Konjunkturbarometer

Aktuelle Ergebnisse vom 31. Mai 2016

DIW Konjunkturbarometer Mai 2016: Deutsche Wirtschaft auf durchschnittlichem Wachstumskurs

Die deutsche Wirtschaft dürfte im laufenden zweiten Quartal um 0,3 Prozent zulegen. Dies zeigt das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), das im Mai einen Wert von 100 Punkten erreicht und damit ein Wachstum anzeigt, das dem langfristigen Durchschnitt entspricht. „Derzeit sehen wir weder Anzeichen für eine nennenswerte Unterauslastung noch für eine Überhitzung – die deutsche Wirtschaft wächst stabil“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.

Angesichts des anhaltenden, sich sogar beschleunigenden Beschäftigungsaufbaus und der Lohnsteigerungen dürfte der private Verbrauch weiter merklich ausgeweitet werden. Allerdings werden die Konsumzuwächse etwas geringer ausfallen als in den vergangenen beiden Jahren, unter anderem weil die Energiepreise wieder anziehen und die Zusatzimpulse der Migration nachlassen. „Derzeit kommen deutlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland als noch in der zweiten Jahreshälfte 2015. Somit werden durch die Migration nur noch geringe zusätzliche Nachfrageimpulse kommen“, sagt Simon Junker, Experte für die Konjunktur in Deutschland. Auch die Nachfrage aus dem Ausland legt zu, allerdings nur leicht: Zwar haben die Exporte zuletzt Fahrt aufgenommen, die Erwartungen der Unternehmen bleiben aber verhalten.

Die Industrie dürfte im zweiten Vierteljahr das Tempo des Auftaktquartals wohl nicht halten. Seit geraumer Zeit expandiert die Produktion im verarbeitenden Gewerbe im langfristigen Vergleich nur schleppend. „Dies dürfte einerseits mit der strukturellen Verlangsamung in wichtigen Absatzmärkten zusammenhängen, insbesondere dem Euroraum und China. Andererseits spiegelt sich hier auch die schwache Investitionsdynamik wider, die gedämpft wird durch Sorgen um die Zukunft der Europäischen Union, aber auch durch eine falsche Priorisierung öffentlicher Ausgaben in Deutschland“, sagt Junker.

Abbildung 1


Betrachtet man den Verlauf des DIW-Konjunkturbarometers auf Quartalsbasis, so zeigt sich, dass das Barometer im Mai 2016 vor allem von den unverändert guten Arbeitsmarkzahlen gestützt wird  (Abbildung 1). Auch vom Finanzmarkt kommen, bedingt durch die moderaten Kursanstiege im April und Mai, für das zweite Quartal positive Wachstumssignale. Der Impuls aus der Industrie für das Barometer fällt fast neutral aus, nachdem dieser Bereich in den letzten Quartalen noch stark negativ gewirkt hat. Dagegen setzt der Beitrag der Dienstleistungsbereiche seine abnehmende Tendenz der letzten Quartale fort und wirkt am aktuellen Rand sogar leicht negativ auf das Barometer.


Abbildung 2


Die unterschiedliche Entwicklung der einzelnen Bereiche spiegelt sich auch in den Beiträgen einzelner Zeitreihen zum DIW-Konjunkturbarometer wider, die in Abbildung 2 dargestellt sind. Die positiven Impulse vom Arbeitsmarkt zeigen sich zum Beispiel in den Beschäftigungserwartungen, wohingegen die aktuellen Einzelhandelszahlen mit dem schwächeren Beitrag der Dienstleistungsbereiche verbunden sind. Der annähernd neutrale Beitrag der Industrie ist das Ergebnis unterschiedlicher Signale aus den verschiedenen Zeitreihen, wie zum Beispiel den aktuellen Außenhandelszahlen. Auf der einen Seite sind die Exporte und die Importpreise am aktuellen Rand gestiegen und deuten damit auf eine anziehende Weltkonjunktur hin. Auf der anderen Seite sind dagegen die Importe und die Exportpreise gefallen; dies wird im Barometer statistisch mit einer schwächeren Weltkonjunktur und damit einem geringeren Wachstum in Deutschland assoziiert. Ein ähnlich gemischtes Bild liefern die neusten Umsatzzahlen, von denen einige positiv und einige negativ auf das Barometer wirken.