DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Humankapitaltheorie

Der Ausgangspunkt der Humankapitaltheorie ist die Annahme, dass höhere Bildung sich in eine erhöhte Produktivität im Arbeitsmarkt übersetzt. Diese erhöhte Produktivität wird mit höheren Löhnen entgolten. Das bedeutet, je mehr eine Person in Bildung investiert, desto größer sind auch die erwarteten Renditen (das Einkommen der Person). Es besteht laut dieser Theorie folglich ein kausaler Zusammenhang zwischen der Bildung und dem Lebenseinkommen. Weiterhin wird angenommen, dass das Ziel des auf Bildung bezogenen Handelns die Einkommensmaximierung ist. Demnach investiert ein Individuum solange in Bildung, wie der zukünftige Nutzen der Bildungsinvestition die Kosten übersteigt. Die Kosten der Investition setzen sich zusammen aus direkten Kosten (z.B. Studiengebühren oder Bücher) und indirekten Kosten. Letztere entstehen dadurch, dass während der Zeit, die in Bildung verbracht wird, kein oder nur ein geringes Einkommen erzielt werden kann. Zudem kann der individuelle Nutzen der Bildungsinvestition durch immaterielle Faktoren wie Abneigung gegen das Lernen geschmälert werden. So erklärt sich auch, warum verschiedene Individuen unterschiedlich lange in Bildung investieren.

Die Humankapitaltheorie lässt sich auch auf Unternehmen anwenden. Sie profitieren von der erhöhten Produktivität gut ausgebildeter Arbeitnehmer. Deswegen investieren auch Unternehmen in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Auch hier wird von der Annahme ausgegangen, dass die Unternehmen solange investieren, bis die Kosten den Nutzen der erhöhten Produktivität übersteigen.

Eine Alternative zur Humankapitaltheorie ist z.B. die Signalling-Theory. In dieser Theorie wird angenommen, dass Bildung nicht unbedingt einen Effekt auf die Produktivität haben muss. Das Zertifikat, das durch die Bildung erzielt wird (beispielsweise ein Diplom) dient als positives Signal für Arbeitgeber, unabhängig davon, ob die Produktivität tatsächlich gesteigert wurde. Da Arbeitgeber die Produktivität der potentiellen Arbeitnehmern im Vorfeld nicht beobachten können, verlassen sie sich auf das Signal, in diesem Fall den Bildungsabschluss.

Siehe auch Bildungsrendite

Lesen Sie mehr zum Thema:
DIW Wochenbericht 13/2012 | PDF, 489.23 KB "Uni, Fachhochschule oder Ausbildung - welche Fächer bringen die höchsten Löhne?"
DIW Roundup 2 "Hochschulstudium: Nicht ausgeschöpfte Potentiale trotz 'Akademisierungswahn'"