Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR

1949

Am 1. April 1949 nimmt die Abteilung „Sowjetische Besatzungszone" - später umbenannt in "Mitteldeutschlandforschung" - ihre Arbeit auf. Leiter der Abteilung wird Bruno Gleitze.

Im Februar 1949 entsteht auf Anregung von Ludwig Erhard die "Arbeitsgemeinschaft Deutscher Wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute (ARGE)". Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft sind neben dem DIW das Ifo-Institut München, das IfW Kiel, das RWI Essen und das Institut für landwirtschaftliche Marktforschung Braunschweig-Völkenrode. Die Arbeitsgemeinschaft bewährt sich schnell als Organisator von institutsübergreifenden Forschungsarbeiten wie etwa der Gemeinschaftsdiagnose.


1950

Am 2. Januar 1950 erscheint der erste Wochenbericht nach dem Krieg mit einem ausführlichen Bericht über „Deutschlands wirtschaftliche Lage Ende 1949“.

Die vom Berliner Senat eingesetzte Enquete-Kommission, der die Herren Rudolf Meimberg, Zentralbank Berlin, Karl C. Thalheim, IHK sowie Ferdinand Grünig und Rolf Krengel vom DIW angehören, beginnt ihre Arbeit: Die Enquete untersucht, wie viel Investitionskapital erforderlich ist, um 200 000 Menschen zusätzlich in der gewerblichen Wirtschaft der Westsektoren beschäftigen zu können. Im Sommer beginnt Rolf Krengel mit der Ausarbeitung der Vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) für Westberlin. Auf ihrer Basis werden die Westsektoren von Berlin in das "European Recovery Program (ERP)" einbezogen.


1951

Die Ergebnisse der Enquete-Kommission werden zu Beginn des Jahres unter dem Titel „Bedingungen und Möglichkeiten für den Ausbau der Wirtschaft Westberlins in den kommenden Jahren (Ergebnisse einer Enquete)“ veröffentlicht. Bereits kurze Zeit später werden die ersten 175 Millionen DM ERP-Mittel für Westberlin bereitgestellt – ein großer Erfolg für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Auf Anregung von Ferdinand Friedensburg wird am 15. Juni die „Vereinigung der Freunde des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V.“ gegründet. Die Vereinigung wird das Institut finanziell und intellektuell bei seiner Arbeit unterstützen.


1953

Ferdinand Friedensburg hält seine Antrittsvorlesung an der Technischen Universität Berlin über  "Die Bedeutung des Bergbaus in der Weltwirtschaft und in der Weltpolitik“. Der Bergbau ist Friedensburgs Steckenpferd und Forschungsobjekt. Er leitet seine Rede über den Bergbau so ein: „Abgesehen von der Genugtuung, mich jetzt auch als Lehrender auf diesem Gebiet betätigen zu können, freue ich mich – und insofern liegt ein gewisser Sinn in meiner Entwicklung – die Aufgaben, denen ich mich im öffentlichen Leben widme, nämlich die Beschäftigung mit den nationalen Schicksalsfragen unseres Volkes, mit der Disziplin verknüpfen zu können, der ich meine wissenschaftliche Arbeit gewidmet habe.“


1956

Das neue Institutsgebäude in der Königin-Luise-Straße 5 wird am 28. Mai 1956 eingeweiht. Nach einer Aufstellung vom 31. August 1955 standen dem Institut für den Hausbau einschließlich Grundstück zu diesem Stichtag 674 809 DM zur Verfügung, wovon nur 230 900 DM Fremdmittel waren. 440 000 DM waren Eigenmittel des Instituts beziehungsweise von der Vereinigung der Freunde des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gespendet worden.


1957

Im Zuge der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) wird eine eigene, neue Abteilung "Auslandswirtschaft West" eingerichtet.

Die Vereinigung europäischer Konjunkturforschungsinstitute (A.I.E.C.E.) wird unter Beteiligung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gegründet. Es entstehen verschiedene Arbeitsgruppen – Welthandel, Rohstoffe, weltwirtschaftliche Strukturprobleme –, die die einzelnen Institute miteinander verbinden. Dabei nimmt die Zahl der Aufgaben parallel zur Zahl der Mitglieder stetig zu.


1959

In den fünfziger Jahren haben sich viele Veränderungen in der Struktur der Forschungsabteilungen ergeben. Die einzelnen Abteilungen heißen nun wie folgt:

  • Allgemeine Konjunkturbeobachtung
  • Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung mit den Unterabteilungen Berlin-Referat und Bau-Referat
  • Industrie
  • Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft
  • Berg- und Energiewirtschaft mit dem Verkehrs-Referat
  • Handel, Handwerk, Verbrauch und Preise
  • Mitteldeutschlandforschung mit dem Referat Sozialforschung
  • Auslandswirtschaft (West)
  • Auslandswirtschaft (Ost)


1960

Im Herbst 1960 erscheinen erstmals die „Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung“ im Wochenbericht 47/1960 für das Jahr 1961. Hierbei handelt es sich um einen Standardaufsatz, der dann immer einmal im Jahr im Wochenbericht veröffentlicht wird, und an dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fast aller Abteilungen des Instituts mitwirken.

Am 19. Oktober 1960 findet die erste Industrietagung im Haus des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung statt, bei der die Ergebnisse der ständigen Kurzfristprognosen der Sozialproduktentwicklung und der Industrieproduktion vorgestellt und diskutiert werden. Die Tagung, an der 23 Teilnehmer/-innen aus dem gesamten Bundesgebiet teilnehmen, wird ein großer Erfolg, so dass zum Schluss der Veranstaltung die Entscheidung fällt, die Tagung in Zukunft halbjährlich zu wiederholen.


1962

In der Abteilung Industrie wird im April 1962 das neue Referat „Input-Output-Rechnung“ gegründet. Der Berliner Senat beteiligt sich an der Finanzierung des Projekts. Die Input-Output-Analyse des DIW ist bis zum Einstieg des Statistischen Bundesamts in die Datenerhebung in der ersten Hälfte der achtziger Jahre die einzige kontinuierlich bereitgestellte Datenquelle zur Sektorenverflechtung in der Bundesrepublik Deutschland.


1966

Das DIW konstatiert unter dem Titel „Die internationale und die westdeutsche Wirtschaftslage Mitte Juni 1966“ die erste Rezession in Deutschland nach dem Krieg. Erkennbar wird dies an der Konjunkturabschwächung und der Preisentwicklung.