Rückblick
2. Symposium Wissenschaft und Unternehmen im Dialog

"Frauen auf dem Weg nach oben - Schneller mit der Quote?" am Mittwoch, 4. November 2015


Am 4. November 2015 fand das 2. Symposium Wissenschaft und Unternehmen im Dialog: „Frauen auf dem Weg nach oben – schneller mit der Quote?“ des DIW Berlin in Kooperation mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Deutschen Juristinnenbund (djb) statt. Nach einer Begrüßung und Einführung in das Thema von PD Dr. Elke Holst diskutierten auf dem Podium die Unternehmensvertreter/-innen Vera Gäde-Butzlaff (Vorstandsvorsitzende der GASAG Berliner Gaswerke AG), Wilfried Porth (Vorstandsmitglied der Daimler AG, Personal und Arbeitsdirektor, IT & Mercedes-Benz Vans), Colette Rückert-Hennen (Vorstandsmitglied der SolarWorld AG, Informationstechnologie, Marke und Personal), und Marco Camboni (Leiter des Vorstandsbüros von Dr. Bettina Volkens, die kurzfristig absagen musste, Deutsche Lufthansa AG, Personal und Recht), mit den Wissenschaftlerinnen Prof. Jutta Allmendinger, Ph.D. (Präsidentin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) und PD Dr. Elke Holst (Forschungsdirektorin Gender Studies am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung) unter der Moderation von Ramona Pisal (Präsidentin Deutscher Juristinnenbund). 

 



Mit Vorstandsmitgliedern der Daimler AG und Lufthansa AG waren zwei Unternehmen vertreten, die unter das Gesetz der verpflichtenden Quotenregelung für Aufsichtsräte fallen, da sie sowohl börsennotiert als auch mitbestimmungspflichtig sind. Die SolarWorld AG und die GASAG AG sind verpflichtet Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Management-Ebenen festzulegen. Insgesamt fassten die Unternehmensvertreter/-innen die Quotenregelung positiv auf. Sie erwarten, dass dieses Instrument den Anteil von Frauen in höheren Führungspositionen befördern wird. Die Personalverantwortlichen der Daimler AG und der Lufthansa AG betonten, dass sie bereits eigene Zielvereinbarungen durchgesetzt haben. Wilfried Porth (Daimler AG) hob hervor, dass sich Daimler bereits seit 2006 eine „Quote“ gesetzt habe, um in der Grundgesamtheit und auf allen Führungsebenen einen Anteil von 20 Prozent Frauen bis 2020 zu erreichen. Marco Camboni beschrieb einen Selbstverpflichtungsplan, innerhalb dessen Lufthansa auf allen Führungsebenen einen erhöhten Frauenanteil erreichen will. Außerdem habe Lufthansa transparente Besetzungsprozesse für sämtliche Führungsstellen eingeführt.



Das neue Gesetz wurde von allen als Motivationsschub aufgefasst, das Ziel mehr Frauen in Führungspositionen auch instrumentell zu begleiten. Colette Rückert-Hennen (SolarWorld AG) betonte, dass die Quote ein Element der Nachhaltigkeitsstrategie in ihrem Unternehmen darstelle. Der Ausbau der Pipeline weiblicher Talente wurde von allen als Ausgangspunkt identifiziert, von innen heraus einen Pool talentierter Mitarbeiterinnen und Führungskräfte sicherzustellen. Elke Holst (DIW Berlin) wies auf die Notwendigkeit von Flexibilität auch im Sinne der Beschäftigten hin, so würde mehr Zeitsouveränität zunehmend gerade von jungen Talenten eingefordert. Zudem seien flexible Karrieremodelle notwendig, die Aufstiege auch in einem späteren Alter als heute üblich ermöglichen würden. Eine große Bedeutung kommt Jutta Allmendinger (WZB) folgend auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu; Arbeitgebern müsse klar sein, dass Karriere auch von Männern nicht an der Tür zur Elternzeit enden darf. Vera Gäde-Butzlaff (GASAG AG) bestätigte das und betonte, wie wichtig es ist, dass die Quote von der gesamten Führungsmannschaft getragen wird: „Wenn das Ziel gelebt wird, tut sich auch etwas.“ 


Mit dem Hinweis, dass trotz zahlreicher positiver Signale noch viel zu tun bleibt, fasste Ramona Pisal (djb) die Diskussion zusammen. Da Karrieren Zeit brauchten, sei es wichtig sicherzustellen, dass ausreichend Frauen frühzeitig auf den Weg in Spitzenpositionen vorbereitet würden. Die Entwicklungen in den Unternehmen sind in den Augen von Elke Holst und Jutta Allmendinger jedoch noch viel zu langsam. Insgesamt waren sich die Unternehmensvertreter/-innen auf dem Podium einig, dass die Quote dazu beiträgt, die eigenen Unternehmensziele im Hinblick auf mehr Frauen in Führungspositionen weiter zu stärken.