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Wochenbericht des DIW Berlin 16/02

Innovationsnetzwerke in Ostdeutschland: Ein noch zu wenig genutztes Potential zur regionalen Humankapitalbildung

Bearbeiter Birgit Soete
Ulrich G. Wurzel
Hansjörg Drewello
In Ostdeutschland ist die Kooperation regionaler Akteure noch nicht hinreichend. Zur Stimulierung des wirtschaftlichen Wachstums hat die Bundesregierung verschiedene Initiativen gestartet, um die Vernetzung und Kooperation von Unternehmen und anderen Akteuren in den neuen Bundesländern zu fördern. Eine Initiative ist das Förderprogramm InnoRegio des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Im Rahmen des Förderprogramms werden nicht nur der Aufbau innovationsorientierter Netzwerke sowie Produkt- und Prozessinnovationen, sondern auch Projekte zur Aus- und Weiterbildung gefördert, da trotz hoher Arbeitslosigkeit innovative Unternehmen häufig keine qualifizierten Arbeitskräfte finden. Dabei könnten die Innovationsnetzwerke ein Ansatz sein, über eine verstärkte Kooperation der Unternehmen mit anderen regionalen Akteuren das Problem des Fachkräftemangels zu verringern.

Gut zehn Jahre nach der deutschen Vereinigung ist die wirtschaftliche Situation in den neuen Bundesländern immer noch unbefriedigend. [1] Auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Einerseits fehlen Ausbildungs- und Arbeitsplätze, andererseits werden qualifizierte Arbeitskräfte gesucht. Dieser Mangel an Qualifizierten wird durch den Lohnunterschied zwischen Ost und West und die dadurch bedingte Abwanderung vorzugsweise junger Fachkräfte verstärkt. Die Wirtschaftsstruktur ist durch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) geprägt, die bisher nur schwach in regionale und insbesondere in überregionale Wertschöpfungsketten integriert sind. Dieses Problem erschwert den KMU den Zugang zu Absatzmärkten und die Markterschließung. Grundsätzlich ist in Ostdeutschland die Zusammenarbeit verschiedener regionaler Akteure zur Stärkung der Wirtschaftskraft in den Regionen noch nicht hinreichend entwickelt. Außerdem ist die Innovationskraft in den neuen Bundesländern zu gering, was auch mit einer niedrigen Forschungsintensität korrespondiert. Dies ist mit dem geringen Bestand an Industrieunternehmen, insbesondere dem Mangel an Großunternehmen, zu erklären, die ein wichtiger Motor für Forschung und Entwicklung (FuE) sowie die Innovationstätigkeiten der Wirtschaft sind. Für innovative KMU kommen zu den bereits erwähnten Restriktionen noch die geringeren Möglichkeiten der Eigen- und Fremdfinanzierung hinzu. [2]

Die ungünstigen Strukturen in den neuen Bundesländern erfordern neue politische Wege zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichen Entwicklung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat deshalb in den letzten drei Jahren verschiedene Initiativen gestartet, um das regionale Innovationspotential der neuen Bundesländer durch die Förderung von Kooperationen und Netzwerken zu erschließen. Eine dieser Förderinitiativen ist das 1999 gestartete InnoRegio-Programm, zu dem das DIW Berlin mit mehreren Partnern die Begleitforschung durchführt. [3] Mit der Initiative sollen in den neuen Ländern die regionale Wettbewerbsfähigkeit erhöht und die Beschäftigungssituation nachhaltig verbessert werden. Erreicht werden sollen diese Ziele durch die Förderung von Netzwerken, die die Innovationsfähigkeit der Unternehmen stärken. Neben klassischen Innovationsprojekten wie Produkt- und Prozessinnovationen werden auch soziale Innovationen gefördert, z. B. Maßnahmen und Projekte zur Anpassung der Aus- und Weiterbildung an die speziellen Bedürfnisse der Unternehmen sowie einer Region. Seit Herbst 2001 erhalten 23 InnoRegios, die in einem mehrstufigen Wettbewerbsverfahren ausgewählt wurden, eine Förderung.

Innovationsnetzwerke Mit der Förderinitiative InnoRegio knüpft das BMBF an Ergebnisse der Innovationsforschung in den letzten 20 Jahren an. Demnach werden Innovationen nicht durch einzelne Erfinder oder "schumpeterische" Unternehmer und auch nicht linear geschaffen, sondern in einem Prozess, an dem arbeitsteilig verschiedene Akteure beteiligt sind. Innerhalb des Innovationsprozesses koordinieren sich die Akteure wie Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Intermediäre oder Finanzinstitutionen zunehmend über Netzwerke. Netzwerke ergänzen die Institution Markt und Organisationen, z. B. Unternehmen. Sie basieren auf der Selbstorganisation und -koordination zwischen autonomen Akteuren zur Erreichung gemeinsamer Ziele. Netzwerke von Akteuren mit unterschiedlichem Hintergrund und teilweise divergierenden Interessen sind institutionelle Arrangements zur Lösung von komplexen Problemen, die sowohl auf eine langfristige Orientierung, eine gewisse Stabilität und Kohärenz sowie die gemeinsame Akkumulation von Wissen und Erfahrung als auch auf Vielfalt und Flexibilität angewiesen sind. Lernprozesse in Netzwerken tragen zu einer gemeinsamen Problemlösungsorientierung, zu Know-how-Pooling und einem kontinuierlichen Erfahrungsaustausch mit Rückkopplungsmechanismen bei. Netzwerke eröffnen die Möglichkeit, gezielt kollektive Suchstrategien zu entwickeln und Kreativitäts- und Problemlösungspotentiale zu erschließen. [4] Der Nutzen von Netzwerken im Innovationsprozess bestimmt sich im Wesentlichen durch

• die Erweiterung der Kapazitäten einzelner Akteure (Verfügbarkeit   externen Wissens),

• die Effizienzvorteile und die Erschließung von Synergieeffekten   (Zusammenwirken komplementärer Kompetenzen),

• die Beschleunigung des Lernens aller Akteure durch kollektive   Lernprozesse sowie

• die Verbesserung der zukünftigen Kooperationskompetenz der   Akteure.

Innovationsnetzwerke können einerseits Marktunvollkommenheiten ausgleichen und andererseits Synergieeffekte erzeugen. [5]

Innovationen und Humankapital Für die Entwicklung neuer Produkte, Produktionsprozesse und Organisationsabläufe sind besondere Kenntnisse und Fähigkeiten erforderlich, vor allem Kreativität, die Generierung von Ideen und die Bereitschaft zu deren Umsetzung sowie die Offenheit für Veränderungen. Deshalb sind Humankapital, Sozialkapital und Wissenskapital wesentliche Einflussfaktoren für Innovationen und Innovationsprozesse. Unter Humankapital versteht man das durch Ausbildung und Berufserfahrung erworbene Wissen und Leistungspotential von einzelnen Menschen. Wissenskapital ist das nicht an Personen gebundene Wissen, das einerseits kodifiziert sein kann, beispielsweise in Publikationen und Patenten, und andererseits in nicht kodifizierter Form in Organisationsstrukturen und Institutionen existiert. Sozialkapital ist durch zwischenmenschliche Beziehungen und deren Regeln charakterisiert. [6]

Folglich sind qualifizierte Erwerbspersonen eine zentrale Voraussetzung für technologischen sowie sozialen Fortschritt und damit für wirtschaftliches Wachstum. Entsprechend ist das Ziel von Bildungsinvestitionen nicht nur eine Höherqualifizierung der Arbeitskräfte, sondern auch eine Beschleunigung des technologischen und sozialen Fortschritts. Besser ausgebildete Arbeitskräfte ermöglichen eine höhere Wissensproduktion und tragen zu einer schnelleren Verbreitung von Wissen bei. Humankapital wird deshalb als entscheidender Inputfaktor für den Bereich FuE angesehen. [7]

Für Innovationen ist insbesondere spezifisches Wissen von Bedeutung, das durch Aus- und Weiterbildung sowie durch nicht formelles Lernen und Berufserfahrungen entsteht. Hierzu zählt auch das nicht kodifizierte Wissen, das sich das FuE-Personal im Innovationsprozess aneignet. Im Gegensatz zu allgemeinem Humankapital ist dieses spezifische Wissen nicht einfach transferierbar, und es besteht ein höheres Risiko seiner Entwertung im technischen und institutionellen Wandel. Deshalb sind sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer gezwungen, regelmäßig in Humankapital zu investieren. [8] Für die Unternehmen wird dadurch die berufliche Qualifizierung und Bildungskompetenz zunehmend ein wichtiger regionaler Standortfaktor. Gleichzeitig hängt auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region entscheidend von der Qualität des regionalen Humankapitals ab.

Netzwerke für Aus- und Weiterbildung Da KMU nicht nur bei der Einstellung von qualifizierten Arbeitskräften Probleme haben, sondern ihnen häufig auch die Kapazitäten und Finanzressourcen für die Aus- und Weiterbildung fehlen, bietet es sich an, die beschriebenen Vorteile der regionalen Netzwerkkooperation auch im Bereich der Bildung von Humankapital zu nutzen. Mit der Vernetzung der wichtigsten regionalen Akteure im Bereich der Aus- und Weiterbildung lassen sich Effizienzsteigerungen erreichen und Marktunvollkommenheiten entgegenwirken. Generell kann auf regionaler Ebene die örtliche und sektorale Beschäftigungsentwicklung besser antizipiert werden als auf Länder- oder Bundesebene.

Regionale Kooperationen von Unternehmen, Beratungsinstitutionen, Weiterbildungseinrichtungen und Interessenvertretungen zielen darauf ab, die Lösung von Problemen einzuleiten bzw. Hindernisse zu beseitigen, die einer beruflichen Qualifikation in KMU entgegenstehen. Wesentliche Ziele der regionalen Kooperation bestehen in der Bedarfsermittlung von Weiterbildungsmaßnahmen, in der zielgruppen- und regional bedarfsorientierten Entwicklung von Bildungskonzepten sowie in der Qualitätssicherung. Außerdem ermöglicht die regionale Vernetzung von Akteuren der beruflichen Bildung die effiziente Nutzung von verfügbaren Ressourcen wie Personal, Räumen und technischen Ausstattungen.

In der Ausbildungskooperation werden entsprechende Netzwerke oft auch als Ausbildungsringe bezeichnet. Diese Netzwerke bestehen in der Regel aus Unternehmen, die allein nicht in der Lage sind, die Anforderung an eine Ausbildung im dualen System zu erfüllen. Ausbildungsringe zeichnen sich dadurch aus, dass ein Austausch der Auszubildenden zwischen den Ausbildungsbetrieben stattfindet. Notwendig wird diese Kooperation für ausbildungswillige Unternehmen schon deshalb, weil die im Ausbildungsrahmenplan festgelegten Lerninhalte von kleineren und meist stark spezialisierten Unternehmen nicht allein vermittelt werden können. Ein Beispiel ist der 1997 eingerichtete Ausbildungsring der IHK Karlsruhe für die Ausbildung neuer Multimedia-Berufe. Die Auszubildenden lernen sowohl in ihrem Stammbetrieb als auch bei Bedarf in einigen Phasen der Ausbildung in anderen Betrieben und bei Bildungsträgern. [9] Auch in den neuen Bundesländern gibt es viele Beispiele für erfolgreiche Ausbildungsverbünde. Das Bundesinstitut für Berufsausbildung (BIBB) hat in Kooperation mit dem Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit in den letzten zwei Jahren einen Wettbewerb zum Thema "Regionale Kooperation für Ausbildungsplätze" durchgeführt. Die prämierten Projekte werden sowohl im Internet als auch in Buchform dokumentiert. [10]

Die derzeitige Situation in den InnoRegio-Netzwerken Im Rahmen der Begleitforschung zu der Initiative InnoRegio sind bislang zwei schriftliche Erhebungen durchgeführt worden, auf die sich die folgenden Ausführungen stützen. Sowohl im Jahre 2000 als auch im Jahre 2001 waren von den an der Erhebung beteiligten Akteuren über 50 % Unternehmen des produzierenden Gewerbes, Dienstleistungsunternehmen und Handwerksbetriebe. Von diesen sind mehr als 60 % KMU mit maximal 50 Beschäftigten, die nach eigenen Angaben aber sehr FuE-intensiv sind (Tabellen 1 und 2). Mit ihren Investitionen in Prozess- und Produktinnovationen behaupten sich diese KMU nicht nur am Markt, sondern schaffen über Expansion auch Arbeitsplätze. Nach eigener Einschätzung ist für diese Unternehmen das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften als Standortbedingung sehr wichtig, gefolgt von der Nähe zu außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Nähe zu Hoch- und Fachhochschulen (Abbildung 1). Das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften schätzen 67 % der Unternehmen als schlecht bis befriedigend ein. Diese Einschätzung spiegelt sich in einem "Matchingproblem" wider. So gaben bei der Befragung im Jahre 2000 etwa 44 % der Unternehmen unbesetzte Stellen an, obwohl die durchschnittliche Arbeitslosenquote in den Regionen der InnoRegios bei 19 % lag. Die Unternehmen suchten in erster Linie Facharbeiter, Angestellte für qualifizierte Tätigkeiten sowie Führungskräfte (Tabelle 3). Auch im Jahre 2001 verbesserte sich die Situation nicht; für 42 % der Unternehmen war es generell nicht möglich, Stellen zu besetzen. Im Rahmen der InnoRegio-Projekte konnten 23 % der Unternehmen freie Stellen besetzen, aber ebenso viele suchten weiterhin qualifizierte Arbeitskräfte für ihre InnoRegio-Vorhaben. Dieser Mangel an Fachkräften kann, wie eingangs erwähnt, mit der Ost-West-Migration, einer nicht an der Nachfrage orientierten Weiterbildung und Qualifizierung sowie sinkenden Absolventenzahlen bei den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern erklärt werden. Um die bestehende Humankapitallücke zu schließen, sind viele Unternehmen bereit, in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu investieren (Tabelle 4). Darüber hinaus liegt die Maßnahme "Weiterbildung von Mitarbeitern" in den Unternehmen bei Aktivitäten zur Verbesserung der Konkurrenzsituation mit 14 % an dritter Stelle (Tabelle 5). Das Angebot an Weiterbildungs- und Qualifizierungseinrichtungen ist für knapp 60 % der Unternehmen auch eine wichtige Standortbedingung und wird von knapp 62 % der Unternehmen als befriedigend bis gut beurteilt (Abbildung 1).

Die zentrale Frage ist, ob die Innovationsnetzwerke auch genutzt werden können, das Matchingproblem zu lösen und dem Qualifizierungsbedarf der Unternehmen gerecht zu werden. Da es sich vorwiegend um KMU handelt, bestehen für sie die oben beschriebenen Probleme beschränkter Finanz- und Kapazitätsressourcen für Aus- und Weiterbildung, so dass eine Vernetzung sinnvoll erscheint. In den InnoRegios sind nicht nur Projekte zu Prozess- und Produktinnovationen vorgesehen, sondern auch Vorhaben zur Aus- und Weiterbildung. So dienen 5 % von den insgesamt konzipierten Innovationsprojekten in allen InnoRegios der langfristigen Sicherung und Verbesserung des Humankapitals in den Regionen. Diese Projekte wurden in erster Linie von Bildungsträgern, Hoch- und Fachhochschulen sowie Interessenvertretungen beantragt. Ziele dieser Vorhaben sind eine bessere Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Berufsausbildung, die Entwicklung neuer Berufsfelder sowie die Einrichtung neuer Studiengänge. So ist beispielsweise für das wissensintensive Technologiefeld "Biotechnologie" die Ausbildung von Laboranten, Bioinformatikern oder Biosystemtechnikern geplant. Ferner soll der Bedarf der Unternehmen an Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ermittelt werden, um bedarfsgerechte Konzepte anbieten zu können. Weiterhin gibt es Projekte, deren Ziel ein raumübergreifendes Lernen durch die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien ist. Außerdem wollen die Akteure der InnoRegios durch eine bessere Zusammenarbeit der Schulen, Universitäten und Fachhochschulen mit den Unternehmen Schüler für neue Berufe interessieren sowie qualifizierte Arbeitskräfte in der Region halten. Instrumente dafür sind die Vergabe von Diplomarbeiten sowie die Einrichtung von Praktika und Fernstudiengängen.

Bislang (Stand Februar 2002) werden in sieben InnoRegios zehn Projekte zur Ausbildung, Weiterbildung und Qualifizierung gefördert. Mit diesen Projekten werden neue Berufsfelder eröffnet, neue Studiengänge etabliert, die Ausbildung für benötigte Fachkräfte erhöht sowie das Fachwissen dokumentiert und durch Qualifizierungsmaßnahmen weitergegeben.

Aus Sicht der Unternehmen spielten diese Vernetzungsaktivitäten zur Stärkung und Verbesserung des Humankapitals zum Zeitpunkt der Befragungen, als sich die Projekte noch in der Aufbauphase befanden, allerdings eine untergeordnete Rolle. Im Jahre 2000 gaben 34,5 % der Unternehmen an, dass sie im Bereich der Aus- und Weiterbildung kooperieren und die Partner ihren Sitz in der Region haben; bei 14,7 % der Unternehmen waren die Partner zugleich auch InnoRegio-Teilnehmer. Hinsichtlich der Erwartungen, die von den Akteuren an die InnoRegio-Initiative geknüpft wurden, gaben 54,7 % der Unternehmen an, dass ihnen Kontakte zu regionalen Hochschulen und Fachhochschulen ziemlich bis sehr wichtig sind; für 26,8 % der Unternehmen waren die Kontakte zu regionalen Weiterbildungseinrichtungen ziemlich bis sehr wichtig. Außerdem gaben 62,6 % der Unternehmen an, dass es ihnen ziemlich bis sehr wichtig ist, Kooperationspartner für FuE zu finden; im Vergleich dazu hielten es 27,4 % der Unternehmen für ziemlich bis sehr wichtig, Kooperationspartner für die Weiterbildung zu finden (Abbildung 2).

Erwartungsgemäß liegt der Schwerpunkt für die Unternehmen im Rahmen der InnoRegios als Innovationsnetzwerke bislang eindeutig im FuE-Bereich und weniger in der Kooperation für Aus- und Weiterbildung. Dieser Eindruck wird von den Unternehmen bei ihrer Einschätzung des bisherigen Nutzens aus der InnoRegio-Initiative gestützt. So bewerteten die Unternehmen den Nutzen für die Bereiche "Kontakt zu Hoch- und Fachhochschulen" sowie "Partner für FuE" höher als für den Bereich "Aus- und Weiterbildung" (Abbildung 3).

Fazit Im Hinblick auf die Behebung des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften wirkt derzeit die Vernetzung der Akteure in den InnoRegios insgesamt noch nicht hinreichend. Insbesondere sind die Unternehmen nicht ausreichend involviert. Das Potential der Vernetzung zur Lösung der Humankapitallücke wird anscheinend in den Innovationsnetzwerken noch nicht voll genutzt. Eine Erklärung könnte die bisher geringe Umsetzung der geplanten Aus- und Weiterbildungsprojekte sein. Außerdem ist zu bedenken, dass die Unternehmen aufgrund ihrer Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt die Risiken höher bewerten könnten als die möglichen Kooperationsvorteile. Eine andere Erklärung ist, dass die Netzwerkakteure sich mit technologischen Projekten mehr Erfolg versprechen.

[1] Vgl.: Ostdeutsche Industrie gewinnt an Boden. Bearb.: Karl Brenke und Alexander Eickelpasch. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 3/2002.

[2] Vgl.: Staatliche Förderung von Forschung und Entwicklung in der ostdeutschen Wirtschaft - Eine Bilanz. Bearb.: Heike Belitz, Frank Fleischer und Andreas Stephan. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 35/2001; BMBF (Hrsg.): Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2001. Bonn 2002.

[3] Vgl.: Die Förderinitiative InnoRegio - Konzeption und erste Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitung. Bearb.: Alexander Eickelpasch, Martina Kauffeld, Ingo Pfeiffer, Ulrich Wurzel und Thomas Bachmann. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 34/2001; siehe auch www.diw.de/innoregio oder www.innoregio.de.

[4] D. Messner: Die Netzwerkgesellschaft. Wirtschaftliche Entwicklung und internationale Wettbewerbsfähigkeit als Problem gesellschaftlicher Steuerung. Köln 1995; H. Drewello und U. Wurzel: Humankapital und innovative regionale Netzwerke - Theoretischer Hintergrund und empirische Untersuchungsergebnisse. DIW-Materialien, Nr. 12/2002. Berlin.

[5] Vgl. H. Drewello und U. Wurzel, a. a. O.

[6] H. Mohr: Wissen als Humanressource. In: G. Clar, J. Doré und H. Mohr (Hrsg.): Humankapital und Wissen. Grundlagen einer nachhaltigen Entwicklung. Berlin u. a. 1997, S. 13-28.

[7] F. Pfeiffer und M. Falk: Der Faktor Humankapital in der Volkswirtschaft. Berufliche Spezialisierung und technologische Leistungsfähigkeit. Baden-Baden 1999.

[8] F. Pfeiffer und M. Falk, a. a. O.

[9] Vgl. H. Drewello und U. G. Wurzel, a. a. O.

[10] www.regiokom.de; BIBB (Hrsg.): Regionale Kooperation für Ausbildungsplätze: Good-Practice in den neuen Ländern 2001. Bielefeld 2001.

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Tabelle 1
Unternehmen in den InnoRegios im Jahre 2000 nach Betriebsgrößenklassen
Anteile in %

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                                 Betriebe mit ... Beschäftigten
                                                                         Gesamt
                         unter 10   10 bis    20 bis    50 bis   100 und
                                   unter 20  unter 50  unter 100   mehr

Produzierende Unternehmen   19,0     20,7      24,0      28,9       7,4   100,0
Dienstleistungsunternehmen  42,6     20,0      14,7      12,1      10,5   100,0
Handwerksbetriebe           33,3     50,0      16,7        -         -    100,0

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Quelle: Schriftliche Befragung des DIW Berlin und Partner im Sommer 2001.

DIW Berlin 2002

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Tabelle 2
Forschung und Entwicklung (FuE) der Unternehmen
Anteile in %

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                             davon: Unternehmen mit einem Anteil des
                   Unter-   FuE-Personaleinsatzes am gesamten Personal-  Unter-
                   nehmen              einsatz von ... %                 nehmen
                    mit                                                   ohne
                   eigener     unter 20   20 bis    50 bis   80 und      eigene
                    FuE                  unter 50  unter 80   mehr        FuE

Produzierende
 Unternehmen       71,7          40,6      15,1      10,5      5,5        28,3
Dienstleistungs-
 unternehmen       50,0          15,0      11,8      12,3     10,9        50,0
Handwerksbetriebe  14,3          14,3        -         -        -         85,7

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Quelle: Schriftliche Befragung des DIW Berlin und Partner im Juli/August 2000.

DIW Berlin 2002

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Tabelle 3
Offene Stellen der Unternehmen (1)
Anteile in %

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                                   Unternehmen  Produzierende  Dienstleistungs-
                                    insgesamt    Unternehmen     unternehmen

Unternehmen, die Personal suchen       44,1          47,9            39,7

darunter:
Einrichtungen, die ... suchen
  Un- und Angelernte                    1,5           2,5             0,5
  Facharbeiter/Meister                 12,1          20,4             2,8
  Angestellte für
    einfache Tätigkeiten                0,9           0,4             1,4
  Angestellte für
    qualifizierte Tätigkeiten          33,5          32,5            34,6
  Führungskräfte                       14,8          17,5            11,7
  Auszubildende                         5,1           6,7             3,3

Einrichtungen,
 die kein Personal suchen              55,5          51,3            60,3

Keine Angabe                            0,4           0,8             0,0

Insgesamt                             100,0         100,0           100,0

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(1) Einschließlich land- und forstwirtschaftlicher Betriebe und Handwerk.

Quelle: Schriftliche Befragung des DIW Berlin und Partner im Juli/August 2000.

DIW Berlin 2002

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Tabelle 4
Maßnahmen zur Verbesserung des Humankapitals in den Unternehmen (1)

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                                    Anzahl der   Prozent
                                    Nennungen

Vorhandene Mitarbeiter intern
weiterbilden                            315         41

Vorhandene Mitarbeiter extern
weiterbilden                            280         37

Neue Mitarbeiter einstellen             167         22

Insgesamt                               762        100

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(1) Mehrfachnennungen möglich.

Quelle: Schriftliche Befragung des DIW Berlin und Partner im Juli/August 2000.

DIW Berlin 2002

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Tabelle 5
Maßnahmen zur Verbesserung der Konkurrenzsituation in den Unternehmen (1)

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                                      Anzahl der   Prozent
                                      Nennungen

Einführung neuer Produkte/
Leistungen                                362         20

Intensivierung von Kooperation            285         16

Weiterbildung der Mitarbeiter             245         14

Intensivierung von Forschung
und Entwicklung                           222         12

Verbesserung beim Vertrieb                205         11

Senkung der Kosten                        196         10

Steigerung des Absatzes                   189         10

Verbesserung beim Einkauf                  93          7

Insgesamt                               1 797        100

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(1) Mehrfachnennungen möglich.

Quelle: Schriftliche Befragung des DIW Berlin und Partner im Juli/August 2000.

DIW Berlin 2002

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