DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Frauenquote

Eine Frauenquote ist eine Vorgabe, die festlegt, dass ein bestimmter Mindestprozentsatz von Beschäftigten eines Unternehmens oder Mitgliedern eines Gremiums aus Frauen bestehen muss. Mithilfe einer Quote soll das politische Ziel umgesetzt werden, den Anteil von Frauen in bestimmten Berufsgruppen und/oder Führungsebenen zu erhöhen.

Der Anteil von Frauen in den Spitzengremien großer Unternehmen bewegt sich in Deutschland bereits seit Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Forschungsergebnisse des DIW Berlin zu diesem Thema deuten darauf hin, dass rasche Fortschritte bei der Besetzung der Spitzengremien mit Frauen erst durch verbindliche zeitnahe Zielsetzungen erreichbar sind. Auf Bundesebene hat der Bundesrat im September 2012 mehrheitlich für eine 40-Prozent-Quote von Frauen in Aufsichtsräten gestimmt. Am 11. Dezember 2014 schließlich beschloss das Bundeskabinett einen Entwurf für ein Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst, das der Bundestag am 6. März 2015 verabschiedet hat. Die Bestimmungen zu einer verbindlichen Geschlechterquote im Aufsichtsrat richten sich nach derzeitigem Stand an gut 100 Unternehmen. Als Sanktion vorgesehen ist bei einer quotenwidrigen Wahl, dass die für das unterrepräsentierte Geschlecht vorgesehenen Plätze unbesetzt bleiben (leerer Stuhl). Für etwa 3.500 Unternehmen sieht das Gesetz vor, dass sie Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Management-Ebenen festlegen müssen. Allerdings sind bei Nichterfüllung der letztgenannten Maßnahme keine Sanktionen vorgesehen. Die Festlegung von Zielgrößen setzt auf die Förderung von Frauen innerhalb der Unternehmen und soll einen Aufstieg bis in Spitzenpositionen ermöglichen. Die Quotenregelung ist Anfang 2016 in Kraft getreten.

Auf europäischer Ebene kamen die Pläne für eine europaweite Geschlechterquote im Jahr 2015 nicht voran. Im November 2012 hatte die EU-Kommission eine Richtlinie zur Gewährleistung einer ausgewogeneren Vertretung von Frauen und Männern in Aufsichtsräten großer börsennotierter Unternehmen entworfen und eine Geschlechterquote von 40 Prozent bis zum Jahr 2020 vorgeschlagen. Das Europäische Parlament stimmte dem Vorschlag im November 2013 zu. Der nächste Schritt auf dem Weg zur EU-Quote wäre die Zustimmung des Rates der Europäischen Union. Da einige Mitgliedstaaten eine EU-Quote ablehnen oder zumindest Bedenken haben, versuchten erst der italienische und dann der luxemburgische Ratsvorsitz, den Vorschlag anzupassen – unter anderem, um abweichende nationale Regelungen wie die deutsche Quote zuzulassen. Trotzdem konnte der Rat der Europäischen Union in der Sitzung vom 7. Dezember 2015 weiterhin zu keiner Einigung zur Richtlinie über Frauen in Leitungsorganen von Unternehmen gelangen. Deutschland stimmte dem Vorschlag nicht zu und trug damit dazu bei, dass der EU-Quotenvorstoß gestoppt wurde. Ob eine einheitliche Regelung in Zukunft gelingt, ist ungewiss.

Einige europäische Länder haben bereits Frauenquoten für Aufsichtsräte und teilweise auch für Vorstände in der Privatwirtschaft beschlossen, nämlich Norwegen, Frankreich, Spanien, Belgien, die Niederlande, Italien und Island. In vielen weiteren Staaten Europas wird die Frage nach der Einführung von Frauenquoten diskutiert, so etwa in Österreich, Großbritannien, Schweden und Finnland.

Europäische Länder mit einer Frauenquote für die Privatwirtschaft
LandFrauenanteilZeitraumGremienArt der Quote
Norwegen 40% seit 2004 monistisches Board-System hart mit Sanktionen
Island 40% ab 2013 monistisches Board-System  
Spanien 40% ab 2015 monistisches Board-System weich
Frankreich 20% (nach 3 Jahren),
40% (nach 6 Jahren)
ab 2014: 20%,
ab 2017: 40%
Aufsichtsräte und Vorstände hart mit Sanktionen
Niederlande 30% ab 2016 Aufsichtsräte und Vorstände weich
Belgien 30% ab 2012 Vorstände weich
Italien 20% (nach 1 Jahr),
30% (nach 4 Jahren)
ab 2012: 20%,
ab 2015: 30%
Aufsichtsräte hart

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