Konjunkturbarometer

Aktuelle Ergebnisse vom 27. Januar 2016

DIW Konjunkturbarometer Januar 2016: Konsum stärkt deutsche Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft dürfte sich im Winterhalbjahr günstig entwickeln. Dafür spricht das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin): Es weist auf eine leichte Beschleunigung des Wachstums hin – von gut 0,3 Prozent gegenüber den vorangegangenen drei Monaten im Schlussquartal 2015 (offizielle Zahlen zum vierten Quartal veröffentlicht das Statistische Bundesamt Mitte Februar) auf etwa 0,4 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres. Mit einem Indexstand von 102 Punkten liegt das Barometer über dem Schwellenwert von 100 Punkten, der ein durchschnittliches Wachstum anzeigt. Im Vergleich zum Vormonat ist das DIW Konjunkturbarometer um gut einen Punkt gestiegen. Trotz der etwas eingetrübten Unternehmensstimmung weisen viele – vor allem konsumnahe – Indikatoren auf eine dynamische Entwicklung hin.

„Die Entwicklung beruht allerdings nicht auf einem Wachstum in allen Bereichen der Wirtschaft“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. So dürften die konsumnahen Dienstleistungsbereiche wohl weiterhin merklich zulegen, die Industrie dagegen die gesamtwirtschaftliche Entwicklung etwas dämpfen. Die zurückhaltende Produktionsdynamik hängt wohl auch mit der Abkühlung der Konjunktur in wichtigen Schwellenländern zusammen, wenngleich sich diese bislang kaum auf die deutschen Exporte ausgewirkt hat: Die Ausfuhren setzen ihren Aufwärtstrend fort, haben zuletzt jedoch etwas an Schwung verloren, und die Unternehmen bleiben hinsichtlich ihrer Exportperspektiven unter dem Strich zuversichtlich – wohl auch, weil mit den USA und dem Vereinigten Königreich wichtige Absatzmärkte merkliche Impulse liefern. Zudem strahlt auch die kräftige Binnenwirtschaft auf die Industrie aus: Die Auftragseingänge haben insgesamt zugelegt, vor allem die inländischen. Alles in allem dürfte die Industrie ihre derzeitige Schwächephase allmählich überwinden.

Der Konsum kurbelt die deutsche Wirtschaft derzeit spürbar an. Dies liegt vor allem an der außerordentlich günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt. „Aufgrund der ölpreisbedingt geringen Teuerung wird zudem die Kaufkraft der Konsumenten spürbar angehoben“, sagt Simon Junker, DIW-Experte für die Konjunktur in Deutschland. Hinzukommen dürfte vermehrt die Nachfrage im Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration – in diesem Jahr dürften hierfür staatliche Mehrausgaben in Höhe von rund 15 Milliarden Euro anfallen; der direkte Effekt auf das Wachstum dürfte gut einen Drittel Prozentpunkt ausmachen. Die insgesamt kräftige Konsumdynamik trägt voraussichtlich dazu bei, dass die Investitionen – wenn auch zunächst verhalten – zulegen; zudem ist die Kapazitätsauslastung zum Jahresauftakt auf den höchsten Stand seit über vier Jahren gestiegen. Die Auslandsnachfrage dürfte sich ebenfalls robust entwickeln. 

Abbildung 1


Die Betrachtung des DIW-Konjunkturbarometers auf Quartalsbasis zeigt, dass - wie schon in den Vorquartalen - Indikatoren vom Arbeitsmarkt und dem Dienstleistungsbereich im Januar 2016 positiv zum Barometer beitragen (siehe Abbildung 1). Die Signale aus der Industrie wirken nach wie vor negativ auf das Barometer. Verglichen mit dem letzten Quartal 2015 fällt der dämpfende Beitrag jedoch wesentlich geringer aus. Verstärkt negative Impulse kommen dagegen vom Aktienmarkt, an dem sich die zunehmende Unsicherheit um die weltwirtschaftliche Entwicklung, insbesondere in den Schwellenländern, in niedrigeren Kursen widerspiegelt.  


Abbildung 2

 

Auch die Beiträge ausgewählter Zeitreihen zum DIW-Konjunkturbarometer im Januar 2016 zeigen teils die unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Bereichen (siehe Abbildung 2). Bei den Reihen mit einem positiven Beitrag finden sich nach wie vor Beschäftigungsindikatoren, insbesondere aus dem Dienstleistungsbereich. Der Kursverlauf sowohl des DAX als auch des MDAX Index wirkt dagegen dämpfend auf das Barometer. Für die Industrie machen sich im Januar die zuletzt merklich gestiegenen Auftragseingänge positiv bemerkbar.