DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Target 2

Target 2 (Trans-European Automated Realtime Gross Settlement Express Transfer) ist das elektronische Zahlungsverkehrssystem des Eurosystems (Zusammenschluss der nationalen Zentralbanken der Länder, die den Euro eingeführt haben). Über Target 2 werden Zahlungen innerhalb des Euroraums abgewickelt. Der Zusatz „2“ steht für die im Jahr 2007 eingeführte, technisch verbesserte zweite Generation des seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 betriebenen Target-Systems. Der Zahlungsverkehr wird bei Target 2 (T2) insbesondere über die Zentralbankkonten der Finanzinstitute bei den Notenbanken jenes Landes abgewickelt, in dem diese Banken zugelassen sind.

Eine nationale Zentralbank verbucht eine T2-Forderung in ihrer Bilanz, wenn eine Geschäftsbank in ihrem Hoheitsgebiet Zahlungen aus dem europäischen Ausland empfängt. Der Zentralbank des Landes jener Geschäftsbank, die eine Überweisung in das Ausland tätigt, entsteht umgekehrt eine T2-Verbindlichkeit. Am Tagesende werden sämtliche derart entstandene Forderungen und Verbindlichkeiten einer jeden nationalen Zentralbank zu einer einzigen Position gegenüber der EZB saldiert, die somit als zentrale Abwicklungsstelle fungiert. Alle Zahlungen über T2 werden in Zentralbankliquidität abgewickelt. Für die nationale Zentralbank der zahlenden Bank ist die Überweisung gleichbedeutend mit einer Verringerung ihrer Verbindlichkeiten gegenüber ihrem Bankensektor, da Zentralbankliquidität aus ihrem Zuständigkeitsbereich abgeflossen ist. Dagegen entstehen für die nationale Notenbank der Empfängerbank durch die Überweisung höhere Verbindlichkeiten gegenüber ihrem Bankensektor, da diese einen Zufluss von Zentralbankliquidität verbucht.

Target 2 ist besonders im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem Jahr 2008 und der folgenden Staatsschuldenkrise im Euroraum in den Fokus öffentlichen Interesses gerückt. Aufgrund verstärkter Kapitalbewegungen aus den Krisenländern in die stabilen Länder des Währungsraums sind sehr große Ungleichgewichte in den Target-Positionen der nationalen Zentralbanken entstanden. Angesichts der Tatsache, dass Länder mit T2-Forderungen ein Verlustrisiko für den Fall tragen, dass ein Land mit T2-Verbindlichkeiten aus der Währungsunion austritt oder diese komplett auseinander bricht, wurde der Aufbau von T2-Ungleichgewichten verschiedentlich sehr kritisch diskutiert.

Siehe auch Target-Salden

Lesen Sie mehr zum Thema:
DIW Wochenbericht 44/2013 | PDF, 0.55 MB "Liquiditätsmanagement des Eurosystems im Zeichen der Krise"