Statement

Statement vom 18.08.2017

„Chancen der Air-Berlin-Insolvenz dürfen nicht verspielt werden“

DIW Berlin / B.Dietl (Copyright) Tomaso Duso
Copyright: DIW Berlin / B.Dietl

Die Debatte um eine mögliche Übernahme großer Teile der insolventen Air Berlin durch Lufthansa kommentiert Tomaso Duso, Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), wie folgt:

So schmerzlich die Pleite der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin auch ist: Marktaustritte ineffizienter Unternehmen sind unerlässlich, damit der Wettbewerb langfristig intakt bleibt. Die Insolvenz bietet die Chance, den deutschen Luftverkehrsmarkt neu zu ordnen und den Wettbewerb zu stärken. Derzeit sieht es jedoch so aus, als würde die Chance verspielt: Erst springt die Bundesregierung ein und gewährt einen Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro, was man als bedenkliche staatliche Beihilfe bewerten kann, die den Wettbewerb verzerrt. Für viele Bürgerinnen und Bürger ist es ärgerlich, dass sie die Zeche zahlen sollen für jahrelanges privates Missmanagement. Doch damit nicht genug: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat sich dafür ausgesprochen, dass die Lufthansa den Löwenanteil der insolventen Air Berlin übernimmt. Auch das ist ein sehr schlechtes Signal, denn eine solche Fusion würde einem effektiven Wettbewerb im deutschen und wahrscheinlich auch im europäischen Luftverkehrsmarkt nicht gut tun. Die Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen keinen „deutschen Champion im internationalen Luftverkehr“, wie ihn Dobrindt fordert. Einen solchen braucht wohl höchstens die Politik. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher ist es wichtig, dass die Angebotsvielfalt nicht sinkt und die Preise nicht steigen – was aber auf vielen Routen zu erwarten ist, auf denen bisher sowohl Lufthansa als auch Air Berlin fliegen, künftig vielleicht aber nur noch Lufthansa. Das Bundeskartellamt sollte die Pläne von Lufthansa, Air Berlin und der Bundesregierung sehr genau prüfen. Es bleibt zu hoffen, dass auch andere Wettbewerber wie Easyjet, Ryanair, TUI fly oder Condor die Möglichkeit haben werden, ihre Präsenz im deutschen Markt zu verstärken und damit für mehr Wettbewerb zu sorgen. Das würde den Verbraucherinnen und Verbrauchern dienen.

Links

Statement als Audio-Datei | MP3, 2.19 MB

Lade Player...

Weitere Statements finden Sie hier.

Pressestelle DIW Berlin

TelefonMobilE-Mail
Renate Bogdanovic+49-30-897 89-249+49-174-319-3131
Claudia Cohnen-Beck+49-30-897 89-252
Sebastian Kollmann+49-30-897 89-250+49-162-105-2159
Mathilde Richter+49-30-897 89-152+49-172-154-0646

Referentin Kommunikation Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

TelefonE-Mail
Monika Wimmer+49-30-897 89-251