Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung

Vorschau und Call for Papers

4/2018
Call for Papers: European banking landscape between diversity, competition and concentration

In ecology, bio-diverse systems are considered to be particularly resilient. Biodiversity increases the ability to absorb shocks as well as the likelihood of returning to stable conditions without external interventions. Shock absorption is also essential to the banking system (Haldane & May 2011). Thus, it is worth examining if the paradigm of diversity also applies to the landscapes of European banking. Is a credit system, consisting of only a few, highly diversified and capital-market-oriented big banks, more efficient and stable than a system in which large banks share the market with numerous medium and small, largely deposit-financed, banks? Is a diversity of different banking types and a competitive, contested banking industry two sides of the same coin? At the height of the 2008 financial crisis, the European Parliament held in a resolution that, "the diversity of legal models and business objectives of the financial entities in the retail banking sector (banks, savings banks, cooperatives, etc.) is a fundamental asset to the EU's economy which enriches the sector, corresponds to the pluralist structure of the market and helps to increase competition in the internal market…."

Ten years after the Great Financial Crisis started, the question of how institutional diversity affects bank stability, competition, quality of client services, and the financing of small and medium-sized enterprises (SMEs) is still open and under-researched. However, finding an answer is increasingly pressing as doubts about the performance of a highly concentrated banking sectors have grown. A forthcoming issue of DIW-Vierteljahrshefte addresses these research gaps. For the issue, articles addressing, in a comparative perspective, the topics listed below are welcome. Contributions (in English) may be submitted in particular, but not exclusively, on the following topics:

  • The term diversity and its measurement: what does diversity in the banking sector mean? Which measuring concepts are available and how can they be used?
  • Taking stock: How diverse is the EU banking landscape and what are the root causes for distinct levels of diversity?
  • Is structural diversity and the stability of the banking sector linked?
  • How is diversity of the banking landscape related to competition in the banking sector?
  • What impact does financial innovation and digitization of banking have on structural diversity?
  • How is diversity in the banking sector related to bank-based financial systems? Are diversity and bank-based two sides of the same coin?
  • How did the banking crisis and banking regulation affect structural diversity?
  • What role does institutional diversity play in the access of SMEs to funds?
  • How important are public-sector owned banks? How important are savings and cooperative banks for SME finance and sector stability?
  • Business diversification within banks or diversity of different types of banks: what is better for stability and growth?
  • Big banks and small banks: complementarity or conflicted?
  • What structural policy for the EU banking landscapes?


Authors wishing to submit a contribution/an article should send a summary of the planned contribution (maximum 1 page) to Hans-Helmut Kotz & Dorothea Schäfer by June 15, 2018 ( & ). Authors will receive feedback on whether the proposal is accepted no later than July 15, 2018. The final article, which should not exceed a length of 30,000 characters, must be submitted by December 31, 2018.

Submission is followed by a multi-stage editing and revising process. In March 2019 a workshop with authors will take place. The Vierteljahrsheft-Issue "European banking landscape between diversity, competition and concentration" is expected to be published in the first half of 2019. The publication and the workshop are part of the research project “Banking Sector Diversity: Does it matter for sector stability and SME financing?” funded by the Wissenschaftsförderung der Sparkassen-Finanzgruppe e. V. Further information for authors can be found here.


3/2018
Geld und die Welt

Geld und Finanzmärkte verbinden über alle Grenzen hinweg. Die Ursachen der internationalen Finanzkrise 2007/2008 und der europäischen Krise sind noch nicht beseitigt. Die traditionellen Finanzintermediäre wie Banken stehen stark unter Wettbewerbsdruck. Sie werden in allen wichtigen Industrienationen durch eine Fast-Nullzinspolitik der Zentralbanken alimentiert.

  • Anders als im letzten Jahrhundert ist Geld im Überfluss vorhanden, das nach renditestarker Verwendung sucht. Wie soll das Geld sinnvoll angelegt werden?
  • Der deutsche Finanzsektor ist als Teil der Eurozone zu begreifen; er machte zuletzt wieder Profite – jedoch weniger mit dem traditionellen Kreditgeschäft. Der Beschäftigungsabbau im Bankensektor ist massiv. Das traditionelle Geschäftsmodell von Banken wird zunehmend durch wenig bis nicht regulierte Finanzinnovationen in Frage gestellt. Stichworte sind hierbei die FinTecs, Digitalisierung, Industrie 4.0 und Vernetzung. Hat der Bankensektor sein originäres Geschäftsfeld verloren?
  • Die Vorstandsposten sind weitgehend fest in Männerhand; auf der operativen Ebene sind viele Frauen eingesetzt. Wie wirkt sich die Zusammensetzung auf die Performance von Firmen und Banken aus? Gibt es Unterschiede im Anlageverhalten?
  • Bitcoins, Crowdfunding und ein wachsender Schattenbanksektor können als Investitionsalternativen begriffen werden. Wie könnten Investitionsstrategien in diese alternativen Investments aussehen?

In diesem Vierteljahrsheft geht es um die ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Finanzsektors. Zentrale Fragen können u.a. sein:

  • Wie stabil ist der Finanzsektor heute? Wie sehen die Geschäftsmodelle von morgen aus? Wie leistungsfähig ist die europäische Bankenunion? Wie wirkt der Nullzins international? Welche Folgen hat Basel III für die Kreditvergabe?
  • Euro und Europäische Bankenaufsicht – wie geht das? Was heißt „systemrelevant“? Wie aussagekräftig sind Frühwarnsysteme und Stresstests?
  • Wie funktionieren FinTechs? Crowdfunding, crowdlending und andere Formen. Sind Bitcoins eine alternative zum Zentralbankgeld?
  • Wie weit geht der bargeldlose Zahlungsverkehr? Was bedeutet Geld in einer globalen Wirtschaft? Wie überweisen MigrantInnen Geld ins Heimatland?
  • Wie sieht eine optimale Regulierung aus?

Call for Papers

Interessierte Autorinnen und Autoren senden bitte bis zum 10. Dezember 2017 einen Abstract an .

Eine Mitteilung über die Annahme erfolgt zum 15. Dezember 2017. Das vollständige Manuskript soll am 15. April 2018 vorliegen.

Call for Papers zum DIW Vierteljahrsheft 3/2018 zum Download | PDF, 73.43 KB


1-2/2018
Stupsen und Schubsen (Nudging): ein neues verhaltensbasiertes Regulierungskonzept?

Herausgeberinnen: Jana FriedrichsenKornelia Hagen und Johanna Mollerstrom
(Mitwirkung: Kevin Högy)

Tag für Tag lässt sich beobachten, dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher nicht systematisch ökonomisch rational verhalten. Beispielsweise wird  derzeit vom Einzelnen erwartet, zumindest Teile der Lebenshaltung im Alter durch privates Ansparen in der aktiven Erwerbsphase abzusichern. Empirische Befunde zeigen aber, dass - gemessen an den politischen Vorstellungen -  individuell nur unzureichend vorgesorgt wird. Eine ähnliche Diskrepanz lässt sich bei Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten vieler Menschen beobachten. Obwohl der eigenen Gesundheit nicht dienlich, bewegen sich Menschen oft zu wenig, essen zu viel oder ungesund. Daten der Umweltbewusstseinsstudie für Deutschland 2016 zufolge steht auch das individuelle Umweltverhalten im Widerspruch zur wahrgenommenen Notwendigkeit, das eigene Handeln zu ändern. Beschränkte kognitive Fähigkeiten (etwa mangelnde Selbstkontrolle), so die Verhaltensforschung, führe regelmäßig zu solchen verzerrten Entscheidungen und damit zu suboptimalen ökonomischen Ergebnissen und zur Verfehlung von Politikzielen. 

Wenn aber das Erreichen politischer Ziele in starkem Maße vom Verhalten des Einzelnen abhängt, dessen Entscheidungen möglicherweise verzerrt sind und (hohe) gesellschaftliche Folgekosten nach sich ziehen, wirft dies die Frage auf, durch welche Politikkonzepte sich individuelles „Fehlverhalten“ begrenzen oder zumindest reduzieren lässt. Zwar steht der staatlichen Politik ein breites Spektrum an Instrumenten zur Verfügung. Individuelle Lebensstile und –entscheidungen scheinen sich über finanzielle Anreize oder Beratungsangebote aber nur bedingt oder nur zu hohen Kosten beeinflussen zu lassen und harte Ver- und Gebote sind umstritten und riskant. Daher erscheinen solche Instrumente attraktiver, die nicht zu nachhaltigem oder gesundem Verhalten zwingen, sondern subtiler lenken.

Nudging ist ein Politikkonzept, das individuelles Verhalten durch leichte „Stupser“ beeinflussen und damit (subtil) lenken möchte Das Konzept gilt als vielversprechender Ansatz, um den individuellen und gesellschaftlichen Wohlstand positiv zu beeinflussen ohne die individuelle Entscheidungsfreiheit einzuschränken. Bekannte Nudges sind Vereinfachung, verbesserte Transparenz sowie Warnhinweise oder Erinnerungen. Auch das Setzen einer Opt-out-Option anstelle eines Opt-in gilt als ein typischer Nudge.

Im Fokus des geplanten Vierteljahrshefts steht die Aufarbeitung der kontroversen Diskussion um das Politikkonzept des Nudgings. Willkommen sind theoretische wie auch empirisch fundierte Beiträge. Politische Implikationen der Analysen sollen vorgestellt und diskutiert werden. Auch Positionspapiere aus Verbänden, Politik und Wirtschaft können eingereicht werden. Von Interesse sind konkrete Beispiele für Nudging aus Politikbereichen in Deutschland sowie international vergleichende Beiträge. Beiträge können insbesondere, aber nicht ausschließlich zu folgenden Themen eingereicht werden:

  • Begriff Nudging und dessen Abgrenzung:Was sind Nudges, was nicht? Welche Annahmen zum Menschenbild und zum Verhalten von Verbraucherinnen und Verbraucher  liegen dem Konzept des Nudging zugrunde?
  • Nudging als Politikkonzept, Legitimation und politische Ökonomie von Nudges:Welcher Nudge wird warum implementiert? Welche Ziele werden adressiert? Welche Hemmnisse und Hürden haben Nudges?
  • Analyse von Anwendungsmöglichkeiten und Voraussetzungen für eine Umsetzung in eine politische Strategie: In welchem Ausmaß und wo gibt es bereits verhaltenswissenschaftlich informierte Steuerung durch die Politik?  Funktionieren Nudges und wie schneiden sie im Vergleich zu anderen Regulierungsansätzen ab?
  • Ethische Aspekte von Nudging (Wohlergehen und Freiheit, Zielkonflikte und Balance zwischen dem Individuum und der Gesellschaft).
  • Vorstellung und Bewertung konkreter Anwendungsfelder des Nudgings aus Verbraucher-, Ernährungs-, Umwelt-, Energie-, Sozial-  oder Finanzpolitik.
  • Nudging im Kontext von Information und Marktreaktion, Abgrenzung und mögliche „Nebenwirkungen“ oder Langzeiteffekte von Nudges.
  • Evaluation und Messung der Wirksamkeit von Instrumenten des Nudgings.

Für das Vierteljahrsheft zeichnet ein Herausgeberinnenteam verantwortlich. Autorinnen und Autoren, die einen Beitrag einreichen möchten, schicken bitte bis zum 6. Juni 2017einen Abstrakt über den geplanten Beitrag (maximal 1 Seite) an Kornelia Hagen. Zum 15. Juni 2017 erhalten die Autorinnen und Autoren eine Rückmeldung ob der Beitrag angenommen wird. Die fertigen Beiträge, die eine Länge von ca. 30.000 Zeichen nicht überschreiten sollen, müssen bis zum 22. September 2017 eingereicht werden. Es schließt sich ein mehrstufiger Lektorats- und Überarbeitungsprozess an. Geplant ist auch, im Herbst einen Workshop zum Austausch zwischen den Autorinnen und Autoren des Vierteljahrshefts zu organisieren.  Das Vierteljahrsheft „ Stubsen und Schubsen (Nudging): ein neues verhaltensbasiertes Regulierungskonzept?“ soll voraussichtlich im Dezember 2017/Januar 2018 erscheinen.


3-4/2017
Finanzielle Kompetenzen – Geschützt in allen Lebenslagen?

„Falsche“ Vorsorge- und Anlageentscheidungen können zu hohen individuellen sowie volkswirtschaftlichen Schäden und Verlusten führen. Davor sollen nicht nur Finanzmarktregulierung und Verbraucherpolitik schützen, sondern auch persönliches Finanzwissen und -kompetenzen.  

Mit einer vermehrten Zuschreibung von Eigenverantwortung an die Bürger für die Absicherung verschiedenster Lebenslagen und -risiken und einer wachsenden Komplexität des Finanzsystems sind Finanzwissen sowie -kompetenzen der Menschen aller Altersgruppen zunehmend gefordert. Ein verantwortliches, vorsorgendes und nachhaltiges Finanzverhalten würde voraussetzen, dass die Eigenschaften der Finanzprodukte transparent sind und Informationen und Beratungen durch die Verbraucherinnen und Verbraucher beurteilt werden können. Dies setzt institutionelles, strukturelles und kategoriales Wissen über das Finanzsystem, über die verschiedenen Absicherungssysteme sowie eine gute finanzielle Allgemeinbildung voraus.

In verschiedenen Studien werden aber das Finanzwissen und die -kompetenzen in Deutschland – wie auch in vielen anderen Volkswirtschaften – als unzureichend bewertet. Während in Politik und Wissenschaft weitgehend unumstritten ist, dass es notwendig ist, persönliches Finanzwissen und -kompetenzen zu verbessern, sind die Wege zu einer umfassenderen Finanzkompetenz höchst strittig: Was bestimmt das Finanz- und Anlageverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern? Warum treffen sie mitunter finanzielle Entscheidungen, die aus ökonomischer Sicht nicht rational sind? Wer soll für die finanzielle Bildung verantwortlich sein? Welche Institutionen – (staatlich kontrollierte) Schulen, (neutrale) Institutionen, (private) Unternehmen oder Verbände – sollen Finanzwissen vermitteln? Soll Finanzwissen für Jugendliche als eigenständiges Fach unterrichtet werden, oder sollten die Inhalte in ein integriertes Fach eingebunden werden? Sollte eine Vermittlung in Schulen als Teil einer (sozio-)ökonomischen Bildung oder als Teil der Allgemeinbildung konzipiert werden? Welche Perspektiven sollen in Bildungsinhalten eingenommen werden?

Diese Fragen stehen im Fokus des geplanten Vierteljahrshefts zur Wirtschaftsforschung. Willkommen sind für das Heft auf Deutschland bezogene sowie international vergleichende Beiträge. Eingereicht werden können Beiträge beispielsweise zu folgenden Themen:

  • Ansätze und Initiativen zur Vermittlung finanzieller Kompetenzen
  • Wirkungskanäle finanzieller Bildung
  • Analysen zum Stand der finanziellen Allgemeinbildung
  • Analysen bezogen auf verschiedene Lebensrisiken (Altersabsicherung, Überschuldung etc.)
  • Finanzielles Verhalten und Entscheidungen
  • Grenzen finanzieller Bildung
  • Messung finanzieller Kompetenzen

Das geplante Vierteljahrsheft steht im Zusammenhang mit einer Veranstaltungsreihe des DIW Berlin zum Thema „Finanzkompetenz für alle Lebenslagen“. Im November 2016 widmete sich der erste Workshop dieser Veranstaltungsreihe dem Thema „Finanzielle Bildung in der Jugend – gewappnet für die Zukunft!?“ Für dieses Jahr ist ein weiterer Workshop vorgesehen, in dem der Fokus auf der privaten Altersvorsorge liegen wird.  

Das Ziel des Vierteljahrhefts ist auf der Grundlage wissenschaftlicher Analysen Politik zu informieren und zu beraten. Es können theoretische wie auch empirisch fundierte politikberatende Beiträge eingereicht werden. Angenommen werden auch Positionspapiere aus Verbänden, Politik und Wirtschaft. Autorinnen und Autoren, die einen Beitrag einreichen möchten, schicken bitte bis zum 5. Mai 2017 ein Abstract über den geplanten Beitrag (maximal eine Seite) an Kornelia Hagen (). Zum 15. Mai 2017 erhalten die Autorinnen und Autoren eine Rückmeldung von den Herausgeberinnen des Vierteljahrshefts, ob der Beitrag angenommen wird.

Die fertigen Beiträge, die eine Länge von 30 000 Zeichen nicht überschreiten sollen, müssen bis zum 15. August 2017 eingereicht werden (siehe Hinweise für Autoren unter www.diw.de/vierteljahrsheft). Danach findet ein mehrstufiger Lektorats- und Überarbeitungsprozess statt. Das Vierteljahrsheft „Finanzielle Kompetenzen in allen Lebenslagen“ soll voraussichtlich im November/Dezember 2017 erscheinen.

Call for Papers zum DIW Vierteljahrsheft 3/2017 zum Download | PDF, 97.31 KB