DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Verbriefungen

Verbriefungen – auch Securitizations genannt – sind handelbare Finanzprodukte. Zum Beispiel werden Hypothekenkredite oft verbrieft, so auch die Subprime Hypothekenkredite in den USA. Die zu verbriefenden Kredite werden aus den Büchern der Bank entfernt und üblicherweise von einer „Schattenbank" in Form einer Zweckgesellschaft außerhalb der Bankbilanz übernommen. Zur Finanzierung der Übernahme emittieren die Zweckgesellschaften Anleihen, die in Tranchen geratet werden. Das Rating einer Tranche richtet sich nach der von den Ratingagenturen geschätzten Ausfallwahrscheinlichkeit derjenigen Kredite, die diese Anleihetranchen absichern.

Es gibt die sogenannten Super-Senior-Tranchen mit dem besten Rating, ihre Ausfallwahrscheinlichkeit liegt laut Benotungsschema der Rating-Agentur Fitch zwischen 0,061 Prozent und 0,304 Prozent. Die nächste Kategorie sind Mezzanine Tranchen, hier kann die Ausfallwahrscheinlichkeit zwischen knapp einem Prozent (BBB) und gut neun Prozent (B) liegen. Die höchste Ausfallwahrscheinlichkeit liegt bei der Equity-Tranche. Die regelmäßigen Zinszahlungen, die an die Käufer der Anleihen gehen, kommen aus den Zinszahlungen der Kreditnehmer, also im Fall der Hypotheken von den Hausbesitzern. Fallen diese Schuldner aus, dann fallen auch die Anleihen aus.

Vor dem Ausbruch der Subprime-Krise wurden solche hypothekenbesicherten Verbriefungen der ersten Stufe (Mortgage backed Securities - MBS) unterschiedlicher Bonität weltweit verkauft. Der Anteil an den Subprime Krediten, deren Risiken mittels Verbriefung an Finanzinstitute in der ganzen Welt weitergereicht wurden, ist in den Jahren vor der Finanzkrise stark angestiegen. Die Käufer von verbrieften Wertpapieren (Anleihekäufer) tragen die anfallenden Verluste durch Kreditausfall nach dem „Wasserfallprinzip". Die Equity Tranche, muss die ersten Verluste tragen. Erst wenn die Verluste höher sind als der Anteil der Equity Tranche an der Gesamtverbriefung ist auch die nächsthöher geratete Tranche betroffen und muss Verluste tragen. Dieses Prinzip zieht sich durch alle Tranchen. Die am höchsten geratete und damit sicherste Tranche, die Super-Senior Tranche, ist daher im Normalfall gegen Verluste gut abgesichert. Im Fall der amerikanischen Subprime Kredite war dies jedoch nicht der Fall, weil hier durch Wiederverbriefung ähnlich riskanter, mezzaniner MBS-Tranchen Klumpenrisiken geschaffen wurden. Für das Rating der Anleihen, die mit den MBS-Tranchen unterlegt waren, nutzten die Ratingagenturen wieder das gesamte Bonitätsspektrum, angefangen von Super-Senior Tranche bis Equity Tranche. Nach Ausbruch der Finanzkrise fielen schließlich viele der Anleihen aus den Verbriefungen der zweiten Stufe sehr schnell auf Junk-Bond-Status.

Lesen Sie mehr zum Thema:
DIW Wochenbericht 35/2011 | PDF, 463.61 KB "Verbriefungen sind tot - lang leben Verbriefungen?"
DIW Berlin: Politikberatung kompakt 66 | PDF, 0.69 MB "Nachhaltige Finanzmärkte - eine Bestandsaufnahme nach fünf Jahren Finanzkrise"