Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 06.03.2013

Volksvertreter sind risikofreudiger als das Volk

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Repräsentative Befragung von Mitgliedern des Deutschen Bundestags zeigt erstmals empirisch die erhöhte Risikobereitschaft von Politikern

Mitglieder des Deutschen Bundestags sind einer Studie zufolge deutlich risikofreudiger als die Bürger in Deutschland. Wie die Befragung von Abgeordneten durch Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Languages of Emotion“ der Freien Universität Berlin und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin ergab, liegt die Risikofreude von Abgeordneten noch über der von selbständig Berufstätigen, die ihrerseits risikobereiter sind als Angestellte oder Beamte. Dies gilt für sämtliche Risikobereiche, die in der Studie erhoben wurden: Autofahren, Geldanlagen, Sport und Freizeit, Karriere, Gesundheit und Vertrauen. Die Autoren interpretieren dieses Ergebnis positiv. Erste Ergebnisse der repräsentativen Studie wurden jetzt im Wochenbericht des DIW Berlin sowie in einem Arbeitspapier des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) veröffentlicht.

Die Autoren der Studie, Moritz Heß, Prof. Dr. Gert G. Wagner, Prof. Dr. Christian von Scheve und Prof. Dr. Jürgen Schupp, bewerten die überdurchschnittliche Risikofreude der Bundestagsabgeordneten positiv. „Andernfalls würden wichtige gesellschaftliche Entscheidungen angesichts der kaum überschaubaren Risiken oft nicht getroffen“, sagt der Soziologe und Hauptautor der Studie, Moritz Heß. „Die Folge wären Stagnation und gesellschaftlicher Stillstand.“ Eine Gefahr für die Demokratie sehen die Forscher in der gesteigerten Risikofreude nicht. „Das Ergebnis zeigt eine gelungene sinnvolle Arbeitsteilung zwischen Bürgern, Wählern und Politikern“, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler Gert G. Wagner. Denn die individuelle Risikofreude der Abgeordneten und Politiker würde durch demokratische Strukturen und parlamentarische Abläufe gebremst.

Für ihre Studie hatten die Forscher Ende 2011 alle 620 Abgeordneten des 17. Deutschen Bundestags schriftlich befragt. Davon antworteten 28 Prozent. Vergleiche mit den statistischen Merkmalen aller Abgeordneten zeigen, dass die Stichprobe der Studie repräsentativ ist. Um einen Vergleichswert für die Risikofreude der Bevölkerung zu erhalten, wurden Daten des SOEP ausgewertet.

Die Fragen an die Bundestagsabgeordneten waren analog zu den entsprechenden Fragen im SOEP formuliert: Auf einer Skala von Null (= gar nicht risikobereit) bis Zehn (= sehr risikobereit) schätzten die Politiker ihre Risikobereitschaft selbst ein. Sie gaben den Grad ihrer allgemeinen Risikoneigung an sowie ihre Risikobereitschaft beim Autofahren, bei Geldanlagen, in Freizeit und Sport, in der beruflichen Karriere sowie mit Blick auf ihre Gesundheit und Vertrauen in fremde Menschen. Darüber hinaus machten sie Angaben zu ihrer Risikoneigung bei politischen Entscheidungen. Auf eine Frage nach der parteipolitischen Zugehörigkeit der Abgeordneten wurde bewusst verzichtet, um auszuschließen, dass die Ergebnisse der Studie für parteipolitische Zwecke genutzt wird.

Literatur
Heß, M., von Scheve, C., Schupp, J., Wagner. G. G. (2013): Sind Politiker risikofreudiger als das Volk? Eine empirische Studie zu Mitgliedern des Deutschen Bundestags, SOEPpaper Nr. 545, DIW Berlin.


Pressekontakte

- Monika Wimmer, Pressereferentin Sozio-oekonomisches Panel (SOEP), Tel.: 030/89789-251, E-Mail: mwimmer@diw.de
- Nina Diezemann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Cluster Languages of Emotion der Freien Universität Berlin, Tel.: 030/838-57864, E-Mail: nina.diezemann@fu-berlin.de

Stichwort SOEP

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP ist am DIW Berlin angesiedelt und wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa 30.000 Befragte in mehr als 14.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

Links

Wochenbericht 10/2013: Volksvertreter sind risikofreudiger als das Volk | PDF, 117.15 KB

Wochenbericht 10/2013 als E-Book | EPUB, 2.04 MB

SOEPpaper 545: Sind Politiker risikofreudiger als das Volk? Eine empirische Studie zu Mitgliedern des Deutschen Bundestags 

Internetauftritt des SOEP

Internetauftritt des Exzellenzclusters "Languages of Emotion" der FU Berlin

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Das DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) ist seit 1925 eines der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Es erforscht wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge in gesellschaftlich relevanten Themenfeldern und berät auf dieser Grundlage Politik und Gesellschaft. Das Institut ist national und international vernetzt, stellt weltweit genutzte Forschungsinfrastruktur bereit und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das DIW Berlin ist unabhängig und wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut Kantar Public (zuvor TNS Infratest Sozialforschung) in mehreren tausend Haushalten statistische Daten erhoben. Zurzeit sind es etwa 30.000 Personen in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

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