Verhaltens- und Verteilungswirkungen von Rentenreformen

Abteilung(en)/ Infrastruktureinrichtung
Staat
Projektstatus
Aktuelles Projekt
Projektlaufzeit
seit/von 2015 bis 2017
Zuwendungsgeber
Hans-Böckler-Stiftung
Projektleitung
Dr. Johannes Geyer
Prof. Dr. Peter Haan
Ansprechpartner im DIW Berlin

Projektziel:

Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, die sozialpolitischen Folgen einer Anhebung des Renteneintrittsalters, insbesondere der Rente mit 67, empirisch zu analysieren. Im Fokus steht dabei, wie Arbeitslosigkeits- und Gesundheitsrisiken im Zusammenspiel mit den Rentenreformen das Renteneintrittsverhalten beeinflussen und welche Einkommenseffekte damit verbunden sind.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit ist ein wichtiges politisches Ziel. Sie soll helfen, die volkswirtschaftlichen Folgen des demografischen Wandels zu bewältigen. Aus Sicht der Beschäftigten stellt sich die Frage, ob sie länger arbeiten wollen und ob eine Ausdehnung der Lebensarbeitszeit überhaupt im anvisierten Umfang möglich ist. Eine solche Ausdehnung wird auch dadurch beschränkt, dass die Gesundheit mit dem Alter abnimmt und die Wiederbeschäftigungschancen von älteren Arbeitslosen gering sind. Es ist möglich, dass längere Erwerbszeiten zu einer stärkeren Polarisierung im Altersübergang beitragen. Eine Ausweitung der Lebensarbeitszeit wäre damit nur für einen Teil der älteren Beschäftigten realisierbar, andere müssten Abschläge für den vorzeitigen Renteneintritt in Kauf nehmen. Hier setzt unser Forschungsprojekt an, das erstmals die langfristigen Verhaltens- und Verteilungseffekte der Rente mit 67 unter Berücksichtigung von Arbeitsmarkt- und Gesundheitsrisiken untersucht.

2. Fragestellung

Das Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, die sozialpolitischen Folgen der Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre zu untersuchen und flankierende Reformszenarien zu evaluieren. Es geht darum, empirisch abzuschätzen, welche Personengruppen im Zuge der Rentenreform besonderen Einkommensrisiken gegenüberstehen. Arbeitslosigkeit und gesundheitliche Einschränkungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Im Projekt wollen wir erstens untersuchen, welche Rolle Gesundheitsschocks und Arbeitslosigkeitsrisiken für den Rentenzugang spielen. Zweitens wollen wir die mit der Rente mit 67 verbundenen Verteilungseffekte schätzen. Drittens untersuchen wir auch, wie sich weitere langfristige Rentenreformen in diesem Kontext auswirken. Viertens geht es darum, Risikogruppen zu identifizieren und schließlich mögliche Reformszenarien zu modellieren.

3. Untersuchungsmethoden

Wir nutzen ein dynamisches Mikrosimulationsmodell (DM), um eine Analyse der Rente mit 67 durchzuführen. Das DM wird für die Fortschreibung der Bevölkerung, der Haushalte und ihrer Einkommen benötigt. Dieses Modell umfasst auch die Fortschreibung des Rechtsstands und anderer Größen, wie der Parameter des Rentensystems. Wir verknüpfen dieses Modell mit einem ökonometrischen Arbeitsmarkt- und Rentenmodell, das das Risiko der Arbeitslosigkeit und von Gesundheitsrisiken explizit berücksichtigt. Der Fokus liegt dabei vor allem auf der Rentenzugangsentscheidung, allerdings schätzen wir dieses Modell auch für die Phasen des Erwerbslebens, zu denen noch kein Zugang in Altersrente möglich ist. Damit erweitern wir die üblichen ökonomischen Modelle, in denen insbesondere Arbeitslosigkeit ein selbstgewählter Zustand ist, wobei die Wahlhandlung einer rational kalkulierten Optimierung folgt.