DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

Familienarbeitszeit

Die Lohnersatzleistung bei Familienarbeitszeit soll Eltern oder Alleinerziehenden kleiner Kinder nach Ablauf des Elterngeldes einen finanziellen Anreiz bieten, einer reduzierten Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. Damit werden verschiedene, komplementäre Ziele verfolgt: erstens die durchschnittliche Arbeitszeit von Müttern, die primär geringfügig oder in Teilzeit beschäftigt sind, zu erhöhen; zweitens beschäftigte Väter in die Erziehungsarbeit einzubeziehen; und drittens – wie von den meisten Paaren gewünscht – im Ergebnis die Erwerbs- und Familienarbeit symmetrischer zu verteilen.

Der finanzielle Anreiz wird durch eine staatliche Leistung generiert, die den Differenzbetrag zum Vollzeit-Einkommen partiell ausgleicht. Die Leistung ist bei Paaren explizit an die Bedingung geknüpft, dass beide Elternteile mit reduzierten Stunden, beispielsweise mit 80 Prozent einer Vollzeit-Stelle, erwerbstätig sind. Für einen Großteil der Paare würde dies für Mütter eine (deutliche) Ausdehnung, für Väter eine (moderate) Reduktion ihrer gegenwärtigen Arbeitszeit bedeuten. Damit resultiert unter dem Strich eine Ausdehnung des Arbeitsvolumens insgesamt und eine symmetrischere Verteilung zwischen den Geschlechtern. (Bei Alleinerziehenden, die Anspruch auf den Entlastungsbetrag nach § 24b des Einkommensteuergesetzes haben, ist die Arbeitszeit des anderen Elternteiles nicht relevant.)

Ein absehbares Problem dieser Leistung sind Mitnahmeeffekte für Paare, die bereits ein entsprechendes Arrangement verfolgen. Allerdings sind diese überschaubar, da derzeit nur wenige Familien eine solche Aufteilung praktizieren. Des Weiteren wird die Aufteilung von Erwerbs- und Erziehungsarbeit nicht nur von finanziellen Anreizen des Steuersystems, sondern von bestehenden gesellschaftlichen Normen geprägt, die sich im (unzureichenden) Angebot entsprechender Stellen widerspiegeln. Dieser Zustand wird sich durch eine entsprechende Leistung bei Familienarbeitszeit nur bedingt beziehungsweise mittel- bis längerfristig ändern.

Lesen Sie mehr zum Thema:
DIW Wochenbericht 46/2013 | PDF, 229.82 KB "Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch eine neue Lohnersatzleistung bei Familienarbeitszeit"
DIW Wochenbericht 15/2014 | PDF, 286.99 KB "Elterngeld Plus: Der Kurs stimmt!"
DIW Wochenbericht 46/2015 | PDF, 210.3 KB "Familienarbeitszeit: mehr Arbeitszeit für Mütter, mehr Familienzeit für Väter"
DIW Discussion Paper 1592 | PDF, 433.57 KB "Veränderungen der Erwerbsanreize durch das Elterngeld Plus für Mütter und Väter"