Pressemitteilungen

Aktuelle und ältere Presseinformationen des DIW Berlin

1 ... 1 2 3 4 5 ... 80

07.12.2017

Das Potenzial für umweltfreundliche öffentliche Beschaffung ist in Deutschland noch weitgehend ungenutzt

Öffentliche Beschaffung kann einen wertvollen Beitrag zur Dekarbonisierung der Wirtschaft leisten – Trotz zuletzt steigender Tendenz werden nur 2,4 Prozent aller Beschaffungsverträge nach umweltfreundlichen Kriterien vergeben – Politischer Wille und Handlung notwendig, um Potenzial zu heben

Umweltfreundliche öffentliche Beschaffung (auch green public procurement oder GPP genannt), bei der die öffentliche Hand Verträge für Produkte und Dienstleistungen nicht nur nach Preis sondern nach Kriterien der Umweltfreundlichkeit vergibt, kommt in Deutschland noch viel zu wenig zum Einsatz, zeigt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Diese Praxis ist in den letzten Jahren zwar zunehmend angewendet worden, ihr Einsatz bleibt aber insgesamt marginal: Im Jahr 2015 berücksichtigten lediglich 2,4 Prozent der öffentlichen Vergaben „grüne“ Kriterien, zeigt die DIW-Analyse auf Basis eines umfangreichen Datensatzes.

„Die Tendenz ist ermutigend aber insgesamt bleibt das Potenzial für grüne öffentliche Beschaffung weitgehend unbenutzt“, so Olga Chiappinelli, Ko-Autorin der Studie. „Dabei ist grüne Beschaffung für die öffentliche Hand ein vielversprechender Ansatz, um zur Dekarbonisierung der Wirtschaft beizutragen: Es erlaubt dem Staat, die negativen Umwelteinflüsse seiner Anschaffungen zu reduzieren, einen Markt für grüne Technologien und Produkte zu schaffen und mit gutem Beispiel voranzugehen.“     

Öffentliche Beschaffung macht in Deutschland 18 Prozent des gesamten Konsums und elf Prozent der Investitionen aus, in einigen Bereichen wie Gesundheit und Verkehrsinfrastruktur halten öffentliche Auftraggeber bedeutende Marktanteile. Die Einkäufe des Staates eignen sich daher bestens, um die Wirtschaft Richtung mehr Nachhaltigkeit einzulenken – und das ist in Deutschland dringend geboten, angesichts der Gefahr einer Verfehlung der Klimaziele für 2020. 

06.12.2017

Rund 1,8 Millionen Beschäftigte, die Anspruch auf den Mindestlohn haben, bekommen weniger

Mindestlohn hat zu bedeutenden Lohnsteigerungen geführt - Noch bekommen aber ungefähr sieben Prozent der anspruchsberechtigten ArbeitnehmerInnen weniger als den Mindestlohn, Mini-JobberInnen und Beschäftigte in kleinen Firmen sind besonders betroffen –– Berücksichtigt man auch Erwerbstätige ohne Anspruch auf den Mindestlohn, wie Selbständige, verdienten im Jahr 2016 insgesamt etwa 4,4 Millionen Menschen in Deutschland weniger als 8,50 Euro brutto pro Stunde ––Handlungsbedarf bei den Kontroll- und Sanktionsmechanismen zum Mindestlohn sowie bei der Aufzeichnung der Arbeitszeiten

Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und der Universität Potsdam zeigt, dass der Mindestlohn zwar zu einer starken Steigerung niedriger Löhne geführt hat, aber dass längst nicht alle, die einen Anspruch darauf haben, ihn auch bekommen.

06.12.2017

Expansive Geldpolitik der EZB: Frühzeitiger Ausstieg dürfte Wachstum und Inflation bremsen

DIW-Studie untersucht Effekte verschiedener Ausstiegsszenarien aus EZB-Anleihekaufprogramm auf europäische Wirtschaft – Frühzeitiger Abbau würde vor allem auf Inflationsrate drücken

Was wäre, wenn die EZB ihr Anleihekaufprogramm noch stärker als Ende Oktober angekündigt reduziert oder den Bestand schneller oder frühzeitiger abbaut? Welche Auswirkungen dies für das Wirtschaftswachstum und die Inflation im Euroraum hätte, haben die DIW-Ökonomen Marius Clemens, Stefan Gebauer und Malte Rieth untersucht.

Seit Januar 2015 kauft die Europäische Zentralbank vor dem Hintergrund sehr schwacher Preisdynamik Staatsanleihen von Eurostaaten auf. Der Bestand in den Händen der EZB ist inzwischen auf knapp zwei Billionen Euro angewachsen. Die Notenbank wird im Januar das monatliche Ankaufvolumen von 60 auf 30 Milliarden Euro reduzieren. „Nach und nach wird die EZB nicht nur den Ankauf noch weiter zurückfahren, sondern auch den Bestand abbauen müssen“, sagt Studienautor Marius Clemens. „Das kann sie tun, indem sie das Geld aus auslaufenden Anleihen nicht reinvestiert oder sogar die Anleihen vor Fälligkeit verkauft.“

01.12.2017

Stefan Liebig ab Januar 2018 neues Vorstandsmitglied des DIW Berlin

Stefan Liebig übernimmt ab 1. Januar 2018 Leitung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und Sitz im Vorstand des DIW Berlin

Stefan Liebig, Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld, wird zum 1. Januar 2018 Gert G. Wagner (64) als Vorstandsmitglied ablösen, der diese Position planmäßig altersbedingt abgeben wird. Im Vorstand des DIW Berlin verbleiben weiterhin Marcel Fratzscher als Präsident und Angelica E. Röhr als Geschäftsführerin. Zudem wird Stefan Liebig ab Anfang 2018 Direktor der Infrastruktureinrichtung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin. Gert G. Wagner wird ab 1. Januar 2018 „Visiting Senior Research Fellow“, der gegenwärtige Direktor, Jürgen Schupp, Vize-Direktor des SOEP.  

Der 54-jährige Liebig ist seit 2007 Research Fellow am SOEP und nutzt bei seinen Forschungsarbeiten mit dem Schwerpunkt soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse seit vielen Jahren SOEP-Daten. Er ist Mitglied des Rats für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) und des Rats für Informationsinfrastrukturen (RfII). Seit 2008 ist er Professor an der Universität Bielefeld; zuvor war er nach seiner Habilitation im Jahr 2004 an der Ludwigs-Maximilians-Universität München an den Universitäten Trier und Duisburg-Essen als Hochschullehrer tätig.

„Ich freue mich sehr darüber, dass wir Stefan Liebig als weiteres wissenschaftliches Vorstandsmitglied des DIW Berlin gewinnen konnten und er das SOEP – eine außerordentlich erfolgreiche Infrastruktureinrichtung – gemeinsam mit Jürgen Schupp weiterentwickelt“, so Axel Weber, Vorsitzender des Kuratoriums des DIW Berlin. „Ich danke auch Gert G. Wagner für seinen unermüdlichen Einsatz für das SOEP und das DIW Berlin.“

„Mit Stefan Liebig konnten wir einen hervorragenden Wissenschaftler für den Vorstand des DIW Berlin und die Leitung des SOEP gewinnen. Ich freue mich auf sein Kommen und danke zugleich Gert G. Wagner für die sehr gute Zusammenarbeit der vergangenen Jahre“, so DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

29.11.2017

DIW Konjunkturbarometer November 2017: Euphorische Erwartungen signalisieren starken Jahresausklang

Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt für das Schlussquartal 2017 erneut ein außerordentlich kräftiges Wachstum an: Der Indexstand klettert auf 113 Punkte. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach mit gut 0,8 Prozent im vierten Quartal weiterhin überdurchschnittlich zulegen. „Bei der Interpretation der in den letzten beiden Monaten geradezu euphorischen Stimmungsindikatoren ist Vorsicht geboten“, warnt allerdings DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Nach der Wahl dürften viele Unternehmen mit spürbaren Impulsen der Wirtschaftspolitik gerechnet haben – und ob das nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierung noch gilt, bleibt abzuwarten.“ Indikatoren, die die aktuelle Lage widerspiegeln, haben zudem etwas nachgegeben; auch die Industrieproduktion war zuletzt rückläufig.

29.11.2017

Mehr Beschäftigung und mehr Geld in der Rentenkasse

Zwei DIW-Studien zu Teilzeitrente und Anhebung der Regelaltersgrenze: Simulationen zeigen positive Beschäftigungseffekte und fiskalische Auswirkungen

Eine Regelaltersgrenze, die relativ zur Zunahme der Lebenserwartung nach dem Jahr 2030 stiege, könnte helfen, die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung stabil zu halten, ohne dass das Rentenniveau weiter sinkt. Auch eine Teilzeitrente könnte je nach Szenario die Rentenkassen entlasten und die Beschäftigungsquoten erhöhen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse aus zwei DIW-Studien, die sich aktuell dem Thema Rente widmen.

22.11.2017

Deutsche Unternehmen stärken Forschung und Entwicklung – im Inland wie im Ausland

DIW-Studie: FuE-Aufwendungen deutscher Unternehmen im Ausland gegenüber 2003 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig stiegen aber auch ihre inländischen Investitionen stark – Gros entfällt auf den Kraftfahrzeugbau und die Pharmaindustrie – Anteil ausländischer Unternehmen an den FuE-Investitionen in Deutschland sinkt.

Deutsche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren verstärkt im Ausland in Forschung und Entwicklung (FuE) investiert. Zwischen 2003 und 2015 hat sich das jährliche Volumen im Ausland von 10,9 auf 24 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Der Auslandsanteil an den gesamten FuE-Investitionen deutscher Unternehmen betrug damit 35 Prozent. Doch auch im Inland stiegen ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung um 76 Prozent auf knapp 45 Milliarden Euro. Insgesamt entfielen 60 Prozent der zusätzlichen FuE-Investitionen auf Standorte in Deutschland und 40 Prozent auf das Ausland.

16.11.2017

Bundesländervergleich Erneuerbare Energien: Baden-Württemberg neuer Spitzenreiter vor Mecklenburg-Vorpommern und Bayern

Gemeinsame Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), des Zentrums für Solarenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) und der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE)

Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern sind im Bereich der Erneuerbaren Energien die führenden Bundesländer. Das ist das Ergebnis des heute veröffentlichten Bundesländervergleichs, den das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) im Auftrag von und in Kooperation mit der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) zum fünften Mal erstellt haben. Die Analyse bewertet auf Basis von 59 Indikatoren detailliert die politischen Anstrengungen und Erfolge der Länder bei der Nutzung von Erneuerbaren Energien sowie beim damit verbundenen wirtschaftlich-technischen Wandel. Am Ende der Rangliste stehen Hessen, Berlin und das Saarland.

08.11.2017

Ursache für Frauenmangel in MINT-Berufen? Mädchen unterschätzen ihre Fähigkeiten im Schulfach Mathematik

Jungen halten sich in Mathe für begabter, als es die Noten rechtfertigen – Mädchen bescheinigen sich eher sprachliche Fähigkeiten – Unterschiede sind bereits in der fünften Klasse deutlich und bleiben in höheren Jahrgangsstufen bestehen.

Jungen schreiben sich im Schulfach Mathematik größere Fähigkeiten zu als Mädchen – in einem Ausmaß, das durch die tatsächlichen Schulnoten nicht gerechtfertigt ist. Die entsprechenden Selbsteinschätzungen von Schülerinnen und Schülern, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) untersucht hat, weichen bereits in der fünften Klasse deutlich voneinander ab. Bis einschließlich zur zwölften Jahrgangsstufe bleiben die Unterschiede weitgehend bestehen. Das geht aus einer aktuellen Studie des DIW-Bildungsforschers Felix Weinhardt hervor, der für Deutschland repräsentative Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) ausgewertet hat.

08.11.2017

Abschaffung der Abgeltungsteuer führt zu Steuerausfällen und belastet hohe Einkommen kaum

Geringe Aufkommens- und Verteilungseffekte – Insgesamt leichte Steuerausfälle durch Niedrigzinsphase – Anhebung des Abgeltungsteuersatzes über 25 Prozent hinaus würde moderate Mehreinnahmen erzielen

Eine Abschaffung der pauschalen Abgeltungssteuer für Kapitaleinkünfte in Höhe von 25 Prozent ist weder aus fiskalischer noch aus verteilungspolitischer Sicht sinnvoll, solange die Zinsen so niedrig sind. Würde man Kapitaleinkünfte wieder in den Einkommensteuertarif integrieren, wären bei vollem Werbungskostenabzug und einem Besteuerungsanteil von  60 Prozent bei Dividenden und Veräußerungsgewinnen (Teileinkünfteverfahren) sogar leichte Steuerausfälle von 73 Millionen Euro zu erwarten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). „Auch für die Steuergerechtigkeit bringt eine Abschaffung der Abgeltungsteuer derzeit wenig, sofern man darunter eine stärkere Besteuerung von hohen Kapitaleinkommen versteht“, sagt DIW-Steuerexperte Stefan Bach. Hohe Einkommen würden durch die Abschaffung der Abgeltungsteuer kaum belastet, mittlere und niedrige Einkommen bei den Dividenden sogar geringfügig entlastet. Darüber hinaus stiege der bürokratische Aufwand des Besteuerungsverfahrens. Dagegen würde eine Erhöhung des Abgeltungsteuersatzes zu moderaten Steuermehreinnahmen führen und progressiv wirken, könnte aber die Investitionsbedingungen in Deutschland verschlechtern.

02.11.2017

Jugendliche in Europa haben trotz geringerer Arbeitslosigkeit weiterhin große Probleme auf dem Arbeitsmarkt

Arbeitslosenquote der 15 bis 24-Jährigen ist viel höher als die der älteren Personen – Abbau der Arbeitslosigkeit ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Zahl der jungen Leute schrumpft und immer mehr davon länger im Bildungswesen bleiben – Politische Maßnahmen haben wenig gebracht

Obwohl die Jugendarbeitslosenquote in der EU in den letzten Jahren kräftig zurückgegangen ist, fällt es den Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach wie vor schwer, eine Beschäftigung zu finden. So ist die Arbeitslosenquote in der Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren nach wie vor zweieinhalb Mal so hoch wie die der älteren Personen. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit ist überwiegend auf die demografische Entwicklung sowie eine geringere Erwerbsbeteiligung zurückzuführen – vor allem, weil immer mehr junge Menschen studieren und deshalb erst später in den Arbeitsmarkt eintreten. Ein Effekt politischer Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit wie die „Jugendgarantie“ der EU ist nicht erkennbar. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Bei den neu entstandenen Arbeitsplätzen für junge Leute handelt es sich fast ausschließlich um befristete Jobs; auch die Teilzeittätigkeiten haben stark zugenommen. Aufgrund ihrer praxisnäheren Ausbildung haben junge Menschen in Mitteleuropa im Vergleich zu den Personen ab 25 Jahren nicht so ausgeprägte Beschäftigungsprobleme, wie das in anderen Teilen Europas – etwa im Süden – der Fall ist.

01.11.2017

DIW Konjunkturbarometer Oktober 2017: Deutsche Wirtschaft durchläuft goldenen Herbst

Der kräftige Aufschwung der deutschen Wirtschaft geht weiter: Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) signalisiert mit aktuell gut 112 Punkten auch im Oktober weit überdurchschnittliche Zuwächse des Bruttoinlandsprodukts – um 0,7 Prozent im dritten Quartal und 0,9 Prozent im vierten. „Die deutsche Wirtschaft ist mit Vollgas unterwegs Richtung 2018“, kommentiert DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner die kräftigen Raten.

25.10.2017

Große Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern in Deutschland

Frauen erzielen in Deutschland nur die Hälfte des Gesamteinkommens der Männer und verdienen bei den Stundenlöhnen rund ein Fünftel weniger – Bei Erwerbseinkommen gibt es Gender Pay Gap zwischen „Männer-“ und „Frauenberufen“, aber auch innerhalb vieler Berufe – Deutschland weist eine im internationalen Vergleich hohe Lücke von rund 53 Prozent bei den Renteneinkommen aus  – Handlungsbedarf der Politik an mehreren Fronten

Drei neue Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) befassen sich mit Einkommensungleichheiten zwischen Frauen und Männern. Die AutorInnen schließen auf einen Handlungsbedarf der Politik an gleich mehreren Fronten. Deswegen müsse die Gleichstellung von Frauen einen hohen Stellenwert haben in den aktuell stattfindenden Gesprächen zur Bildung einer Koalition. 

DIW-Steuerexperte Stefan Bach hat die aktuellsten verfügbaren Daten der Lohn- und Einkommensteuerstatistik des Jahres 2010 ausgewertet. Demnach erreichen Frauen beim gesamten Bruttoeinkommen insgesamt nur 51 Prozent des Einkommens der Männer. Bei den Arbeitseinkommen erreichen sie 52 Prozent des Einkommens der Männer. Bei Vermietungseinkünften oder Kapitalerträgen sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern weniger ausgeprägt. 

Ein wesentlicher Grund für die Ungleichheit bei den Arbeitseinkommen ist die Lohnlücke, der sogenannte Gender Pay Gap. Dieser lag in Deutschland bezogen auf die Stundenlöhne zuletzt bei 21 Prozent und nimmt nur langsam ab.

Schon seit langem ist bekannt, dass ein Teil des Gender Pay Gaps mit der Berufswahl zusammenhängt, denn Berufe mit einem hohen Anteil an Frauen werden niedriger entlohnt als sogenannte „Männerberufe“, also solche, wo der Männeranteil bei mehr als 70 Prozent liegt. „Unsere Analysen zeigen aber, dass es auch innerhalb von Berufen mitunter sehr hohe Gender Pay Gaps gibt“, so Katharina Wrohlich, Autorin einer der Studien, die im aktuellen DIW Wochenbericht erschienen sind. So ist die Lohnlücke bei VerkäuferInnen (29 Prozent), Bankfachleuten (25 Prozent) und BuchhalterInnen (24 Prozent) noch höher als der durchschnittliche Gender Pay Gap. Entscheidet sich ein Mann für den typischen Frauenberuf der Sprechstundenhilfe, so verdient er im Durchschnitt sogar 43 Prozent mehr als seine Kolleginnen (siehe Grafik). Übt eine Frau als Dreherin oder Metallarbeiterin aber einen typischen Männerberuf aus, liegt ihr Gehalt auch unter dem ihrer männlichen Kollegen, und zwar um 28 Prozent.

„Andererseits gibt es auch Berufe, zum Beispiel KindergärtnerIn, bei denen wir keinen Gender Pay Gap beobachten“, so Studienautorin Aline Zucco. Es liegt nahe, dass Berufe, in denen der Anteil der Beschäftigten im öffentlichen Dienst besonders hoch ist, geringere Gender Pay Gaps aufweisen. Dies lässt sich mutmaßlich auf die tarifvertraglichen Regelungen im öffentlichen Dienst zurückführen, die weniger Spielraum für Verhandlungen lassen als in der Privatwirtschaft. Eine konsequente Implementierung des Entgelttransparenzgesetzes könnte auch im privaten Sektor zu geringeren Gender Pay Gaps führen, vermuten die StudienautorInnen.

18.10.2017

DIW Berlin schlägt Modell für bessere Integration von erneuerbaren Energien in das Stromsystem und langfristiges Gelingen der Energiewende vor

DIW Berlin stellt Modell vor, um bereits jetzt starke Anreize für Investitionen in Windkraft- und Solaranlagen zu geben, die sich in der langen Frist gut und kostengünstig in das Stromsystem integrieren werden – Vorgeschlagenes Marktwertmodell baut auf existierenden Förderrahmen auf, berücksichtigt aber zusätzlich zukünftigen Marktwert des produzierten Stroms

Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) stellt ein Marktwertmodell vor, das dafür sorgt, dass heute die Windkraft- und Solaranlagen gebaut werden, die Deutschland braucht. Für das kostengünstige Gelingen der Energiewende muss immer mehr in Anlagen investiert werden, die dann produzieren, wenn der Strom auch benötigt wird. Diese Anlagen, als systemfreundlich bezeichnet, werden sich langfristig nämlich am besten in das Stromsystem integrieren. Systemfreundlich können zum Beispiel Solarpanele sein, die gen Osten oder Westen ausgerichtet sind: Sie produzieren zwar insgesamt geringere Strommengen als diejenigen, die nach Süden ausgestellt sind, dafür aber mehr in den Morgen- oder Abendstunden – wenn die herkömmlichen, nach Süden ausgerichteten Anlagen also wenig produzieren.

„Je größer der Anteil von erneuerbaren Energien an der gesamten Stromproduktion, desto bedeutender wird diese Komponente der Systemfreundlichkeit: Es wird immer wichtiger, dass der Strom dann produziert wird, wenn er benötigt wird, also zum Beispiel dann, wenn herkömmliche Anlagen nicht so viel produzieren“, so Jörn Richstein, gemeinsam mit Nils May und Karsten Neuhoff Autor der Studie.

11.10.2017

Studentische Erwerbstätigkeit: Elternhaus spielt bei Wahl des Studentenjobs eine Rolle

StudentInnen ohne Akademikereltern gehen häufiger einfachen Nebenjobs nach, StudentInnen mit Akademikereltern sind häufiger nicht erwerbstätig – Bei qualifizierten und studienbezogenen Tätigkeiten sind die herkunftsbedingten Unterschiede allerdings gering  

Ob Studentinnen und Studenten einen Nebenjob haben und wenn ja, wie qualifiziert und fachnah im Hinblick auf das Studienziel diese Tätigkeit ist, hängt auch vom Elternhaus ab. Das zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Mila Staneva, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Bildung und Familie, hat Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) zu über 11 000 Studierenden für insgesamt dreieinhalb Jahre des Studiums ausgewertet. Demzufolge sind Studierende mit Akademikereltern seltener erwerbstätig und arbeiten seltener in einfachen Jobs, die nichts mit dem Studium zu tun haben, beispielsweise als Kellnerin oder Kellner. Bei höher qualifizierten und studienbezogenen Studentenjobs gibt es hingegen kaum Unterschiede.

11.10.2017

Kita-Ausgaben: Mitunter starke Anstiege in den vergangenen Jahren – einkommensschwache Familien sind noch immer relativ stark belastet

DIW-Forscherinnen untersuchen erstmals für einen längeren Zeitraum, wie sich die Kita-Ausgaben in Deutschland entwickelt haben – Starke Ausgabenanstiege vor allem für Kita-Nutzung unter drei Jahre alter Kinder – Verbesserung der Qualität sollte Priorität vor Beitragsbefreiung für alle haben

Eltern, deren Kinder eine Kindertageseinrichtung besuchen, mussten dafür in den vergangenen Jahren im Durchschnitt immer tiefer in die Tasche greifen. Gaben sie im Jahr 2005 für ihre unter drei Jahre alten Kinder noch monatlich 98 Euro aus, waren es zehn Jahre später schon 171 Euro – jeweils berechnet in Preisen des Jahres 2010, um die allgemeine Inflation auszuklammern. Die Betreuung von Kindern im Kindergartenalter, also ab drei Jahren, kostete im Jahr 1996 im Durchschnitt 71 Euro monatlich und im Jahr 2015 98 Euro. Gleichzeitig wurden immer mehr Haushalte vollständig von Beiträgen befreit – insbesondere im Kindergartenbereich. Allerdings müssen armutsgefährdete Haushalte, sofern sie für die Kita zahlen, mit rund acht Prozent nahezu den gleichen Anteil ihres Einkommens aufbringen wie andere Haushalte. Das sind zentrale Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), für die die Bildungsökonomin C. Katharina Spieß, Leiterin der Abteilung Bildung und Familie, gemeinsam mit Sophia Schmitz und Juliane Stahl die Entwicklung der Kita-Ausgaben erstmals für einen längeren Zeitraum untersucht hat. Datengrundlage sind das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) im DIW Berlin und die Spezialstudie Familien in Deutschland (FiD).

29.09.2017

DIW Konjunkturbarometer September 2017: Deutsche Wirtschaft verliert nach fulminanter ersten Jahreshälfte etwas Schwung

Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) gibt im September etwas nach – auf einen Indexstand von 104 Punkten, nach 108 Punkten zum Jahresauftakt und 105 Punkten im zweiten Quartal. Damit liegt das Barometer aber weiter deutlich über der 100-Punkte-Marke, die einen durchschnittlichen Zuwachs der deutschen Wirtschaft um gut 0,3 Prozent anzeigt. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte auch im gerade zu Ende gehenden Vierteljahr kräftig zugelegt haben, um gut 0,5 Prozent.

28.09.2017

Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2017: Aufschwung weiter kräftig – Anspannungen nehmen zu

Pressemitteilung der Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, ifo Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel, RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

27.09.2017

Erneuerbare Energien: Weiterentwicklung der Förderinstrumente muss Verschiebung der Risiken Rechnung tragen

DIW Berlin-Studie geht der Frage nach, welches Förderregime für erneuerbare Energien am meisten geeignet ist, Kosten der Energiewende niedrig zu halten – Risiken und Fokus der Förderung haben sich verschoben – Diskussion um die Weiterentwicklung der Förderinstrumente in den deutschen Koalitionsverhandlungen und in der EU muss diese Verlagerung berücksichtigen

Deutschland hat sich den Klimazielen des Pariser Abkommens verpflichtet. Zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes soll der Ausbau der erneuerbaren Energien nach festgeschriebenen Ausbaupfaden eine maßgebliche Rolle spielen. Die Kosten für Windkraft und Photovoltaik sind unter anderem dank technologischem Fortschritt stark gefallen. Damit kommt der Förderung der erneuerbaren Energien, deren Weiterentwicklung voraussichtlich ein kontroverser Punkt in den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen sein wird, eine neue Bedeutung zu: Die Hauptaufgabe der staatlichen Förderung ist es immer weniger, die Kosten neuer und teurer Technologien abzudecken, sondern zunehmend die Absicherung von Preisrisiken zu ermöglichen, um die Finanzierungskosten von Investitionen gering zu halten. So können Investitionen angeregt werden, die für das Erreichen der Klimaziele notwendig sind, und gleichzeitig die Kosten der Energiewende verträglich bleiben, vor allem für EndkundInnen – also Haushalte und Industriekunden.

20.09.2017

Wärmemonitor 2016: „Zweite Miete“ gesunken,
obwohl mehr geheizt wird

DIW Berlin berechnet Raumwärmebedarf 2016 auf Basis von Daten des Energiedienstleisters ista Deutschland GmbH: Die „zweite Miete“ sinkt wegen niedriger Energiepreise – Spürbare Entlastung für Haushalte – Heizenergieverbrauch steigt aber um zwei Prozent – Investitionen in Gebäudeeffizienz umso wichtiger

Die deutschen Privathaushalte haben im Jahr 2016 sechs Prozent weniger für Heizkosten ausgegeben als im Vorjahr. Dies ermittelte der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Grundlage von Daten des Energiedienstleisters ista Deutschland GmbH berechnete Wärmemonitor 2016. Die Berechnungen basieren auf zahlreichen Heizenergieabrechnungen von Mehrfamilienhäusern in Deutschland und erfolgten klima- und witterungsbereinigt.

Die Ersparnisse bei der Raumwärme kommen aber erstmals nicht durch einen geringeren Verbrauch zustande. Tatsächlich hatten die privaten Haushalte trotz der bisherigen Sanierungsmaßnahmen im Gebäudebestand im vergangenen Jahr einen um zwei Prozent höheren Heizenergiebedarf als im  Vorjahr. Da gleichzeitig aber die Preise für Heizöl und Gas im Schnitt um acht Prozent zurückgingen, hat dies insgesamt zu einer spürbaren Entlastung der Haushaltskassen geführt.

1 ... 1 2 3 4 5 ... 80