DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Finanztransaktionssteuer

Die Finanztransaktionssteuer ist eine Steuer, die auf Handel mit Wertpapieren oder Derivaten erhoben wird. Sie ist damit ein Instrument zur Eindämmung von komplexen Finanzinnovationen und spekulativen Finanzgeschäften wie etwa Regulierungsarbitrage, Blitzhandel und exzessiven Hebel- und Spekulationsgeschäften. Diese Klasse von Aktivitäten steht im Verdacht, mit zur Entstehung der Finanzkrise beigetragen oder sie verstärkt zu haben. Deshalb wurde die Einführung einer Finanztransaktionssteuer auf EU-Ebene oder durch eine Gruppe von EU-Mitgliedstaaten diskutiert. In einigen Ländern werden bereits Finanztransaktionssteuern erhoben.

Die Bemessungsgrundlage der Steuer ist in der Regel der Nominalwert des gehandelten Papiers. Ein EU-Vorschlag sieht vor, den Handel mit Anteilen und Anleihen mit einem Steuersatz von 0,2 Prozent und Derivate mit einem Steuersatz von 0,02 Prozent zu belegen. Wegen dieser vergleichsweise geringen Steuersätze kann eine in Relation zum Nominalwert hohe Steuerbelastung nur durch häufigen Handel zustande kommen. Ein geringer Umschlag hält dementsprechend den Steuerbetrag niedrig.

Die Transaktionssteuer würde beispielsweise fällig, wenn ein Fondsmanager oder eine Bank auf eigene Rechnung, oder auf Rechnung eines Kunden, Anteilsscheine und Anleihen handelt. Sie würde auch fällig, wenn Banken untereinander Derivateverträge abschließen. Sowohl der Verkauf als auch der Kauf soll nach den Plänen der EU Kommission besteuert werden. Die sogenannten Primärmärkte, also etwa Kreditaufnahme eines Unternehmens, Neuausgabe von Anteilsscheinen, wie etwa Aktien, sind von der Steuer nicht betroffen. Auch Transaktionen, die auf Giro-und Banksparkonten stattfinden, sind ausgenommen.

Siehe auch Hochfrequenzhandel

Lesen Sie mehr zum Thema:
DIW Wochenbericht 8/2012 | PDF, 0.54 MB "Finanztransaktionssteuer: kurzfristigen Handel verteuern, Finanzmärkte stabilisieren"
DIW Wochenbericht 8/2013 | PDF, 471.71 KB "Nachhaltige Finanzmärkte: Finanztransaktionssteuer und hohe Eigenkapitalpuffer sind unverzichtbar"
DIW Berlin: Politikberatung kompakt 64 | PDF, 1.48 MB "Ökonomische und fiskalische Effekte der Einführung einer Finanztransaktionssteuer für Deutschland"