|
Seit 1996 gewinnt die Beschäftigungsexpansion in den Metropolregionen wieder
deutlich an Fahrt. Der Zuwachs bei den Dienstleistungen ist dabei - ganz im
Gegensatz zur Entwicklung in den alten Bundesländern insgesamt - größer als der
Rückgang im Produzierenden Gewerbe. Damit können die Metropolregionen
erstmals seit Mitte der siebziger Jahre eine bessere Beschäftigungsbilanz aufweisen
als der Durchschnitt der anderen Gebiete. Der regionale
Dekonzentrationsprozess der Beschäftigung scheint gestoppt.
Maßgeblich zu diesem Erfolg beigetragen hat die Entwicklung im Schnittfeld von
Verarbeitendem Gewerbe und Unternehmensdiensten. Besonders dynamisch
entwickeln sich die Beratungsunternehmen; sie haben ihre Beschäftigung innerhalb
von nur drei Jahren um fast 20% aufgestockt. In diesem Segment besitzen die
Ballungsgebiete mit ihrem spezifischen Know-how ganz offensichtlich ausgeprägte
Standortvorteile, die in wachsendem Maße zum Tragen kommen.
Korrelationsrechnungen für Großstadtregionen zeigen allerdings auch, dass sich der
räumliche Zusammenhang in der Entwicklung von Verarbeitendem Gewerbe und
Beratungsdiensten immer mehr lockert. Mit der Auslagerung von Dienstleistungen
aus den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes nimmt nämlich zugleich die
überregionale Ausrichtung von Wirtschaftsberatern, Ingenieurbüros,
Softwarehäusern und Mediendienstleistern zu. Im Zuge dieser Entwicklung wird die
Exportbasis der Metropolregionen vielfältiger, deren Verflechtung untereinander
intensiver. Gleichwohl dominiert innerhalb des regionalen "Exportsektors" weiterhin
das Verarbeitende Gewerbe. Gemessen an der Beschäftigung betrug dessen Anteil
1999 im Durchschnitt der Metropolregionen nahezu 60%.
Während im Produktionsbereich primär aufgrund von Rationalisierungen
die Beschäftigtenzahlen zurückgehen, wird die Entwicklung im
Steuerungs- und im Distributionsbereich in erster Linie durch Bedarf an
zusätzlichen Diensten und durch Auslagerung von
Dienstleistungsfunktionen bestimmt. Dies gilt insbesondere für größere
Unternehmen, bei denen neben der Nutzung von Spezialisierungsvorteilen
auch tarifpolitische Überlegungen maßgebend für die "Verschlankung"
sind. Eigentümergeführte Firmen neigen demgegenüber bislang dazu,
möglichst viele Funktionen im eigenen Hause zu erbringen. Dabei nehmen
die Vorbehalte gegenüber der Fremdvergabe von Unternehmensdiensten
tendenziell mit der Entfernung von den Ballungskernen zu.
In den beiden IHK-Bezirken Köln und Düsseldorf hat die Tendenz zum
Outsourcing im Verlauf der 90er-Jahre deutlich zugenommen und zuletzt
drei Viertel der befragten Unternehmen erfasst. Insgesamt dürften allein
während der letzten fünf Jahre gut 10.000 Beschäftigte aus Betrieben des
Verarbeitenden Gewerbes in Dienstleistungsbetriebe "gewandert" sein.
Damit wird ein gutes Drittel der Beschäftigungsabnahme im
Verarbeitenden Gewerbe zwischen 1995 und 1999 durch Outsourcing von
Dienstleistungen erklärt. Zumindest in diesem Umfang überzeichnet die
Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe den Bedeutungsverlust der Industrie.
Für die nächsten Jahre ist mit einer weiteren Spezialisierung der
Unternehmen zu rechnen. Dabei wird sich allerdings die Struktur der
ausgelagerten Leistungen ändern. Wurden bisher bevorzugt
produktunabhängige Dienste wie Werkschutz, Kantine oder
Sozialeinrichtungen an Dritte vergeben, so stehen künftig verstärkt
Logistik, Engineering, EDV und sogar Teile des Rechnungswesens zur
Disposition. Die Planungen einzelner Konzerne in der Region weisen
darauf hin, dass diese Entwicklung zur vollständigen Zerlegung
traditioneller multifunktionaler Unternehmen in rechtlich selbstständige
Produktions- und Servicegesellschaften führen kann. In solchen Fällen
verbleiben grundsätzlich nur die produzierenden Einheiten im
Verarbeitenden Gewerbe.
Der vielfach anstehende Generationenwechsel in den Geschäftsleitungen dürfte
auch in mittelständischen Unternehmen eine verstärkte Konzentration auf die
Kernkompetenz und damit zugleich eine größere Bereitschaft zu unternehmensübergreifenden
Kooperationen mit sich bringen. Insgesamt besteht vor allem im
Steuerungs- und Distributionsbereich ein erhebliches Outsourcing-Potenzial.
Bei insgesamt gleichgerichteten Tendenzen bestehen allerdings gewisse
Unterschiede in der Entwicklung der beiden betrachteten
Wirtschaftsräume. Während sich der Strukturwandel im IHK-Bezirk
Düsseldorf vorrangig innerhalb des Industriekomplexes abspielt, dem
Beschäftigungsrückgang in der Warenproduktion also
überdurchschnittliche Wachstumsraten bei Ingenieurleistungen,
Wirtschaftsberatung, Telekommunikationsdiensten und Software-Entwicklung
gegenüberstehen, expandieren im IHK-Bezirk Köln
Unternehmensdienste wie Messe- und Kongresswesen, Sicherheit,
Personalleasing und Immobilienmanagement sowie vor allem
Personendienste wie Film, TV, Kunst und Kultur.
Diese Spezialisierungsmuster entsprechen grundsätzlich den jeweiligen
Standortgegebenheiten und sind in Bezug auf Fühlungsvorteile und Standortprofil
durchaus sinnvoll. Gleichwohl weist insbesondere Köln mit seinem vergleichsweise
hohen Besatz von Verarbeitendem Gewerbe noch erhebliche Wachstumspotenziale
im Bereich der Beratungsleistungen auf. Hier kommt es darauf an, die zu erwartende
Fortsetzung der Ausgliederungen zum Aufbau neuer exportintensiver
Dienstleistungsunternehmen zu nutzen.
|
Diese Seite empfehlen