DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Stromhandel

Mit Strom wird entweder „Over the Counter" (OTC) direkt zwischen den Vertragsparteien oder auf organisierten Märkten gehandelt. Dabei verpflichten sich in der Regel Stromerzeuger gegen eine Zahlung zur Produktion einer festgelegten Strommenge zu einem bestimmten Erfüllungstermin. Die Kunden der Stromerzeuger können dabei Direktabnehmer sein (etwa große Industriebetriebe), Zwischenhändler oder die Stromversorger, die den Strom letztlich an die Endverbraucher liefern.

Wenn die im Stromhandel vereinbarten Fahrpläne (Erzeugungspläne) nicht mit dem Stromnetz sicher umsetzbar sind - also wenn Engpässe oder Netzüberlastungen drohen - kommt es zum sogenannten Redispatch, bei dem einzelne Kraftwerke entgegen der vorher vertraglich vereinbarten Fahrpläne herunter- oder gegebenenfalls angefahren werden. Dies entscheiden die Netzbetreiber. Die Aufsicht darüber führt die Bundesnetzagentur.

Im deutschen Strommarkt erfolgt ein großer Teil der mit physischer Erfüllung verbundenen Geschäfte im OTC-Verfahren im Voraus, Börsenmärkte wie die europäische Strombörse EPEX gewinnen aber insbesondere bei den finanziellen Produkten vom Handelsvolumen her an Bedeutung. Der Stromhandel an der Börse lässt sich weiterhin in den Spot- beziehungsweise Day-Ahead-Handel, den untertägigen Handel (Intraday) und den Terminhandel unterscheiden. Spotmärkte handeln in europäischer Terminologie mit kurzfristigen Stromprodukten, die mit bis zu eintägiger, und im Intraday mit bis zu stündlicher Differenz zwischen Vertragsabschluss und Lieferung beziehungsweise Abnahme verbunden sind. Dagegen steuern die Terminmärkte den Handel mit Stromprodukten bis zu mehreren Jahren vor Erfüllung. Die durchschnittlichen Spotmarktpreise für einzelne Stunden (am Folgetag, day ahead) schwanken sehr stark, wobei die kurzfristigen Änderungen vor allem aus dem Verlauf der Nachfrage und in zunehmendem Maße auch durch fluktuierende Erzeugung aus Windkraft und Photovoltaikanlagen resultieren (siehe dazu auch Strategische Reserve). Darüber hinaus weist auch der Verlauf der durchschnittlichen Strompreise, beispielsweise pro Quartal, erhebliche Schwankungen auf.

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DIW Wochenbericht 9/2015 | PDF, 0.92 MB "Energiewende und Strommarktdesign: Zwei Preiszonen für Deutschland sind keine Lösung"