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Fünf Fragen an Mechthild Schrooten
Wird die amerikanische Immobilienkrise zur deutschen Finanzkrise?
22. Februar 2008
Prof. Dr. Mechthild Schrooten ist Forschungsprofessorin am DIW Berlin und Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen
Frage: Frau Prof. Schrooten, die US-Immobilienkrise hat zu Verwerfungen auf den internationalen Finanzmärkten geführt. Was macht das deutsche Finanzsystem bislang so belastbar?
Schrooten: In Deutschland sind einige Banken im Zuge der US-amerikanischen Immobilienkrise deutlich unter Druck geraten. Andere Kreditinstitute wiederum nicht. Wir haben hier also ein sehr heterogenes Gefüge. Was macht nun das deutsche Bankensystem bislang relativ stabil? Es ist die Koordination und Kooperation der Banken untereinander, die sich offenbar zum Ziel gesetzt haben, dass es nicht zu einer Bankenkrise kommt. Wie lange diese Strategie durchzuhalten sein wird, hängt auch davon ab, wie hoch die Ausfälle noch sein werden, die jetzt immer stärker zu Tage treten.
Frage: Es sind auch strukturelle Probleme deutlich geworden. Welche sind das?
Schrooten: Problemstellen sind die geerbten Dinge. In der Vergangenheit hatte das deutsche Bankensystem im internationalen Vergleich eine relativ geringe Rendite aufzuweisen. In solchen Situationen neigt man dazu, risikoreichere Geschäfte einzugehen. Da bot sich in der Vergangenheit auch tatsächlich der us-amerikanische Immobilienmarkt an. Allerdings sind die Risiken offenbar unterschätzt worden. Deshalb kommt es nun zu einer Kumulation der Probleme zurück in das deutsche Bankensystem. Besonders betroffen sind offenbar die Landesbanken, die in der Vergangenheit eine extrem geringe Rendite aufgewiesen haben. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen der Rendite in der Vergangenheit und der Bereitschaft, derartige Papiere in das eigene Portfolio aufzunehmen.
Frage: Eine deutsche Besonderheit sind die Landesbanken. Wie sollten diese aufgestellt sein?
Schrooten: Die Landesbanken agieren als Zentralbanken der Sparkassen. Die Sparkassen sind sehr gut aufgestellt. Die Landesbanken haben in der Vergangenheit eine relativ geringe Rendite ausgewiesen und haben sich offensichtlich im Zuge des us-Amerikanischen Immobilienbooms sehr engagiert. Es wurden Zweckgesellschaften gegründet, die außerbilanziell geführt werden konnten und nun im Zeichen einer Krise in den USA wieder auf die Landesbanken zurückschlagen. Ein Problem für die Landesbanken dürfte aber auch sein, dass sich die Haftungsbedingungen für die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute insgesamt seit 2005 deutlich geändert haben. Damals wurde schon darauf aufmerksam gemacht, dass die Landesbanken bislang ein relativ gutes Rating ausweisen konnten, weil es immer eine staatliche Haftung gab, egal, was sie taten. Heute sieht das anders aus. Die Landesbanken sind zunehmend auch von den Veränderungen der Haftungsbedingungen betroffen.
Frage: Um für zukünftige Entwicklungen gewappnet zu sein, schlägt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ein Fünf-Punkte-Programm vor. Wie sehen die zentralen Maßnahmen aus?
Schrooten: Erstens: Vertrauen stärken und die Öffentlichkeit informieren. Bislang kommen die Informationen immer nur bröckchenweise an die Öffentlichkeit, deshalb sollte sich in diesem Zusammenhang ein klareres Bild auch für die Öffentlichkeit ergeben. Dazu gehört auch, dass die Aufsichtsbehörden der Öffentlichkeit erklären, wie es zu einer derartigen Zuspitzung kommen konnte. Zweitens: Die Aufgaben der Landesbanken sind zu überdenken. Die Risiken scheinen sich vor allem im Landesbankensektor angehäuft zu haben. Hier muss man genau überlegen, welche Aufgaben die Landesbanken in Zukunft haben und welche Geschäftsstrategien sie in Zukunft entwickeln sollten. Hier müssen offene Diskussionen geführt und Überlegungen in alle Richtungen angestellt werden können. Drittens: Man muss sich internationalen Bewertungsstandards beugen, muss versuchen eine Vereinheitlichung zu forcieren. Auf dem internationalen Finanzmarkt muss es möglich sein, dass die Papiere transparent gehandelt werden, so, dass auch die Risiken für einzelne Papiere transparent werden. Viertens: Stärkung der internationalen Finanzmarktarchitektur. Es geht hier um die Kooperation von wichtigen Spielern auf den internationalen Finanzmärkten, also den USA, der EU und Japan. Hierbei könnte man sich auch ein Überdenken der Rolle des internationalen Währungsfonds vorstellen, dass er stärker zur Prävention von Bankenkrisen beiträgt und sein bisheriges Profil mehr auf die Verhinderung von Währungskrisen ausrichtet. Fünftens und am Wichtigsten wäre die Entwicklung eines Frühwarnsystems. Dazu gibt es bereits Ansatzpunkte. Außerdem müssen die deutschen Kreditinstitute der Bundesbank ständig Bericht erstatten. Hier wäre es denkbar, ein klares System zu entwickeln, wann Signale gesendet werden, um möglichst früh eingreifen zu können.
Frage: In Deutschland sind zwei Organisationen für die Bankenaufsicht zuständig. Zum einen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht - Bafin - und zum anderen die Deutsche Bundesbank. Anfang Februar haben sich beide auf eine klare Arbeitsteilung verständigt. Reicht das?
Schrooten: Die Bankenaufsicht ist in Deutschland relativ gut. Wenn wir jetzt im Finanzsektor eine Zuspitzung erleben, liegt das eher daran, dass außerbilanzielle Geschäfte zugelassen waren. Eine Bankenaufsicht kann immer nur so gut sein wie die ihr zugrunde liegenden Regulierungen.
Das Gespräch führte Erich Wittenberg.

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