Konjunkturbarometer

Aktuelle Ergebnisse vom 27. Juli 2017

DIW Konjunkturbarometer Juli 2017: Weiter überdurchschnittliches Wachstum, aber keine Überhitzung

Die deutsche Wirtschaft wird wohl weiter kräftig zulegen, wenngleich mit etwas vermindertem Tempo. Darauf deutet das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hin, das für das dritte Quartal einen Indexstand von 103 Punkten im Juli aufweist – etwas unter den 104 Punkten für das zweite Quartal. Damit liegt der Index aber nach wie vor merklich über der 100-Punkte-Marke, die einen Zuwachs entsprechend des langjährigen Mittels anzeigt. Die Wirtschaftsleistung dürfte im Durchschnitt der Monate April, Mai und Juni 0,6 Prozent höher ausgefallen sein als im Schnitt der ersten drei Monate dieses Jahres. Für das laufende dritte Vierteljahr zeichnet sich mit 0,5 Prozent ein etwas geringerer Zuwachs ab. „Nach dem kräftigen ersten Halbjahr wächst die deutsche Wirtschaft weiter überdurchschnittlich – und auch wenn das Tempo etwas geringer ausfällt als zuvor: Die Kapazitäten bleiben gut ausgelastet“, kommentiert DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.

Die Industrieproduktion dürfte die Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate fortsetzen: Die Stimmung – auch etwa mit Blick auf das Auslandsgeschäft – bleibt euphorisch, und die Zahl der Neuaufträge befindet sich auf hohem Niveau. Verbessert hat sich die Auftragslage zuletzt aber kaum noch, so dass der Schwung in der Industrie etwas gebremst werden dürfte. Auch die Geschäfte der Dienstleister werden wohl an Fahrt verlieren – dafür spricht die sich seit dem Jahreswechsel etwas eintrübende Stimmung. Simon Junker, DIW-Experte für die Konjunktur in Deutschland: „Angesichts einer etwas weniger dynamischen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt dürfte der private Konsum schwächer ausfallen.“

Im Frühjahr hatten zwar sinkende Preise für Energie und auch für Nahrungsmittel den allgemeinen Preisauftrieb gedämpft; ohne Berücksichtigung dieser Komponenten legten die Preise aber leicht beschleunigt zu – und dies dürfte in den kommenden Monaten auf die Inflation durchschlagen. Eine Überhitzung zeichnet sich aus DIW-Sicht aber nicht ab: „Auch wenn die Inflation etwas höher ausfallen könnte – ein starkes Anziehen des Preisniveaus ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten“, so Fichtner.


Im dritten Quartal fallen die Signale sowohl aus der Industrie wie auch von den Dienstleistern kaum noch überdurchschnittlich aus (Abbildung 1). Im verarbeitenden Gewerbe bleibt die Stimmung aber gut (Abbildung 2).


Abbildung 2

Barometer_Juli_2017_Indikatoren.png

Der negative Beitrag der Außenhandelspreise weist darauf hin, dass das Barometer im Juli die Aussichten sogar unterschätzt: historisch betrachtet gingen sinkende Außenhandelspreise meist auf eine schwächelnde Weltwirtschaft zurück – aktuell aber sind sie Reflex der zuletzt gesunkenen Energiekosten und sind daher kein Hinweis auf eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung. Allerdings haben sich zuletzt in einigen Wirtschaftszweigen die Auslandsaufträge ungünstig entwickelt, etwa im Maschinenbau und in der chemischen Industrie.