Website Archive

Wochenbericht des DIW Berlin 1/00

Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung 2000 - Weltwirtschaft im Aufschwung

Bearbeiter Arbeitskreis Konjunktur
Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung 2000

Weltwirtschaft im Aufschwung

Im Jahre 1999 hatte die Weltwirtschaft die Folgen der Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten weitgehend überwunden. In den Entwicklungs- und Schwellenländern war die gesamtwirtschaftliche Produktion wieder aufwärts gerichtet, und auch in den Industrieländern gewann die Konjunktur erneut an Schwung.

Besonders ausgeprägt war die wirtschaftliche Dynamik in den asiatischen Krisenländern, nicht zuletzt infolge einer expansiven Fiskal- und einer weniger restriktiven Geldpolitik. Mittlerweile scheinen dort die Impulse zu einem sich selbst tragenden Aufschwung zu führen. In Südamerika nahm die Produktionstätigkeit im Verlauf des zweiten Halbjahres wieder zu. Allerdings konnte das Vorjahresniveau noch nicht wieder erreicht werden. Für diese Region besteht nach wie vor Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung. In den mittel- und osteuropäischen Reformstaaten gewann die gesamtwirtschaftliche Expansion ebenfalls an Fahrt. Allerdings entstehen, nicht zuletzt als Folge des Zusammenwirkens von Wechselkursbindung und zu hohen Kosten- und Preissteigerungen, mittlerweile erhebliche Leistungsbilanzdefizite.

Die wirtschaftliche Entwicklung in den Industrieländern ist nach wie vor von einem deutlichen Konjunkturgefälle zwischen den großen Wirtschaftsräumen USA, Japan und Europa geprägt. Die US-amerikanische Wirtschaft weist entgegen vielen Erwartungen immer noch eine kräftige konjunkturelle Dynamik auf. Diese dürfte sich in diesem Jahr - wenn auch abgeschwächt - fortsetzen. In Japan reichte die Vielzahl von fiskalpolitischen Programmen in den beiden vergangenen Jahren nicht als Initialzündung für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung aus. Hier dürfte auch in diesem Jahr die Expansion noch verhalten bleiben, da die Strukturreformen im Finanzsektor erst allmählich greifen. Die Erhöhung des Wachstumspotentials wird sich vielmehr erst im nächsten Jahr positiv auswirken. In Europa zog die Konjunktur wieder kräftiger an, nachdem die von der Außenwirtschaft ausgehenden dämpfenden Einflüsse überwunden worden waren. Für dieses Jahr ist mit einer Beschleunigung des Aufschwungs zu rechnen (Tabellen 1 und 2).

Die drei großen Wirtschaftsräume der Weltwirtschaft befinden sich - wie über die ganzen neunziger Jahren hinweg - in unterschiedlichen Phasen eines Konjunkturzyklus. Die Wirtschaftspolitik in den einzelnen Regionen steht damit vor unterschiedlichen Herausforderungen. In den USA muß insbesondere die Geldpolitik bei hoch ausgelasteten Kapazitäten einer weiteren Beschleunigung der Inflation vorbeugen und den eingeschlagenen restriktiven Kurs fortsetzen. In Europa dagegen bleiben die Kapazitäten eher unterausgelastet, und eine Gefahr für die Preisstabilität ist nicht in Sicht. In Japan herrschen nach wie vor sogar deflationäre Tendenzen. Die Wirtschaftspolitik in diesen beiden Regionen steht damit vor der Aufgabe, den Aufschwung zu unterstützen, damit die Arbeitslosigkeit auch hier nachhaltig bekämpft werden kann. Dies kann nur gelingen, wenn die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen stabil bleiben. Ein Risiko diesbezüglich entsteht durch das aufgrund des Konjunkturgefälles gestiegenen Leistungsbilanzdefizits in den USA. Sollte das Vertrauen der internationalen Kapitalanleger verloren gehen, ginge der damit verbundene Kapitalabfluss mit deutlichen Zinserhöhungen in den USA einher und hätte zudem eine drastische und anhaltende Abwertung des US-Dollar zur Folge. Dies würde nicht nur die Konjunktur in den USA, die derzeit noch auf einen hohen Zustrom an Kapital angewiesen ist, merklich dämpfen, sondern auch Japan und Europa in Mitleidenschaft ziehen. Die Folgen wären hier sehr viel dramatischer, da in den USA ein Anstieg der Arbeitslosigkeit von sehr niedrigem Niveau ausgehen würde. Für Japan wäre die langsame Stabilisierung extrem gefährdet und für Europa wäre dies - würde die EZB nicht deutlich gegensteuern - mit einer erneuten Verzögerung bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verbunden. Träte eine solche Entwicklung ein, blieben die entscheidenden wirtschaftspolitischen Probleme Europas und Japans weiterhin bestehen.

Rasche Erholung in Asien In den asiatischen Krisenländern zeichnet sich für 1999 eine überaus kräftige gesamtwirtschaftliche Erholung ab (Tabelle 3). Insbesondere in den Volkswirtschaften, die stark von den Folgen der Finanzkrise betroffen waren, kam es nach einem erneuten wirtschaftspolitischen Kurswechsel der Finanzpolitik zu einer deutlichen Nachfragebelebung im Inland, obwohl Schritte zur Sanierung des Unternehmens- und Bankensektors eingeleitet wurden.

Zur Verbesserung der Governance-Strukturen wurde in vielen Fällen die Entflechtung von Unternehmen im Banken- und Staatssektor vorangetrieben. Die Veränderung der institutionellen Rahmenbedingungen zielt auf eine Stärkung der privaten Haftung für unternehmerische Entscheidungen. Damit ist allerdings auch ein Abbau von Arbeitsplätzen verbunden, da unter diesen Bedingungen erhebliche Effizienzsteigerungen angestrebt werden. Der fiskalpolitische Handlungsspielraum, der vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die öffentlichen Haushalte vor der Krise in der Regel ausgeglichen waren, wurde oftmals zum Aufbau eines sozialen Sicherungssystems genutzt; nach dem finanzpolitischen Kurswechsel liegt das Defizit der öffentlichen Haushalte in mehreren Ländern nunmehr über der 5 %-Marke.

Bei in der Tendenz steigenden realen Wechselkursen gegenüber US-Dollar und Yen sanken die Leistungsbilanzüberschüsse. Bemerkenswert ist, dass sich sowohl in Volkswirtschaften, die an den Programmen des Internationalen Währungsfonds teilgenommen haben, parallele Entwicklungen abzeichnen. In China verlor die gesamtwirtschaftliche Entwicklung an Dynamik. Hier zeigen sich inzwischen erhebliche Effizienz- und Anpassungsprobleme, die ihren Ausdruck nicht zuletzt in dem beachtlichen Bestand an Not leidenden Krediten finden.

Für den Prognosezeitraum wurde angenommen, dass die vormaligen Krisenländer an der nur leicht restriktiven Geldpolitik und an einer in der Tendenz eher expansiven Fiskalpolitik festhalten sowie die Reformen im Banken- und Unternehmenssektor weiter vorantreiben; die reale Aufwertung der Währungen dürfte sich zudem weiter moderat fortsetzen. Unter diesen Rahmenbedingungen wird im Jahre 2000 das Bruttoinlandsprodukt in dieser Region - ohne Berücksichtigung der Entwicklung in China - etwas stärker als 1999 zunehmen.

Fragile Aufwärtsentwicklung in Japan Zwar konnte Japan 1999 nach Jahren der Rezession einen Zuwachs der gesamtwirtschaftlichen Produktion ausweisen. Dies ist aber noch kein Zeichen für eine durchgreifende konjunkturelle Stabilisierung, sondern weitgehend Ausdruck der umfangreichen Stimulierungsmaßnahmen der Regierung. Die Wirkung der fiskalischen Impulse hat im Jahresverlauf deutlich nachgelassen: Nach Zuwächsen in den ersten beiden Quartalen war im dritten Quartal 1999 ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts zu verzeichnen. Dass dieser nicht noch deutlicher ausfiel, war bei einer zuletzt rückläufigen Inlandsnachfrage vor allem der Belebung der Exporttätigkeit zuzuschreiben. Diese ist maßgeblich auf die Erholung in den asiatischen Krisenländern zurückzuführen.

Die expansiven Wirkungen der Geld- und Fiskalpolitik werden in einem durch einen notwendigen Strukturwandel geprägten Umfeld stark gebremst. Im vergangenen Jahr wurde die für die zukünftige Entwicklung wichtige Sanierung des Bankensektors vorangetrieben; die positiven Wirkungen werden aber erst mittelfristig wirksam. Die Kredite der Banken an den Privatsektor nahmen weiter ab. Die in Angriff genommene Reform des Bankensektors kommt einem Rückzug des Staates aus der Haftung für die Kreditvergabeentscheidungen gleich. Die zur Effizienzverbesserung im Unternehmens- und Bankensektor ergriffenen Reformmaßnahmen, die letztendlich auf die Herstellung der Einheit von Entscheidungskompetenz und Haftung zielen, werden in der Anpassungsphase zunächst noch dämpfend wirken, weil die Banken bei der Vergabe neuer Kredite noch zurückhaltend agieren werden.

Der Yen hat sich gegenüber dem Dollar und Euro aufgewertet. Dies erhöht die Chance für eine verstärkte Liquiditätszufuhr und den Übergang auf eine angesichts der anhaltenden deflationären Tendenzen unumgängliche Reinflationierungspolitik seitens der Zentralbank, da das Vertrauen der internationalen Kapitalanleger in die japanische Wirtschaft hoch ist. [1] Die Effekte einer solchen Strategie auf die langfristigen Zinsen dürften in diesem Umfeld begrenzt sein.

Da keine weiteren expansiven Impulse von der Finanzpolitik zu erwarten sind und die Geldpolitik sich noch nicht zu einem dezidierten Reinflationierungskurs entschlossen hat, wird sich die Konjunktur in Japan zunächst leicht abschwächen.

Die Exporte werden durch die Erholung in den asiatischen Krisenländern zunächst noch stimuliert. Die Importdynamik geht vorrangig auf die Aufwertung zurück.

USA weiter auf Expansionskurs Die Expansion der US-amerikanischen Wirtschaft hat sich im vergangenen Jahr als sehr robust erwiesen. Im Sommer war vielfach für das zweite Halbjahr 1999 eine Abkühlung prognostiziert worden. Zwar hat sich das Wachstum des realen privaten Verbrauchs tatsächlich verlangsamt, allerdings nicht in dem erwarteten Ausmaß. Die Verbrauchskonjunktur war immer noch recht kräftig und blieb die treibende Kraft der gesamtwirtschaftlichen Expansion. In nominaler Rechnung nahmen die Verbrauchsausgaben auch in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres stärker zu als die verfügbaren Einkommen, und die Sparquote war weiter rückläufig. [2] Deutlich belebte sich die Ausfuhr, vor allem in die anderen Länder der NAFTA und die südostasiatischen Schwellenländer. Allerdings nahm die Einfuhr insgesamt weiterhin kräftiger zu, so dass der Außenbeitrag sich weiter passivierte. Bei zügig expandierender Nachfrage und hoher Auslastung der Sachkapazitäten war die Investitionstätigkeit insgesamt weiterhin rege. Dabei dürften die Investitionen in Computer und Software im Zusammenhang mit der Jahr-2000- Problematik eine wichtige Rolle gespielt haben.

Trotz der zügigen Expansion der gesamtwirtschaftlichen Produktion blieb die Teuerung im Vergleich zu früheren Boomphasen moderat. Die Verbraucherpreise lagen - nach 1,5 % im Jahre 1998 - am Jahresende 1999 um gut 2,5 % über dem Vorjahresniveau. Rechnet man die sehr volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel aus dem Konsumentenpreisindex heraus, so zeigt sich, dass die so genannte Kerninflation im Verlauf des letzten Jahres nur unwesentlich zugenommen hat. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass sich die Lohnentwicklung trotz des geräumten Arbeitsmarktes nicht beschleunigt hat.

Die Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sich das Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktion in diesem Jahr etwas abschwächen wird (Abbildung 2). Die Lohnentwicklung dürfte auch weiterhin moderat verlaufen. Bei etwas schwächerer Beschäftigungsexpansion werden die verfügbaren Einkommen geringer zunehmen als im Vorjahr und den Zuwachs des privaten Verbrauchs dämpfen. Von der öffentlichen Nachfrage dürften dagegen in diesem Jahr etwas stärkere Impulse als 1999 ausgehen. Im Sog der weltwirtschaftlichen Belebung ist mit einem beschleunigten Anstieg der Ausfuhr zu rechnen. Da aber die Inlandsnachfrage auch in diesem Jahr immer noch kräftig expandiert, wird sich der Zuwachs der Einfuhr nur wenig abflachen. Der Fehlbetrag im Außenhandel wird damit größer sein als 1999. Im Zuge der schwächeren Entwicklung der Gesamtnachfrage und der gestiegenen Zinsen wird die Investitionsdynamik nachlassen. Die privaten Investitionen werden in diesem Jahr um rund 5 % zunehmen, nach 9 % im vergangenen. Insgesamt wird das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 3 % - nach 3,9 % im Jahre 1999 - zunehmen. Die schwache Dynamik im ersten Vierteljahr geht dabei auf Sondereffekte bei Lager- und Ausrüstungsinvestitionen im Zusammenhang mit dem Jahr-2000-Problem zurück. Auch bei der hier prognostizierten Abschwächung bleibt die Konjunktur immer noch lebhaft. Die Wachstumsrate in den USA wird dann über fünf Jahre hinweg 3 % und mehr pro Jahr betragen haben.

Der Aufschwung in den USA geht mit einem erheblichen Leistungsbilanzdefizit einher. Im Jahre 1999 hatte es mit rund 3,5 % des nominalen Bruttoinlandsprodukts den bisherigen Höchststand erreicht. Das Leistungsbilanzdefizit wird auch in diesem Jahr noch einmal zunehmen. Bei einem Defizit in dieser Größe nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass es zu kräftigen und dauerhaften Wechselkurskorrekturen kommt, ausgelöst und verstärkt durch einen massiven Abzug ausländischen Kapitals. In diesem Fall werden die langfristigen Zinsen in den USA spürbar steigen. Das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht stellt somit eine Gefahr für die konjunkturelle Entwicklung in den USA dar, mit negativen Folgen für die Weltkonjunktur. Allerdings ist damit nicht zu rechnen, da das Vertrauen der internationalen Anleger ungebrochen ist.

Die Inflationsrate beschleunigt sich im Verlauf des ersten Halbjahres noch einmal. Zwar steigen die Energiepreise nicht mehr in dem Tempo wie zur Jahresmitte 1999; es dauert aber noch einige Zeit, bis sich der preistreibende Effekt völlig in der Entwicklung der Konsumentenpreise niedergeschlagen hat. Die amerikanische Zentralbank dürfte im Frühjahr die Zinsen ein weiteres Mal geringfügig erhöhen.

Mittelosteuropa begünstigt durch die konjunkturelle Belebung in Westeuropa Die gesamtwirtschaftliche Expansion hat sich 1999 in den Ländern Mittelosteuropas, die den Status eines Beitrittskandidaten [3] zur Europäischen Union haben, etwas verlangsamt. Ursache dafür war vor allem die schwächere konjunkturelle Entwicklung in Westeuropa. Die Binnennachfrage expandierte aber in vielen Volkswirtschaften kräftig, gestützt von Reallohnsteigerungen, aber auch von einer Abnahme der Sparquote. Die in vielen dieser Länder hohen Realzinsen beeinträchtigten die Investitionsdynamik. Sie waren allerdings notwendig, um den Disinflationsprozess fortzusetzen. Die gesamte Region ist - bis auf Ausnahmen - mit erheblichen Leistungsbilanzdefiziten konfrontiert. Nur in wenigen Fällen können sie aber mit einer aktuellen realen Aufwertung der Währung erklärt werden. Vielfach sind sie Ausdruck der schon länger anhaltenden realen Überbewertung, die durch die gewählte Ausgestaltung der Wechselkursregime entstanden ist.

Es hat sich gezeigt, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in der Region nicht nur von wirtschaftlichen Reformen und internen Effizienzverbesserungen der Volkswirtschaften, sondern auch stark von der Konjunkturentwicklung der Haupthandelspartner abhängt. Die für dieses Jahr prognostizierte Belebung der Konjunktur in Westeuropa wird daher ein wichtiger Impuls für die Beschleunigung des Wachstums in der Region sein. In welchem Ausmaß sich dieser Impuls in eine Ausweitung der gesamtwirtschaftlichen Aktivität überträgt, wird nicht nur von weiteren institutionellen Reformen, sondern auch von dem gewählten Wechselkursregime in den einzelnen Volkswirtschaften abhängen. Offensichtlich planen insbesondere Polen und Ungarn einen Übergang vom derzeit praktizierten Crawling Peg zu einem flexiblen Wechselkurs, um so einer weiteren Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits entgegenzuwirken. Es bleibt abzuwarten, ob die Disinflationspolitik dann mit gleicher Intensität fortgeführt werden kann. Bei der anziehenden Konjunktur in Westeuropa werden die gesamtwirtschaftlichen Zuwachsraten spürbar über dem Vorjahreswert liegen (Tabelle 4).

Aufschwung in Westeuropa gewinnt an Breite Schon im vergangenen Sommer hatten sich Produktion und Nachfrage in den westeuropäischen Ländern außerhalb der EWU spürbar erholt. Auch in Großbritannien, das zuvor unter rückläufigen Exporten und den Auswirkungen einer restriktiven Geldpolitik gelitten hatte, nahm die Konjunktur seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres wieder Fahrt auf.

Vor allem der private Verbrauch expandierte im Vorjahr mit einer Rate von 4 % kräftig. Die Ausrüstungsinvestitionen wurden zwar wieder ausgeweitet, verloren jedoch im Vergleich zum Vorjahr an Tempo. Auch wenn die Exporte zuletzt wieder kräftig zunahmen, verschlechterte sich aufgrund der noch schneller steigenden Importe die Leistungsbilanz erheblich. Eine wesentliche Ursache besteht nach wie vor in der mangelnden preislichen Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens, die mit dem hohen Pfundkurs und rasch steigenden Lohnstückkosten begründet ist. Für den konjunkturellen Verlauf in diesem Jahr wird daher eine leichte Abschwächung des Wachstums unterstellt, zumal auch von der Geldpolitik und der Finanzpolitik keine expansiven Impulse ausgehen dürften. Im Durchschnitt des Jahres wird das reale Bruttoinlandsprodukt um 2,4 % zunehmen, nach 1,6 % im Vorjahr.

Die wirtschaftliche Entwicklung in der EWU Verhaltener Konjunkturaufschwung in der EWU

Seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres hat sich die Konjunktur in den Ländern der Europäischen Währungsunion spürbar erholt. In der zweiten Jahreshälfte beschleunigte sich die Expansion des Bruttoinlandsprodukts deutlich. Alle Indikatoren deuten auf eine Fortsetzung des Aufschwungs in nahezu unverändertem Tempo hin. Die Erholung wurde durch außenwirtschaftliche Einflüsse ausgelöst. Die rasche Beendigung der Krisen in Südostasien, die Stabilisierung in den mitteleuropäischen Transformationsländern und das robuste Wachstum in Nordamerika bildeten zusammen mit der Schwäche des Euro ein günstiges Umfeld für eine starke Ausweitung der Exporte. Zwar nahmen auch die Importe wieder kräftiger zu, jedoch blieb das Expansionstempo hinter dem der Exporte zurück.

Die Inlandsnachfrage in der EWU hat sich leicht beschleunigt. So nahm der Verbrauch der privaten Haushalte rascher zu, da die Reallohnsteigerungen annähernd gleich blieben und die Beschäftigung bei insgesamt höherem Wirtschaftswachstum etwas stärker ausgeweitet wurde. Die Anlageinvestitionen expandierten in etwa unverändertem Tempo. Die Zahl der Arbeitslosen nahm innerhalb eines Jahres um fast eine Million ab; damit lag die Arbeitslosenquote in der EWU zum Jahresende 1999 zum ersten Mal seit Jahren wieder unter zehn Prozent.

Der Konjunkturaufschwung wird sich in diesem Jahr fortsetzen. Der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts dürfte 3 % betragen. Die Exporte bleiben die treibende Kraft der Expansion. Sie werden - unter Einschluss des Handels mit Gütern und Dienstleistungen innerhalb der EWU - um fast 7 % expandieren. Da die Importe trotz guter Binnenkonjunktur weniger wachsen, steigt der Außenbeitrag beträchtlich. Vor allem gegenüber den asiatischen Ländern, den USA und Großbritannien werden die Überschüsse noch zunehmen; gegenüber den mittelosteuropäischen EU-Beitrittskandidaten dürften sie rückläufig sein.

Die Expansion der Anlageinvestitionen wird sich in unverändertem Tempo fortsetzen. Angeregt durch die günstige Exportentwicklung werden die Ausrüstungsinvestitionen rascher steigen, während die Bautätigkeit schwächer expandiert.

Von der Lohnentwicklung gehen derzeit im EWU-Durchschnitt keine inflationären Impulse aus. Die Lohnsteigerungen im Euro-Raum waren im vergangenen Jahr moderat. Der Arbeitskostenindex von Eurostat, der die Entwicklung der gesamten Arbeitskosten je Stunde abbildet, nahm im Durchschnitt des ersten Halbjahres 1999 im Euro-Raum um rund 2 % gegenüber dem Vorjahr zu. Der Lohnzuwachs war damit etwas geringer als im Durchschnitt der EU insgesamt (2,5 %). Für dieses Jahr ist mit keiner nennenswerten Beschleunigung zu rechnen. Zwar dürften die Lohnsteigerungen in einigen Ländern - z. B. Spanien - etwas kräftiger, in einigen anderen - wie Deutschland und Italien - dagegen im Jahresdurchschnitt wieder etwas schwächer ausfallen. Die Lohnstückkosten werden voraussichtlich im EWU- Durchschnitt allenfalls geringfügig steigen. Für das laufende Jahr wird daher mit einem Preisanstieg von 1,5 % gerechnet. Die Inflationsrate wird damit auch im Verlauf unter der von der EZB als mittelfristig tolerierbar bezeichneten Grenze von 2 % bleiben.

Die Zahl der Beschäftigten wird im Euroraum auch in diesem Jahr um gut 1 % zunehmen, und die Arbeitslosenquote von gut 10 % auf etwa 9,5 % im Durchschnitt des laufenden Jahres zurückgehen. Die Verminderung der Arbeitslosenquote ist jedoch zum Teil auch demographisch bedingt.

Weitere Konsolidierung der öffentlichen Haushalte Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte in der EWU hielt 1999 in fast unvermindertem Tempo an. Die Defizitquote nach dem Vertrag von Maastricht (Budgetdefizit in Relation zum Bruttoinlandsprodukt) wird in diesem Jahr etwa 1,2 % betragen, nach 2,0 % 1998 und 1,6 % 1999. Gleichzeitig ist die Bruttoschuldenquote weiter gesunken; sie wird Ende des Jahres bei 70 % liegen. Dabei liegen zwei Länder - Italien und Belgien - mit weit über 100 % immer noch deutlich oberhalb des entsprechenden Maastricht-Kriteriums. Insgesamt geht aber die Konsolidierung noch über die von der Europäischen Kommission im letzten Jahr vorgelegten Stabilitätsprogramme hinaus. Hierzu trugen insbesondere Einnahmeverbesserungen aus der Verbreiterung der steuerlichen Bemessungsgrundlage und aus Steuernachzahlungen bei.

Der finanzpolitische Spielraum wurde dabei in den einzelnen Ländern durchaus unterschiedlich genutzt. Frankreich und Italien etwa haben zunächst langsamer konsolidiert als Deutschland, um die konjunkturelle Entwicklung möglichst wenig zu beeinträchtigen. Nachdem nunmehr im Zuge der Konjunkturbelebung die Steuerquellen wieder lebhafter sprudeln, liegt Frankreich im Konsolidierungsprozess nur noch knapp hinter Deutschland. Insgesamt bleibt die Finanzpolitik in der EWU restriktiv ausgerichtet.

Monetäre Lage Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Anfang November ihre Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt auf 3 % für den Hauptrefinanzierungssatz erhöht. Sie begründete diesen Schritt mit einer "graduellen" Ablösung von "nach unten" gerichteten Risiken für die Preisstabilität durch solche, die "nach oben" gerichtet seien. Damit hat die EZB ihren Kurs leicht gestrafft, noch bevor es zu einer Beschleunigung der Inflationsrate gekommen ist. Bereits Anfang Oktober stieg der 3-Monats-Euribor sprunghaft über 3 % (Abbildung 5). Hierin mögen sich teilweise die Erwartungen einer Leitzinserhöhung widergespiegelt haben. Von größerer Bedeutung dürfte aber sein, dass die Marktteilnehmer im Zusammenhang mit dem Wechsel zum Jahr 2000 ihre Nachfrage nach liquiden Geldmitteln erhöht hatten, um auf mögliche Engpässe vorbereitet zu sein.

Die Ausweitung der Geldmenge M3 hat sich seit Herbst 1999 mit zuletzt gut 6 % spürbar beschleunigt (Abbildung 7). Dieser Wert liegt mittlerweile deutlich über dem von der EZB gesetzten Referenzwert von 4,5 % [4], den sie jüngst als Orientierungsmarke für eine stabilitätsgerechte Ausrichtung der Geldpolitik auch für das Jahr 2000 bestätigt hat. Hieran gemessen scheint die Geldpolitik zu expansiv ausgerichtet. Gegen eine solche Einschätzung gibt es jedoch triftige Gründe. So besteht eine unvermeidliche Unsicherheit über die Stabilität monetärer Beziehungen, die mit dem Übergang zu dem neuen Regime einer einheitlichen Währung für den Euroraum verbunden ist. Für eine Instabilität insbesondere des Zusammenhangs zwischen Geldmenge und Inflation spricht, dass die Berechnungen zur trendmäßigen Veränderung der Umlaufgeschwindigkeit sehr schwanken. Ein weiteres Argument für eine sehr vorsichtige Interpretation der Geldmengenentwicklung ist, dass die erhöhte Liquiditätsnachfrage, die aus der Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Übergang zum Jahr 2000 resultierte, die Ausweitung der Geldmenge beschleunigt hat. Hieraus sind jedoch keine Inflationsgefahren abzuleiten.

Die Kapitalmarktzinsen [5] waren von Beginn des Jahres 1999 bis zum Herbst relativ deutlich, um 1,5 Prozentpunkte, gestiegen. Unmittelbar nach der Leitzinserhöhung gingen sie zunächst merklich zurück, weil mit der Entscheidung der EZB spekulativen Tendenzen auf noch stärkere Zinssteigerungen offensichtlich der Boden entzogen worden war. Mittlerweile liegen sie jedoch wieder bei gut 5 %. Hierin spiegeln sich die globalen Tendenzen, die vor allem durch die monetäre Entwicklung in den USA geprägt werden. Ferner fließt Kapital, das während der Währungsturbulenzen die asiatischen Krisenländer verlassen hatte, wieder zurück; auch der japanische Kapitalmarkt attrahiert wieder mehr finanzielle Anlagen.

Der Kurs des Euro hat nach einem kurzen Anstieg im Sommer 1999 trotz der höheren Zinsen in Europa weiter nachgegeben. Maßgeblich hierfür ist die robuste Konjunktur in den USA, die dort die Renditeperspektiven hochhält.

Alles in allem sind die monetären Rahmenbedingungen nunmehr im Vergleich zum Frühjahr 1999 als deutlich weniger expansiv zu kennzeichnen. Dies kann auch nicht durch die spürbare Abwertung des Euro ausgeglichen werden, da nur ein geringer Teil des Handels von Änderungen der Wechselkurse betroffen ist.

Bei alledem ist das Preisklima nach wie vor eher ruhig. Zwar hat sich der Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) infolge der Energieverteuerung auf 1,4 % beschleunigt, doch kommen von den anderen Komponenten keine Inflationsimpulse. Die Kerninflationsrate zeigt sogar eine Abschwächung der Inflationstendenzen. Sie lag zuletzt unter 1 %.

In diesem Jahr wird sich die aktuelle Inflationsrate allenfalls leicht beschleunigen, da sowohl der Anstieg der Rohölpreise als auch die Abwertung des Euro im Verlauf des Jahres zum Stillstand kommen werden. Gegen Ende des Jahres werden die Preissteigerungen sogar wieder etwas niedriger ausfallen. Dabei dürfte die Kerninflationsrate etwas zunehmen, da steigende Energiepreise die Produktion verteuern und der Überwälzungsspielraum der Unternehmen mit der Konjunkturbelebung größer wird.

[1] Vgl. Japan: Kann die Deflationsgefahr gebannt werden? Bearb.: Reinhard Pohl. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 20/99.

[2] Im Zuge der jüngsten Revision der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wurde die Ersparnis der privaten Haushalte nach oben korrigiert. Die wichtigste Umbuchung war dabei, dass Pensionsrückstellungen des Staates, die früher als Ersparnis des Staates verbucht wurden, nun als Ersparnis der privaten Haushalte zählen. Insgesamt ist die Sparquote nach der Revision um rund 3 Prozentpunkte höher als vorher. Zwar ergibt sich auch weiterhin die Tendenz einer stark rückläufigen Sparquote, allerdings fiel sie im vorigen Jahr nicht in den negativen Bereich.

[3] Den Status eines Beitrittskandidaten zur EU haben: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn.

[4] Die EZB errechnet den Referenzwert für M3 von 4,5 % aus einem Zuwachs des Produktionspotentials von 2 bis 2,5 %, einem Aufschlag für die trendmäßige Abnahme der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes von 0,5 bis 1 % sowie einer zu tolerierenden Inflationsrate von 1,5 %.

[5] Hier werden die mit den realen BIP-Anteilen gewichteten Durchschnitte der Staatsanleihen der EWU-Länder mit 10-jähriger Restlaufzeit betrachtet.

                                                                             
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 1                                                                        
Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, der Inlandsnachfrage und der             
Verbraucherpreise in den westlichen Industrieländern                            
in Landeswährung                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
              Gewichte (1)    BIP real   Inlandsnachfrage (2) Verbraucherpreise 
               1998 in %                          real                (3)       
                                      Veränderung in % gegenüber dem Vorjahr    
                                                                                
               BIP  Deut- 1998  1999  2000  1998  1999  2000  1998  1999  2000  
                    sche                                                        
                  Ausfuhr                                                       
                                                                                
Deutschland    9,9    -    2,2   1,3   2,4   2,5   1,6   1,8   0,6   0,9   1,1  
Frankreich     6,7  15,0   3,4   2,5   3,5   3,8   2,7   3,5   0,7   1,0   1,2  
Italien        5,4  10,0   1,4   1,3   2,4   2,6   2,5   2,3   2,0   1,5   1,8  
Spanien        2,7   5,4   4,0   3,7   3,8   5,0   4,9   4,1   1,8   2,3   2,3  
Niederlande    1,7   9,5   3,7   3,5   3,3   4,2   3,4   3,2   1,8   2,2   2,3  
Belgien        1,1   7,7   2,9   1,9   3,1   4,2   0,9   3,1   0,9   1,2   1,3  
Österreich     1,0   7,3   3,3   2,1   2,7   2,7   3,0   1,9   0,8   0,7   1,1  
Finnland       0,6   1,4   5,6   3,9   4,0   5,2   3,7   3,2   1,5   1,3   1,4  
Portugal       0,5   1,5   3,5   2,9   3,2   6,3   4,8   3,1   2,7   2,3   2,3  
Irland         0,4   0,7   8,9   7,9   6,9   9,5   6,7   6,5   2,2   2,2   2,5  
Luxemburg      0,1    -    5,7   3,1   3,2   5,6   2,6   3,1   1,0   1,2   1,2  
                                                                                
EWU-Länder    30,1    -    2,8   2,1   3,0   3,4   2,6   2,7   1,1   1,3   1,5  
EWU-Länder ohne                                                                 
Deutschland   20,2    -    3,2   2,5   3,3   3,9   3,1   3,2   1,4   1,5   1,7  
EWU-Länder ohne                                                                 
Deutschland (4) -   58,5   3,2   2,5   3,2   3,9   2,9   3,1   1,3   1,4   1,6  
                                                                                
Großbritannien 6,4  11,6   2,2   1,6   2,4   4,3   3,3   3,1   1,6   1,5   2,1  
Schweden       1,1   3,1   2,6   3,2   3,3   3,4   3,1   3,5   1,0   1,1   1,0  
Dänemark       0,8   2,3   2,7   1,5   2,0   4,6   1,7   2,2   1,4   2,0   2,2  
Griechenland   0,5   1,0   3,0   3,0   3,0   3,0   3,3   3,2   4,6   2,6   2,4  
                                                                                
Europ. Union  38,9    -    2,7   2,1   2,9   3,6   2,7   2,8   1,3   1,3   1,6  
Europ. Union ohne                                                               
Deutschland   29,0    -    2,9   2,3   3,0   3,9   3,1   3,1   1,5   1,5   1,8  
Europ. Union ohne                                                               
Deutschl. (4) 76,5   3,0   2,4   3,0   3,9   2,9   3,1   1,4   1,5   1,7        
                                                                                
Schweiz        1,2   6,0   2,1   1,5   2,2   4,0   1,7   2,4   0,1   0,6   0,6  
Norwegen       0,7   1,2   2,1   1,0   3,0   5,8   0,4   1,7   2,0   2,2   2,1  
                                                                                
Westeuropa    40,8    -    2,7   2,0   2,8   3,6   2,6   2,8   1,2   1,3   1,6  
                                                                                
USA           39,0  12,7   4,3   3,9   3,0   5,5   5,0   3,2   1,6   2,1   2,5  
Kanada         2,8   1,0   3,1   3,6   3,3   2,2   3,9   4,1   1,0   1,8   2,3  
Japan         17,4   2,6  -3,0   0,8   0,5  -3,6   1,0   0,2   0,7  -0,2   0,0  
                                                                                
Außereurop. Industrie-                                                          
länder        59,2    -    2,1   2,9   2,2   2,8   3,8   2,4   1,3   1,4   1,8  
Außereurop. Industrie-                                                          
länder (4)      -   16,3   3,1   3,4   2,6   3,9   4,3   2,8   1,4   1,7   2,1  
                                                                                
Insgesamt    100,0    -    2,3   2,6   2,5   3,1   3,3   2,6   1,3   1,4   1,7  
Insgesamt ohne                                                                  
Deutschland   90,1    -    2,4   2,7   2,5   3,2   3,5   2,6   1,4   1,4   1,7  
Insgesamt ohne                                                                  
Deutschl. (4)   -  100,0   2,9   2,5   2,9   3,9   3,1   3,0   1,3   1,5   1,7  
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
(1) Auf Dollarbasis zu Wechselkursen von 1998 (Jahresdurchschnitt).             
2) Verbrauch und Investitionen des Inlands.                                     
(3) Westeuropa (außer Schweiz): Harmonisierter Verbraucherpreisindex.           
(4) Gewichtet gemäß Anteilen an der deutschen Warenausfuhr 1998; der Anteil     
Luxemburgs ist bei Belgien enthalten.                                           
Quellen: OECD Economic Outlook; Eurostat, Volkswirtschaftliche                  
Gesamtrechnungen; Nationalstatistiken und Schätzungen des DIW; 1999 und 2000    
Schätzung und Prognose des DIW. Die Berechnungen und die Prognose wurden auf    
Basis der vierteljährlichen VGR des DIW für die EWU-Länder durchgeführt.        
=============================================================================== 
                                                                                
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 2                                                                        
Entwicklung der Komponenten des Bruttoinlandsprodukts in den westlichen         
Industrieländern in Landeswährung; reale Veränderung in % gegenüber dem Vorjahr 
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
                Privater        Öffentlicher      Bruttoanlage-                 
                Verbrauch         Verbrauch       investitionen                 
                                                                                
             1998  1999  2000  1998  1999  2000  1998  1999  2000               
                                                                                
Deutschland   2,3   1,9   2,3   0,5   0,5   0,1   1,4   1,9   2,6               
Frankreich    3,6   2,1   3,4   1,0   1,1   1,9   6,2   7,1   6,2               
Italien       1,8   1,4   2,2   1,3   2,3   1,9   3,4   2,0   4,5               
Spanien       4,1   4,4   3,7   2,0   1,2   1,0   9,2   9,6   7,2               
Niederlande   4,1   4,2   3,6   3,3   2,1   1,6   5,2   4,0   3,1               
Belgien       3,3   1,9   2,0   2,4   1,5   1,2   3,8   3,9   3,8               
Österreich    1,7   2,0   2,5   1,3   1,4   1,3   4,7   4,6   4,8               
Finnland      5,6   3,7   3,5   1,5   0,6   0,7   9,5   6,5   6,3               
Portugal      5,6   4,4   3,5   3,3   2,0   1,9   9,7   6,3   6,0               
Irland        7,4   7,3   6,6   5,9   2,8   2,7  16,8   9,6   9,2               
Luxemburg     3,8   2,3   2,8   4,0   2,9   3,0   9,7   4,6   4,9               
                                                                                
EWU-Länder                                                                      
(1) (2)       3,0   2,3   2,8   1,2   1,1   1,1   4,2   4,3   4,5               
EWU-Länder ohne Deutschland                                                     
(1)(2)        3,3   2,6   3,1   1,7   1,5   1,7   6,1   5,7   5,5               
                                                                                
Großbrit.     3,4   4,0   3,0   1,0   3,6   2,8   9,9   4,4   2,1               
Schweden      2,4   3,4   3,3   1,0   1,5   1,5   9,2   5,0   6,5               
Dänemark      3,5   2,0   2,5   3,0   1,5   1,0   6,9   2,0   2,0               
Griechenland  2,0   2,3   2,8   0,5   0,0   0,0   9,5   9,0   9,0               
                                                                                
Euro -5,5               
                                                                                
Westeuropa (1)3,0   2,6   2,8   1,3   1,6   1,4   5,5   4,1   4,0               
                                                                                
USA           4,9   5,1   3,1   1,3   2,4   3,0  10,8   8,7   4,7               
Kanada        2,8   2,8   3,7   1,7   1,6   2,3   3,6   9,7   6,6               
Japan        -0,6   1,7   1,3   0,7   1,3   1,0  -7,4  -1,2  -2,5               
                                                                                
Außereuropäische Industrie-                                                     
länder (1)    3,3   4,1   2,7   1,2   2,1   2,5   3,7   5,0   2,1               
                                                                                
Insgesamt (1) 3,2   3,5   2,7   1,2   1,8   2,0   4,4   4,7   2,8               
Insgesamt ohne                                                                  
Deutschl. (1) 3,3   3,7   2,8   1,3   2,0   2,2   4,7   5,0   2,9               
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
                    Exporte           Importe                                   
                  von Waren und Dienstleistungen                                
                                                                                
               1998  1999  2000  1998  1999  2000                               
                                                                                
Deutschland     7,0   3,4   9,0   8,5   4,8   7,1                               
Frankreich      7,2   2,7   5,5   9,5   3,8   5,8                               
Italien         1,3  -1,0   5,3   6,1   3,2   4,9                               
Spanien         7,1   6,3   6,8  11,1  10,6   7,4                               
Niederlande     6,4   4,6   4,3   7,7   4,5   4,3                               
Belgien         5,0  -0,1   2,4   6,9  -1,6   2,4                               
Österreich      7,9   2,0   7,5   6,7   4,1   5,9                               
Finnland        9,6   2,4   6,5   9,4   1,5   5,2                               
Portugal        7,8  -1,9   5,3  14,3   3,8   4,6                               
Irland         20,5   9,2   8,9  23,2   8,0   8,7                               
Luxemburg       8,3   2,7   3,6   8,5   2,2   3,6                               
                                                                                
EWU-Länder                                                                      
(1) (2)         6,4   2,6   6,7   8,6   4,1   6,1                               
EWU-Länder ohne Deutschland                                                     
(1)(2)          6,3   2,5   5,3   8,9   4,0   5,2                               
                                                                                
Großbrit.       2,0  -0,2   1,7   8,4   4,8   3,8                               
Schweden        6,9   5,0   6,0   9,7   5,0   7,0                               
Dänemark        1,4   1,5   4,0   6,4   2,0   4,5                               
Griechenland    6,5   5,5   6,5   5,0   6,0   6,0                               
                                                                                
Europäische                                                                     
Union           5,8   2,3   5,7   8,7   4,3   5,5                               
Europäische Union                                                               
ohne Deutschl.  5,4   2,0   4,7   8,7   4,2   5,0                               
                                                                                
Schweiz         4,1   3,0   4,0   8,8   3,5   4,5                               
Norwegen        0,5   3,0   5,5   9,1   2,0   3,0                               
                                                                                
Westeuropa (1)  5,6   2,4   5,6   8,7   4,2   5,4                               
                                                                                
USA             2,2   3,6   8,8  11,6  12,1   9,4                               
Kanada          8,2   7,7   5,1   5,8   8,6   7,4                               
Japan          -2,5   2,0   7,8  -7,6   4,0   6,9                               
                                                                                
Außereuropäische Industrie-                                                     
länder (1)      1,9   3,8   8,0   6,8   9,9   8,6                               
                                                                                
Insgesamt (1)   4,3   2,9   6,5   8,0   6,5   6,6                               
Insgesamt ohne                                                                  
Deutschl. (1)   3,8   2,8   6,1   7,9   6,7   6,6                               
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
(1) Gewichte 1998 auf Dollarbasis zu Wechselkursen von 1998                     
(Jahresdurchschnitt); Export- und Importentwicklung: Gewichteter Durchschnitt   
der betreffenden Länder.                                                        
(2) Exporte und Importe einschl. Binnenhandel.                                  
Quellen: OECD Economic Outlook; Eurostat, Volkswirtschaftliche                  
Gesamtrechnungen; Nationalstatistiken und Schätzungen des DIW; 1999 und 2000    
Schätzung und Prognose des DIW. Die Berechnungen und die Prognose wurden auf    
Basis der vierteljährlichen VGR des DIW für die EWU-Länder durchgeführt.        
=============================================================================== 
                                                                                
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 3                                                                        
Reales Bruttoinlandsprodukt und Verbraucherpreise in den asiatischen Ländern    
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
                      Gewicht   Bruttoinlands-    Verbraucherpreise             
                                   produkt                                      
                                                                                
                       in %    Veränderungen gegenüber Vorjahr in %             
                                                                                
                              1998   1999  2000   1998   1999   2000            
                                                                                
Südkorea               20,3   -5,8   -7,0   6,5   -7,5   -1,2    3,0            
Taiwan                 11,4  - 4,8   -5,5   4,0   -1,7   -0,4    2,0            
Indonesien              9,6  -13,7   -4,0   0,0   57,6   -1,6   15,0            
Thailand                7,7   -8,0   -2,5   3,5   -8,1   -0,5    5,0            
Hongkong                6,4   -5,1   -0,5   2,0   -2,7   -4,2    1,0            
Malaysia                4,1   -6,3   -3,5   5,0   -5,2   -2,1    5,5            
Singapur                3,9  - 1,3   -4,0   2,0   -0,3   -1,5    1,5            
Philippinen             3,5   -0,5   -2,5   3,0   -9,0   -5,4    7,0            
                                                                                
Zusammen (1)           66,9   -4,7   -3,4   3,8   12,8   -0,7    4,9            
China                  33,1  - 7,8   -7,0   6,0   -0,8   -0,6    2,5            
                                                                                
Insgesamt (1)         100,0   -0,5   -4,6   4,5   -8,3   -0,3    4,1            
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
(1) Gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt von 1997.                            
Quellen: IWF; OECD;1999 und 2000 Schätzung und Prognose des DIW.                
=============================================================================== 
                                                                                
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 4                                                                        
Reales Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise und Arbeitslosigkeit in          
Ostmitteleuropa                                                                 
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
  Gewicht  Bruttoinlandsprodukt  Verbraucherpreise  Arbeitslosenquote (1)       
                                                                                
  in %  Veränderung gegenüber Vorjahr in %  in %                                
                                                                                
                   1998  1999  2000  1998  1999  2000  1998  1999  2000         
                                                                                
Bulgarien     3,6  -3,4  -1,0  -2,0  23,7   2,5   5,0  12,2    15,0    14,0     
Estland       0,7  -4,0  -0,0  -3,0   8,2   2,9   2,0   9,6    10,5    10,0     
Lettland      1,7  -3,6  -1,0  -2,0   5,1   2,9   2,0   9,2 (3)10,0 (3) 9,0 (3) 
Litauen       3,2  -5,2  -1,5  -2,0   4,7   1,0   3,0   6,4 (3) 7,5 (3) 7,0 (3) 
Polen        41,9  -4,8  -3,5  -4,5  11,8   8,1   6,0  10,4    12,5    12,0     
Rumänien     11,1  -7,3  -5,0  -3,0  59,1  51,0  42,0  10,3    11,5    12,0     
Slowakei      5,4  -4,4  -2,0  -2,0   6,7   9,0   7,0  15,6    16,7    17,0     
Slowenien     5,2  -4,0  -3,8  -4,0   7,9   8,5   7,0  14,5    14,0    13,0     
Tschechien   14,6  -2,7  -0,5  -1,0  10,7   2,8   3,0  7,5      9,0    10,0     
Ungarn       12,6  -5,1  -4,0  -4,5  14,3  10,5   8,0  9,1      9,2     8,0     
                                                                                
Insges. (2) 100     2,3  -1,6  -2,8    -     -     -    -        -       -      
                                                                                
Nachrichtlich: Export-                                                          
gewichtet (4)  -   -2,9  -1,1  -2,7    -     -     -    -        -       -      
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
(1) Stand am Jahresende.                                                        
(2) Summe der aufgeführten Länder. Gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt zu    
jahresdurchschnittlichen Wechselkursen von 1998.                                
(3) Nationale Angaben, nicht vergleichbar mit der ILO-Methodik.                 
(4) Gewichtet mit den Anteilen an der deutschen Ausfuhr von 1998.               
Quellen: Angaben nationaler und internationaler Institutionen. 1999 und 2000    
Schätzung und Prognose des DIW.                                                 
=============================================================================== 
                                                                                
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 5                                                                        
Indikatoren (1) zur Situation der öffentlichen Haushalte in den EWU-Ländern     
in % des Bruttoinlandsprodukts                                                  
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
                           Bruttoschulden              Finanzierungssaldo       
                                                                                
                    1997    1998    1999    2000   1997   1998   1999   2000    
                                                                                
Deutschland         60,8    61,1    61,3    60,8   -2,6   -1,7   -1,4   -1,1    
Frankreich          57,1    58,8    59,4    59,0   -3,0   -2,7   -2,1   -1,7    
Italien            120,2   118,7   117,5   114,7   -2,8   -2,7   -2,2   -1,7    
Spanien             66,0    65,1    64,0    62,0   -3,1   -2,3   -1,4   -0,8    
Niederlande         68,5    67,5    65,2    61,6   -1,2   -0,8   -0,4   -0,1    
Belgien            121,2   118,2   116,3   112,9   -1,8   -1,0   -1,0   -0,7    
Österreich          63,9    63,0    63,2    63,2   -1,9   -2,4   -2,2   -2,6    
Finnland            53,9    49,7    43,2    38,3   -1,6   -1,4   -3,5   -4,1    
Portugal            60,4    57,8    56,1    54,6   -2,0   -1,5   -1,3   -1,2    
Irland              62,2    49,5    47,0    39,3   -0,6   -2,0   -2,9   -3,1    
Luxemburg            6,0     6,9     7,1     7,2   -3,8   -2,5   -2,2   -2,1    
                                                                                
EWU-Länder          73,8    73,4    72,9    71,5   -2,6   -2,0   -1,5   -1,1    
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
(1) Gemäß Abgrenzung nach dem Vertrag von Maastricht.                           
Quellen: Eurostat; Europäische Kommission; 1999 und 2000 Schätzung und Prognose 
des DIW.                                                                        
=============================================================================== 

© DIW Berlin
Wochenbericht 1/00