Nachrichten und Pressemitteilungen des DIW Berlin http://www.diw.de/de/diw_02.c.288763.de Nachrichten und Pressemitteilungen de-de http://diw.de/sixcms/media.php/37/diw_logo_farbe_mini.jpg DIW Berlin http://diw.de/ DIW Konjunkturbarometer August 2016: Brexit-Votum hinterlässt erste Spuren http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541788.de Nachdem die deutsche Wirtschaftsleistung im zweiten Vierteljahr um kräftige 0,4 Prozent höher ausgefallen war als zum Jahresauftakt, dürfte die hiesige Wirtschaft ihre Aufwärtsbewegung zwar fortsetzen, allerdings etwas an Schwung verlieren. Im laufenden Quartal wird das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten wohl noch um gut 0,3 Prozent zunehmen. Dies signalisiert das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), das im August die 100-Punkte-Marke knapp halten kann und damit ein Wachstum anzeigt, das dem langfristigen Durchschnitt entspricht.


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Wed, 31 Aug 2016 10:30:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541788.de
Missbrauch der Globalisierung http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541718.de Der Gastbeitrag von Marcel Fratzscher ist am 30. August 2016 im Handelsblatt erschienen.

Missbraucht Deutschland die Globalisierung zu seinem Vorteil und auf Kosten anderer? Viele Regierungen, Unternehmen und Ökonomen weltweit sind fest davon überzeugt. Christine Lagarde, die heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), beklagte als französische Finanzministerin im Jahr 2010, dass Deutschland im globalen Wettbewerb mit gezinkten Karten spiele und sich durch Lohndumping Wettbewerbsvorteile verschaffe.

Es gibt viele andere Klagen gegen Deutschland. So hat der Volkswagen-Konzern im sogenannten Abgasskandal manipuliert, um Kosten zu sparen und Regeln zu umgehen. Auch die Deutsche Bank musste wiederholt Strafgelder entrichten. Und die EU-Kommission hat in den vergangenen 15 Jahren die Bundesregierung mehrmals für ihre staatlichen Hilfen an deutsche Banken gerügt.

Der Wettbewerbsvorteil Deutschlands kann beziffert werden, denn die deutsche Wirtschaft erzielt jedes Jahr einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als acht Prozent der Wirtschaftsleistung. Das entspricht 250 Milliarden Euro. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Menschen, Unternehmen und Regierungen im Ausland 250 Milliarden Euro an Schulden gegenüber Deutschland aufnehmen müssen - eine enorme Größenordnung, auch aus globaler Perspektive.

Das Fazit vieler Kritiker weltweit ist daher: Wenn Globalisierung schlecht ist, dann ist Deutschland ihr größter Sünder. Und ganz falsch liegen sie nicht. Denn es ist zweifelsohne richtig, dass kaum ein Land so stark von der Globalisierung profitiert wie Deutschland, wo fast jeder zweite Job von den Exporten abhängt. Und es ist richtig, dass einige Jobs und Einkommen in Ländern wie Frankreich verloren gegangen sind, weil deutsche Unternehmen manche Produkte besser oder günstiger produzieren können.

Zu Recht widersprechen viele in Deutschland dieser Kritik. Denn die Globalisierung bedeutet eine Arbeitsteilung und ist per se etwas Gutes. Eine Arbeitsteilung ermöglicht einer Gemeinschaft, ihre produktiven Kräfte so effizient wie möglich einzusetzen. Globalisierung ist kein Nullsummenspiel, sondern sie schafft mehr Wohlstand für die Gemeinschaft. Auch die Stärkung des Wettbewerbs durch die Globalisierung ist prinzipiell etwas Positives, denn sie führt zu Innovation und Effizienz und letztlich zu mehr Wohlstand, auch wenn sie sowohl innerhalb von Ländern als auch zwischen Ländern nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer hervorbringt. Die Frage ist vielmehr, wie dieser Wohlstandsgewinn der Globalisierung verteilt wird, und dies hängt vor allem von der Verteilung der Macht, von Regeln und von Institutionen ab.

Fairer Wettbewerb findet kaum statt

Das größte Problem der Globalisierung ist, dass sie von einer kleinen wirtschaftlichen und politischen Oligarchie von Unternehmern, Investoren und politischen Interessen kontrolliert, manipuliert und missbraucht wird. Dieser Missbrauch der Globalisierung zeigt sich in drei grundlegenden Problemen. Das erste ist eine systematische Umgehung existierender Regeln durch einige wenige, was letztlich einen fairen Wettbewerb zwischen Unternehmen erschwert oder gar verhindert. So können beispielsweise multinationale Unternehmen Steuerschlupflöcher nutzen, kleinere dagegen nicht. Manche ändern gar ihren geografischen Standort, um Regeln zu umgehen. Sie schaffen sich damit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber denen, die dies nicht können.

Als zweites lassen sich Regierungen durch die Globalisierung in ein “race to the bottom” drängen, in dem soziale Standards, Steuersätze oder der Wert der eigenen Währung immer weiter abgesenkt werden, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verteidigen oder zulasten anderer zu verbessern. So haben sich nicht nur exotische Karibikinseln, sondern auch immer mehr europäische Länder in Steuerparadiese verwandelt. Das dritte Problem ist, dass die Globalisierung zu einer grundlegenden Verschiebung der Macht zwischen Wirtschaftsakteuren führt. Viele Exportunternehmen können erfolgreich Konzessionen mit der Drohung aushandeln, sie würden ansonsten ihre Produktion ins Ausland verlagern. Viele Regierungen, auch die Deutschlands, zahlen Milliarden an Subventionen an bestimmte Unternehmen, um deren globale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Subventionen für den Kauf von Elektroautomobilen, also letztlich an die ohnehin schon sehr wettbewerbsstarken Automobilhersteller, ist nur eines von vielen Beispielen.

Viele Globalisierungsgegner beklagen, was der amerikanisch-türkische Ökonom Dani Rodrik ein “Globalisierungs-Trilemma” nennt. Es besagt, dass Länder wie Deutschland durch die Globalisierung nationale Souveränität verloren haben und deshalb dieser Missbrauch nicht mehr verhindert werden kann. Der zentrale Punkt ist jedoch, dass nicht die Globalisierung die nationale Souveränität beschneidet. Sondern es sind der Missbrauch und die Instrumentalisierung der Globalisierung, die nationale Souveränität und demokratische Legitimierung schädigen.

Die grundlegende Frage der Globalisierung ist daher: Wie kann der globale Markt besser funktionieren und der Einfluss legitimer nationaler Interessen gestärkt werden? Die Antwort kann sicherlich nicht sein, sich abzuschotten und Mauern hochzuziehen, wie die Beispiele Nordkorea oder Kuba zeigen. Genauso wenig kann es die Lösung sein, wie vergangenen Donnerstag von Hans-Werner Sinn im Handelsblatt vorgeschlagen, die Migration von Arbeitskräften weiter zu beschneiden, denn diese ist genauso essenziell für eine erfolgreiche Globalisierung wie die Mobilität von Gütern und von Kapital.

Die Antwort liegt in der Bekämpfung des Missbrauchs und einer Stärkung globaler als auch europäischer Institutionen und Regeln. Ein ungleicher Wettbewerb zwischen Unternehmen kann nur dann verhindert werden, wenn alle den gleichen Regeln oder zumindest gemeinsam abgestimmten Regeln unterliegen. Nationale Regierungen werden dann wieder Handlungsspielräume gewinnen, wenn nicht zwingendermaßen alle Wirtschafts- und Sozialpolitik gleichgemacht wird, aber wenn diese koordiniert und eine schädliche Abwärtsspirale verhindert wird.

Globale Institutionen sind jedoch meist schwach und in den vergangenen Jahren eher geschwächt worden. Die letzte Verhandlungsrunde der Welthandelsorganisation WTO, die sogenannte Doha-Runde, scheiterte. Es gibt keine globale Finanzaufsicht für Banken und Märkte, nur eine lose Koordinierung auf zwischenstaatlicher Ebene. Es gibt keine globale Koordinierung von Steuern, auch wenn die 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) Steuerschlupflöcher schließen wollen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) könnte und sollte die makroökonomische Politik und die Währungspolitik enger koordinieren, stößt aber auf den Widerstand nationaler Interessen in seinen Mitgliedsländern.

Diese Institutionen müssen daher neu aufgebaut oder gestärkt werden, um einer globalen Koordinierungsrolle gerechter werden zu können. Das erfordert vor allem auch eine ehrliche Verpflichtung der Europäischen Union und all ihrer Mitgliedsländer, Entscheidungen und Kompetenzen dieser Institutionen zu respektieren und ihre Entscheidungsprozesse zu stärken und inklusiver zu machen, also vor allem auch Schwellenländer wie China und Indien stärker einzubinden und damit in die Verantwortung zu nehmen. Nun kann zu Recht eingewandt werden, dass Deutschland - als kleines Land mit kaum mehr als einem Prozent der Weltbevölkerung - langfristig kaum seine nationalen Interessen wird global behaupten können. Und gerade deshalb ist ein starkes und einheitliches Europa, das in der Welt gemeinschaftlich auftritt und mit einer Stimme spricht, von so enormer Bedeutung für die wirtschaftliche, soziale und politische Zukunft des Kontinents und vor allem Deutschlands.

Nehmen wir ein ganz konkretes Beispiel, das viele deutsche mittelständische Unternehmen immer wieder erfahren müssen. Wenn in einem Land, beispielsweise China, ihre Patentrechte missachtet werden, ist dieses Unternehmen alleine machtlos. Auch die Bundesregierung kann alleine nicht viel ausrichten, denn Deutschland ist im globalen Vergleich eine kleine Volkswirtschaft. Die beste Chance für dieses Unternehmen ist es, ein starkes Europa im Rücken zu haben, mit einer EUKommission, die Sanktionen gegen China oder andere Länder ergreift, um die Interessen der eigenen europäischen Unternehmen zu schützen. Und als bei weitem größte Volkswirtschaft der Welt könnte die Europäische Union sehr wohl global eine viel bedeutendere Rolle spielen, wenn ihre Mitglieder denn wollten.

Europa - Spielball globaler Interessen

Gleichzeitig führt der Wettstreit engstirniger nationaler Interessen in Europa dazu, dass der Einfluss Europas weltweit weit geringer ist, als ihre Wirtschaftsmacht vermuten ließe. So haben alle EU-Länder zusammen ein Stimmengewicht von mehr als 30 Prozent beim Internationalen Währungsfonds (IWF), das jedoch auf viele unterschiedliche Direktoriumsmitglieder verteilt ist. Die Unfähigkeit Europas, mit einer Stimme zu sprechen und gemeinsam zu agieren, bedeutet, dass die USA mit kaum mehr als der Hälfte des Stimmengewichts beim IWF praktisch das Sagen haben. Dies ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, wie Europa zum Spielball globaler Interessen wird und daran scheitert, die Interessen seiner Menschen im globalen Wettbewerb zu verteidigen.

Die zum Teil berechtigte Kritik der Globalisierungsgegner wird erst dann verstummen, wenn es mehr fairen und weniger ruinösen Wettbewerb zwischen Regierungen und Unternehmen gibt. Eine Renationalisierung der Politik und das Hochziehen nationaler Barrieren sind die falschen Antworten auf die Globalisierung.

Die Globalisierung erfordert neue und stärkere globale Regeln und globale Institutionen wie die WTO, den IWF, die Weltbank und andere. Als kleines Land wird Deutschland seine eigenen Interessen nur als Teil eines starken Europas vertreten können. Ein starkes, geeintes Europa ist gerade für Deutschland die einzig mögliche Antwort auf die Globalisierung, um in einer durch technologischen Wandel, Handel und Migration immer globaleren Welt seinen Wohlstand sichern zu können.


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Tue, 30 Aug 2016 11:25:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541718.de
AfD bindet relativ viele NichtwählerInnen und Personen aus dem rechten Lager an sich http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541624.de Studie auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels: Die Alternative für Deutschland (AfD) findet zunehmend Zuspruch im rechten politischen Lager und bei NichtwählerInnen – AnhängerInnen geben an, unzufrieden mit der Demokratie zu sein und sich um Zuwanderung zu sorgen

Die Alternative für Deutschland (AfD) zieht derzeit vor allem Männer, BürgerInnen in den neuen Bundesländern, Personen mit geringer und mittlerer Bildung, ArbeiterInnen und Arbeitslose sowie junge Personen unter 30 Jahren an. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) hervor. DIW-Experte Martin Kroh hat dafür gemeinsam mit Karolina Fetz vom Berliner Institut für Empirische Integrations- und Migrationsforschung der Humboldt-Universität die im SOEP erfragte Parteibindung untersucht. Diese bildet längerfristige Trends in der Unterstützung von Parteien ab und ist nicht mit einer konkreten Wahlabsicht oder -entscheidung zu verwechseln, die auch auf kurzfristigen Einflüssen und Erwägungen beruhen kann. Kroh und Fetz fanden heraus, dass sich das Anhängerprofil der AfD seit der Parteigründung verändert hat. „Die AfD bindet der Befragung zufolge immer mehr frühere NichtwählerInnen und WählerInnen rechtsextremer Parteien an sich sowie Personen, die sich auch tatsächlich als politisch rechts oder sehr rechts verorten. Aber auch aus dem Kreis ehemaliger FDP- oder Linken-WählerInnen gewinnt sie AnhängerInnen“, sagt Fetz. „Zudem scheint sie zunehmend für jüngere Menschen attraktiv zu sein.“


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Wed, 24 Aug 2016 11:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541624.de
"AfD-AnhängerInnen kommen zunehmend aus der Gruppe der NichtwählerInnen": sechs Fragen an Martin Kroh http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541591.de Herr Kroh, die Alternative für Deutschland (AfD) ist eine junge Partei, die zu Beginn vorwiegend als eine Protestpartei wahrgenommen wurde, die sich gegen den Euro positioniert. Inwiefern hat sich das Bild der AfD seit ihrer Gründung gewandelt?

Die AfD hat sich in den letzten eineinhalb Jahren inhaltlich und personell deutlich verändert. Auch das Grundsatzprogramm der Partei zeigt, dass die Eurokrise etwas in den Hintergrund getreten ist und dafür Themen wie die Migration deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Von vielen wird sie mittlerweile als rechtspopulistisch bezeichnet. Letztlich ist sie ja auch im EU-Parlament der Fraktion beigetreten, in der Parteien wie UKIP oder die FPÖ organisiert sind. [...]

Das Interview mit Martin Kroh ist aus dem Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 34/2016. Hier gibt es das Interview als pdf-Dokument und als Podcast.

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Wed, 24 Aug 2016 10:55:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541591.de
Entgeltgleichheitsgesetz: Mehr Transparenz beim Verdienst?: Kommentar von Elke Holst http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541593.de Das geplante Entgeltgleichheitsgesetz hat zum Ziel, mehr Transparenz bei der Entlohnung herzustellen. Laut Koalitionsvertrag soll es aber nur für Unternehmen gelten, die mindestens 500 Beschäftigte haben. Die meisten beschäftigten Frauen würden von dem Gesetz also gar nicht profitieren, weil sie in kleineren Betrieben arbeiten. Hintergrund des Vorhabens ist der seit Jahren – auch im EU-Vergleich – sehr hohe Gender Pay Gap in Deutschland. Derzeit liegt er laut Statistischem Bundesamt bei 21 Prozent, in der Europäischen Union bei 16 Prozent. Werden Unterschiede zwischen Frauen und Männern etwa bei Erwerbserfahrung, Erwerbsumfang, Bildung, Branche und Beruf und auch der Verortung in Führungspositionen berücksichtigt, fällt der Gender Pay Gap mit sieben Prozent deutlich geringer aus. Interessanterweise wird diese Lücke in Deutschland auch als „bereinigt“ bezeichnet und nicht als „angepasst“, wie es die englische Übersetzung des Begriffs „adjusted“ nahelegen würde. Der Begriff „bereinigt“ birgt jedoch die Gefahr, dass die durch eine statistische Zerlegung ermittelte Lücke als gerechtfertigt gedeutet wird.

Der vollständige Kommentar im Wochenbericht 34/2016


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Wed, 24 Aug 2016 10:45:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541593.de
Spotlight: Rente mit 69 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541412.de Über eine Anhebung des Renteneintrittsalters wird immer wieder diskutiert. Kürzlich hat die Bundesbank empfohlen, das Renteneintrittsalter bis 2060 auf 69 Jahre anzuheben. DIW-Rentenexperte Johannes Geyer erklärt, warum bei einer solchen Reform die Bedingungen für gesundheitlich eingeschränkte Menschen verbessert werden müssten.

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Wed, 17 Aug 2016 01:56:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541412.de
Weniger Lebenszufriedenheit nach Jobverlust, emotionales Wohlbefinden erholt sich rascher als erwartet http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541371.de Auch lange Zeit nach einem Jobverlust erreichen Arbeitslose einer Studie zufolge nicht wieder das Niveau an Lebenszufriedenheit, auf dem sie sich vor der Arbeitslosigkeit befunden haben. Die Untersuchung, die der Direktor des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) im DIW Berlin, Jürgen Schupp, und die Soziologen Christian von Scheve und Frederike Esche von der Freien Universität Berlin auf Basis der SOEP-Daten erstellt haben, zeigt jedoch, dass dies nicht so sehr auf die emotionale Befindlichkeit der Betroffenen zurückzuführen ist. Vielmehr spielt die kognitive Wahrnehmung des eigenen Wohlbefindens dabei eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse wurden in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Happiness Studies publiziert.


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Wed, 17 Aug 2016 10:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.541371.de
Die Auswirkung des Brexit-Votums auf die Konjunktur: Welche Rolle spielt die Unsicherheit? http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540950.de DIW-Forscher zeigen, dass die durch das Brexit-Votum ausgelöste wirtschaftliche Unsicherheit der europäischen und deutschen Wirtschaft in beträchtlichem Maße schaden könnte und wohl auch zwei Jahre später noch bemerkbar sein wird – Deutsche Wirtschaft vor allem von sinkenden Unternehmensinvestitionen betroffen – Politik sollte auch daher stärkere Investitionsanreize setzen

Unsicherheit spielt in der Wirtschaft eine große Rolle. Doch was hat es genau für Folgen, wenn sich auf den Finanzmärkten, in Unternehmen und unter Konsumentinnen und Konsumenten mit einem Schlag große wirtschaftliche Unsicherheit breit macht? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist dieser Frage am Beispiel des Brexit-Votums nachgegangen und hat mithilfe einer kontrafaktischen Analyse den Effekt des mit dem Brexit-Votum induzierten Unsicherheitsschocks isoliert. Das Ergebnis: Der Effekt des überraschenden Brexit-Votums wirkt auch Monate später noch auf Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosenquote und Verbraucherpreisindex. Insgesamt wird der Modellrechnung zufolge das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum durch diesen Schock acht Monate später rund 0,2 Prozent niedriger liegen. Die deutsche Wirtschaft ist durch ihre große Offenheit und Abhängigkeit vom Handel sogar noch stärker betroffen. Hier wird das BIP um 0,4 Prozent nach unten gedrückt. „Selbst nach zwei Jahren wird das Bruttoinlandsprodukt immer noch unter dem Niveau sein, das es ohne diesen Unsicherheitsschock erreicht hätte“, lautet das Fazit der Experten.


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Wed, 10 Aug 2016 10:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540950.de
"Investitionen in Maschinen dürften durch die Unsicherheit am stärksten zurückgehen": sieben Fragen an Malte Rieth http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540927.de Herr Rieth, Sie haben untersucht, welche Auswirkungen, die wirtschaftliche Unsicherheit haben könnte, die durch das britische Votum zum Austritt aus der EU (Brexit) hervorgerufen wurde. Wie haben Sie die wirtschaftliche Unsicherheit gemessen?

Wir haben uns einen ganz speziellen Aspekt des Brexits angeschaut, nämlich nur die Unsicherheit, die sich dadurch ergeben hat, dass die Britinnen und Briten in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 2016 die unerwartete Entscheidung getroffen haben, die Europäische Union zu verlassen. Wir haben versucht, genau diesen einzelnen Aspekt in einer kontrafaktischen Analyse zu quantifizieren. Das heißt, dass wir versucht haben, alle anderen Faktoren, die die Volkswirtschaften im Euroraum oder in Deutschland beeinflussen, konstant zu halten und uns nur diesen einzelnen Aspekt der Unsicherheitsveränderungen anzuschauen. Dabei geht es nur um den Aspekt, der durch diese Entscheidung beeinflusst wurde und nicht um das, was infolge dessen noch alles passiert ist, etwa dass der Premierminister zurückgetreten ist oder die Reaktion der europäischen Partner. Auch ist die Analyse nicht zu vergleichen mit einer Prognose. [...]

Das Interview mit Malte Rieth ist aus dem Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 32+33/2016. Hier gibt es das Interview als pdf-Dokument und als Podcast.

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Wed, 10 Aug 2016 08:45:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540927.de
Weiter wachsende Beschäftigung – alles gut also?: Kommentar von Alexander Schiersch http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540935.de Zum wiederholten Male kommen gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote geht weiter zurück, und es sind mehr Menschen in sozialversicherungspflichtigen Jobs tätig als je zuvor. Diese Entwicklung ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass in Deutschland vor etwas über zehn Jahren noch über Massenarbeitslosigkeit diskutiert wurde. Seitdem ist die Zahl der Beschäftigten um rund 4,5 Millionen gestiegen. Kein Wunder, dass manche von einem deutschen Beschäftigungswunder sprechen.

Der vollständige Kommentar im Wochenbericht 32+33/2016


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Wed, 10 Aug 2016 08:30:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540935.de
Max von Ungern-Sternberg unterstützt das SOEP-Team http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540928.de Max von Ungern-Sternberg unterstützt das SOEP-Team bei der Dokumentation des Datengenerierungsprozesses sowohl bei Standard-SOEP-Datensatz als auch beiSOEPlong.

Er hat seinen Master in Science in Economics an der Freien Universität im April abgeschlossen (Masterarbeit: The effect of tuition fees on study duration) und wird bis Ende des Jahres 2016 Teil des SOEP-Teams sein.


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Tue, 09 Aug 2016 01:40:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540928.de
Marvin Petrenz hat Prüfung zum FAMS bestanden http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540924.de Marvin Petrenz hat am 11. Juli 2016 erfolgreich seine Prüfung zum Fachangestellten für Markt- und Sozialforschung (FAMS) abgelegt.
Herzlichen Glückwunsch!
Marvin wird das SOEP-Team im Bereich Datenmanagement unterstützen.


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Tue, 09 Aug 2016 01:16:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540924.de
Adrian Hille verteidigte erfolgreich seine Dissertation http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540921.de Adrian Hille, Mitglied des DIW Graduate Centers seit Oktober 2011 und Mitarbeiter des SOEP bis Februar 2016, hat am 19.07.2016 seine Dissertation "Developing skills through non-formal learning activities: four essays in the economics of education" erfolgreich an der FU Berlin verteidigt (Betreuerinnen: C. Katharina Spieß, FU Berlin, und Silke Anger, Universität Bamberg).

Im SOEP hat er zuletzt am Teilprojekt A1 "Soziale Schließung und Hierarchisierung" des Sonderforschungsbereichs (SFB) 882 „Von Heterogenitäten zu Ungleichheiten" zusammen mit der Universität Bielefeld gearbeitet. Seit Februar 2016 ist er beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt.


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Tue, 09 Aug 2016 12:50:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540921.de
Zur Debatte um die Angleichung des Rentenrechts in Ost und West http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540794.de 800x600

Auch über ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer ist die vollständige Angleichung des Rentenrechts in Ost- und Westdeutschland noch nicht vollzogen. Die gesetzlichen Renten werden weiterhin unterschiedlich berechnet und angepasst, ferner unterscheiden sich Größen wie die Beitragsbemessungsgrenze oder die sogenannte Bezugsgröße in beiden Landesteilen. Da die Übergangsregelungen der Wendezeit nun über einen so langen Zeitraum Bestand haben, gibt es seit einigen Jahren Kritik an der Ungleichbehandlung von Ost- und Westdeutschen. Hätte es seit 1990 eine vollständige Lohnkonvergenz gegeben, wäre der unterschiedliche Berechnungsmodus obsolet geworden. Tatsächlich ist die Lohnkonvergenz seit Ende der 90er Jahre zum Stillstand gekommen, der Lohnrückstand in Ostdeutschland liegt 2015 laut volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung bei den Jahreseinkommen bei rund 21%, bei den Stundenlöhnen liegt er noch höher. Deswegen wird inzwischen regelmäßig über eine politische Rechtsangleichung diskutiert. Mittlerweile liegen verschiedene Modelle zur Vereinheitlichung des Rentenrechts vor. Die letzten beiden Koalitionsverträge der Bundesregierung (2009 und 2013) enthielten jeweils die Absicht ein einheitliches Rentensystem einzuführen. Uneinigkeit herrscht insbesondere in der Frage, wer die Kosten der Rentenangleichung tragen sollte. Im Juli 2016 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) einen neuen Vorstoß unternommen, allerdings hat das Bundesfinanzministerium (BMF) laut Zeitungsberichten bereits ein Veto gegen diese Pläne eingelegt. Dieser Roundup gibt einen Überblick zu den diskutierten Überleitungsmodellen und den damit verbundenen Problematiken der Rentenangleichung. 


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Tue, 09 Aug 2016 11:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540794.de
Adrian Hille has successfully defended his dissertation http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540778.de Adrian Hille,who joined the DIW Graduate Center in October 2011 and worked at the German Socio-Economic Panel until February 2016, has successfully defended his dissertation at Freie Universität Berlin.

His dissertation entitled “Developing skills through non-formal learning activities: four essays in the economics of education" was supervised by Prof. Dr. C. Katharina Spieß (DIW, Freie Universität Berlin) and Prof. Dr. Silke Anger (Universität Bamberg, Institute for Employment Research).

His dissertation comprised the following essays:

"How learning a musical instrument affects the development of skills" (with Jürgen Schupp), published in the Economics of Education Review

"Mozart or Pelé? The effects of adolescents' participation in music and sports" (with Charlotte Cabane and Michael Lechner), published in the Labour Economics

"How a universal music education program affects time use, behavior, and school attitude"

"Improving access to non-formal education: evidence from the German Educational Package"


The Dean Prof. Dr. Helmut Lütkepohl congratulates him on his success!


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Fri, 05 Aug 2016 10:58:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540778.de
Brexit-Entscheidung könnte in Deutschland im nächsten Jahr 0,3 Prozentpunkte Wachstum kosten http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540674.de Brexit belastet weltweiten Handel und dämpft Investitionen – Auch in Deutschland wird Konjunktur wohl in Mitleidenschaft gezogen – Unsicherheit über die Exporte – Investitionszurückhaltung und weniger Dynamik bei Einkommen und Konsum

Aufgrund der Entscheidung für den EU-Austritt Großbritanniens dürfte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 0,1 Prozentpunkte und im nächsten Jahr um 0,3 Prozentpunkte weniger wachsen als bisher erwartet. Zu diesem Ergebnis kommen die Konjunkturexperten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in einer aktualisierten Prognose, die auf  Ergebnissen des National Institute Of Economic and Social Research (NIESR) in London aufbaut. Die künftig wohl höheren Kosten im Handel und die Unsicherheit über die Wirtschaftsentwicklung des Vereinigten Königreichs führen nach DIW-Einschätzung dazu, dass sich vielerorts Unternehmen mit Investitionen zurückhalten. Die damit verbundene geringere Nachfrage hemmt die deutsche Wirtschaft mit ihrer starken Ausrichtung auf Investitionsgüterexporte. Dies dürfte hierzulande die Investitionstätigkeit im Exportsektor zusätzlich dämpfen und wegen einer etwas schwächeren Einkommensentwicklung auch zu einer geringeren Dynamik beim Konsum führen. Weltweit wird die Wirtschaftsleistung durch die Brexit-Entscheidung wohl etwas gedämpft werden, neben Großbritannien dürfte vor allem der Euroraum in Mitleidenschaft gezogen werden. „Es herrscht Unsicherheit in vielfacher Hinsicht“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Diese Unsicherheit sorgt bereits jetzt für eine schwächere Wirtschaftsentwicklung – und nicht erst, wenn es tatsächlich zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union kommt.“


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Wed, 03 Aug 2016 02:00:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540674.de
"Konjunkturelle Bremse unmittelbar nach dem Brexit-Votum ist die Unsicherheit": sechs Fragen an Ferdinand Fichtner http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540666.de Herr Fichtner, wird das Votum der Briten für einen Austritt aus der EU Großbritannien und vielleicht sogar die gesamte EU in eine Konjunkturkrise stürzen?

Wir gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum in Großbritannien durch diese Entscheidung bereits kurzfristig relativ gedämpft wird. Das ist natürlich auch für den Rest Europas relevant, weil das schwächere Wachstum in Großbritannien zu entsprechend schwächeren Importen des Vereinigten Königreichs führt. Das wiederum kann natürlich die Exporte der Partnerländer empfindlich dämpfen. [...]

Das Interview mit Ferdinand Fichtner ist aus dem Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 31/2016. Hier gibt es das Interview als pdf-Dokument und als Podcast.

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Wed, 03 Aug 2016 01:50:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540666.de
Brexit: Was steht für den britischen Finanzsektor auf dem Spiel? http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540677.de Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union hat weitreichende Implikationen für die britische Finanzbranche. London ist die bisherige Finanzhauptstadt Europas. Dort ansässige Finanzinstitutionen können spezielle EU-Rechte nutzen, um Dienstleistungen im gesamten Binnenmarkt anzubieten. Das Vereinigte Königreich erfüllt somit gegenwärtig zwei Funktionen im europäischen Finanzsystem: Erstens ist es ein Knotenpunkt für Firmenkundengeschäfte großer europäischer Banken und zweitens fungiert das Land als Eintrittstor für Kapital aus Nicht-EU-Staaten in den Binnenmarkt. Verliert das Vereinigte Königreich im Zuge des EU-Austritts den Zugang zum europäischen Binnenmarkt, dürften beide Funktionen in weiten Teilen obsolet werden. Die vorliegende Analyse zeigt einige der möglicherweise weitreichenden Folgen auf. Unklar ist, inwieweit die britische Regierung Verwerfungen im Finanzsektor auffangen könnte. Eine Möglichkeit wäre, dass das Vereinigte Königreich seine Beziehungen
zu Kronbesitztümern und Überseegebieten, die in vielen Fällen als Steuer-Oasen gelten, intensiviert. Im Kontext der Bemühungen der EU zur Eindämmung unkooperativer Steuerplanungspraktiken könnte dies als Bedrohung wahrgenommen werden und die Verhandlungen weiter verkomplizieren.

Der gesamte Wochenbericht von Jakob Miethe und David Pothier in: 
DIW Wochenbericht 31/2016


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Wed, 03 Aug 2016 01:48:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540677.de
Der Schwindel vom Wohlstand: Darum müssen die Gewinne aus Olympischen Spielen anders verteilt werden http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540565.de Dieser Gastbeitrag von DIW-Vorstandsmitglied Gert G. Wagner und Arbeitsmarktexperte Karl Brenke ist am 31. Juli 2016 auf sueddeutsche.de erschienen.

In Deutschland werden die Olympischen Spiele einer Menge Sportfans Fernsehspaß bringen - auch wenn das Interesse in der Urlaubszeit nicht an die großen internationalen Fußballturniere heranreichen wird. Insofern zählen "Wir" wie die Zuschauer in vielen Ländern auf den ersten Blick zu den Gewinnern von Olympia. Umsonst ist der Spaß aber nicht. Ein beachtlicher Brocken unserer Fernsehgebühren fließt an das Internationale Olympische Komitee (IOC), das sich die Übertragungsrechte fürstlich entgelten lässt. Für die Spiele in Sotschi und Rio zusammen sind es 110Millionen Euro; die letzten großen Fußballturniere waren indes dreimal so teuer. Und der Leistungssport wird zu einem erheblichen Teil über die Steuern finanziert. Die Kosten für die olympischen Sportarten dürften sich schätzungsweise auf bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Man kann diese Förderung als gut angelegt ansehen.

Den allergrößten Teil der Zeche zahlt aber die Bevölkerung Brasiliens. Die Durchführung eines relativ teuren Spektakels wie das der Olympischen Spiele ist für ein Schwellenland angesichts erheblicher infrastruktureller Rückstände und noch hoher Armut ein volkswirtschaftlicher Luxus. Regelrechte Verschwendung ist es, wenn speziell gebaute Sportstätten in Zukunft kaum genutzt werden - was bei Olympischen Spielen regelmäßig der Fall ist.

Was wurde in Brasilien im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 nicht alles versprochen! Eine Million Touristen sollten zusätzlich ins Land kommen - tatsächlich lassen sich dem Ereignis noch nicht einmal halb so viele zuordnen. Auch ist nichts davon zu sehen, dass der Fremdenverkehr einen nachhaltigen Impuls erhalten hätte. Das brasilianische Tourismus-Institut sprach von einer Million zusätzlicher Beschäftigter, drei Viertel der Arbeitsplätze hätten dauerhaften Bestand. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young prophezeite sogar 3,6 Millionen Arbeitsplätze pro Jahr.

Die offiziellen Arbeitsmarktdaten bestätigen diese Prognosen allerdings nicht. Just zur Zeit der Fußball-WM rutschte Brasilien in eine Rezession, die sich inzwischen zur größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten ausgewachsen hat. So ist die Wirtschaftsleistung zuletzt um mehr als fünf Prozent zurückgegangen, und die Beschäftigung nimmt kräftig ab. Die Fußball-WM ist daran gewiss nicht schuld, sie konnte daran aber auch nichts ändern. Selbst global vermarktete Sportveranstaltungen sind zu klein, um nennenswerte gesamtwirtschaftliche Wirkungen in einem größeren Land entfalten zu können. Im Falle Brasilien spielen noch die große Einkommensungleichheit und die Korruption eine große Rolle - und der Verdacht in der Bevölkerung, dass die staatlichen Ausgaben für Sportgroßereignisse nur einer kleinen Schicht zugutekommen. Im Falle Rios ist dieser Verdacht besonders naheliegend, da der Bürgermeister der Stadt, Eduardo Paes, die Spiele zum Teil mithilfe einer groß angelegten Public-private-Partnership-Initiative finanziert. Hier haben - auf landestypisch intransparente Art und Weise - Immobiliengesellschaften zum Radikalumbau einiger Stadtteile angesetzt, um davon später durch kräftig steigende Grundstücks- und Immobilienpreise zu profitieren. Das entlastet den Staat nur scheinbar, und es wird die Spaltung der brasilianischen Gesellschaft noch verstärken. Neben solchen Investitionen fallen weitere Kosten für Rio und Brasilien an; so soll eine Unmenge an Personal für die Sicherheit der Spiele sorgen - darunter 32 000 Soldaten.

Schon jetzt reißen sich reiche Städte nicht mehr um Ereignisse - aus guten Gründen

Bei alldem werden die Spiele in Rio vom allergrößten Teil der brasilianischen Bevölkerung wohl kaum mit Begeisterung aufgenommen werden. Die Menschen haben andere Sorgen. Ihnen dürfte noch gut in Erinnerung sein, dass im Vorfeld der Fußball-WM die Verbraucherpreise kräftig nach oben getrieben wurden. Die Inflation erreicht inzwischen fast zweistellige Raten. Überdies ist die politische Situation labil.

Dennoch wollen weltweit Politiker und Sportfunktionäre immer wieder glauben machen, dass das Geld für sportliche Großereignisse deshalb gut angelegt sei, weil die Ereignisse den Wohlstand und die Zufriedenheit der Menschen in den Ausrichterregionen erhöhen. Handfeste Belege dafür gibt es aber nicht. Stattdessen ist in den letzten Jahren eine neue Entwicklung zu beobachten. Die reichen Länder und ihre Großstädte reißen sich längst nicht mehr in dem Maße wie früher um Sportgroßereignisse.

Das zeigte sich besonders in Deutschland. So haben die Bürger von München und anderen Orte eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022abgelehnt. Als die Politiker in Berlin und Hamburg eine Bewerbung für die Sommerspiele 2024 vorantrieben, erlitten sie ebenfalls Schiffbruch. Die Bürger sahen die Veranstaltungen als Verlustgeschäfte an, die man sich nicht leisten sollte. Dabei konnte auf Erfahrungen in der Vergangenheit verwiesen werden, denn seit Jahrzehnten dürften Austragungsorte auf ihren Kosten sitzen geblieben sein. Jüngstes Beispiel ist London mit den Sommerspielen 2012. Über die Winterspiele in Sotschi 2014 gibt es zwar keine Zahlen, dass sie ein großer finanzieller Verlust für die Region und für Russland waren, ist aber offenkundig. Ein Problem für die Ausrichter besteht darin, dass sich - ähnlich wie die Fifa beim Fußball - das IOC einen großen Teil der Einnahmen sichert.

Damit internationale Sportgroßereignisse in der Zukunft noch eine Chance haben, bedarf es eines Umdenkens. Der Weg, den die Fifa eingeschlagen hat, künftige Fußballweltmeisterschaften systematisch an autoritäre Staaten zu vergeben, dürfte sich als Sackgasse erweisen. Statt zu vermeiden, dass es zu Massenprotesten wie 2014 bei der WM in Brasilien kommt, sollte im Vorfeld in demokratischen Staaten die breite Bevölkerung gewonnen werden. Dazu sind lokale und nationale Politiker sowie Sportfunktionäre aufgefordert, die sich nur allzu gern vor und bei großen Sportereignissen ins Rampenlicht stellen, aber die Lasten für die Bürger aus dem Auge verlieren. Nicht zuletzt müssten die Einnahmen aus Olympia und internationalen Fußballturnieren anders verteilt werden. Das IOC und die Fifa sollten nur einen Teil der Überschüsse erhalten. Das würde die Sportfunktionäre zur Mäßigung erziehen und dem zunehmenden Gigantismus im internationalen Sport entgegenwirken.

Mehr zum Thema Olympische Spiele finden Sie auch im aktuellen Discussion Paper No 1599: The Host with the Most? The Effects of the Olympic Games on Happiness.

Auf Basis des Discussion Papers ist auf FAZ.net außerdem der Artikel Kurzlebiges Olympiaglück (1.09.2016) erschienen, in dem die wesentlichen Erkenntnisse der Untersuchung vorgestellt werden.


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Mon, 01 Aug 2016 01:48:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540565.de
Friederike Lenel mit Best Phd Student Paper Award der IAREP/SABE Konferenz ausgezeichnet http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540531.de Friederike Lenel, eine Doktorandin in der Abteilung Entwicklung und Sicherheit, wurde für ihr Papier „Insurance and Solidarity“ mit dem Best Phd Student Paper Award auf der Konferenz der International Association for Research in Economic Psychology in Wageningen ausgezeichnet. Das Papier wurde gemeinsam mit Prof. Susan Steiner geschrieben und analysiert erste Ergebnisse des Forschungsprojektes ‚Insurance and Private Transfer-Experimental Evidence‘, das von der DFG finanziert wird.


Letztes Jahr gewann Christian Zankiewicz von der Abteilung Wettbewerb und Verbraucher den Preis für sein Papier Hidden skewness: On the difficulty of muliplicative compounding under random shocks


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Fri, 29 Jul 2016 03:42:00 +0200 http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.540531.de