Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 11.12.2008

Glaube tut gut! Gottesdienstbesucher haben mehr Freunde...und Protestanten mehr Vereinsmitgliedschaften als Katholiken

Birgit Reitz-Hofmann (Copyright)  Religion Religionen Bibel
Copyright: Birgit Reitz-Hofmann

Wer regelmäßig einen Gottesdienst besucht, hat einen größeren Freundeskreis und pflegt mehr Kontakte zu seinen Nachbarn als nicht religiöse Menschen. Protestanten engagieren sich häufiger ehrenamtlich und in Vereinen als Katholiken und Muslime. Dies sind zentrale Ergebnisse einer vom DW Berlin veröffentlichten Studie. Autor Richard Traunmüller von der Universität Konstanz untersuchte dabei erstmals empirisch, welche Bedeutung die Religion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland hat. Und diese Bedeutung ist immens. So ermöglicht beispielsweise die evangelische Kirche mit ihren flachen Hierarchien breites gesellschaftliches Engagement. Katholiken und Muslime hingegen knüpfen eher informelle Netzwerke, das heißt, sie setzen eher auf Verwandtschaft und Freundschaft.

„Auch wenn die großen Kirchen über Mitgliederschwund klagen, hat die Religion in Deutschland nach wie vor eine überraschend starke integrative Kraft,“ so Richard Traunmüller. Für seine Analyse griff der Autor auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels am DIW Berlin zurück (siehe Stichwort SOEP). „Die Kirche bietet eine organisatorische Plattform für vielfältige Aktivitäten. Ob Chor, Elternkreis oder Schuldnerberatung - das wirkt positiv in die Gesellschaft und fördert dass, was man als das ,Soziale Kapital’ eines Menschen beziehungsweise einer Gesellschaft bezeichnet.“ Diese positiven Effekte von Religion gelten allerdings nur für die großen Glaubensgemeinschaften, nicht aber für religiöse Splittergruppen oder Sekten. Ein Wermutstropfen bleibt. Zwar stärkt die Religion den gesellschaftlichen Zusammenhalt, aber die Kluft zwischen arm und reich, zwischen gebildet und weniger gebildet, wird auch hier nicht überwunden, denn in den Gemeinden finden sich nicht nur gleich gesinnte sondern auch gleich gestellte. Das zeigen die Analysen der SOEP-Daten zur Zusammensetzung von Netzwerkenund Freundeskreisen im Hinblick auf Einkommen, Bildung, Alter oder Berufsstatus.. Stichwort SOEP: Das SOEP ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die bereits seit 25 Jahren läuft. Im Auftrag des DIW Berlin werden jedes Jahr in Deutschland über 20 000 Personen in rund 11 000 Haushalten von TNS Infratest Sozialforschung befragt. Das SOEP ist als wissenschaftliche Serviceeinrichtung der Leibnizgemeinschaft am DIW Berlin angesiedelt. Die SOEP – Daten werden Forschern und Forscherinnen In- und Ausland für wissenschaftliche Analysen zur Verfügung gestellt. Der Autor: Richard Traunmüller ist Sozialwissenschaftler und arbeitet am Lehrstuhl für vergleichende Politik der Universität Konstanz. Quelle: Richard Traunmüller, Religion als Ressource sozialen Zusammenhalts? Eine empirische Analyse der religiösen Grundlagen sozialen Kapitals in Deutschland, SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research, No. 144, Berlin 2008. In der Publikationsreihe “SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research” des DIW Berlin werden ausgewählte wissenschaftliche Studien, die auf Basis der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) entstanden sind, veröffentlicht.

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SOEPpapers 144 | PDF, 1.36 MB

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

Das DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) ist seit 1925 eines der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Es erforscht wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge in gesellschaftlich relevanten Themenfeldern und berät auf dieser Grundlage Politik und Gesellschaft. Das Institut ist national und international vernetzt, stellt weltweit genutzte Forschungsinfrastruktur bereit und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das DIW Berlin ist unabhängig und wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut Kantar Public (zuvor TNS Infratest Sozialforschung) in mehreren tausend Haushalten statistische Daten erhoben. Zurzeit sind es etwa 30.000 Personen in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

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