DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Investitionsquote (Investitionslücke)

Die gesamtwirtschaftliche Investitionsquote ist definiert als das Verhältnis von Bruttoanlageinvestitionen zum Bruttoinlandsprodukt (in Prozent). Anhand dieser Kennziffer lässt sich beurteilen, wie stark ein Land in seine künftige wirtschaftliche Entwicklung investiert. Die Investitionsquote wird vor allem für Vergleiche zwischen verschiedenen Ländern oder Ländergruppen herangezogen. Die Daten zur Berechnung der Investitionsquote stammen aus den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen; sie stehen in weitgehend gleicher Abgrenzung für fast alle Länder der Welt zur Verfügung. Für differenziertere Betrachtungen können separate Investitionsquoten nach Investitionsarten (Ausrüstungen, Bauten) oder nach Investorengruppen (Unternehmen, Staat) berechnet werden.

Die deutsche Investitionsquote ist im internationalen Vergleich gering. Im Jahr 1999 lag sie bei rund 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 2012 waren es nur noch knapp über 17 Prozent. Im Durchschnitt der Jahre von 1999 bis 2012 war die Investitionsquote in Deutschland um rund vier Prozentpunkte niedriger als in der OECD insgesamt und um rund drei Prozentpunkte niedriger als in den übrigen Ländern des Euroraums. Untersucht man statistisch den Zusammenhang zwischen dem Industrieanteil an der gesamten Wertschöpfung und der gesamtwirtschaftlichen Investitionsquote in entwickelten Volkswirtschaften, so zeigt sich ebenfalls, dass Deutschland eine Investitionslücke von rund drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufweist.

Aufgrund seiner Spezialisierung auf forschungsintensive Industrien und wissensintensive Dienstleistungen stellt Deutschland vergleichsweise hohe Anforderungen an das Produktionsumfeld hinsichtlich Humankapital, Ressourcenschonung sowie Mobilität und müsste deswegen deutlich mehr investieren als andere Länder, um ein gesundes Wachstum und damit auch Einkommenssteigerungen langfristig sicherstellen zu können.

Lesen Sie mehr zum Thema:
DIW Wochenbericht 15/2016 | PDF, 0.63 MB "Investitionsschwäche der Unternehmen schafft Handlungsbedarf"
DIW Wochenbericht 27/2014 | PDF, 1.23 MB "Eine Investitionsagenda für Europa"
DIW Wochenbericht 26/2013 | PDF, 0.99 MB "Deutschland muss mehr in seine Zukunft investieren"
DIW Wochenbericht 46/2012 | PDF, 230.41 KB "Deutschlands Wachstums und Investitionsdynamik nach der globalen Finanzkrise"
Gutachten "Private Investitionen in Deutschland"