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Statement vom 25.09.2017

„Insolvenz von Air Berlin: Die letzte Hoffnung liegt bei den Wettbewerbsbehörden“

DIW Berlin / B.Dietl (Copyright) Tomaso Duso
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Der Aufsichtsrat der Air Berlin hat am Montag dem Plan zugestimmt, dass Lufthansa den Löwenanteil der insolventen Air Berlin übernehmen darf. Welche Nachteile das für Verbraucherinnen und Verbraucher hat, kommentiert Tomaso Duso, Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), wie folgt:

Die Vorentscheidung steht. Der Aufsichtsrat der Air Berlin hat am Montag beschlossen, mit Lufthansa und Easyjet weiterzuverhandeln. Ein Großteil des Fluggeschäfts soll dabei an den deutschen Marktführer Lufthansa gehen. Im Mittelpunkt steht aber nicht nur die Übernahme von Flugzeugen und Besatzungen. Viel entscheidender ist, wer welche Start- und Landeslots – die zehnminütigen Zeitfenster für Start und Landung — von Air Berlin bekommt. Diesen Schatz begehren sowohl Lufthansa, als auch Billigflieger wie Ryanair, Easyjet oder Condor sowie internationale Schwergewichte wie IAG, die Mutter von British Airways und Iberia. Während diese Slots Lufthansas schon sehr dominante Position im deutschen Markt zementieren würden, wären sie für andere Airlines die Chance, in großem Stil in den innerdeutschen Luftverkehrsmarkt einzutreten. Diese Chance auf mehr Wettbewerb wird offensichtlich aber wieder verspielt. Verbraucherinnen und Verbraucher können davon ausgehen, dass die Teilübernahme von Air Berlin durch Lufthansa bedeutsame negative Folgen auf Preise und Qualität haben wird. Tatsächlich wird Lufthansa – beziehungsweise das Tochterunternehmen Eurowings — der einzige Anbieter auf vielen innerdeutschen Strecken bleiben. Die Konsequenz dieser Konzentration wäre voraussichtlich eine Preiserhöhung und eine Senkung der Qualität des Angebots für die Kunden. Daher ist eine genaue Prüfung der akquirierten Start- und Landeslots seitens des Bundeskartellamts und vor allem seitens der Europäischen Kommission unvermeidlich. Das wird im besten Fall bis Ende des Jahres dauern. Die zuständige Behörde wird genau prüfen, inwieweit eine Monopolisierungsgefahr auf jeder einzelnen Route existiert. Sollte sie herausfinden, dass die Reduzierung des Wettbewerbs zu drastisch ist, würde die Kommission Auflagen machen, die wahrscheinlich den Verkauf dieser problematischen Routen beziehungsweise einiger der Start- und Landerechte an dritte Wettbewerber enthalten. Dieses Szenario ist sehr wahrscheinlich. Es ist daher stark zu hoffen, dass die Kommission sehr genau die Position der Lufthansa überprüft und damit den Wettbewerb im deutschen Luftverkehrsmarkt am Leben erhält. Nur dann haben auch Verbraucherinnen und Verbraucher eine Chance, von dieser Insolvenz zu profitieren.

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