Öffentliche Finanzen und Lebenslagen

Forschungs-Cluster

Im Cluster „Öffentliche Finanzen und Lebenslagen" werden die ökonomischen und sozialen Lebensverhältnisse in ihrem Wandel sowie Verteilungswirkungen, Anreizwirkungen und Verhaltenseffekte staatlichen Handelns untersucht. Im Fokus stehen empirische Analysen, die auf repräsentativen Mikrodaten aus dem Bereich der wissenschaftsgetragenen Dateninfrastruktur und der amtlichen Statistik basieren.
Das Cluster besteht aus der Abteilung „Staat" und aus der neu geschaffenen fokussierten Abteilung „Bildung und Familie". Organisatorisch arbeiten zudem Teilbereiche der forschungsbasierten Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) im Cluster; das SOEP wird aus oben genannten Gründen jedoch vollständig als eigener Programmbereich geführt.

Der Zusammenschluss in einem Cluster ergibt sich im Wesentlichen aus einer inhaltlichen Nähe und ähnlichen methodischen Grundlagen: In allen beteiligten Bereichen dominieren empirische Analysen auf Grundlage von Mikrodaten. Im Hinblick auf die Themen Einkommens- und Vermögensverteilung, die Wirkungen des Steuer und Transfersystems, die Wirkungen der Arbeitsmarkt- und Familienpolitik sowie den Schwerpunkt auf bildungsbezogene Fragestellungen gibt es in den Bereichen komplementäre Agenden für Forschung und Beratung.

Der Begriff „Lebenslagen" wurde als ein Oberbegriff für das Cluster gewählt, weil die Forschungsthemen des Clusters sich einerseits auf die Mehrdimensionalität sozialer Ungleichheit moderner Gesellschaften erstrecken. Anderseits beschäftigt sich das Cluster mit individuellen Spielräumen von Wirtschaftssubjekten bei gegeben Rahmenbedingungen, welche das individuelle Handeln begrenzen können.
Unter „Öffentliche Finanzen" wird staatliches Handeln verstanden, das die Lebenslagen von Individuen und Haushalten oder die wirtschaftliche Lage von Unternehmen durch politische Maßnahmen wie Steuern, Transferzahlungen, Arbeitsmarktregulierungen sowie familien- und bildungspolitischen Maßnahmen beeinflusst. Hierbei sind die resultierenden Verteilungseffekte, Verhaltensanpassungen der Akteure sowie die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen zentrale Fragen. Für die Wirkungsanalyse des staatlichen Handels werden ökonometrische Methoden und Mikrosimulation verwendet. Insoweit führt das Cluster die langjährige Tradition des DIW Berlin in der Entwicklung und Anwendung von Mikrosimulationsmodellen und dem Einsatz von mikroökonometrischen Methoden fort.
Bildungspolitik ist ein besonderer Schwerpunkt des DIW Berlin und des Forschungsraums Berlin (mit dem WZB (Science Center Berlin) und dem Max Planck Institute for Human Development). Bildungsforschung untersucht u.a. die Bedeutung der Lebenslage von Wirtschaftssubjekten in Hinblick auf deren Humanvermögen, auch in Verbindung mit der Analyse von Anreizwirkungen, welche mit öffentlich finanzierten Leistungen in Verbindung stehen. Es wird z.B. untersucht, wie bildungsbezogene „Outcomes" (kognitive oder nichtkognitive Fähigkeiten) mit öffentlich finanzierten Leistungen und den Lebenslagen von Individuen zusammenhängen.