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Wochenbericht des DIW Berlin 17/04

EU-Osterweiterung: Klare Herausforderungen, unberechtigte Ängste

Bearbeiter Tilman Brück
Herbert Brücker
Hella Engerer
Christian von Hirschhausen
Mechthild Schrooten
Dieter Schumacher
Ulrich Thießen
Harald Trabold
Zum 1. Mai 2004 werden zehn weitere Volkswirtschaften der Europäischen Union beitreten. In den Verträgen ist die künftige Einführung des Euro vorgesehen, wenngleich hier kein genauer Terminplan besteht. Acht der Beitrittsländer liegen in Mittel- und Osteuropa: [1] Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechische Republik, Slowakische Republik, Ungarn und Slowenien. Sie haben nach der politischen Wende eine tiefgreifende wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation durchlaufen. [2]

Auch wenn die gesamtwirtschaftliche Dynamik in den Beitrittsländern seit längerem über der in der EU liegt, ist der Einkommensabstand noch erheblich. Vom Beitritt werden kräftige Impulse für den Aufholprozess erwartet. Er wird allerdings auch von einem beschleunigten Strukturwandel begleitet sein. Demgegenüber ist der Anpassungsbedarf, aber auch das Wachstumspotential in der heutigen EU relativ gering. Ein Anpassungsdruck entstünde erst dann, wenn die Erweiterung der Gemeinschaft die Preise auf den Güter- und Faktormärkten merklich beeinflussen sollte. Die Beitrittsländer sind aber aus ökonomischer Perspektive kleine Länder - ihre gesamtwirtschaftliche Leistung beträgt in Relation zum Sozialprodukt der EU-15 nur 5 %. [3] Deshalb werden sich die Änderungen der relativen Preise in Grenzen halten. Ängste, dass die Osterweiterung zu deutlichen Arbeitsplatzverlusten in der EU-15 führen wird, sind deshalb unberechtigt.
Hohe gesamtwirtschaftliche Dynamik in den Beitrittsländern Seit längerem liegt die gesamtwirtschaftliche Dynamik in den mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern (MOEL) über der in der heutigen EU (Tabelle 1). Von 1995 bis 2003 legte das reale Bruttoinlandsprodukt der Beitrittsländer in der Summe um durchschnittlich 3,8 % pro Jahr zu; [4] in der EU-15 lag die entsprechende Größe bei 2,1 %, in Deutschland allein sogar nur bei 1,3 %.

Impulse gehen vor allem von der Binnennachfrage aus, insbesondere vom privaten Verbrauch, während die Bedeutung der Investitionen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zurückgeht. Im Zuge des raschen Wachstums steigen die Importe stärker als die Exporte, so dass die Leistungsbilanzdefizite in den Beitrittsländern deutlich zunehmen; im Durchschnitt der Länder ergab sich im Jahre 2003 eine Quote von zuletzt 4,4 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). [5]

Die kräftige Expansion der Binnennachfrage wurde vor allem von der Lohnentwicklung begünstigt, die weitgehend der nominalen Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts folgte. Dagegen operierte die Geldpolitik eher noch vorsichtig, um die Rückführung der teils hohen Inflationsraten zu unterstützen. Im Zuge des voranschreitenden "Disinflationierungsprozesses" konnten die Leitzinsen im Vorfeld des EU-Beitritts zwar gesenkt werden, sie liegen aber nominal wie real immer noch über den Zinsen im Euro-Raum. Die Teuerungsraten in den Beitrittsländern entsprachen im Jahre 2003 - gewichtet mit dem BIP - bereits dem Durchschnitt der EU-15.

Trotz der starken gesamtwirtschaftlichen Dynamik sind die Defizite der öffentlichen Haushalte in den Beitrittsländern hoch; Schätzungen zufolge lagen sie im Jahre 2003 im gewichteten Durchschnitt bei 5 % des BIP. Dies spricht dafür, dass die Defizite vor allem struktureller Natur sind, so dass hier ein erheblicher Anpassungsbedarf besteht. Die Konsolidierung könnte auch Steuererhöhungen erforderlich machen, denn derzeit liegen die Steuerquoten, insbesondere die Einkommen- und Körperschaftsteuersätze, in den Beitrittsländern deutlich unter den Vergleichswerten der EU-15. Ein Problem für den finanzpolitischen Konsolidierungskurs ist allerdings, dass die Arbeitslosigkeit in einigen der Beitrittsländer sehr hoch ist - höher noch als in der EU-15 - und der Arbeitsmarkt bisher wenig vom hohen Wachstum profitiert hat (Tabelle 1).

Die Situation des doppelten Defizits macht die Beitrittsländer hinsichtlich der Stabilität ihrer Währungen verwundbar. Zwar kann die Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits im ökonomischen Aufholprozess eine sinnvolle Strategie darstellen. Dies gilt dann, wenn mit den Kapitalzuflüssen der Kapitalstock so verbessert und erweitert wird, dass seine Rendite auch über zusätzliche Exporte die Kapitalkosten binnen überschaubarer Zeiträume wieder einspielt. Tatsächlich ziehen die Beitrittsländer aufgrund relativ hoher Renditeerwartungen internationale Kapitalzuflüsse an. Die Kombination von im europäischen Vergleich hohen Nominalzinsen mit glaubwürdigen Wechselkurspfaden macht diese Länder für viele Anleger attraktiv. Inzwischen zeigt sich aber, dass die Bedeutung von ausländischen Direktinvestitionen abnimmt und internationale Anleger verstärkt staatliche Anleihen nachfragen. Auch Deutschland macht hier keine Ausnahme: Die deutschen Direktinvestitionen in den Beitrittsländern nahmen offenbar in jüngster Zeit wieder ab
(Tabelle 2).

Die Beitrittsländer haben seit Beginn der Transformation erhebliche Finanzmarktreformen durchgesetzt: Der Bankensektor durchlief Phasen der Restrukturierung und Privatisierung. Wertpapiermärkte wurden etabliert. Auch wurde im Vorfeld des jetzigen Beitritts die Finanzmarktaufsicht verbessert. Gemessen am Engagement ausländischer Banken ist die internationale Finanzmarktintegration der Beitrittsländer sehr hoch und liegt weit über dem Durchschnitt der EU-15. Demgegenüber dominieren in den alten Mitgliedsländern meist einheimische Institute den Bankensektor.

Trotz der hohen gesamtwirtschaftlichen Zuwachsraten ist der Einkommensabstand zur EU-15 immer noch erheblich. In Kaufkraftparitäten (KKP) erreichte das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung in den Beitrittsländern im Jahre 2001 etwa 47 % des entsprechenden EU-Wertes; in laufenden Wechselkursen lag es deutlich darunter. Dabei ist der Unterschied zwischen den beitretenden Ländern beachtlich: Während Lettland im Jahre 2002 nur ein Pro-Kopf-Einkommen von etwa 35 % des EU-Durchschnitts hatte (in KKP), kam Slowenien auf einen Wert von 74 % und hatte damit ein mit Portugal und Griechenland vergleichbares Einkommensniveau. Angesichts dieser Diskrepanzen werden die einzelnen Beitrittsländer unterschiedlich lange brauchen, um die Einkommenslücke zur EU zu schließen.

Strukturwandel Die Struktur der Entstehungsseite des BIP in den mittel- und osteuropäischen EU-Beitrittsländern hat sich seit 1990 sehr stark dem Durchschnitt der EU-15 angenähert: Die Anteile der Landwirtschaft (einschließlich Fischerei), der Industrie (einschließlich Bauwirtschaft) und der Dienstleistungen haben sich in den meisten Ländern zum größten Teil bereits in den ersten fünf Jahren der Transformation in diese Richtung entwickelt, d. h. eine starke Senkung der Anteile der Landwirtschaft und der Industrie ging mit einer entsprechenden Erhöhung des Anteils der Dienstleistungen einher. Dieser Prozess hat sich in den Jahren danach fortgesetzt.

Viel stärker sind dagegen die Abweichungen der Beschäftigungsstruktur vom EU-Durchschnitt (Abbildung): In der Landwirtschaft gibt es eine sehr hohe Überbeschäftigung in Polen, Litauen und Lettland. Auch in der Industrie übertreffen nahezu alle Länder noch den EU-Durchschnitt. Umgekehrt ist bei den Dienstleistungen der Beschäftigungsanteil in allen Beitrittsländern geringer. Insbesondere trifft dies auf Polen zu. Hier gelang es weniger gut, die Verringerung der Beschäftigung in der Industrie durch eine steigende Beschäftigung in den Dienstleistungsbereichen zu kompensieren. Hinzu kommt hier das Problem, dass auch in der Landwirtschaft ein erheblicher Strukturwandel erforderlich ist: Deren Beschäftigung ist relativ hoch, es ist aber technisch nicht möglich, die Landwirtschaft sehr arbeitsintensiv zu organisieren und gleichzeitig hohe Produktivitätssteigerungen und reale Pro-Kopf-Einkommenszuwächse zu erzielen. Die deutlichen Differenzen zwischen den Beschäftigungs- und Produktionsanteilen der Sektoren in den Beitrittsländern im Vergleich zu Westeuropa unterstreicht auch das trotz rascher Fortschritte weiterhin sehr viel niedrigere Produktivitätsniveau dieser Länder.

Innerhalb der Industrie gab es in den Beitrittsländern zu Beginn der Transformation den aufgrund der komparativen Vorteile dieser Länder erwarteten Spezialisierungstrend hin zu Industrien mit hoher Arbeitsintensität, wobei diese Intensität in den Beitrittsländern noch viel höher ist als in der bisherigen EU. Folglich wuchs zunächst die Produktion der Branchen Nahrungsmittel, Holz, Textil, Gummi und Plastik sowie Leder in den Beitrittsländern relativ stark, und diese Branchen sind auch in der erweiterten EU immer noch bedeutend: Bei einem Anteil der Industrie der acht osteuropäischen Beitrittsländer an der gesamten Industrieproduktion der EU-25 in Höhe von rund 4 1/2 % haben diese fünf Industrien der acht Beitrittsländer gegenwärtig Marktanteile von 5 bis 7 %. Aufgrund der dort noch relativ geringen Produktivität liegen die jeweiligen Beschäftigungsanteile an der Gesamtbeschäftigung einer aus 25 Ländern bestehenden EU noch viel höher; die Spannweite reicht hier von 15 bis 22 %.

Die Beitrittsländer haben aber bei der Produktion von Gütern mit einem großen Anteil an hoch qualifizierter Arbeit - in Branchen wie Fahrzeuge und deren Komponenten, Maschinenbau, Elektrik, Elektronik und optische Ausrüstung - stark aufgeholt. In diesen Industrien wachsen die Produktion und besonders die Exporte seit einigen Jahren relativ stark, so dass auch die noch geringen Anteile dieser Industrien an der Industrieproduktion und Gesamtbeschäftigung der Beitrittsländer stark zunehmen. [6]

Der reibungslose strukturelle Wandel erfordert eine entsprechende Flexibilität am Arbeitsmarkt, auch hinsichtlich der Qualifizierung der Beschäftigten, insbesondere in den Dienstleistungsbereichen und in den forschungsintensiven Industrien. Kommt es beim Arbeitsangebot mangels geeigneter Qualifikationen zu Engpässen, werden der strukturelle Wandel und das Wirtschaftswachstum sowie der Anstieg der Pro-Kopf-Einkommen gebremst; dies fördert die Anreize, in Ländern mit einem höheren Einkommensniveau, etwa in Deutschland, Arbeit zu suchen.

Infrastrukturausbau geht langsam, aber sicher voran Der Infrastrukturausbau in den Beitrittsländern schreitet voran, jedoch langsamer als zu Beginn der Reformen vermutet. Der Aufholbedarf zur Erreichung des durchschnittlichen EU-Standards ist nach wie vor gewaltig: Sollen die acht MOEL das durchschnittliche EU-Ausstattungsniveau erreichen, beliefe sich der Investitionsbedarf in den Bereichen Telekommunikation, Verkehr, Energie, Wasser und Umwelt heute auf etwa 400 Mrd. Euro. Seit 1991 sind hier etwa 100 Mrd. Euro investiert worden. Der noch bestehende Finanzierungsbedarf wird sich allein durch öffentliche Investitionen nicht decken lassen; der Privatsektor in den Beitrittsländern ist daher in besonderem Maß bei der Infrastrukturfinanzierung gefragt. [7]

Im Telekommunikationssektor ist die Bedeutung der (nur unsystematisch erfassten) Privatinvestitionen besonders groß; hier ist der Aufholprozess am weitesten vorangekommen. Die Anzahl der Festnetzanschlüsse ist von durchschnittlich 15 pro 100 Einwohner auf über 30 gestiegen; dies liegt zwar noch unterhalb des EU-Durchschnitts [46], jedoch sind einige Länder, z. B. Ungarn und Slowenien, dem EU-Durchschnitt bereits nahe. Auch der Mobilfunk wächst in Mittel- und Osteuropa stark. Die Teilnehmerquote beträgt inzwischen durchschnittlich knapp 30 %, das ist mehr als die Hälfte des EU-Durchschnitts. Die Tschechische Republik und Estland liegen schon über dem EU-Durchschnitt; Slowenien erreicht sogar bereits das Nutzungsniveau der USA.

Neben finanziellen Anstrengungen des öffentlichen und des privaten Sektors bedarf es vor allem einer Beschleunigung der ordnungspolitischen Reformen in den Beitrittsländern, um bei der Infrastrukturausstattung die Diskrepanz zur EU schrittweise abzubauen. [8] Die ordnungspolitischen Defizite beziehen sich einerseits auf unzureichende Maßnahmen bei der Liberalisierung und Privatisierung, andererseits darauf, dass die Rechtsnormen der EU (acquis communautaire) in einigen Bereichen trotz der formellen Verabschiedung von Reformprogrammen noch nicht umgesetzt worden sind. Während Ungarn, Polen und Estland zu den reformfreudigeren Ländern gehören, weisen vor allem Litauen und die Slowakei hier erhebliche Defizite auf. [9] Daher sollten die mittel- und osteuropäischen Regierungen auf diesem Gebiet besondere Anstrengungen unternehmen. Eine einseitige Konzentration auf die Bereitstellung finanzieller Mittel aus EU-Quellen ohne gleichzeitige Verbesserung marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen wäre verfehlt. In diesem Zusammenhang ist die zunehmende Einbindung der Beitrittsländer in die transeuropäischen Infrastrukturnetze der Europäischen Union (so genannter Van-Miert-Plan) zwar zu begrüßen; [10] eine Erfolgsgarantie stellen jedoch auch diese Projekte nicht dar, solange die institutionellen Rahmenbedingungen zu deren effizienter Umsetzung nicht gegeben sind.

Arbeitskosten im Vergleich: Droht der Verlust weiterer Arbeitsplätze? Die öffentliche Diskussion zur EU-Osterweiterung ist insbesondere in Deutschland durch die Sorge geprägt, dass es aufgrund von Lohnwettbewerb zu Arbeitsplatzverlusten kommt. Tatsächlich belaufen sich die Stundenlöhne in den Beitrittsländern zu laufenden Wechselkursen nur auf rund ein Sechstel bis ein Fünftel der Stundenlöhne in Deutschland. Allerdings ist dieses Lohngefälle Ausdruck des hohen Produktivitätsgefälles zwischen Deutschland und den Beitrittsländern vor allem bei der Herstellung handelbarer Güter und kein Hinweis darauf, dass deutsche Unternehmen preislich nicht wettbewerbsfähig sind.

Ein Indikator für die Entwicklung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen im internationalen Vergleich sind die Veränderungen der Lohnstückkosten auf gemeinsamer Währungsbasis. [11] Dabei ergibt sich auf gesamtwirtschaftlicher Ebene ein sehr differenziertes Bild (Tabelle 3). Während sich in Deutschland die Lohnstückkosten in Euro von 1995 bis 2004 kaum verändert haben, sind sie in Tschechien, der Slowakei und in Ungarn (seit 2000) ständig gestiegen (im ungewichteten Mittel der drei Länder um insgesamt 62 %). Lettland, Litauen und Polen expandierten sie in den 90er Jahren zunächst ebenfalls kräftig, sanken allerdings wechselkursbedingt seitdem wieder deutlich. In Slowenien schließlich haben sich die Lohnstückkosten in Euro im selben Zeitraum lediglich um 16 % erhöht. Insgesamt zeigen diese Daten, dass die Lohnstückkosten in Deutschland seit Mitte der 90er Jahre relativ zu den Beitrittsländern gefallen sind, so dass die Intensität des preislichen Wettbewerbs zwischen Deutschland und einigen Beitrittsländern in den letzten Jahren gestiegen ist.

Dynamische Entwicklung des Handels Seit Anfang der 90er Jahre wächst der Außenhandel Deutschlands mit den Beitrittsländern wesentlich schneller als der Außenhandel insgesamt. Während sich das Außenhandelsvolumen mit den Beitrittsländern etwa verdreifachte, wuchs es mit der Welt insgesamt um rund 60 % (in US-Dollar gerechnet). Damit sind die Beitrittsländer für den deutschen Außenhandel so wichtig geworden wie die USA. Dieser Trend wird sich auf absehbare Zeit fortsetzen. Zwar sind die tarifären und nichttarifären Handelshemmnisse für den Industriegüterhandel zwischen den Beitrittsländern einerseits und der EU andererseits durch die so genannten Europa-Abkommen weitgehend beseitigt worden (seit 2002 besteht eine Freihandelszone für Industriegüter). Durch den Beitritt werden aber die Transaktionskosten des Handels weiter sinken, weil

• die rechtlichen und die technischen Normen mit der schrittweisen Übernahme des Acquis Communautaire der EU durch die Beitrittsländer harmonisiert werden,

• der Abbau von Grenzkontrollen und -formalitäten sowie geringere Wartezeiten an der Grenze sich handelsfördernd auswirken, insbesondere für den kleinräumigen grenznahen Handel,

• die Mittel aus dem europäischen Strukturfonds die Kaufkraft der mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer stärken werden.

Darüber hinaus wird das Realeinkommen in den Beitrittsländern schneller wachsen als in Deutschland. Regressionsanalysen des DIW Berlin haben ergeben, dass der Handel zwischen den bisherigen EU-Mitgliedsländern unter sonst gleichen Umständen einen um 30 bis 40 % höheren Umfang hat als der Handel mit Drittländern. Aus der vollständigen Integration der Beitrittsländer in den EU-Binnenmarkt werden sich also zusätzliche Impulse für die deutschen Exporte und Importe ergeben.

Warenstruktur des Handels Starke Zuflüsse von ausländischen Direktinvestitionen haben in den Beitrittsländern im Verbund mit der Privatisierung und gut ausgebildeten Arbeitskräften zu einem Anstieg der Produktivität sowie zu mehr wissens- und technologieintensiver Produktion geführt. Dominierte zu Beginn der Transformation noch die arbeits- und ressourcenintensive Massenproduktion mit niedriger Wertschöpfung, so fertigen die Beitrittsländer heute verstärkt technologisch anspruchsvolle Produkte mit hoher Wertschöpfung. Dies spiegelt sich deutlich in den Außenhandelsströmen. So verdoppelte sich der Anteil technologisch anspruchsvoller Produkte an den Importen Deutschlands aus den Beitrittsländern von 1993 bis 2001 auf 55 % (Forschungsintensive Waren in Tabelle 4). Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hatte der Handel mit Kraftfahrzeugen und Maschinen, aber auch der mit Büromaschinen und Elektronikerzeugnissen. Der Importanteil von Textilien, Bekleidung und Lederwaren, die relativ arbeitsintensiv hergestellt werden, ging von 24 % auf 10 % zurück.

Bei dieser Umstrukturierung spielten vor allem deutsche Unternehmen eine wichtige Rolle. Sie haben die Beitrittsländer über passive Lohnveredelung und Direktinvestitionen in der Elektrotechnik, dem Automobilbau und dem Maschinenbau sehr schnell in ihre unternehmensinterne Arbeitsteilung eingebunden. Die deutsche Marktposition ist in den Beitrittsländern besonders stark. Dies liegt zum einen an der geographischen und kulturellen Nähe sowie den traditionellen Verbindungen, zum anderen aber auch daran, dass das deutsche Exportangebot sehr gut zur Importnachfrage der Beitrittsländer mit einem großen Anteil von Investitionsgütern passt. So sind auch die deutschen Exporte in diese Länder von einem Anstieg des Anteils technologisch anspruchsvoller Produkte gekennzeichnet: Trugen diese 1993 erst zu 55 % der deutschen Exporte bei, waren es acht Jahre später bereits 63 %.

Exportchancen für Ostdeutschland Von der Osterweiterung der EU könnte die Exportwirtschaft in Ostdeutschland aufgrund der geographischen Nähe zu den mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern besonders stark profitieren. Vor dem Hintergrund einer allgemeinen Stärkung des ostdeutschen Außenhandelssektors und der schrittweisen Handelsliberalisierung zwischen der EU und den Beitrittsländern konnten die Unternehmen in Ostdeutschland die neuen Exportchancen im Außenhandel mit den Beitrittsländern im Laufe der 90er Jahre mehr und mehr nutzen und ihre Lieferungen dorthin wieder erheblich ausdehnen. Das Exportpotential ist aber weit größer: Anhand eines so genannten Gravitationsmodells, das die bilateralen Handelsströme in Abhängigkeit von der Größe des Sozialprodukts und der Entfernung zwischen den Ländern erklärt, lässt sich zeigen, dass die ostdeutschen Exporte in die Beitrittsländer immer noch erheblich niedriger sind, als sie angesichts der regionalen Nähe sein könnten. [12]

Das liegt auch am geringen Industriebesatz. Um weiter in die Exportmärkte einzudringen, müssen die ostdeutschen Unternehmen vor allem auf Innovationen setzen. Entscheidende Voraussetzungen für eine steigende und höherwertige Exportproduktion in Ostdeutschland sind aber auch der weitere Ausbau der Infrastruktur, insbesondere im Verkehrsbereich, und die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften.

Führen Handel und "Outsourcing" zu Arbeitsplatzverlusten? In der Öffentlichkeit wird häufig befürchtet, dass die Niedriglohnkonkurrenz der MOEL in anderen Ländern zu Produktionsverlagerungen, Arbeitslosigkeit und sinkenden Löhnen führen wird. Zwei Gründe sprechen jedoch dafür, dass es aufgrund des Handels mit den Beitrittsländern nicht dazu kommen wird. Erstens wird der Handel zwischen Deutschland und den Beitrittsländern heute überwiegend durch den intra-industriellen Handel dominiert, d. h. durch den Handel innerhalb derselben Warengruppen. Die Handelsstrukturen sind deshalb weitgehend neutral für die Löhne und Beschäftigungschancen spezifischer Beschäftigungsgruppen. Zweitens stehen den Exportüberschüssen der Beitrittsländer bei den arbeitsintensiven Gütern Exportüberschüsse Deutschlands bei den humankapital- und wissensintensiven Gütern gegenüber. Insofern verstärkt der Außenhandel Deutschlands mit den Beitrittsländern den schon seit Jahren anhaltenden Strukturwandel, in dessen Verlauf Produktion und Beschäftigung in arbeitsintensiven Branchen abnehmen; in den humankapital- und wissensintensiven Branchen nehmen sie jedoch zu. Hoch qualifizierte Arbeitskräfte profitieren von der Zunahme des Außenhandels mit den Beitrittsländern, geringer qualifizierte hingegen verlieren. Gesamtwirtschaftlich sind von dem zunehmenden Handel mit den mittel- und osteuropäischen Ländern ein Anstieg der Produktivität und mithin Einkommensgewinne für beide Seiten zu erwarten.

Neben dem Handel stützen sich die Befürchtungen vor der Osterweiterung auf die Verlagerung von Produktionskapazitäten in die Beitrittsländer. Diese Verlagerung kann die Form von ausländischen Direktinvestitionen, aber auch von Auftragsfertigung etwa durch Zulieferunternehmen annehmen. Der Saldo der ausländischen Direktinvestitionen Deutschlands mit den Beitrittsländern ist aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive mit maximal 0,2 % des Bruttoinlandsprodukts in der Vergangenheit zu gering gewesen, um Investitionen und Faktorpreise in Deutschland zu beeinflussen. Im Jahre 2003 war der Saldo der Direktinvestitionen mit den Beitrittsländern sogar ausgeglichen. Eine Verlagerung des Kapitalstocks ist bislang also nicht zu beobachten. Für die Einschätzung des Umfangs der Produktionsverlagerung durch Auftragsfertigung ("Outsourcing") liegen für die MOEL keine ausreichenden Daten vor.

Allgemein unterstützt Outsourcing die internationale Spezialisierung entlang der komparativen Vorteile der jeweiligen Länder. In Deutschland liegen diese komparativen Vorteile vor allem bei der Herstellung von Gütern mit hoher Humankapitalintensität. Outsourcing ermöglicht, innerhalb dieser Gütergruppen relativ einfache Fertigungskapazitäten auszulagern, während die humankapitalintensiven Tätigkeiten ausgebaut werden. Die Auslagerung eines Teils der Wertschöpfung in andere Länder erhöht mithin die Produktivität der Unternehmen. Mit ihr ist in der Regel eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und ein gleichzeitiger Anstieg der Exporte und Importe verbunden, ohne dass sich dadurch die Wertschöpfung in Deutschland verringern muss. Durch Outsourcing werden deshalb zumeist nicht nur Arbeitsplätze ausgelagert, sondern es entstehen auch an anderer Stelle neue Arbeitsplätze, oder es werden vorhandene sicherer. Analysen des Outsourcing für Deutschland insgesamt zeigen, dass von den Produktionsverlagerungen überwiegend höher qualifizierte Arbeitskräfte profitieren, während geringer qualifizierte Arbeitskräfte verlieren. [13]

Insgesamt sprechen die leichten Handelsbilanzüberschüsse Deutschlands gegenüber den Beitrittsländern und die weitgehend ausgeglichene Struktur des Handels jedoch dafür, dass die Osterweiterung weitgehend neutral auf die Löhne und Beschäftigung in Deutschland wirken dürfte. Dies schließt negative Effekte in einzelnen Branchen und Unternehmen nicht aus. Diesen Verlusten stehen jedoch Gewinne in anderen Branchen und Unternehmen gegenüber. Durch Handel und Outsourcing könnte künftig der allgemeine Trend zur Herstellung zunehmend humankapitalintensiver Güter in Deutschland noch verstärkt werden. Langfristig führen Außenhandel und Outsourcing sowohl in Deutschland als auch in den Beitrittsländern zu Produktivitätssteigerungen und damit zu steigenden Realeinkommen.

Wohlfahrts-
steigerung durch Migration
[14]

Trotz der EU-Osterweiterung bleibt die Arbeitnehmerfreizügigkeit beschränkt. Neuere Untersuchungen des DIW Berlin zeigen, dass durch diese Regulierung gerade im Falle Deutschlands wichtige Potentiale ungenutzt bleiben. So wäre in Deutschland in der laufenden Dekade eine Nettozuwanderung von jährlich rund 200 000 Personen notwendig, um die Zahl der Erwerbstätigen konstant zu halten. In den folgenden Dekaden müsste die Zuwanderung doppelt bis dreimal so hoch ausfallen, um dieses Ziel zu erreichen. Das Migrationspotential aus den Beitrittsländern nach Deutschland wird nach Einführung der Freizügigkeit längerfristig zu einem Anstieg der in Deutschland lebenden Ausländer aus den MOEL-10 von 600 000 auf 2 bis 2,8 Mill. Personen führen; dabei wird die Nettozuwanderung wenige Jahre nach Einführung der Freizügigkeit auf unter 200 000 Personen pro Jahr sinken.

Angesichts des hohen Einkommens- und Wohlfahrtsgefälles in der EU sind von der Migration erhebliche Gewinne für das Sozialprodukt in der erweiterten Gemeinschaft zu erwarten. Eine restriktive Anwendung der Übergangsregelungen für die Freizügigkeit kann dagegen erhebliche Wohlfahrtsverluste in der erweiterten EU bewirken. Es gingen nicht nur während der Übergangszeit die potentiellen Gewinne für das Sozialprodukt der erweiterten Gemeinschaft verloren. Auch würde eine restriktive Anwendung der Übergangsfristen nur zu einer zeitlichen Verschiebung der Migration, nicht aber zu einer Verringerung des Migrationspotentials führen.

Perspektive: Einführung des Euro Der EU-Beitritt ist nicht automatisch mit der Einführung des Euro verbunden; die osteuropäischen Länder werden zunächst die nationalen Währungen beibehalten. Die Einführung setzt voraus, dass die Länder die Maastricht-Kriterien erfüllen. Hierzu gehört eine zweijährige Teilnahme am Wechselkursmechanismus (WKM II); in diesem Zeitraum dürfen die nationalen Währungen nur in einer gewissen Bandbreite zum Euro schwanken. Die Mitgliedschaft im Euroraum ist daher frühestens 2007 möglich. Grundsätzlich sind die osteuropäischen Beitrittsländer verpflichtet, den Euro einzuführen, wenn sie die Maastricht-Kriterien erfüllen. In der Praxis könnten sie allerdings die Euro-Einführung vermeiden, indem sie offiziell nicht am WKM II teilnehmen.

Bei der Erfüllung der Maastricht-Kriterien sind die Länder unterschiedlich weit vorangeschritten. Alle Beitrittsländer erfüllen derzeit das Kriterium einer Begrenzung ihrer Staatsverschuldung auf 60 % des Bruttoinlandsprodukts (Tabelle 5). In den meisten Ländern sind zur Erfüllung der anderen Konvergenzkriterien weitere Konsolidierungsbemühungen notwendig. Dies gilt insbesondere in Bezug auf das Defizit der öffentlichen Haushalte. Im vergangenen Jahr haben Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei das Kriterium einer Defizitbegrenzung auf 3 % des Bruttoinlandsprodukts nicht eingehalten. Demgegenüber sind Fortschritte bei der Senkung der Inflationsraten erkennbar, die in allen Beitrittsländern inzwischen im einstelligen Bereich liegen. Allerdings wurde im Jahre 2003 in Ungarn, Lettland, Slowenien und der Slowakei das Inflationsziel verfehlt. [15] Bei den langfristigen Zinsen ist zwar eine Konvergenz feststellbar; dennoch haben vier Länder das Zinskriterium zuletzt nicht erfüllt, darunter Litauen. [16] Auch im Hinblick auf das Wechselkursziel ist die Entwicklung vor dem Beitritt positiv zu beurteilen. In allen Ländern bis auf Polen lagen die Schwankungen des Wechselkurses in den vergangenen zwei Jahren innerhalb der Bandbreite von +/-15 % des Leitkurses. [17]

Zum jetzigen Zeitpunkt ist Estland das einzige Land, das die Konvergenzkriterien erfüllt. In den anderen Ländern setzt die Einführung der Gemeinschaftswährung weitere Anstrengungen voraus. Allerdings sind grundsätzlich Vor- und Nachteile einer forcierten Konsolidierung im Hinblick auf eine möglichst rasche Einführung des Euro gegeneinander abzuwägen. Der rasche Abbau des Haushaltsdefizits kann mit einer Senkung der - im Vergleich zu den alten Mitgliedsländern allerdings beachtlichen - Wachstumsraten einhergehen. Demgegenüber bietet die gemeinsame Währung insofern Vorteile, als das Währungsrisiko entfällt und die Transaktionskosten gesenkt werden. Dabei ist zu erwarten, dass die Beitrittsländer je nach Wertung der Vor- und Nachteile den Euro zu unterschiedlichen Zeitpunkten einführen werden.

Fazit Von der EU-Osterweiterung sind insgesamt positive Effekte für die dann existierende EU-25 zu erwarten. Dabei dürften die Wachstumseffekte für die Beitrittsländer über denen der EU-15 liegen. Die Beitrittsländer müssen jedoch im Zuge des Konvergenzprozesses auch einen erheblichen Strukturwandel bewältigen. Demgegenüber fallen auf Seiten der "alten" EU-Mitglieder sowohl die Wachstumseffekte als auch der Anpassungsbedarf sehr viel geringer aus. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Beitrittsländer mit einem Anteil von 5 % am Sozialprodukt der erweiterten EU im ökonomischen Sinne kleine Länder sind, die die Preise auf den Güter- und Faktormärkten in der erweiterten EU nur unwesentlich beeinflussen werden. Befürchtungen, die EU-Osterweiterung könnte zu einer Massenzuwanderung nach Deutschland führen, sind nach den vorliegenden Schätzungen, die von einem langfristigen Migrationspotential von 2 bis 2,8 Mill. Personen ausgehen, ebenfalls unberechtigt. Insgesamt wird die erweiterte Gemeinschaft - hier besonders Deutschland als wichtigstes Einwanderungsland - von der Migration profitieren.

Die Zuwanderung wird insgesamt zu gering sein, um Löhne und Beschäftigung in einer offenen Volkswirtschaft wie Deutschland spürbar zu beeinflussen. Ähnliches gilt auch für den Güterhandel. Die Unternehmen werden zwar Lohnkostenvorteile in Mittel- und Osteuropa nutzen, insgesamt aber sprechen die leichten Handelsbilanzüberschüsse und die weitgehend ausgeglichene Warenstruktur des Handels nicht dafür, dass es zu einem massiven Druck auf Löhne und Beschäftigung in Deutschland kommen wird. Sofern sich negative Effekte für Löhne und Beschäftigung ergeben, werden davon am stärksten die Gruppen mit einer geringen und mittleren Qualifikation betroffen sein. Dem kann durch höhere Investitionen in das Bildungs- und Wissenschaftssystem und eine Verbesserung des dort herrschenden Wettbewerbs entgegengewirkt werden.

[1] Mit Malta und Zypern treten zudem zwei südeuropäische Staaten bei; die Entwicklung und Perspektiven dieser beiden Volkswirtschaften werden in diesem Beitrag jedoch weitgehend ausgeblendet.

[2] Ausführliche Darstellungen finden sich im Vierteljahrsheft des DIW Berlin Nr. 4/2003 mit dem Themenschwerpunkt EU-Osterweiterung.

[3] Bezogen auf die Bevölkerung sind es allerdings über 20 %.

[4] Eine Ausnahme stellt die Entwicklung in Tschechien dar, das wegen der tiefgreifenden Wirtschaftskrise im Zeitraum 1995 bis 2002 nur mit einer durchschnittlichen Rate von 1,6 % expandierte.

[5] Gewichtet mit dem BIP. Dabei war Estland mit 15,2 % des BIP der Spitzenreiter; allein Slowenien konnte einen leichten Überschuss ausweisen.

[6] Diese Ergebnisse werden weitgehend bestätigt durch Schätzungen der durchschnittlichen sektoralen Struktur von Marktwirtschaften auf Basis langfristiger Querschnittsdaten für eine große Zahl solcher Länder und unter Berücksichtigung des Pro-Kopf-Einkommens sowie weiterer wichtiger strukturbeeinflussender Variablen: Die Beschäftigungsanteile liegen in der Industrie in allen genannten acht EU-Beitrittsländern noch deutlich über dem Anteil, den eine durchschnittliche Marktwirtschaft mit gleich hohem Pro-Kopf-Einkommen aufweist. Hinsichtlich der Dienstleistungen gilt allerdings, dass sich die acht Beitrittsländer sehr nahe an einem geschätzten "durchschnittlichen" Beschäftigungsanteil befinden. Eine Schwäche dieser Schätzungen kann darin gesehen werden, dass sie bezüglich der Landwirtschaft für die Beitrittsländer sogar eine relative Unterbeschäftigung angeben. Vgl. beispielsweise Martin Raiser, Mark Schaffer und Johannes Schuchardt: Benchmarking Structural Change in Transition. European Bank for Reconstruction and Development. Working paper No. 79. London 2003; Roland Döhrn und Ulrich Heilemann: The Chenery Hypothesis and Structural Change in Eastern Europe. In: Economics of Transition, Vol. 4, No. 2, 1996, S. 411-425.

[7] Innerhalb der Länder liegt Polen mit über 6 Mrd. US-Dollar Direktinvestitionen in Projekten unter Beteiligung internationaler Entwicklungsbanken (Weltbank, Osteuropabank, Europäische Investitionsbank) vorn. Tschechien und Ungarn folgen mit etwa der Hälfte dieser Summe. Der Verkehrssektor beansprucht mit 45 % der Investitionen den Löwenanteil, gefolgt vom Energiesektor (36 %), der Telekommunikation (10 %) und dem Wassersektor (9 %).

[8] Vgl. hierzu Christian von Hirschhausen: Modernizing Infrastructure in Transformation Economies - Paving the Way to European Enlargement. Cheltenham, UK, 2002.

[9] Vgl. European Bank for Reconstruction and Development: Transition Report. London 2004.

[10] Innerhalb dieses Programms sollen 22 als prioritär eingestufte Projekte mit erheblichen staatlichen Mitteln sowie quasi-staatlichen Krediten angeschoben werden. Die veranschlagten Kosten belaufen sich auf etwa 600 Mill. Euro; 10 % bis 20 % der eingesetzten Mittel sollen direkt von der EU getragen werden.

[11] Vgl.: Lohnkosten im internationalen Vergleich. Bearb.: Tilman Brück, Arne Uhlendorff und Malte Woweries. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 14/2004.

[12] Vgl. für die Exporte nach Polen und Tschechien: Position Ostdeutschlands beim Export nach Polen und Tschechien ausbaufähig. Bearb.: Ulla Kunze und Dieter Schumacher. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 33/2003.

[13] Vgl. Ingo Geishecker und Holger Görg: Winners and Losers: Fragmentation, Trade and Wages Revisited. Discussion Paper Nr. 385 des DIW Berlin. Berlin 2003.

[14] Vgl. dazu ausführlich: Effekte der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Bearb.: Herbert Brücker. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 17/2004.

[15] Die Inflationsrate darf dabei den Durchschnitt aus den drei niedrigsten Inflationsraten in der EU um nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte überschreiten.

[16] Die langfristigen Nominalzinssätze dürfen um nicht mehr als 2 Prozentpunkte über dem entsprechenden Satz jener drei bisherigen Mitgliedstaaten liegen, die hinsichtlich der Preisstabilität das beste Ergebnis erzielt haben.

[17] Vgl. zum Wechselkursmechanismus WKM II und zur Festlegung der Bandbreite: Europäische Zentralbank: Pressemitteilung. Grundsatzoptionen des EZB-Rats zu Wechselkursfragen in Bezug auf die beitretenden Staaten. Frankfurt a. M., 18. Dezember 2003.

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Tabelle 1

Wichtige gesamtwirtschaftliche Indikatoren der
mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer

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                          Reales Brutto-   Verbraucherpreise
                          inlandsprodukt
                 Bevöl-
                 kerung     Veränderung zum Vorjahr in %
                   in
                  Mill   2001  2002  2003   2001  2002  2003
                                      (1)               (1)

Estland            1,4    6,5   6,0   4,7    5,6   3,6   1,3
Lettland           2,3    7,9   6,1   7,5    2,5   2,0   2,9
Litauen            3,5    6,5   6,8   8,9    1,3   0,4  -1,2
Polen             38,6    1,0   1,3   3,7    5,3   1,9   0,8
Slowakei           5,4    3,8   4,4   4,2    7,0   3,3   8,6
Slowenien          2,0    2,9   2,9   2,3    8,6   7,5   5,6
Tschechien        10,2    3,1   2,0   2,9    4,5   1,4   0,1
Ungarn            10,2    3,8   3,5   2,9    9,1   5,2   4,7

Nachrichtlich:
EU-15            381,7    1,7   1,1   0,8    2,2   2,1   2,0

-------------------------------------------------------------------------------
                 Arbeitslosenquote      Staatlicher     Leistungsbilanzsaldo
                                    Finanzierungssaldo

                        In %                      In % des BIP

                  2001  2002  2003    2001  2002  2003    2001  2002  2003
                               (1)                 (1)                 (1)

Estland           11,7   9,5  10,1     0,2   1,3   0,4    -6,0 -12,2 -15,2
Lettland          12,9  12,6  10,5    -1,6  -3,0  -2,9    -9,6  -7,6  -8,6
Litauen           16,1  13,5  12,7    -1,9  -1,7  -2,4    -4,8  -5,3  -5,7
Polen             18,5  19,8  19,2    -3,5  -3,8  -4,1    -2,9  -2,6  -2,9
Slowakei          19,4  18,7  17,1    -5,4  -7,2  -5,0    -8,4  -8,0  -3,8
Slowenien          5,8   6,1   6,5    -2,5  -2,4  -2,0     0,2   1,4   0,5
Tschechien         8,0   7,3   7,8    -5,0  -6,7  -7,6    -5,4  -6,0  -6,6
Ungarn             5,6   5,6   5,8    -4,1  -9,2  -4,8    -3,4  -4,0  -6,2

Nachrichtlich:
EU-15              7,4   7,7   8,0    -0,9  -1,9  -2,7     0,3   1,0   0,5

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Vorläufig.

Quellen: Europäische Zentralbank; nationale Statistiken;
Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2004

===============================================================================
-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 2

Saldo der Kapitalbilanz und der Direktinvestitionen Deutschlands
mit ausgewählten Ländern
Kapitalexport (-)/Kapitalimport (+)

-------------------------------------------------------------------------------
                                            Saldo der            Saldo der
                                          Kapitalbilanz            Direkt-
                                                               investitionen

                                         2002       2003       2002     2003

In Mill. Euro

Welt                                  -86 103    -71 311      6 935    2 083

MOE-Reformländer insgesamt             -4 449      1 779     -8 787       46
  MOEL-3                               -4 956     -1 736     -5 784      432
    Polen                              -2 761     -2 301       -688     -112
    Tschechien                         -1 995      1 977     -4 614      766
    Ungarn                               -200     -1 412       -482     -222

In % des Bruttosozialprodukts

Welt                                    -4,08      -3,37       0,33     0,10

MOE-Reformländer insgesamt              -0,21       0,08      -0,42     0,00
  MOEL-3                                -0,24      -0,08      -0,27     0,02
    Polen                               -0,13      -0,11      -0,03    -0,01
    Tschechien                          -0,09       0,09      -0,22     0,04
    Ungarn                              -0,01      -0,07      -0,02    -0,01

In % der Bruttoanlageinvestitionen

Welt                                   -21,88     -18,80       1,76     0,55

MOE-Reformländer insgesamt              -1,13       0,47      -2,23     0,01
  MOEL-3                                -1,26      -0,46      -1,47     0,11
    Polen                               -0,70      -0,61      -0,17    -0,03
    Tschechien                          -0,51       0,52      -1,17     0,20
    Ungarn                              -0,05      -0,37      -0,12    -0,06

Nachrichtlich:
Bruttosozialprodukt
(in Mill. Euro)                     2 108 820  2 118 160
Bruttoanlageinvestitionen
(in Mill. Euro)                       393 600    379 380

-------------------------------------------------------------------------------
Quellen: Monatsberichte der Deutschen Bundesbank;
Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2004

===============================================================================
-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 3

Gesamtwirtschaftliche Lohnstückkosten in ECU/Euro 1996 bis 2004
1995 = 100

-------------------------------------------------------------------------------
               1996   1997   1998   1999   2000   2001   2002   2003   2004

Deutschland      98     95     95     96     97     98     99     99     99

Estland         115    121    131    145    144    147    150    159    162
Lettland        119    137    138    150    163    159    153    140    138
Litauen         132    171    190    213    227    218    205    202    201
Polen           114    122    131    142    144    176    168    147    139
Slowakei        103    115    119    110    123    125    132    143    149
Slowenien        95     96     98     98    106    110    113    114    116
Tschechien      113    116    124    127    142    159    185    185    188
Ungarn          100    106    103    103    111    126    144    152    150

-------------------------------------------------------------------------------
Quelle: Europäische Kommission.

DIW Berlin 2004

===============================================================================
-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 4

Warenhandel Deutschlands mit den zehn Beitrittsländern
Warenstruktur in %

-------------------------------------------------------------------------------
Warengruppen                                  Einfuhr           Ausfuhr

                                         1993  1995  2001   1993  1995  2001

Forschungsintensive Waren                26,9  34,1  55,2   54,6  56,2  62,8
Spitzentechnik                            2,3   2,9   7,3    8,4   7,6  11,0

Pharmazeutische Grundstoffe,
Arzneimittel                              0,4   0,3   0,2    2,1   1,9   1,9
Büromaschinen, EDV-Einrichtungen          0,4   0,8   3,0    2,6   2,2   2,4
Elektronische Bauelemente                 0,7   0,6   0,9    1,2   1,1   2,7
Radio, TV- und Nachrichtentechnik,
ohne elektr. Bauelemente                  0,6   1,2   3,2    2,2   2,3   3,8
Luft- und Raumfahrzeuge                   0,2   0,1   0,0    0,2   0,1   0,2

Hochwertige Technik                      24,7  31,2  47,9   46,1  48,6  51,8

Chemische Produkte, ohne
pharmazeutische Produkte                  4,5   5,2   2,9    8,5   8,7   8,0
Maschinen                                 7,9   8,3  10,3   18,1  17,2  16,9
Geräte der Elektrizitätserzeugung und
-verteilung                               5,9   8,1  10,0    6,8   7,9   8,0
Medizin, MSR-Technik, Optik               1,2   1,4   1,7    3,8   3,5   3,0
Kraftwagen und Kraftwagenteile            4,6   7,4  22,1    9,5  10,7  16,3
Schienenfahrzeuge                         0,3   0,5   0,6    0,2   0,4   0,3
Kraft-, Fahrräder und sonstige
Transportausrüstungen                     0,3   0,3   0,3    0,2   0,2   0,1

Nichtforschungsintensive Waren           67,4  61,8  42,6   43,1  42,5  36,4

Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren   5,6   4,1   2,9    5,6   4,9   3,1
Textilien, Bekleidung und Lederwaren     24,1  18,6   9,9   15,2  13,5   7,5
Produkte aus Holz und Kork, ohne Möbel    4,2   4,7   2,5    0,5   0,7   0,8
Zellstoff und Papier, Druckerzeugnisse
und bespielte Datenträger                 2,0   2,2   2,3    3,4   3,9   3,7
Kohle- und Mineralölprodukte, Spalt-
und Brutstoffe                            2,0   1,7   1,2    0,9   0,7   1,2
Gummiprodukte                             1,0   1,1   1,8    0,9   1,0   1,4
Kunststoffprodukte                        1,1   1,5   1,7    2,9   4,0   4,8
Glasprodukte, Keramik; Zement,
Steine und Erden                          4,9   4,2   2,2    1,6   1,8   1,9
Roheisen, Stahl, Ferrolegierungen;
Eisenrohre und -draht                     4,6   6,2   2,8    2,1   3,1   2,9
Primärerzeugnisse aus Edel- und
NE-Metallen                               3,4   3,0   2,0    1,6   1,7   1,9
Metallerzeugnisse a. n. g.                6,4   6,7   6,8    3,7   4,3   5,2
Schiffe                                   1,1   0,4   0,8    2,2   0,8   0,3
Möbel                                     5,7   6,2   5,7    1,0   0,8   0,9
Schmuck, Musikinstrumente, Spielwaren;
Erzeugnisse a. n. g.                      1,3   1,3   0,9    1,5   1,3   0,7

Verarbeitendes Gewerbe                   94,3  95,9  97,8   97,7  98,7  99,2

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei      3,0   2,2   1,1    2,1   1,1   0,7
Bergbau                                   2,7   1,8   1,1    0,2   0,2   0,1

Alle Waren                              100,0 100,0 100,0  100,0 100,0 100,0

Nachrichtlich:
In Mrd. US-Dollar                        15,0  26,5  43,3   16,9  27,7  44,1

-------------------------------------------------------------------------------
Quellen: Außenhandelsdaten; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2004

===============================================================================
-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 5

EWU-Konvergenz

-------------------------------------------------------------------------------
                                Zinsen,   Staatlicher
                  Inflation  zehnjährige   Finanzie-   Staats-   Wechselkurs
                             staatliche   rungssaldo  verschul-
                             Anleihen (1)               dung

                                                                  Maximale
                 Veränderung                                     Abweichung
                  gegenüber     In %          In % des BIP        gegenüber
                 dem Vorjahr  (aktueller          2003           der Parität
                    in %        Wert)                             innerhalb
                                                                 der letzten
                                                                 zwei Jahre
                                                                    in %

Referenzwert         2,7         6,1          -3         60         +/-15

Estland            erfüllt     erfüllt     erfüllt     erfüllt     erfüllt
Lettland                                   erfüllt     erfüllt     erfüllt
Litauen            erfüllt                 erfüllt     erfüllt     erfüllt
Polen              erfüllt                             erfüllt
Slowakei                       erfüllt                 erfüllt     erfüllt
Slowenien                      erfüllt     erfüllt     erfüllt     erfüllt
Tschechien         erfüllt     erfüllt                 erfüllt     erfüllt
Ungarn                                                 erfüllt     erfüllt

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Wenn nicht verfügbar, kürzere Laufzeiten.

Quellen: Eurostat; Deutsche Bank Research (für Zins- und
Wechselkurskriterium).

DIW Berlin 2004

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