DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Lebenserwartung

Unter Lebenserwartung versteht man im Allgemeinen das Alter, das eine Person durchschnittlich bis zu ihrem Tod erreicht. Unter fernerer Lebenserwartung wird die Anzahl an Jahren verstanden, die eine Person oder eine Gruppe von Personen in einem bestimmten Alter im Durchschnitt noch zu leben hat.

Am DIW Berlin kommt die Lebenserwartung insbesondere im Kontext sozialwissenschaftlicher Forschung vor. Bei Fragestellungen, wie „Wirkt sich die Höhe des Einkommens auf die Lebenserwartung aus?" oder „Welche Berufsgruppen haben eine besonders geringe/hohe Lebenserwartung?" ist dieser Aspekt relevant. Die Daten für solche Berechnungen kommen aus verschiedenen Quellen. In vielen Ländern werden zur Analyse von Unterschieden in der Lebenserwartung nach Einkommensgruppen Daten aus Sterberegistern auf der einen Seite mit Registerdaten der Sozial- oder Steuerstatistik auf der anderen Seite verknüpft. Da dies in Deutschland nicht möglich ist, wird bei entsprechenden Forschungsfragen entweder auf Daten der deutschen Rentenversicherung, oder des statistischen Bundesamtes zurückgegriffen oder im Fall von DIW-Studien häufig auf die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Vorteil der offiziellen Statistiken von Rentenversicherung und statistischem Bundesamt sind eine große Fallzahl und die Validität der Angaben zum beitragsrelevanten Einkommen. Zu den Nachteilen zählen die Beschränkung der Einkommensinformationen auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen, so dass Einkommen aus Selbständigkeit oder von Beamten, aber auch zum Beispiel Kapitaleinkünfte, Einkünfte aus Vermietung/Verpachtung oder Transferleistungen an und von anderen Personen keine Berücksichtigung finden. Ein weiteres Problem stellt der Mangel an weiteren Personenmerkmalen wie physischer und psychischer Belastung, dem gesundheitsrelevanten Verhalten, dem Einfluss des sozialen Kontexts, der sozialen Herkunft oder biographischer Erfahrungen dar.

SOEP-Daten haben den Vorteil, dass der Analyse ein breiter Begriff des verfügbaren Einkommens aus verschiedenen Einkommensquellen zugrunde gelegt werden kann. Weiterhin steht eine Vielzahl sozio-ökonomischer und gesundheitsrelevanter Merkmale zu den Untersuchungspersonen zur Verfügung. Da die Stichprobe jedoch erheblich kleiner ist als bei der Rentenversicherung, steigt die Ungenauigkeit bei der Schätzung der Lebenserwartung, insbesondere für kleine Subgruppen. Außerdem ist die Teilnahme am SOEP freiwillig, was möglicherweise selektive Teilnahmeraten zur Folge hat. Bisherige SOEP-basierte Studien haben jedoch gezeigt, dass, dass Verstorbene aus dem SOEP-Datensatz eine gute Annäherung an die amtliche Statistik zur Lebenserwartung hatten.

Lesen Sie mehr zum Thema:
DIW Wochenbericht 38/2012 | PDF, 0.64 MB „Menschen mit hohen Einkommen leben länger"