Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 19.05.2004

Vertrauen in Deutschland: Viel Misstrauen gegenüber großen Unternehmen und Gewerkschaften

Eine Sondererhebung des vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung durchgeführten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) lässt erkennen, dass es in Deutschland Anzeichen für eine Vertrauenskrise gibt, so der aktuelle Wochenbericht des DIW Berlin 21/2004. Das Vertrauen in die Politik (Bundestag) ist weitgehend verloren gegangen, und auch den großen Wirtschaftsunternehmen und den Gewerkschaften wird nur noch wenig Vertrauen entgegengebracht. Dieses Bild ist umso bedenklicher, als der private Bereich nach wie vor völlig intakt ist: Der Familie sowie Freunden wird zu mehr als 90 % vertraut. Auch zu Nachbarn und Arbeitskollegen haben rund zwei Drittel großes Vertrauen.

Erschreckend ist das äußerst geringe Vertrauen gleichermaßen in Gewerkschaften und Unternehmen. Nur etwa ein Fünftel schenkt diesen beiden Säulen der (Arbeits-)Gesellschaft hohes Vertrauen, wobei in Ostdeutschland die Unternehmen noch schlechter wegkommen als in Westdeutschland, während die Gewerkschaften in Westdeutschland ein größeres Vertrauensproblem haben als in Ostdeutschland.

Gering ist das Vertrauen mit etwa 20 % auch in den Bundestag, wobei in Ostdeutschland das Vertrauen in diese demokratische Institution stärker erschüttert ist als in Westdeutschland. Selbst das häufig – gerade von Politikern – öffentlich kritisierte „Zeitungswesen“ schneidet mit 27 % in ganz Deutschland noch besser ab als die Politik. Den Kirchen wird mit über 35 % allerdings noch deutlich mehr Vertrauen geschenkt (in Westdeutschland sogar 42 %).

Auch die Basis für einen Vertrauenszuwachs ist noch vorhanden. Einigen im Alltag wichtigen öffentlichen Bereichen wird nach wie vor vergleichsweise viel Vertrauen entgegengebracht. Etwa die Hälfte der Befragten schenkt Schulen und dem Bildungswesen sowie den Gerichten viel Vertrauen. Der Polizei vertrauen sogar etwas über 70 %. In diesem Bereich sind auch die Anteile derer, die überhaupt kein Vertrauen aufbringen, gering: Nur jeder zwanzigste vertraut der Polizei ganz und gar nicht; jedoch ist bei Jüngeren das Vertrauen in die Polizei geringer als bei Älteren.

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

Das DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) ist seit 1925 eines der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Es erforscht wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge in gesellschaftlich relevanten Themenfeldern und berät auf dieser Grundlage Politik und Gesellschaft. Das Institut ist national und international vernetzt, stellt weltweit genutzte Forschungsinfrastruktur bereit und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das DIW Berlin ist unabhängig und wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut Kantar Public (zuvor TNS Infratest Sozialforschung) in mehreren tausend Haushalten statistische Daten erhoben. Zurzeit sind es etwa 30.000 Personen in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

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