Breitband-Internet und Humankapitalbildung

Abteilung(en)/ Infrastruktureinrichtung
Bildung und Familie
Projektstatus
Aktuelles Projekt
Projektlaufzeit
seit/von 2015 bis 2018
Auftraggeber
DFG Sachbeihilfe
In Kooperation mit
Benjamin Faber, UC Berkeley
Rosa Sanchis-Guarner, Imperial College London
Projektleitung
Felix Weinhardt
Ansprechpartner im DIW Berlin

Beschreibung

Fallende Kosten für Kommunikation und Informationen werden als einer der Hauptfaktoren der wirtschaftlichen Integration zwischen und innerhalb von Ländern gesehen, und Regierungen weltweit investieren zurzeit in die Schaffung und Verbesserung existierender Internet-Infrastruktur. Die Bereitstellung von ICT-Infrastruktur in Entwicklungsländern ist beispielsweise explizites Ziel der UN World-Millennium Goals (Ziel 8F). In wirtschaftlich entwickelten Ländern liegt der Fokus wiederum auf dem Ausbau bereits existierender Infrastruktur. Die Europäische Union hat beispielsweise im Oktober 2012 Investitionen von insgesamt sieben Milliarden Euro in die Erweiterung von europäischer ICT-Infrastruktur angekündigt.

Vor diesem Hintergrund ist die Frage nach den Konsequenzen der fallenden ICT-Kosten zunehmend wirtschaftlich und politisch relevant geworden und es entwickelt sich in den letzten Jahren eine schnell anwachsende Literatur, die sich mit sozio-ökonomischen Konsequenzen dieser Entwicklungen befasst. Aber wie beeinflussen sinkende Kosten für den Zugang zu Informations- Kommunikationstechnologien die Akkumulation von Humankapital? Das vorliegende Projekt beantwortet diese Frage unter Zuhilfenahme administrativer Daten nationaler Testergebnisse von Schülerinnen und Schülern an englischen Grundschulen und weiteführenden Schulen sowie detaillierter Informationen über die an der Heimatadresse verfügbare Internetgeschwindigkeit. In einem ersten Schritt schätzen wir die Beziehung zwischen der Entfernung des Wohnortes von (angeschlossenen) Telefon-Wechselstationen und der Internet-Verbindungsgeschwindigkeit, basierend auf Daten von führenden Internet-Anbietern in Großbritannien. In einem zweiten Schritt nutzen wir die vorliegenden national repräsentativen Testergebnisse und analysieren die Beziehung zwischen der Entfernung zu angeschlossenen Wechselstationen der Schülerinnen und Schüler, die DSL-Geschwindigkeiten technologisch determinieren, und ihrem Bildungserfolg. Um den Einfluss von Drittvariablen auszuschließen, vergleichen wir Ergebnisse zwischen direkten Nachbarn, die jeweils mit unterschiedlichen Wechselstationen verbunden sind. Ein umfangreiches Set an individuellen und geographischen Kontrollvariablen, einschließlich Hauspreisunterschieden, kontrolliert für eventuelle weitere beobachtbare Unterschiede. Schließlich zeigen wir, wie die Schätzergebnisse verwendet werden können, um die Wirtschaftlichkeit einer Reihe von aktuellen Telekommunikationspolitikvorschlägen zur ersten Breitbandversorgung in Entwicklungsländern und zur Steigerung von Internetgeschwindigkeiten in Europa und den USA, relativ zu den herkömmlichen Investitionen in die Bildung, zu bewerten ist.