Die Ära Ferdinand Friedensburg

1945

Ferdinand Friedensburg übernimmt das Amt des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bis 1968.

Ferdinand Friedensburg zur Situation des Instituts 1945: „Das Haus in der Fasanenstraße war schon im Herbst 1944 durch Bomben und Brand zerstört, die Archive und die Bibliothek befanden sich in Mecklenburg, wohin man geglaubt hatte, sie in Sicherheit bringen zu können, und wo sie dann in der Folgezeit endgültig verloren gegangen sind. Eine deutsche Wirtschaft, die es zu beobachten und zu analysieren gelten könnte, gab es nicht."

Der Ingenieur Ferdinand Grünig wird ans Institut berufen. Bereits in den dreißiger Jahren veröffentlichte er regelmäßig Arbeiten zum Wirtschaftskreislauf. Vor diesem Hintergrund wirkt er maßgeblich an der Konzeption einer Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) mit. Die vierteljährliche VGR des DIW liefert schließlich die Datengrundlage für nahezu alle auf Deutschland bezogenen ökonometrischen Kurzfristmodelle.

Das neue Institutsgebäude in Dahlem, Goßlerstraße 20, wird am 14. Juli 1945 eingeweiht. Im August 1945 wird das Institutsgebäude durch die US-amerikanische Militärregierung beschlagnahmt, binnen zwei Stunden musste alles geräumt sein.

„Nach kurzer Freude mussten wir sie [die Villa in Dahlem] an eine amerikanische Dienststelle abtreten und hatten Mühe genug, wenigstens den Hauptteil unseres Inventars durch die Fenster der Rückseite zu retten. Ein persönlicher alter Freund sprang ein und gewährte uns eine allerdings nicht ganz regendichte Notunterkunft in Zehlendorf. Ich sehe noch unseren damaligen Abteilungsleiter [...] mit einem Regenschirm über sich am Schreibtisch sitzen."

Im September 1945 zieht das Institut in die Cecilienallee 6 in Dahlem und hat nach langer Zeit wieder eine geräumige Bleibe gefunden. Das Institut kann nun wieder regulär seiner Aufgabe nachgehen, „die wirtschaftlichen Vorgänge des In- und Auslandes zu beobachten und zu erforschen."

Einen Schwerpunkt der Forschungstätigkeit des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bilden nach dem Krieg Berliner Themen.


1947

In der zweiten Jahreshälfte erscheint erstmalig wieder eine Institutsarbeit in gedruckter Form: "Die deutsche Wirtschaft zwei Jahre nach dem Zusammenbruch". Bis Mitte 1948 veröffentlicht das DIW zwei weitere Einzelarbeiten.


1948

Ein Vierteljahrsheft erscheint im September 1948 nach sechs Jahren kriegsbedingter Unterbrechung.