SOEP-LEE: Die Betriebsbefragung des Sozio-oekonomischen Panels

In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass die Ebene der Organisation in der eine Person arbeitet, von wesentlicher Bedeutung für die Erklärung von individuellem Lebenserfolg ist. Dies gilt unter anderem für die ökonomische und soziologische Arbeitsmarktforschung, die Netzwerk- und Sozialkapitalforschung, die Gesundheitsforschung, die Forschung zu Bildungs- und Kompetenzerwerbsprozessen, zur Lohnbildung, zum Work-Life-Interface und für die Ungleichheitsforschung insgesamt. Daher richtet sich das Interesse vermehrt auf sogenannte „Linked-Employer-Employee“ (LEE) Datensätze, bei denen Individualdaten von Beschäftigten mit Informationen über ihre Betriebe verknüpft werden.

Die im Rahmen des Projekts SOEP-LEE zu erhebenden Betriebsdaten werden die Informationen zum Arbeitskontext und zu den Arbeitsbedingungen der Befragten des  Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) entscheidend erweitern. In der Umsetzung des Projekts werden sämtliche abhängig Erwerbstätigen der SOEP-Stichproben nach den Kontaktdaten der lokalen Betriebseinheit gefragt, in der sie im Jahr 2011 tätig waren. Diese Betriebskontaktdaten stellen die Grundlage für eine gesondert durchgeführte, standardisierte Betriebsbefragung dar. Die darin erhobenen Betriebsinformationen können anschließend mit den Individual- und Haushaltsdaten des SOEP verknüpft werden. Dieses neue Angebot eines verknüpften Personen-Betriebsdatensatz eröffnet neue Potentiale für eine Vielzahl von Sekundäranalysen mit innovativen Fragestellungen in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Eine weitere Besonderheit liegt in der Messung und Analyse der Datenqualität der Betriebsbefragung durch die Erfassung von Meta- und Paradaten im Verlauf der Datenerhebung. Damit leistet dieses Projekt auch einen Beitrag zur Fortentwicklung der Surveymethodologie im Bereich der Organisationsstudien.

Der thematische Fokus der Betriebsbefragung besteht in einer ungleichheitstheoretischen Perspektive. Die zentrale Frage lautet wie über die Ebene des Betriebs Ungleichheiten in Bezug auf zentrale Ressourcen und Lebenschancen generiert werden. Als zentrale Dimensionen der Ungleichheit gelten dabei Einkommen, Bildung und Verwirklichungschancen im Sinne von Auf- und Abstiegsmöglichkeiten, Wiedereinstieg in den Beruf und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wir gehen dabei davon aus, dass sich für unterschiedliche Beschäftigtengruppen in Betrieben jeweils auch unterschiedliche Restriktionen und Opportunitäten ergeben, d.h. Angebote zu Weiterbildungsmöglichkeiten oder zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für unterschiedliche Beschäftigtengruppen jeweils unterschiedlich ausfallen. Des Weiteren ist analysierbar, welche Folgen sich aus unterschiedlichen Heterogenitätsbedingungen in Betrieben (z.B. Beschäftigungsformen im Sinne von Befristung, Einsatz von Leiharbeit und ähnlichen „atypischen“ Beschäftigungsformen, Geschlechterzusammensetzung der Belegschaft, Altersstruktur, Ausbildungsstruktur) für die Generierung von Ungleichheiten ergeben.

Fragebogen "Arbeitgeber in Deutschland" | PDF, 0.63 MB

Bisherige Veröffentlichung: Meyermann, Alexia, Jennifer Elsner, Jürgen Schupp und Stefan Liebig. 2009. Pilotstudie einer surveybasierten Verknüpfung von Personen- und Betriebsdaten. SOEPpapers 170 | PDF, 0.72 MB . Berlin: DIW Berlin.

Kooperationspartner Universität Bielefeld:

Prof. Dr. Stefan Liebig (Projektleiter)
Alexia Meyermann (Ansprechpartnerin)

Eine ausführliche Darstellung des Projekts finden Sie hier.