DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Einkommensmessung

Das Einkommen von Haushalten und Personen kann auf unterschiedliche Arten erfasst werden. Je nachdem, welches Einkommenskonzept zugrunde gelegt wird und welche Faktoren einbezogen werden, können die Ergebnisse der Messung variieren. Zunächst ist zwischen Jahreseinkommen und Monatseinkommen zu unterscheiden. Die durch Haushaltsbefragungen wie dem SOEP erhobenen monatlichen Brutto- bzw. Nettoerwerbseinkommen enthalten in der Regel keine Sonder- und Einmalzahlungen wie ein 13. oder 14. Monatsgehalt, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld oder Ähnliches. Bei den Jahreseinkommen sind solche Zahlungen indes enthalten. Weitere Faktoren, die zum Einkommen gezählt werden könnten, sind beispielsweise Überstundenzuschläge oder der Sold von Wehr- oder Zivildienstleistenden. Wichtig ist ebenfalls, ob auch Personen mit einem Erwerbseinkommen von null mit einbezogen werden. Einen Standard, welche Einkommensbestandteile zur Einkommensmessung herangezogen werden, gibt es nicht; jeder Forscher kann die Abgrenzung gemäß seiner jeweiligen Fragestellung variieren.

Das SOEP erhebt neben aktuellen Monatseinkommen auch Jahreseinkommen, die sich jeweils auf das Jahr vor der Erhebung beziehen. Auf der Basis von Jahreseinkommen kann die Wohlfahrtsposition von Privathaushalten besser als mit Monatseinkommen beschrieben werden, weil dabei auch unregelmäßig anfallende Einkommensbestandteile berücksichtigt werden. Auch unterjährige Veränderungen des Erwerbseinkommens aufgrund von saisonaler Arbeitslosigkeit können hiermit besser dargestellt werden. Zudem werden beim Jahreseinkommen mitunter auch nichtmonetäre Einkommenskomponenten einbezogen. Hierzu zählt vor allem der „Mietwert selbstgenutzten Wohneigentums", der den Einkommensvorteil von Eigentümern an ihrer selbstgenutzten Immobilie gegenüber einem Mieterhaushalt beschreibt. Dies umfasst auch die nichtmonetären Einkommensvorteile bei verbilligt oder kostenfrei überlassenem Wohnraum (z.B. sozialer Wohnungsbau, Betriebswohnungen, mietfreies Wohnen).

Ein Standardproblem in allen Bevölkerungsumfragen sind fehlende Angaben einzelner befragter Personen, insbesondere bei als sensitiv empfundenen Fragen wie solchen nach dem Einkommen. Dabei ist häufig ein sozial selektives Antwortverhalten festzustellen: Insbesondere Personen mit über- sowie solche mit unterdurchschnittlichen Einkommen verweigern häufig eine Angabe. In den vom DIW analysierten Daten des SOEP werden fehlende Antwortangaben im Rahmen aufwendiger, quer- und längsschnittbasierter Imputationsverfahren geschätzt und den jeweiligen Personen bzw. Haushalten zugeordnet.

Lesen Sie mehr zum Thema:
DIW Wochenbericht 18/2016 | PDF, 225.41 KB "Schrumpfender Anteil an BezieherInnen mittlerer Einkommen in den USA und Deutschland"
Interview | PDF, 101.07 KB mit Markus M. Grabka: "Trotz starkem Arbeitsmarkt ist der Anteil mittlerer Einkommensbezieher in Deutschland nicht gestiegen" (Mai 2016)

"Einkommens- und Vermögensungleichheit in einem wohlhabenden Staat": Rückblick auf eine Konferenz von DIW Berlin und Wirtschaftsdienst