Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 13.04.2016

Schwache private Investitionen in Deutschland untermauern Handlungsbedarf

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Unternehmen investieren heute kaum mehr als vor der Finanz- und Wirtschaftskrise – Handlungsempfehlungen der Expertenkommission zur Stärkung von Investitionen bleiben aktuell – Zusätzliche steuerliche Anreize sind denkbar

Die Unternehmen in Deutschland investieren nach wie vor nur sehr verhalten in ihre Produktionsanlagen: Wie aktuelle Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigen, dürften die privaten Investitionen hierzulande im vergangenen Jahr lediglich wieder das Niveau von vor der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht haben – obwohl die Wirtschaftsleistung seitdem deutlich stärker gestiegen ist. In den USA beispielsweise liegt das Investitionsniveau heute hingegen um etwa 14 Prozent höher als im Jahr 2007. Selbst in der deutschen Industrie lagen die Bruttoinvestitionen nicht einmal so hoch wie die Abschreibungen auf den vorhandenen Kapitalstock. „Die schwachen privaten Investitionen können die Produktivität und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands langfristig gefährden“, sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

Gemeinsam mit seinen Kollegen Martin Gornig und Alexander Schiersch aus der Abteilung Unternehmen und Märkte des DIW Berlin sieht Fratzscher erheblichen Handlungsbedarf: „In erster Linie sind die fehlenden oder schlechten Rahmenbedingungen dafür verantwortlich, dass Unternehmen nicht genug investieren. Da spielen Faktoren wie die öffentliche Infrastruktur, fehlende Fachkräfte oder regulatorische Unsicherheiten eine Rolle.“ Die Expertenkommission zur Stärkung von Investitionen in Deutschland hat im April 2015 Vorschläge gemacht, wie Unternehmen ermuntert werden könnten, mehr zu investieren. Im Mittelpunkt standen dabei der Ausbau der digitalen Netze, die Energieinfrastruktur sowie die Förderung von Innovationen und Startup-Unternehmen. Zwar habe die Politik einige der Vorschläge umgesetzt. „Allerdings ist bei weitem noch nicht genug geschehen“, schreiben die drei DIW-Ökonomen.

Umsetzung der Maßnahmen kommt nur langsam voran

Die politischen Maßnahmen konzentrieren sich derzeit auf höhere öffentliche Infrastrukturinvestitionen. Vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit bekommen verbesserte Rahmenbedingungen für private Investitionen. So wurden zwar im Bereich digitaler Netze über eine Breitbandförderrichtlinie 2,7 Milliarden Euro an Zuschüssen für den Netzausbau bereitgestellt. Bis der Wirtschaft flächendeckend eine auch im internationalen Vergleich hochwertige Netzinfrastruktur zur Verfügung steht, ist aber noch viel zu tun. „Eine Gefahr beim Ausbau des digitalen Netzes besteht darin, dass man im Gegenzug für die Erschließung wirtschaftlich schwacher Regionen den Wettbewerb zu stark beschränkt“, sagt DIW-Ökonom Schiersch.

Bei der Innovationsförderung ist eine ganze Reihe an zusätzlichen Initiativen und Förderprogrammen angedacht. Häufig befinden sich diese aber noch in der Planungs- oder Prüfungsphase. Sie sollten nun schnell umgesetzt werden. Ähnliches gilt für die Förderung innovativer Startups. Unter dem Strich habe die Politik zwar einige der Vorschläge zur Erhöhung privater Investitionen aufgegriffen, so die Autoren der DIW-Studie. Allerdings bleibe der Handlungsbedarf groß.

Verbesserte steuerliche Rahmenbedingungen als weitere Option

„Zusätzliche Investitionsimpulse wären über aufkommensneutrale steuerliche Anreize denkbar“, sagt DIW-Ökonom Martin Gornig. So könnte die Politik beispielsweise über verkürzte Abschreibungsfristen dafür sorgen, dass sich das wirtschaftliche Risiko für investierende Unternehmen reduziert. Weil vor allem technologieorientierte Startup-Unternehmen auf Beteiligungskapital angewiesen sind, sollte dieses – wie auch von der Expertenkommission gefordert – steuerlich nicht länger gegenüber Fremdkapital benachteiligt werden.

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DIW Wochenbericht 15/2016 | PDF, 0.63 MB

Interview mit Marcel Fratzscher (Print | PDF, 92.59 KB und Audio) | MP3, 5.15 MB

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