DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Chancengleichheit

Chancengleichheit findet sich als Ziel in fast allen westlich geprägten Gesellschaften. Der Begriff bedeutet keineswegs Aufstieg für alle. Er kennzeichnet vielmehr eine Situation, in der jeder im Verlauf seines Lebens die Möglichkeit zum Aufstieg hat. Arbeitsmarkterfolg, Bildungserfolg oder kurz der soziale Status einer Person sollen vor allem von Faktoren abhängen, die individuellen Talenten und Fähigkeiten zugeschrieben werden können und die im Einflussbereich des Einzelnen liegen. Umweltfaktoren, die der Einzelne nicht beeinflussen kann, sollten keinen Einfluss auf den eigenen Erfolg oder Misserfolg haben. Der bekannte Ökonom und Politikwissenschaftler John E. Roemer bezeichnet dies als „Vorbereiten eines ebenen Spielfeldes" durch die Gesellschaft. Das Spiel hingegen soll jede Person selbst spielen.

Chancengleichheit ist in dieser Definition eng verbunden mit dem Ausmaß sozialer Mobilität in einer Gesellschaft: So stellt der Familienhintergrund, zum Beispiel die soziale Stellung der Familie, von der man abstammt, einen Faktor dar, den der Einzelne nicht beeinflussen kann. Hängt nun der eigene Erfolg maßgeblich von diesem Faktor ab, so ist die Folge für die Gesellschaft eine niedrige soziale Mobilität, und das Ziel der Chancengleichheit wird nur unzureichend eingelöst.

Lesen Sie mehr zum Thema:
DIW Wochenbericht 4/2013 | PDF, 0.51 MB "Wenig Chancengleichheit in Deutschland: Familienhintergrund prägt eigenen ökonomischen Erfolg"
DIW Roundup 2 "Hochschulstudium: Nicht ausgeschöpfte Potentiale trotz 'Akademisierungswahn'"