Statement

Statement vom 20.07.2017

„EZB hält sich weiterhin alle Optionen offen“

DIW Berlin/B. Dietl (Copyright) Marcel Fratzscher
Copyright: DIW Berlin/B. Dietl

Die heutigen Beschlüsse des EZB-Rats kommentiert DIW-Präsident Marcel Fratzscher wie folgt:

Die EZB hält sich weiterhin alle Optionen zum Ausstieg aus ihrer expansiven Geldpolitik offen. Die Kommunikation der EZB zeigt keine substantielle Änderung ihres geldpolitischen Kurses. Die Ankündigung von EZB-Präsident Draghi macht ein sehr graduelles Ende der Anleihekäufe im Jahr 2018 wahrscheinlich. Alle anderen Fragen der Geldpolitik bleiben jedoch offen. Es bleibt offen, wie schnell die EZB ihre Anleihekäufe zurückfahren wird und vor allem, wann sie die erste Zinserhöhung tätigen wird. Die Überreaktion der Finanzmärkte in den vergangenen Wochen auf die Kommunikation der EZB zeigt, dass die Finanzmärkte zu stark am Tropf der Niedrigzinspolitik hängen. Wir werden uns in Deutschland noch lange Zeit gedulden müssen, bis die erste Zinserhöhung kommen wird. Ich erwarte keine Zinserhöhung vor 2019. Die EZB ist immer noch zu weit von ihrem Ziel der Preisstabilität entfernt, um ein früheres Ende der Nullzinspolitik zu ermöglichen. Sorge bereitet vor allem die Verfestigung der zu niedrigen Inflationserwartungen und das Verharren der Kerninflation bei einem Prozent. Sorgen über eine Überhitzung der deutschen Wirtschaft sind übertrieben und unangebracht. Das hohe Maß an Unterbeschäftigung und die geringe Lohndynamik unterstreichen, dass die deutsche Wirtschaft noch immer ein signifikantes Potenzial zur Ausweitung ihrer Produktion hat. Die Entwicklung der Wirtschaft der Eurozone ist ermutigend, auch wenn die Wirtschaft noch weit davon entfernt ist, ihr Potenzial auszuschöpfen. Die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor viel zu hoch, und die Risiken im Bankensektor werden unterschätzt, wie die Probleme in Italien in den vergangenen Monaten gezeigt haben.

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