de DIW Women’s Finance Summit
Structural Change in the Financial Sector – Women’s Perspectives


Watch the conference via livestream.

May 23, 2017
9:30 a.m.

Venue: Deutsche Bank Berlin, Unter den Linden 13/15, 10117 Berlin

With: Christine Lagarde, Viviane Reding, Sylvie Matherat, Axel A. Weber, Douglas Flint, Sandie O’Connor, Peter Grauer, Brenda Trenowden, Sir Philip Hampton, Marcel Fratzscher et al.

Almost ten years after the crisis, the financial sector is still in the midst of a far-reaching transformational process. The macroeconomic environment and regulatory frameworks are changing quickly and profoundly, whereas new technologies are challenging established players – both from the public and private sector – like never before. These developments and their implications for the financial services industry and economies at large will be discussed primarily by leading female exponents. The ways in which organizations benefit from a sound gender balance in management and supervisory boards, among other topics, will also be addressed in the discussions.

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Fri, 19 May 2017 08:19:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558761.de
Beseitigung des „Mittelstandsbauchs“ beim Einkommensteuertarif würde vor allem Besserverdienende entlasten http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558513.de DIW Berlin rechnet verschiedene Reformszenarien durch

Eine vollständige Beseitigung des „Mittelstandsbauchs“ beim Einkommensteuertarif würde die Steuerpflichtigen um jährlich 35 Milliarden Euro entlasten. Mehr als die Hälfte davon würde jedoch den einkommensstärksten 20 Prozent der Bevölkerung zugutekommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die im aktuellen DIW Wochenbericht erschienen ist. „Wenn man den Einkommensteuertarif auf breiter Front senkt, werden die hohen Einkommen absolut stärker entlastet als die mittleren“, sagt DIW-Steuerexperte Stefan Bach. Das liegt daran, dass die Einkommensteuer stark progressiv wirkt: Die Steuerpflichtigen mit mittleren Einkommen tragen relativ zu ihrer großen Zahl nur wenig zum gesamten Einkommensteueraufkommen bei, während die einkommensstärksten zehn Prozent alleine 56 Prozent und die einkommensstärksten 20 Prozent fast drei Viertel des Einkommensteueraufkommens aufbringen. Will man hohe Steuerausfälle vermeiden und primär die mittleren Einkommen entlasten, müsste man die Steuersätze im oberen Einkommensbereich anheben. Eine moderate Anhebung der Spitzensteuersätze würde jedoch nur begrenzte Mehreinnahmen erzielen.


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Wed, 17 May 2017 09:19:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558513.de
"Mittelfristig ist kein großer Spielraum vorhanden": Interview mit Stefan Bach http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558537.de Herr Bach, immer häufiger wird kritisiert, dass insbesondere die Mittelschichten unter einer zu hohen Steuer- und Abgabenlast leiden. Zahlt die Mittelschicht überproportional viel Einkommensteuer?

Die Mittelschicht hat relativ niedrige Einkommensteuerbelastungen. Das liegt daran, dass wir mit dem Grundfreibetrag das Existenzminimum steuerfrei lassen und auch vorher schon alle möglichen Abzüge gemacht werden können. Erst bei hö-heren Einkommen steigt die Einkommensteuerbelastung stark an, sodass das Einkommensteueraufkommen schon sehr stark auf die Reichen der Bevölkerung konzentriert ist. Die reichsten zehn Prozent zahlen 56 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens. [...]

Das Interview mit Stefan Bach ist aus dem DIW Wochenbericht 20/2017. Hier gibt es das Interview als PDF-Dokument und Podcast.


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Wed, 17 May 2017 09:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558537.de
"Für eine offene und fundierte Debatte über Eurobonds": Kommentar von Philipp Engler http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558539.de Mit der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten ist die Diskussion über Eurobonds erneut entflammt. Anlass, diese Idee nüchtern unter die Lupe zu nehmen.

In einer Währungsunion stößt die gemeinsame Geldpolitik oft an ihre Grenzen. Herrscht in einem Land hohe Arbeitslosigkeit während alle andere Vollbeschäftigung aufweisen, kann die Geldpolitik nicht zur Senkung der Arbeitslosigkeit genutzt werden: Es würde nämlich zu einer unerwünschten Überhitzung der Konjunktur im Rest der Union kommen. In der Eurokrise waren viele betroffenen Regierungen aber nicht in der Lage, gezielt ihre Konjunktur zu stützen. Weil die Befürchtung eines staatlichen Zahlungsausfalls die Zinsen exorbitant in die Höhe trieb, waren sie nicht in der Lage, sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen zur Finanzierung zusätzlicher Ausgaben und Senkungen der Steuerlast. Stattdessen wurden Austeritätsmaßnahmen umgesetzt, die die Arbeitslosigkeit nur verschärften (online verfügbar). [...]

Der Kommentar von Philipp Engler ist aus dem DIW Wochenbericht 20/2017


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Wed, 17 May 2017 08:59:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558539.de
Viele Kinder von Geflüchteten gehen in die Kita oder zur Schule – bei unter Dreijährigen und der Sprachförderung von Schulkindern gibt es aber Nachholbedarf http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558012.de Repräsentative Befragung von IAB, BAMF und SOEP unter Geflüchteten: Vier von fünf Kindern im Alter von drei oder mehr Jahren gehen in eine Kita, aber nur jedes sechste im Alter unter drei Jahren – In der Schule bekommt etwa die Hälfte der Kinder eine Sprachförderung

Kinder von nach Deutschland geflüchteten Menschen gehen im Alter von drei oder mehr Jahren kaum seltener in eine Kindertageseinrichtung als andere in Deutschland lebende Kinder. Deutlichen Nachholbedarf gibt es jedoch im frühkindlichen Alter unter drei Jahren: In dieser Altersgruppe besucht nur jedes sechste Kind von Geflüchteten eine Kita – etwa halb so viele wie unter allen in Deutschland lebenden Kindern, die jünger als drei Jahre sind. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor, die erstmals repräsentativ für Deutschland Auskunft gibt über die Bildungsbeteiligung von Kindern mit Fluchthintergrund. Die Daten basieren auf der IAB-BAMF-SOEP Befragung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter mehr als 4.500 erwachsenen Geflüchteten, die in den Jahren 2013 bis 2016 nach Deutschland kamen. Demzufolge nutzen Geflüchtete für ihre unter drei Jahre alten Kinder zu einem Anteil von gut 15 Prozent eine Kita, während die Nutzungsquote unter allen Kindern in Deutschland bei über 28 Prozent liegt.


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Wed, 10 May 2017 09:05:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.558012.de
„80 Prozent der geflüchteten Kinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen eine Kita“: Interview mit Felix Weinhardt http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557917.de Herr Weinhardt, das DIW Berlin hat die Nutzung von Kindertageseinrichtungen und Grundschulen für Kinder mit Fluchthintergrund im Alter von null bis zwölf Jahren untersucht. Wie viele solcher Kinder sind in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen?

Wir wissen, dass im Jahr 2015 über 107000 Kinder unter 16 Jahren einen Asylantrag gestellt haben. Die genaue Anzahl der Kinder mit Fluchthintergrund unter zwölf Jahren kenne ich leider nicht. Allerdings haben wir die Möglichkeit, über unsere IAB-BAMF-SOEP-Stichprobe jetzt repräsentative Aussagen auf Basis von 4405 mitgereisten Kindern unter zwölf Jahren zu treffen.[...]

Das Interview mit Felix Weinhardt ist aus dem DIW Wochenbericht 19/2017. Hier gibt es das Interview als PDF-Dokument und als Podcast.


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Wed, 10 May 2017 09:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557917.de
„Endlich wieder ein Partner auf Augenhöhe“: Kommentar von Marcel Fratzscher http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557923.de Der 7. Mai war ein guter Tag für Frankreich, für Deutschland und für ganz Europa. Mit Emmanuel Macron hat Frankreich nun einen Präsidenten, der die besten Voraussetzungen mitbringt, um die Wirtschaft Frankreichs zu erneuern und Europa zu reformieren.

Emmanuel Macron steht vor ähnlich großen Herausforderungen wie Gerhard Schröder als Bundeskanzler vor 15 Jahren. Er muss harte Wirtschaftsreformen anstoßen und vorantreiben – zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungssektor, in den sozialen Systemen – und einen Mentalitätswandel herbeiführen. Der neue Präsident muss auch über 40 Prozent der Wählerinnen und Wähler mitnehmen, die in der ersten Wahlrunde für links- oder rechtsextreme Kandidaten gestimmt haben, sowie all diejenigen, die es vorgezogen haben, sich zu enthalten. [...]

Der vollständige Kommentar von Marcel Fratzscher im Wochenbericht 19/2017


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Wed, 10 May 2017 08:58:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557923.de
LERN Jahrestagung 2017 - Migration, Flucht und Integration, Potenziale und Herausforderungen für die Bildungsforschung http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557764.de LERN_Jahrestagung_2017.jpg

Unter dem Motto „Migration, Flucht und Integration. Potenziale und Herausforderungen für die Bildungsforschung“ richtete die Abteilung Bildung und Familie die diesjährige Jahrestagung des Leibniz-Forschungsverbunds „Bildungspotenziale“ (LERN) aus. Auf der interdisziplinären Tagung diskutierten ErziehungswissenschaftlerInnen, HistorikerInnen, ÖkonomInnen, PsychologInnen, und SoziologInnen verschiedene Themen im Bereich von Bildung und Migration. Zudem wurden zahlreiche neue Datensätze über die Bildungsbeteiligung von Geflüchteten vorgestellt.

Hier geht es zum Link


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Mon, 08 May 2017 10:43:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557764.de
Spotlight: Was bedeutet die Wahl von Emmanuel Macron für Europa? http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557707.de Video

Statement von Marcel Fratzscher zur Präsidentschaftswahl in Frankreich:

Dies ist ein guter Tag für Frankreich, für Deutschland und für ganz Europa. Mit Emmanuel Macron hat Frankreich nun einen Präsidenten, der die besten Voraussetzungen mitbringt, um die Wirtschaft Frankreichs zu erneuern und Europa zu reformieren.

Macron steht vor ähnlich großen Herausforderungen wie Gerhard Schröder als Bundeskanzler vor 15 Jahren. Er muss harte Wirtschaftsreformen anstoßen und einen Mentalitätswandel herbeiführen, aber auch über 40% der Wählerinnen und Wähler mitnehmen, die in der ersten Wahlrunde für links- oder rechtsextreme Kandidaten gestimmt haben, sowie all diejenigen, die sich heute enthalten haben.

Europa braucht eine starke deutsch-französische Partnerschaft. Vorausgesetzt, Macron kann in der bevorstehenden Abgeordnetenwahl eine solide Mehrheit hinter sich versammeln, hat die Bundesregierung nun endlich wieder einen starken Partner, der mit ihr die wichtigen Reformen in Europa - die Vollendung des Binnenmarkts, institutionelle Reformen, die Europa krisenfester machen - anstößt und umsetzt.

Die Bundesregierung muss sich offener gegenüber gerechtfertigter Kritik aus Europa und Frankreich zeigen. Macron hat wiederholt die Bundesregierung für ihre Wirtschaftspolitik - die Investitionsschwäche, der Handelsüberschuss und die restriktive Finanzpolitik - kritisiert. Die Bundesregierung sollte diese Kritik konstruktiv annehmen und daran arbeiten, für das Wohl Europas als Ganzes und im Eigeninteresse ihren Beitrag dafür zu leisten, dass sich die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa zurückbilden.


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Mon, 08 May 2017 09:27:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557707.de
Devisenmarktinterventionen: ein häufig genutztes und wirksames Instrument http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557374.de Intervenieren Zentralbanken häufig auf Devisenmärkten, um Wechselkurse zu beeinflussen? Falls ja, ist das effektiv? Aus deutscher Perspektive mögen diese Fragen überraschen: Die Europäische Zentralbank interveniert praktisch nicht auf Devisenmärkten, sondern lässt die Wechselkurse frei schwanken. In Schwellenländern dagegen setzen Notenbanken dieses Instrument fast jeden dritten Tag ein, wie aus der vorliegenden Analyse hervorgeht, für die teilweise vertrauliche Daten zu Devisenmarktinterventionen aus 33 Ländern zwischen 1995 und 2011 ausgewertet wurden, darunter sowohl Industrie- als auch Schwellen- und Entwicklungsländer. Im Untersuchungszeitraum haben Notenbanken demnach meist fremde Währungen gekauft, um Devisenreserven aufzubauen. Im Schnitt setzten sie pro Tag, an dem eine Intervention stattfand, fast 50 Millionen US-Dollar ein – hochgerechnet auf das Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Währungsunion wären dies rund zwei Milliarden US-Dollar. Im Durchschnitt dauerte eine Sequenz von Devisenmarktinterventionen fünf Tage, mitunter aber auch deutlich kürzer oder länger. Meistens erfolgten Interventionen gegen den vorherigen Wechselkurstrend. Gemessen an üblichen Erfolgskriterien waren Interventionen – ohne Kontrollgrößen zu berücksichtigen – in 60 bis 90 Prozent der Fälle erfolgreich, signifikant häufiger, als sich Wechselkurse von selbst in erwünschter Weise verändert hätten. Insofern sind Devisenmarktinterventionen für wirtschaftspolitische Strategien ein nicht zu vernachlässigendes Instrument.

Der Bericht von Lukas Menkhoff und Tobias Stöhr in: DIW Wochenbericht 18/2017.


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Thu, 04 May 2017 09:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557374.de
„Devisenmarktinterventionen finden vorwiegend in Schwellen- und Entwicklungsländern statt“: Interview mit Lukas Menkhoff http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557372.de Herr Menkhoff, über Devisenmarktinterventionen können die internationalen Wechselkurse beeinflusst werden. Wo und wie häufig werden Devisenmarktinterventionen vorgenommen?

In der heutigen Zeit finden diese Interventionen vorwiegend in Schwellen- und Entwicklungsländern statt. In den Ländern, die sie durchführen, kommt es nach unseren Daten fast an jedem dritten Tag zu Interventionen.[...]

Das Interview mit Lukas Menkhoff ist aus dem DIW Wochenbericht 18/2017. Hier gibt es das Interview als PDF-Dokument und Podcast.


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Thu, 04 May 2017 08:59:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557372.de
„Neuer Elan in der deutsch-französischen Beziehung“: Kommentar von Agnès Bénassy-Quéré http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557376.de Seit Jahren spielen Deutschland und Frankreich eine Art ideologisches Versteckspiel: Spricht Frankreich über Solidarität, kontert Deutschland mit Verantwortung; will Paris über Haushaltspolitik reden, antwortet Berlin mit Strukturreformen. Wirtschaftspolitisch sieht Frankreich die Lösung in mehr Nachfrage, für Deutschland ist das Angebot der richtige Ansatz. [...]

Der vollständige Kommentar von Agnès Bénassy-Quéré in: DIW Wochenbericht 18/2017


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Thu, 04 May 2017 08:58:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557376.de
Cortnie Anne Shupe granted Heinrich Böll Foundation scholarship http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557239.de Cortnie Anne Shupe has been granted a scholarship from the Heinrich Böll Foundation from October 2017 on. The dean of the GC, Prof. Weizsäcker, congratulates her on her success!


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Tue, 02 May 2017 03:46:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557239.de
Call for Papers "Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung" 4/2017: Stupsen und Schubsen (Nudging): ein neues verhaltensbasiertes Regulierungskonzept? http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557164.de Tag für Tag lässt sich beobachten, dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher nicht systematisch ökonomisch rational verhalten. Beispielsweise wird  derzeit vom Einzelnen erwartet, zumindest Teile der Lebenshaltung im Alter durch privates Ansparen in der aktiven Erwerbsphase abzusichern. Empirische Befunde zeigen aber, dass - gemessen an den politischen Vorstellungen -  individuell nur unzureichend vorgesorgt wird. Eine ähnliche Diskrepanz lässt sich bei Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten vieler Menschen beobachten. Obwohl der eigenen Gesundheit nicht dienlich, bewegen sich Menschen oft zu wenig, essen zu viel oder ungesund. Daten der Umweltbewusstseinsstudie für Deutschland 2016 zufolge steht auch das individuelle Umweltverhalten im Widerspruch zur wahrgenommenen Notwendigkeit, das eigene Handeln zu ändern. Beschränkte kognitive Fähigkeiten (etwa mangelnde Selbstkontrolle), so die Verhaltensforschung, führe regelmäßig zu solchen verzerrten Entscheidungen und damit zu suboptimalen ökonomischen Ergebnissen und zur Verfehlung von Politikzielen. 

Wenn aber das Erreichen politischer Ziele in starkem Maße vom Verhalten des Einzelnen abhängt, dessen Entscheidungen möglicherweise verzerrt sind und (hohe) gesellschaftliche Folgekosten nach sich ziehen, wirft dies die Frage auf, durch welche Politikkonzepte sich individuelles „Fehlverhalten“ begrenzen oder zumindest reduzieren lässt. Zwar steht der staatlichen Politik ein breites Spektrum an Instrumenten zur Verfügung. Individuelle Lebensstile und –entscheidungen scheinen sich über finanzielle Anreize oder Beratungsangebote aber nur bedingt oder nur zu hohen Kosten beeinflussen zu lassen und harte Ver- und Gebote sind umstritten und riskant. Daher erscheinen solche Instrumente attraktiver, die nicht zu nachhaltigem oder gesundem Verhalten zwingen, sondern subtiler lenken.

Nudging ist ein Politikkonzept, das individuelles Verhalten durch leichte „Stupser“ beeinflussen und damit (subtil) lenken möchte Das Konzept gilt als vielversprechender Ansatz, um den individuellen und gesellschaftlichen Wohlstand positiv zu beeinflussen ohne die individuelle Entscheidungsfreiheit einzuschränken. Bekannte Nudges sind Vereinfachung, verbesserte Transparenz sowie Warnhinweise oder Erinnerungen. Auch das Setzen einer Opt-out-Option anstelle eines Opt-in gilt als ein typischer Nudge.

Im Fokus des geplanten Vierteljahrshefts steht die Aufarbeitung der kontroversen Diskussion um das Politikkonzept des Nudgings. Willkommen sind theoretische wie auch empirisch fundierte Beiträge. Politische Implikationen der Analysen sollen vorgestellt und diskutiert werden. Auch Positionspapiere aus Verbänden, Politik und Wirtschaft können eingereicht werden. Von Interesse sind konkrete Beispiele für Nudging aus Politikbereichen in Deutschland sowie international vergleichende Beiträge. Beiträge können insbesondere, aber nicht ausschließlich zu folgenden Themen eingereicht werden:

  • Begriff Nudging und dessen Abgrenzung:Was sind Nudges, was nicht? Welche Annahmen zum Menschenbild und zum Verhalten von Verbraucherinnen und Verbraucher  liegen dem Konzept des Nudging zugrunde?
  • Nudging als Politikkonzept, Legitimation und politische Ökonomie von Nudges:Welcher Nudge wird warum implementiert? Welche Ziele werden adressiert? Welche Hemmnisse und Hürden haben Nudges?
  • Analyse von Anwendungsmöglichkeiten und Voraussetzungen für eine Umsetzung in eine politische Strategie: In welchem Ausmaß und wo gibt es bereits verhaltenswissenschaftlich informierte Steuerung durch die Politik?  Funktionieren Nudges und wie schneiden sie im Vergleich zu anderen Regulierungsansätzen ab?
  • Ethische Aspekte von Nudging (Wohlergehen und Freiheit, Zielkonflikte und Balance zwischen dem Individuum und der Gesellschaft).
  • Vorstellung und Bewertung konkreter Anwendungsfelder des Nudgings aus Verbraucher-, Ernährungs-, Umwelt-, Energie-, Sozial-  oder Finanzpolitik.
  • Nudging im Kontext von Information und Marktreaktion, Abgrenzung und mögliche „Nebenwirkungen“ oder Langzeiteffekte von Nudges.
  • Evaluation und Messung der Wirksamkeit von Instrumenten des Nudgings.

Für das Vierteljahrsheft zeichnet ein Herausgeberinnenteam verantwortlich. Autorinnen und Autoren, die einen Beitrag einreichen möchten, schicken bitte bis zum 6. Juni 2017 einen Abstrakt über den geplanten Beitrag (maximal 1 Seite) an Kornelia Hagen. Zum 15. Juni 2017 erhalten die Autorinnen und Autoren eine Rückmeldung ob der Beitrag angenommen wird. Die fertigen Beiträge, die eine Länge von ca. 30.000 Zeichen nicht überschreiten sollen, müssen bis zum 22. September 2017 eingereicht werden. Es schließt sich ein mehrstufiger Lektorats- und Überarbeitungsprozess an. Geplant ist auch, im Herbst einen Workshop zum Austausch zwischen den Autorinnen und Autoren des Vierteljahrshefts zu organisieren.  Das VierteljahrsheftStubsen und Schubsen (Nudging): ein neues verhaltensbasiertes Regulierungskonzept?soll voraussichtlich im Dezember 2017/Januar 2018 erscheinen.

Herausgeberinnen: Jana Friedrichsen, Kornelia Hagen und Johanna Mollerstrom
(Mitwirkung: Kevin Högy)

Call for Papers zum DIW Vierteljahrsheft 4/2017 zum Download

Allgemeine Informationen zum "Vierteljahrshefte" hier

Informationen für die AutorInnen hier


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Fri, 28 Apr 2017 04:41:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.557164.de