DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Financial Engineering

Mit Financial Engineering werden komplexe Finanzierungstechniken mit Hilfe von Finanzderivaten bezeichnet, die zunächst im Bereich der Finanzierung größerer Geschäfte - etwa der Anbahnung und Durchführung großer Investitionsprojekte - eingesetzt werden. Die sich dabei ergebenden Finanzierungen mit unterschiedlichen Zahlungsterminen, Zahlungen in unterschiedlichen Währungen und den damit verbunden Risiken wie Zahlungsausfällen, Zinsrisiken, Wechselkursrisiken etc. werden in einem Gesamtplan zusammengeführt und mit Hilfe entsprechender einzelner Finanzierungstechniken, wie Swaps, Kreditausfallversicherungen oder Kreditfinanzierungen unter dem Aspekt einer möglichst kostengünstigen und risikoarmen Finanzierung strukturiert.

So wird bei der Finanzierung großer Infrastrukturprojekte, zum Beispiel eines Flughafens oder einer Autobahn, oftmals eine Finanzierungsgesellschaft eingerichtet. Zur Vorfinanzierung werden die Mittel dann mittels Verbriefungen über den Kapitalmarkt möglichst kostengünstig beschafft. Als Sicherheiten kann einerseits das Investitionsobjekt selbst -beispielsweise eine Immobilie - dienen. Man bezeichnet diese Form auch als Asset Backed Security (ABS). Es können aber auch nur zukünftige Einnahmeströme aus dem Finanzierungsprojekt zur Tilgung der Verbriefung als Sicherheit verpfändet werden. Man bezeichnet solche speziellen Formen der Verbriefungen im englischen auch als Future-Flow Securitizations.

Komplexe Finanzgeschäfte, die unter dem Oberbegriff Financial Engineering zusammengefasst werden, können jedoch nicht nur zur Absicherung, sondern auch für Spekulationszwecke eingesetzt werden. Investoren sind bereit spezielle Risiken zu übernehmen, um hierdurch höhere Erlöse erzielen zu können. Durch den Einsatz von Financial Engineering Instrumenten besteht oft am Ende kein direkter Zusammenhang mehr zwischen dem zugrundeliegenden realen Finanzgeschäftsprozess und den Derivatgeschäften. Solche Finanzgeschäfte sind vom Risikograd her auf dem Niveau von Wetten zu sehen und somit hochspekulativ.

Lesen Sie mehr zum Thema:
DIW Wochenbericht 36/2011 | PDF, 0.76 MB "Staatsverschuldung und Financial Engineering"