Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 15.03.2017

Steuereinnahmen nehmen vor allem dieses Jahr nur verhalten zu

Torsten Schon (Copyright)  Aktenordner Akte Ordner
Copyright: Torsten Schon

Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden werden hinter bisherigen Erwartungen zurückbleiben – Gewinnsteuern schwächeln vor allem im Jahr 2017

Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen werden dieses Jahr voraussichtlich um rund 1,6 Prozent auf 714,6 Milliarden Euro und nächstes Jahr um über 3,5 Prozent auf 740,2 Milliarden Euro steigen, so die Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis seiner jüngsten Konjunkturprognose. Der Anstieg der Steuereinnahmen schwächt sich ab: Im Jahr 2015 hatten sie noch um 4,6 Prozent, im Jahr 2016 um 4,4 Prozent zugenommen.

Die Steuereinnahmen dürften somit in den kommenden zwei Jahren hinter dem zurückbleiben, was in den Haushalten von Bund, Ländern und Kommunen veranschlagt wurde. Bei nach wie vor recht dynamischer Ausgabenentwicklung dürften sich die zuletzt hohen Überschüsse damit deutlich zurückbilden. „Obwohl die konkurrierenden Parteien im Wahlkampf gerne solche Versprechen machen, ist insgesamt aus meiner Sicht kein Spielraum für Steuersenkungen oder anderweitige Steuergeschenke vorhanden“, so DIW-Finanzexpertin Kristina van Deuverden.

Umsatzsteuern nehmen kräftig zu, Lohnsteuer steigt moderat, Gewinnsteuern sinken vorübergehend

Auf Basis der jüngsten Konjunkturprognose des DIW Berlin dürften die Umsatzsteuern, die größte Einnahmequelle des Staates, in den kommenden beiden Jahren deutlich zulegen. Sie können dabei davon profitieren, dass angesichts des fortgesetzten Beschäftigungsaufbaus die Konsumausgaben der privaten Haushalte spürbar ausgeweitet werden.

Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt lässt auch die Lohnsteuereinnahmen steigen, allerdings moderater, als der boomende Arbeitsmarkt nahelegen würde, denn die Pro-Kopf-Löhne entwickeln sich eher verhalten. Zudem werden in beiden Jahren Grund- und Kinderfreibetrag angehoben.

Die Gewinnsteuereinnahmen dürften im laufenden Jahr sogar zurückgehen. Zum einen sagt die Konjunkturprognose des DIW Berlin eine recht schwache Gewinnentwicklung voraus.  Zum anderen dürften die Steuerzahlungen auf Gewinne der Vorjahre relativ schwach sein, denn Unternehmen und private Haushalte haben insbesondere im vergangenen Jahr bereits hohe Vorauszahlungen geleistet. Vor allem aber dürften mehrere Gerichtsurteile im laufenden Jahr kassenwirksam werden und das Aufkommen von Körperschaft-, Gewerbe- und nicht veranlagter Steuer vom Ertrag um insgesamt 5,4 Milliarden Euro drücken.* Diese Steuermindereinnahmen waren bei der amtlichen Steuerschätzung vom November noch für das vergangene Jahr erwartet worden; dass sie stattdessen dieses Jahr eintreten werden, erklärt zum Teil die Abweichung der DIW-Schätzung von der amtlichen Steuerschätzung.

*Gesetz zur Umsetzung des EuGH-Urteils vom 20.10.2011 zur Dividendenbesteuerung; BFH-Urteile vom 28.10.2009, 25.06.2014 und vom 30.07.2014 zur Bemessungsgrundlage der Körperschaftssteuer.

Links

Tabelle: Geschätzte Steuereinnahmen in den Jahren 2017 und 2018 | PDF, 46.32 KB

Konjunkturprognose des DIW Berlin: Frühjahrsgrundlinien 2017 | PDF, 1.15 MB

Pressemitteilung als PDF-Datei | PDF, 154.36 KB

Folgen Sie dem DIW Berlin auf Twitter

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

Das DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) ist seit 1925 eines der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Es erforscht wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge in gesellschaftlich relevanten Themenfeldern und berät auf dieser Grundlage Politik und Gesellschaft. Das Institut ist national und international vernetzt, stellt weltweit genutzte Forschungsinfrastruktur bereit und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das DIW Berlin ist unabhängig und wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Weitere Pressemitteilungen finden Sie hier.

Pressestelle DIW Berlin

TelefonMobilE-Mail
Renate Bogdanovic+49-30-897 89-249+49-174-319-3131
Claudia Cohnen-Beck+49-30-897 89-252
Sebastian Kollmann+49-30-897 89-250+49-162-105-2159
Mathilde Richter+49-30-897 89-152+49-172-154-0646

Referentin Kommunikation Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

TelefonE-Mail
Monika Wimmer+49-30-897 89-251

Die Weiterverwertung des oben angezeigten Bildmaterials durch Redaktionen und Medien ist nicht gestattet.