Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 24.05.2017

Folge der G8-Schulreform: Weniger Abiturientinnen und Abiturienten studieren

puje (Copyright)  Lernen Studentin Studentinnen
Copyright: puje

Um ein Jahr verkürzte Gymnasialschulzeit sorgt für weniger Studierende, spätere Einschreibungen und unregelmäßigere Studienverläufe – Ziel, dass Abiturientinnen und Abiturienten früher studieren, wird dennoch erreicht – Rückkehr zu G9 ist daher nicht zwangsläufig empfehlenswert

Die von neun auf acht Jahre verkürzte Gymnasialschulzeit (G8-Reform) hat zur Folge, dass weniger Abiturientinnen und Abiturienten studieren. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die als eine der ersten Effekte der G8-Reform untersucht, die erst nach der Schulzeit auftreten. Demnach sinkt aufgrund der G8-Reform der Anteil derer, die im Jahr des Abiturs oder im Folgejahr ein Studium aufnehmen, um sechs Prozentpunkte im Vergleich zu einem Referenzszenario, in dem es die Reform nicht gegeben hätte. Diejenigen, die sich für ein Studium entscheiden, legen vor dem Uni-Start häufiger eine Pause ein und wechseln im ersten Studienjahr mit einer höheren Wahrscheinlichkeit das Studienfach oder brechen das Studium komplett ab. Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern oder den Geschlechtern gibt es dabei kaum.

Eine Empfehlung für eine Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialschulzeit (G9) lässt sich aus den Ergebnissen gleichwohl nicht zwangsläufig ableiten. „Ein wichtiges Ziel der G8-Reform war, dass Abiturientinnen und Abiturienten früher beginnen zu studieren und so auch früher in den Arbeitsmarkt eintreten können – und dieses Ziel wird erreicht“, sagt Bildungsökonom Jan Marcus, Wissenschaftler in der Abteilung Bildung und Familie am DIW Berlin und Juniorprofessor an der Universität Hamburg, der die Studie gemeinsam mit Vaishali Zambre erstellt hat. Im Durchschnitt sind die Abiturientinnen und Abiturienten unter G8 zum Start des Studiums achteinhalb Monate jünger. Zudem müsse bedacht werden, dass mögliche Vorteile von G8 erst später zum Tragen kommen. So könne ein früherer Arbeitsmarkteintritt das Lebenseinkommen erhöhen. Zudem kann das „gewonnene“ Jahr auch für Auslandsaufenthalte oder ein freiwilliges soziales Jahr nach dem Abitur genutzt werden.

Effekte der G8-Reform auf Studienentscheidungen sind längerfristig

Für die Studien haben Marcus und Zambre umfangreiche Datensammlungen der amtlichen Studentenstatistik für die Abiturjahrgänge 2002 bis 2013 ausgewertet. Durch die Wahl des Zeitraums stellten sie sicher, dass die Ergebnisse nicht durch Rückumstellungen auf G9 verfälscht werden. So sind einige Bundesländer mittlerweile aufgrund der Kritik teilweise oder sogar vollständig zum neunjährigen Gymnasium zurückgekehrt. Die Analysemethode, ein sogenannter Differenz-von-Differenzen-Ansatz, stellt zudem sicher, dass die identifizierten Effekte nicht durch andere Entwicklungen wie die Aussetzung der Wehrpflicht oder die Einführung beziehungsweise Abschaffung von Studiengebühren beeinflusst sind und somit tatsächlich auf die G8-Reform zurückgeführt werden können.

Dabei zeigte sich, dass die G8-Reform nicht nur die Übergangsquote zur Uni im Jahr des Abiturs und im Folgejahr senkt, sondern auch bei Betrachtung weiterer Jahre nach dem Abitur. „Der negative Effekt auf die Übergangsquote ist mit vier Prozentpunkten auch drei Kalenderjahre nach dem Abitur noch groß“, so Zambre. Ausgeschlossen werden kann zudem, dass die Effekte von G8 nur kurz nach der Umsetzung der Reform auftreten. So entscheiden sich auch in Jahrgängen, die erst vier oder mehr Jahre nach dem G8/G9-Doppeljahrgang die Abiturprüfungen ablegen, weniger für ein Studium.

Links

DIW Wochenbericht 21/2017 | PDF, 235.34 KB

DIW Wochenbericht 21/2017 als E-Book | EPUB, 2.84 MB

Weitere Infos zur G8-Reform gibt es im DIW Glossar

Folgen Sie dem DIW Berlin auf Twitter

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

Das DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) ist seit 1925 eines der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Es erforscht wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge in gesellschaftlich relevanten Themenfeldern und berät auf dieser Grundlage Politik und Gesellschaft. Das Institut ist national und international vernetzt, stellt weltweit genutzte Forschungsinfrastruktur bereit und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das DIW Berlin ist unabhängig und wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Weitere Pressemitteilungen finden Sie hier.

Pressestelle DIW Berlin

TelefonMobilE-Mail
Renate Bogdanovic+49-30-897 89-249+49-174-319-3131
Claudia Cohnen-Beck+49-30-897 89-252
Sebastian Kollmann+49-30-897 89-250+49-162-105-2159
Mathilde Richter+49-30-897 89-152+49-172-154-0646

Referentin Kommunikation Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

TelefonE-Mail
Monika Wimmer+49-30-897 89-251

Die Weiterverwertung des oben angezeigten Bildmaterials ist nicht gestattet. Angezeigte Abbildungen und Tabellen sind zur Veröffentlichung freigegeben. Falls Sie die Rohdaten benötigen, wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des DIW Berlin.