Konjunkturbarometer

Aktuelle Ergebnisse vom 26. März 2015

DIW Konjunkturbarometer März 2015: Derzeit kräftiges Wachstum ist kein Anzeichen für einen Boom

Die deutsche Wirtschaft dürfte das Tempo des bereits kräftigen Schlussquartals 2014 im laufenden Vierteljahr halten. Darauf weist das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hin, das einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal anzeigt. „Das kräftige Wachstum im Winterhalbjahr ist jedoch vor allem auf Sondereffekte zurückzuführen“, dämpft DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner übermäßig optimistische Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung. Nach Einschätzung der DIW-Experten resultiert ein großer Teil der hohen Dynamik aus den stark gesunkenen Ölpreisen, die die Teuerung merklich abschwächen, sowie der Ausweitung der Rentenleistungen.

Das DIW Konjunkturbarometer stagniert bei 105 Punkten auf hohem Niveau, deutlich über dem Schwellenwert von 100 Punkten, der ein Wachstum der deutschen Wirtschaft in Höhe des langjährigen Durchschnitts von etwa 0,3 Prozent signalisiert. Die Bauwirtschaft dürfte von den günstigen Witterungsverhältnissen zum Jahresauftakt profitiert haben; insbesondere tragen aber die konsumnahen Bereiche zum Wachstum bei, etwa der dynamische Handel. „Der private Verbrauch wird in der ersten Jahreshälfte wohl spürbar steigen“, erläutert DIW-Deutschlandexperte Simon Junker. „Vor allem die gute Arbeitsmarktlage und die kräftige Lohnentwicklung stützen die Konsumnachfrage in Deutschland“, so Junker. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt dürfte nach DIW-Einschätzung anhaltend günstig bleiben; befürchtete Beschäftigungseinbußen aufgrund der Mindestlohnregelung sind bislang ausgeblieben. Trotzdem sprechen die jüngsten Exportzahlen wie auch die Auftragslage im verarbeitenden Gewerbe nach DIW-Einschätzung nur für verhaltene Zuwächse in der Industrie.

Die Investitionen werden nach DIW-Einschätzung nur verhalten ausgeweitet, auch weil die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung hoch bleiben: „Politische Unstimmigkeiten über die Fortsetzung der Reformen in den Krisenländern des Euroraums, aber auch eine Zuspitzung im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine könnten zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führen“, erklärt Fichtner. „Wenn die Unternehmen – in Deutschland oder im Ausland – deshalb ihre Investitionen zurückfahren, dann dürfte die deutsche Konjunktur erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden“, so Fichtner.