DIW Faktencheck: Wird der Wohnraum knapp?

Nach einem jahrzehntelang rückläufigen Trend steigt die Zahl fertiggestellter Wohnungen seit dem Jahr 2011 wieder an (siehe Abbildung 2). Im Jahr 2014 wurden 245.325 Wohnungen neu errichtet, was etwa dem Niveau von vor 10 Jahren entspricht.

Abbildung: Wohnungsbau in Deutschland, fertiggestellte Wohnungen, 1950-2014 in Tausend

Die Lage auf vielen Wohnungsmärkten ist allerdings weiterhin angespannt und wird sich angesichts der oben beschriebenen Tendenzen weiter verschärfen. Bereits jetzt hält die Neubauleistung gerade im urbanen Zentrum kaum mit der gestiegenen Nachfrage Schritt. Laut den Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln besteht aktuell alleine in den fünf größten deutschen Metropolen ein Nachholbedarf von ca. 160.000 Wohnungen (http://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/beitrag/immobilienmarkt-metropolen-haben-boom-verschlafen-243283). Laut den jüngsten Prognosen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung wird der Neubaubedarf im Zeitraum zwischen 2015-2030 jährlich rund 272.000 Wohnungen betragen (BBSR-Wohnungsmarktprognose 2015). Diese Zahl berücksichtigt allerdings noch nicht die zusätzliche Nachfrage durch Flüchtlinge.

Um die potenzielle Nachfrage nach Wohnraum zu befriedigen, muss das Angebot an Wohnungen daher rasch erweitert werden. Kurzfristig ist dies allerdings aufgrund des langen Planungs- und Genehmigungsvorlaufs und der sich daran anschließenden Bauphase nur schwer umzusetzen. Es könnte damit notwendig werden, den Wohnungsneubau durch eine sogenannte Wohnraumlenkung zu ergänzen. Damit ist die Erfassung und möglichst effiziente Umverteilung der leerstehenden bzw. unterbelegten, für das Wohnen aber geeigneten Räume gemeint.