DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Schiefergas

Als Schiefergas (englisch shale gas) werden Erdgasvorkommen bezeichnet, die in Gesteinsschichten aus Schiefer, Quarz und Ton eingeschlossen sind. Neben dem sogenannten Tight Gas und Kohleflözmethan zählt es zu den sogenannten unkonventionellen Erdgasvorkommen. Der Unterschied zu herkömmlich gefördertem Erdgas beruht nicht auf einer anderen Zusammensetzung – auch Schiefergas besteht größtenteils aus Methan, gemischt mit anderen Kohlenwasserstoffen – sondern auf unterschiedlichen geologischen Eigenschaften der Vorkommen.

Nicht-konventionelle Erdgasvorkommen haben allgemein eine niedrige Permeabilität (Durchlässigkeit), die besondere Techniken für die Förderung erfordern. Hierzu zählen insbesondere das horizontale Bohren und das hydraulische Fracturing (Fracking). Deren kombinierte Nutzung hat den Förderanteil von unkonventionellem Erdgas insbesondere in den USA zuletzt stark erhöht (auf über 60 Prozent der amerikanischen Erdgasförderung im Jahr 2012). Zwischen 2005 und 2012 hat sich die Schiefergasproduktion in den USA mehr als verzehnfacht. Dabei wurden zunächst die besonders kostengünstigen Vorkommen erschlossen.

Daher kam es zu einem deutlichen Preisrückgang auf dem nordamerikanischen Erdgasmarkt. So lange keine Flüssiggasexporte aus den USA möglich sind (frühestens ab 2016), ist auch weiter mit relativ niedrigen Preisen in den USA und erheblichen Unterschieden zu den Preisen in Asien und Europa zu rechnen. Langfristig ist aber eine Abschwächung des Wachstums der Schiefergasgewinnung in den USA zu erwarten, da aus immer teureren Vorkommen und unter verschärften Umweltauflagen gefördert werden muss.

Im Gegensatz zu konventionellen Erdgasvorkommen treten Schiefergasressourcen, soweit bekannt, geographisch weniger stark konzentriert auf. Neben den USA werden auch in anderen Ländern (z.B. China, Argentinien, Algerien) große Vorkommen erwartet. In Europa werden insbesondere in der Ukraine, Polen und Großbritannien nennenswerte Vorkommen vermutet. In Deutschland ist eine mögliche Schiefergasgewinnung aufgrund des Risikopotentials von Fracking umstritten. So ist laut Wasserhaushaltgesetz nachzuweisen, dass die Wasserqualität nicht nachteilig beeinflusst wird (siehe hierzu auch das Informationsangebot der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, BGR). Unterschiede zur US-amerikanischen Situation, beispielsweise in Hinblick auf das Boden- und Umweltrecht oder die geologischen Bedingungen, lassen in Europa eine ähnliche Entwicklung wie bisher in den USA als unwahrscheinlich erscheinen.

Lesen Sie mehr zum Thema:
DIW Wochenbericht 47/2013 | PDF, 314.8 KB "Internationale Erdgaspreise: Marktsegmentierung und Transaktionskosten führen zu dauerhafter Preisdivergenz "
DIW Wochenbericht 31/2013 | PDF, 365.57 KB "Strukturverschiebung in der globalen Erdgaswirtschaft: Nachfrageboom in Asien, Angebotsschock in den USA"
DIW Wochenbericht 24/2010 | PDF, 256.27 KB "Unkonventionelle Gasressourcen unerwartet groß"