DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Staatsanleihen

Staatsanleihen sind handelbare Kredite, die die öffentliche Hand aufnimmt. Durch Ausgabe solcher Anleihen decken die öffentlichen Gebietskörperschaften (Bund, Länder und Gemeinden) zum einen den Bedarf an Finanzmitteln, der sich aus der Differenz zwischen Steuereinnahmen und öffentlichen Ausgaben ergibt. Zum anderen werden durch Neuemission (Neuausgabe) diejenigen Anleihen ersetzt, deren Laufzeit zu Ende ist. Die Einnahmen aus den neuen Anleihen, werden dann zur Rückzahlung der alten Anleihen benutzt.

Werden alte Anleihen nicht durch neue ersetzt, kommt es zu einer echten Rückzahlung der Staatsschuld. Das heißt, es wird getilgt und der Nominalwert der Staatschuld geht zurück. Perioden der echten Rückführung der Staatschuld durch Tilgung sind jedoch eher selten. Nur wenige Staaten haben in der jüngeren Vergangenheit solche Tilgungsperioden aufzuweisen, darunter die USA, Spanien und Schweden. Die Schuldentragfähigkeit eines Landes wird allerdings auch nicht am absoluten Schuldenstand, sondern an der Relation zwischen Schuldenstand und nominalem Bruttoinlandsprodukt- der sogenannten Schuldenstandsquote - gemessen. Damit die Schuldenstandsquote sinkt, muss der Bestand an Staatsanleihen nicht notwendigerweise zurückgehen. Es genügt, wenn der Schuldenstand langsamer wächst als das nominale Bruttoinlandsprodukt.

Moderne Finanzsysteme sind auf Staatsanleihen angewiesen. So fordern Finanzmakler zu Beginn eines jeden Termingeschäfts eine Sicherheit, die eventuelle Verluste tragen kann. Hier werden häufig Staatsanleihen hinterlegt. Ebenso wie bei Geschäften mit Rückkaufvereinbarung, sogenannte Repo-Geschäfte, und allen Arten von Hebelgeschäften, die ebenfalls besichert werden müssen. Lebensversicherungen müssen einen Teil ihrer Gelder in Titel investieren, die zum Fälligkeitstermin sehr schnell und ohne Wertverlust verkauft werden können, sie halten Staatsanleihen. Banken benutzen Staatsanleihen zudem als Instrument zur Absicherung ihrer Liquidität und zum Management ihres Eigenkapitalbedarfs.

Diese herausragende Rolle als Sicherheit, Vehikel zur Aufbewahrung von Ersparnissen für die Alterssicherung sowie als Instrument der Liquiditätssicherung und des Eigenkapitalmanagements erklärt den hohen Bedarf an sicheren Staatspapieren.

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