Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 11.01.2017

Bauwirtschaft bleibt wichtige Stütze der Konjunktur in Deutschland

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Vor allem der Wohnungsneubau boomt – Öffentliche Infrastruktur fährt nach wie vor auf Verschleiß – Prognose im Rahmen der Bauvolumenrechnung des DIW Berlin lässt sich erstmals in Neubau- und Bestandsmaßnahmen aufschlüsseln

Die Bauwirtschaft bleibt eine wichtige Stütze der Konjunktur in Deutschland: Der neuesten Bauvolumenrechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge, die im Auftrag des Bundesbauministeriums (BMUB) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) entsteht, ist die Summe der Bauinvestitionen und nicht werterhöhenden Reparaturen im vergangenen Jahr real – also unter Berücksichtigung der Preissteigerungen – um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das war das höchste Wachstum seit 2011. Auch für dieses und das kommende Jahr erwartet das DIW Berlin jeweils ein kräftiges Plus in Höhe von 1,6 beziehungsweise 2,4 Prozent. Die zwischenzeitlich etwas geringere Dynamik ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass in diesem Jahr mehr Feiertage auf Werktage fallen. „Das Fundament der Baukonjunktur in Deutschland wird auch künftig der Wohnungsbau sein“, sagt Martin Gornig, Studienautor und stellvertretender Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am DIW Berlin. Das liege vor allem an drei Faktoren: Die Konjunktur in Deutschland läuft gut, die Zinsen für Wohnungsbaukredite befinden sich bei gleichzeitig geringen Renditen auf alternative Anlagen auf einem historisch niedrigen Niveau und in den Ballungsräumen ist Wohnraum knapp.

Öffentliche Infrastrukturinvestitionen können Verschleiß noch immer nicht kompensieren

Neben dem Wohnungsbau trägt auch die Bautätigkeit der öffentlichen Hand zum Wachstum des Bauvolumens bei. Mit einem realen Plus von gut vier Prozent wird der öffentliche Bau im Jahr 2017 vorübergehend sogar fast doppelt so stark zulegen wie der Wohnungsbau mit gut zwei Prozent. Gleichwohl sind die öffentlichen Infrastrukturinvestitionen noch immer zu gering, um den Verschleiß zu kompensieren – obwohl der Staat in jüngerer Vergangenheit verschiedene Investitionsinitiativen gestartet hat, beispielsweise für den Ausbau der Kinderbetreuung, und finanzschwache Kommunen fördert.

Pauschale Förderung von Wohnungsneubauten nicht unbedingt zielführend

Vor allem aufgrund der hohen Wohnraumnachfrage zeichnet sich vielerorts bereits ab, dass die Bauwirtschaft an die Grenzen ihrer Produktionskapazitäten stößt. „Aktionismus bei der staatlichen Förderung von Bauinvestitionen ist daher fehl am Platze“, warnt Studienautor und DIW-Ökonom Claus Michelsen. Maßnahmen, die den Neubau fördern, dürften derzeit auch aufgrund des knappen Baulandangebots vor allem dafür sorgen, dass die Preise noch schneller steigen. „Es geht vielmehr darum, gezielte Antworten auf die derzeitige Knappheit auf dem Wohnungsmarkt zu finden. Auch angesichts des demografischen Wandels sollte in wachsenden Städten vor allem auf Maßnahmen wie die Aufstockung von Gebäuden und die Nachverdichtung gesetzt werden, anstelle von Neubauten auf der grünen Wiese. So kann günstiger Wohnraum in gefragten Lagen geschaffen werden“, so Michelsen.

Erstmals konnten Gornig und Michelsen die Prognose des Bauvolumens in Neubauten und Maßnahmen an bereits bestehenden Gebäuden aufschlüsseln. Dabei zeigte sich, dass vor allem die Neubautätigkeit kräftig wächst, auch wenn die Steigerung nach nominal gut elf Prozent im vergangenen Jahr mit neun Prozent in diesem und weiteren gut sieben Prozent im kommenden Jahr etwas geringer ausfallen dürfte. Die Lücke füllen die Bestandsmaßnahmen – dafür sorgen nicht zuletzt die wieder steigenden Energiepreise, die energetische Sanierungen attraktiver machen. Der starke Ölpreisverfall der vergangenen Jahre hatte wohl vor allem in diesem Bereich zu einer erheblichen Investitionszurückhaltung geführt.

Hinzu kommt, dass in jüngerer Vergangenheit besonders viele Wohnungen den Besitzer beziehungsweise die Besitzerin gewechselt haben und sich im Zuge dessen Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen aufgestaut haben. Unter dem Strich dürften die Bestandsmaßnahmen nach nominal drei Prozent im vergangenen und in diesem Jahr im nächsten Jahr dann sogar um fünf Prozent steigen.

Unternehmen bleiben mit Baumaßnahmen zurückhaltend

Im Gegensatz zum Wohnungsbau und dem öffentlichen Bau ist für den Wirtschaftsbau weiterhin mit einem Schrumpfen des realen Bauvolumens zu rechnen – wie in den Vorjahren um rund ein Prozent. Angesichts der unsicheren Absatzperspektiven im Ausland stellen viele Unternehmen trotz der robusten Binnenkonjunktur ihre Investitionsvorhaben zurück. Neben den anstehenden Brexit-Verhandlungen dürften auch die politische Unsicherheit in Italien und die anstehenden Wahlen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden zur Verunsicherung beitragen. Erst im Jahr 2018 wird es mit einem Anstieg des realen Wirtschaftsbauvolumens um gut zwei Prozent wohl wieder etwas aufwärts gehen.

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