Konjunkturbarometer

Aktuelle Ergebnisse vom 31. Mai 2017

DIW Konjunkturbarometer Mai 2017: Deutsche Wirtschaft in Frühjahrseuphorie

Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) signalisiert eine Fortsetzung des kräftigen Wirtschaftswachstums im Frühjahr. Nachdem die Wirtschaftsleistung in Deutschland bereits im Auftaktquartal um überdurchschnittliche 0,6 Prozent im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten gestiegen war, ist für das zweite Vierteljahr erneut ein deutliches Plus von knapp einem halben Prozent zu erwarten. Das DIW Konjunkturbarometer liegt für das laufende zweite Quartal bei 104 Punkten – deutlich über der 100-Punkte-Marke, die einen durchschnittlichen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts anzeigt. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich derzeit in einer echten Frühjahrseuphorie“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Für die kommenden Quartale ist aber mit einem etwas geringeren Tempo zu rechnen.“

Eine wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft bleibt der Arbeitsmarkt. „Ein Beschäftigungsrekord jagt den nächsten“, sagt Simon Junker, DIW-Experte für die Konjunktur in Deutschland. „Erst zuletzt hat der Beschäftigungsaufbau etwas Schwung eingebüßt – in diesem leicht reduzierten Tempo dürfte er sich aber fortsetzen.“ Bei spürbaren Lohnzuwächsen werden die Einkommen der privaten Haushalte weiter ordentlich steigen. Allerdings zieht auch die Teuerung etwas kräftiger an, so dass der Konsum – in realer Abgrenzung – wohl an Fahrt verliert.

Die Industrie profitiert von einer guten Auftragslage und anhaltend regen Auslandsnachfrage. DIW-Konjunkturchef Fichtner dämpft aber übermäßig optimistische Erwartungen: „In der Industrie wachsen die Bäume nicht in den Himmel: Während es im laufenden Quartal wohl einen deutlichen Schub geben dürfte, wird sie im weiteren Verlauf eher wieder auf einen moderaten Aufwärtskurs einschwenken.“ Für eine Entschleunigung spricht nach DIW-Einschätzung auch, dass die Unternehmen die aktuelle Lage günstiger beurteilen als die Aussichten. Deshalb dürften auch die Unternehmensinvestitionen – selbst wenn mit dem Zuwachs zum Jahresauftakt der Abwärtstrend gebrochen wurde – im weiteren Verlauf nur verhalten ausgeweitet werden.


Auch nach dem kräftigen Auftaktquartal ist es im Frühjahr die Industrie, die maßgeblich zum Indexstand des DIW-Konjunkturbarometers beiträgt. Allerdings fällt der Impuls schwächer aus als im Winterhalbjahr (Abbildung 1). Vor allem die gute Stimmung in der Industrie führt zu den positiven Signalen des Barometers: Die Nachfrage wird von den Unternehmen derzeit als ausgesprochen günstig eingeschätzt und sie planen entsprechende Produktionsausweitungen (Abbildung 2). Von der robusten Exportentwicklung profitiert nicht zuletzt der Großhandel. Die letzten Umsatzzahlen deuten aber darauf hin, dass die Dynamik an Schwung verliert.


Abbildung 2

Barometer_Mai_2017_Indikatoren.png

Auch die Dienstleistungsbereiche tragen bei etwas nachlassendem Tempo nach wie vor zur konjunkturellen Entwicklung bei. Die Arbeitsmarktindikatoren dagegen weisen auf Gegenwind hin: In einigen Bereichen äußern sich die Unternehmen skeptisch gegenüber einem weiteren Beschäftigungsaufbau.