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Wochenbericht des DIW Berlin 21/03

EU-Beitrittskandidat Türkei: Ökonomische Kriterien noch außer Reichweite

Bearbeiter Siegfried Schultz
Die türkische Wirtschaft war in den letzten Jahren durch ein stetes Auf und Ab gekennzeichnet: Kurze Expansionsphasen wurden von gravierenden Krisen abgelöst, denen dann wieder Stabilisierungsbemühungen folgten. Dabei blieb die Inflationsrate alarmierend hoch. Mehrere Reformschritte wurden inzwischen eingeleitet, deren Erfolge sich nun abzeichnen.

Starke Hoffnungen knüpfen sich an einen möglichen Beitritt zur EU. Dafür sind aber - wie bei den anderen Kandidaten - strikte Voraussetzungen zu erfüllen. In der aktuellen Diskussion stehen die politischen Kriterien im Vordergrund. Es dürfen aber nicht die ökonomischen Kriterien vergessen werden, auf die sich der vorliegende Bericht konzentriert. In der öffentlichen Debatte gelten sie als in absehbarer Zeit erreichbar. Ein genauerer Blick in die EU-Dokumente zum erreichten Fortschritt offenbart hier noch deutliche Defizite. Gelingt der Türkei der Kraftakt, diese Mängel zu überwinden, wird sie am Ende der Vorbereitungszeit ihre Konkurrenzfähigkeit substantiell verbessert haben und davon im internationalen Wettbewerb profitieren - unabhängig davon, ob es dann zu einer EU-Mitgliedschaft kommt oder nicht.
Reformprogramme halbherzig umgesetzt Die Programme der türkischen Regierung zur Inflationsbekämpfung haben durchweg darunter gelitten, entweder nie ernsthaft begonnen oder nicht konsequent fortgesetzt worden zu sein. [1] Die Folge war eine chronisch hohe Inflation über zwei Jahrzehnte. [2] Die Hauptursache für die anhaltende Geldentwertung lag in einer Preis-Lohn-Preis-Spirale, bei der der öffentliche Dienst den Vorreiter spielte. In der Folge kam es auch zu kräftig steigenden öffentlichen Budgetdefiziten. Eine restriktive Geldpolitik führte zu sehr hohen Realzinsen. Dies und die Labilität der türkischen Wirtschaft verringerten die Investitionsneigung heimischer und ausländischer Investoren.

Das Mitte 1998 aufgelegte Antiinflationsprogramm bestand im Kern aus folgenden Elementen:

• Steigerung des primären Haushaltsüberschusses vor Abzug der Zinszahlungen auf eine während des gesamten Prozesses des Inflationsabbaus durchhaltbare Höhe,

• Orientierung der öffentlichen Löhne und der gestützten Agrarpreise an den angestrebten Werten der Inflation (und nicht an denen der Vergangenheit),

 

• eine restriktive Geldpolitik

• Sanierung der öffentlichen Finanzen und

• eine verschärfte Gangart bei der Privatisierung, um die öffentliche Kreditaufnahme zu senken.

Dieses Programm wurde von vierteljährlichen IWF-Inspektionen begleitet; Kurzfristziele zur Umsetzung der Makro- und der Strukturpolitik sollten den Prozess durchsichtiger und überprüfbar machen.

Dieser Anlauf scheiterte jedoch, weil essentielle Teile des Reformpakets nicht verwirklicht wurden. So wurde der gesetzliche Rahmen zur Privatisierung im Telekom- und Energiesektor nicht geschaffen, die Strukturreform der Sozialversicherung (längere Beitragspflicht zur Erlangung eines Anspruchs, späterer Eintritt ins Rentenalter) blieb aus, und eine tatsächlich politisch unabhängige Aufsichtsbehörde für das Bankwesen fehlt noch immer. Der schleppende Fortgang bei den Strukturmaßnahmen und politische Unsicherheiten schlugen negativ auf das Budget und die gesamte Wirtschaft durch. Externe Schocks wie die Russlandkrise (Sommer 1998) sowie zwei verheerende Erdbeben im August und November 1999 kamen hinzu.

Unter neuer politischer Führung (letztes Kabinett Ecevit) begann im Dezember 1999 ein weiterer ehrgeiziger Versuch zur Eindämmung der Inflation in Gestalt eines dreijährigen Antiinflations- und Strukturanpassungsprogramms. Flankiert von einem weiteren Kredit des IWF [3] (Tabelle 1) stützte sich das neue Programm auf eine gleitende Bindung des Wechselkurses (crawling peg). Um erfolgreich zu sein, bedarf diese Politik einer ausreichenden Senkung der Inflation, denn anderenfalls käme es zu einer realen Aufwertung, von der negative Einflüsse auf die Leistungsbilanz ausgingen. Die erforderliche zügige Eindämmung der Inflation gelang jedoch nicht. Nach einem anfänglichen Aufflackern der Konjunktur führte die kräftige Zunahme der Importe zu einer dramatischen Verschlechterung der Leistungsbilanz (rund 10 Mrd. US-Dollar Defizit im Jahre 2000). Zudem blieben erneut wesentliche Teile der Strukturreform, die nicht zuletzt Auslandskapital anlocken sollte, im Ansatz stecken. Im November 2000 kam es zu einer Finanzkrise, und die mittel- und langfristigen Zinsen schossen wieder in die Höhe. Diese Zuspitzung schlug sich in einer Zunahme des außenwirtschaftlichen Ungleichgewichts nieder und führte Ende Februar 2001 zur Freigabe des Wechselkurses, die das türkische Pfund gegenüber US-Dollar und Euro abstürzen ließ.

Das neu formulierte Stabilisierungsprogramm vom Mai 2001 wurde stärker auf die fundamentalen strukturellen Schwächen der türkischen Wirtschaft ausgerichtet. Insbesondere die Umgestaltung des öffentlichen Sektors und des Bankwesens sowie die Liberalisierung der Märkte sollten den Boden für ein von der Privatwirtschaft getragenes Wachstum bereiten. Als neues Instrument zur Kontrolle des Geldwerts ist die förmliche Vorgabe eines Inflationsziels und dessen Überwachung durch eine unabhängige Zentralbank vorgesehen. Damit verbindet sich die Vorstellung, die Inflation bis 2005 auf einstellige Raten drücken zu können. [4]

Bereits die Ankündigung eines neu geschnürten Hilfspakets des IWF Ende 2001 führte zu einer Wende bei den Konditionen am Finanzmarkt. Die Wachstumsaussichten verschlechterten sich aber wieder. Hemmend wirkten weiterhin hohe Zinsen und eine infolge der Konsolidierungszwänge restriktive Finanzpolitik. Für 2003 prognostiziert die OECD jetzt ein BIP-Wachstum von 2,5 % bei einer Inflationsrate, die mit 30 % klar oberhalb der - vom IWF vorgegebenen - Zielmarke der Regierung von 20 % zum Ende des Jahres liegt. [5] Beim Wachstum wird hier (bezogen auf das Bruttosozialprodukt) mit einer Rate von 5 % gerechnet. [6]

Fortschrittskontrolle Die meisten Beitrittsländer hatten in der Phase der Transformation und der Ausrichtung auf den EU-Beitritt mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Um sicherzugehen, dass die wichtigsten Hindernisse vorab überwunden werden, hat die EU auch im ökonomischen Bereich Mindeststandards formuliert. Unter Benutzung derselben Kriterien wie bei allen anderen beitrittswilligen Ländern sind auch die türkischen Vorbereitungen auf einen EU-Beitritt Gegenstand der Überprüfung. Seit 1998 legt die EU-Kommission jährlich im Herbst einen Bericht über den erreichten Stand vor (Fortschrittskontrolle). Die jeweilige Lagebeurteilung fließt in die so genannte Heranführungsstrategie ein, [7] die gezielt zu Reformen anregen und diese unterstützen soll. Gemäß den Kopenhagener Kriterien von 1993 erstreckt sich die regelmäßige Bewertung auf den erreichten Stand im politischen und ökonomischen Bereich sowie auf die Fähigkeit, die insgesamt aus einer Mitgliedschaft erwachsenden Verpflichtungen (Verträge, Sektorpolitiken, Sekundärrecht) - den so genannten Acquis - zu übernehmen. [8] Die ökonomischen Kriterien setzen sich aus zwei Teilen zusammen: Zum einen soll ein beitrittswilliges Land eine funktionierende Marktwirtschaft haben, zum anderen muss die Wirtschaft hinreichend wettbewerbsfähig sein. Die zeitliche Entwicklung beider Merkmale, aufgegliedert in einzelne Komponenten, zeigt die Übersicht.

Im Hinblick auf eine funktionierende Marktwirtschaft sind bei der Preisgestaltung und Privatisierung offenkundig Fortschritte zu verzeichnen, wenngleich die sozialpolitisch motivierte Subventionierung von Energiepreisen derzeit noch die Preisstruktur verzerrt. Die offene Flanke bei der Privatisierung betrifft unter anderem die beiden großen staatlichen Banken; frühere Monopole (bei Zucker, Tabak, Strom und Gas) sollen noch aufgelöst werden. Die größten Bedenken richten sich auf das nicht nachhaltige gesamtwirtschaftliche Wachstum und die verbliebene Höhe der Inflation. So steht die Entwicklung beider Größen (neben der Fähigkeit zur Schuldentilgung) auch bei der regelmäßigen Überprüfung der aktuellen Wirtschaftslage durch ein IWF-Team stets im Vordergrund der Betrachtung. [9] Die jüngste Evaluierung im Rahmen des laufenden Beistandsabkommens hat sich um fast ein halbes Jahr verzögert, weil vor allem die Budgetlage als zu prekär eingestuft wurde, um ohne Kurskorrektur die Freigabe einer weiteren Kredittranche zu rechtfertigen. [10] Das BIP-Wachstum war zwar streckenweise beachtlich, ist aber durch erhebliche jährliche Schwankungen gekennzeichnet. In den 90er Jahren lag es immerhin bei durchschnittlich rund 4 %, von 1998 bis 2002 jedoch nur bei 1,2 %. Dies reicht angesichts der anhaltenden Bevölkerungszunahme (zuletzt um jährlich 1,6 %) nicht aus, um das Pro-Kopf-Einkommen merklich anzuheben. Aber auch eine jährliche Inflationsrate in der Größenordnung von zuletzt 30 bis 45 % - je nach Messgröße [11] - ist deutlich zu hoch, um von erfolgreicher Stabilisierung zu reden (Tabelle 2).

Im Zuge der Ausrichtung auf den EU-Acquis wurden zwar neue rechtliche Grundlagen geschaffen, sie sind aber infolge bürokratischer Hemmnisse bislang nicht ausreichend materiell wirksam geworden. So mangelt es vielfach an der faktischen Anwendung - sei es bei der Zertifizierung, sei es im Gerichtswesen; Urheberrechte und gewerbliche Schutzrechte lassen sich bisher kaum durchsetzen.

Bei der Wettbewerbsfähigkeit zeichnet sich insgesamt eine positive Entwicklung ab. Beim Außenhandel ist die Verflechtung mit dem Ausland hoch. Mit Westeuropa findet seit vielen Jahren ein intensiver Warenaustausch statt. Mehr als die Hälfte der türkischen Exportgüter findet regelmäßig in EU-Ländern Absatz; in umgekehrter Richtung stammt seit Einführung der Zollunion (1996) nahezu die Hälfte der türkischen Einfuhr von dort. Zu bemängeln ist die schleppende Umsetzung der Reformen. [12] So steht der öffentliche Sektor mit seinem großen Finanzbedarf der Bildung von Sachvermögen durch Privatinvestitionen im Wege. Infolge der Deregulierung im Agrar-, Energie- und Telekombereich sind staatliche Eingriffe deutlich zurückgegangen. An ihre Stelle ist der Einfluss unabhängiger Aufsichtsbehörden getreten. Das Investitionsklima empfinden ausländische Unternehmen aber weiterhin als schlecht, so dass ihr Engagement in Form von Direktinvestitionen im Land deutlich zurückhaltend ist. Dies drückt sich darin aus, dass die Türkei beim Anteil der realisierten Vorhaben am Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu den Nachbarländern seit Jahren absolutes Schlusslicht ist. [13]

Enormes regionales Gefälle Aus der EU-Beitrittsperspektive besonders relevant ist das deutlich divergierende Entwicklungsniveau verschiedener Landesteile der Türkei. Auch im derzeitigen Gebiet der EU gibt es nennenswerte regionale Unterschiede; der Angleichung der Leistungsniveaus dienen die Instrumente der europäischen Regionalpolitik. [14] Im Vergleich dazu ist das regionale Ungleichgewicht innerhalb der Türkei weit größer: Ökonomisch hochaktive Gebiete kontrastieren mit Zonen absoluter Unterentwicklung. Das regionale Gefälle vom entwickelten, weitgehend industrialisierten Westen zu großen Teilen des deutlich rückständigen, vorwiegend landwirtschaftlich ausgerichteten - und zudem innenpolitisch sensiblen - Ostens und Südostens ist sehr groß. [15] Die beträchtlichen Unterschiede im Einkommensniveau und im Ausbildungsstand sowie bei der Ausstattung mit Infrastruktur haben zu starken Wanderungen von den ländlichen in die städtischen Gebiete und dabei von Ost nach West geführt; die Bewegung macht an den Landesgrenzen nicht Halt.

Diese Situation besteht seit langem, und die Versuche der Regierung, der zunehmenden regionalen Disparität gegenzusteuern, sind wenig erfolgreich. Die EU-Kommission hat sich in ihren jährlichen Fortschrittsberichten mehrfach besorgt über die unvermindert große Diskrepanz geäußert; seit 2000 ist der Entwicklung der Regionalpolitik und der Koordinierung strukturpolitischer Instrumente ein eigenes Kapitel gewidmet. Die Kritik konzentriert sich dabei auf Versäumnisse bei der Verabschiedung des rechtlichen Rahmens zur Umsetzung von EU-Vorschriften in diesem Bereich, bei der Schaffung geeigneter Verwaltungsstrukturen außerhalb Ankaras [16] und bei der Einleitung strukturpolitischer Maßnahmen.

Noch 2001 enthielt das Strategiepapier der Kommission zur Erweiterung (jeweils zusammen mit dem Fortschrittsbericht veröffentlicht) harsche Kritik über die Stagnation bei der Regionalpolitik; es bedürfe erheblicher Aufmerksamkeit, um die Durchführung der Strukturpolitik vorzubereiten. Der jüngste Fortschrittsbericht (2002) hat zwar die unlängst durchgeführte EU-konforme Klassifizierung der Regionen [17] bestätigt. Ein wichtiger Baustein fehlt jedoch weiterhin: Für das zentrale Problem, den massiven Rückstand der stark unterentwickelten Gebiete im Osten und Südosten des Landes abzubauen, [18] gibt es noch keine wirksame und EU-konforme regionalpolitische Strategie. Regionale Indikatoren haben bislang im Rahmen öffentlicher Investitionsentscheidungen seitens der zentralen Planbehörde eine sehr geringe Rolle gespielt. Administrative Strukturen, die den Stempel zentralistischer Staatsphilosophie tragen, stehen regionalen Entwicklungsanstrengungen eher im Wege. [19]

Die Gesamtaufgabe einer angleichenden Regionalpolitik wird nicht allein aus eigener Kraft gelingen. Soweit in erheblichem Umfang externe Hilfe - vor allem aus EU-Mitteln - in Anspruch genommen wird, ist diese Unterstützung an Voraussetzungen und Auflagen gebunden. Bislang mangelt es jedoch an einem konzeptionellen und finanziellen Eigenbeitrag. [20] Diese Aufgaben können bestenfalls auf mittlere Sicht gelöst werden.

Fazit Der EU-Beitrittskandidat Türkei unternimmt zurzeit ernsthafte Anstrengungen, die Kriterien für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zu erfüllen. Weil die Aussicht auf Beitritt der wichtigste Motor zum Vorantreiben des Reformprozesses ist, kommt es auf eine klare europäische Perspektive an. [21] Die EU steuert für die gezielte Vorbereitung des Beitritts konzeptionelle und finanzielle Hilfe bei. [22] Zwar stehen gegenwärtig die politischen Kriterien im Vordergrund der öffentlichen Diskussion, doch sind auch die ökonomischen Kriterien noch nicht erfüllt. Angesichts von Wachstumsschwäche, hohem inflatorischen Druck und angespannter Verschuldungslage fordern auch multilaterale Gläubiger wie IWF und Weltbank Kurskorrekturen und setzen auf die disziplinierende Wirkung konditionierter Unterstützung. Für die Behebung dieser substantiellen Mängel gibt es selbst auf mittlere Frist keine Gewähr.

Sollte der politische Teil beim nächsten Entscheidungstermin Ende 2004 als ausreichend beurteilt werden, wären noch ungelöste Fragen im ökonomischen Bereich zwar kein Verhandlungshemmnis. Allerdings ist ihre Lösung Bedingung für einen Beitritt; sie dürfen also auch nicht in Teilen vernachlässigt werden. Bis zu einer eventuellen Zusage für den Beitritt - das dürfte kaum vor 2010 sein - wird sich erwiesen haben, ob die derzeit noch offenen Probleme temporär waren - wie bei den Transformationsländern in der laufenden Beitrittsrunde - oder sich als hartnäckiger herausstellen.

Wiederholt finden sich in der laufenden Diskussion auf türkischer Seite Hinweise auf sicherheitspolitische Vorleistungen (bewährter NATO-Außenposten), auf die geostrategische Schlüsselstellung in einer instabilen Weltregion (Kaukasus, Naher Osten, Zentralasien) sowie auf die Rolle als Garant sicherer Transitrouten für die Öl- und Gasvorräte rund um das Kaspische Meer. Daran knüpfen sich auch Erwartungen im Hinblick auf einen Nachlass bei den Prüfkriterien. Damit wäre dem Land jedoch kein Gefallen getan, denn ohne eine echte Lösung der angesprochenen Probleme wird es keine verlässliche Entwicklung geben. Angesichts der in der öffentlichen Meinung der alten Mitgliedsländer vorhandenen Vorbehalte gegenüber einem türkischen Beitritt - demnächst vermehrt um jene in den zehn Beitrittsländern - würde die substantielle Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens helfen, die brisante Mischung aus demographischer Stärke und derzeitiger ökonomischer Schwäche zu entschärfen. Sollten bei der für Ende 2004 verabredeten Gesamtbeurteilung die Zweifel erneut überwiegen, wäre die Anstrengung dennoch nicht vergeblich gewesen. Denn dann wird die Türkei mit externer Unterstützung weiter vorangekommen sein auf einem Weg, den sie ohnehin gehen muss.

Kasten

Etappen der Beziehungen der EWG/EU zur Türkei


Beschlüsse und Dokumente*

September 1963 :Assoziierungsabkommen mit der EWG, in Kraft seit Dezember 1964: asymmetrische Öffnung der Warenmärkte; Zollunion als Ziel; einseitige Finanzhilfen; Art. 28: Perspektive einer Mitgliedschaft. 1970 Zusatzprotokoll, wirksam seit 1973: höchstens 22-jährige Übergangszeit; unbefristete Endphase

 

April 1987: Beitrittsgesuch der Türkei

Juni 1993: Europäischer Rat (Kopenhagen): Formulierung von Bedingungen für beitrittswillige Staaten ("Kopenhagener Kriterien")

Januar 1996: Beginn der Zollunion mit der EU (gewerbliche Waren und verarbeitete Agrarerzeugnisse)

Dezember 1997: Europäischer Rat (Luxemburg): keine Aufnahme der Türkei in den Kreis der beitrittswürdigen Länder

März 1998: Europäische Kommission, Mitteilung über eine "Europäische Strategie für die Türkei"

Juli 1998: Strategie zur Entwicklung der Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union - Vorschläge der Türkei

Dezember 1999: Europäischer Rat (Helsinki): Nominierung der Türkei als Beitrittskandidat; keine Einladung zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen

Juli 2000: Vorschlag einer Verordnung über die Schaffung eines einheitlichen Rahmens für die Koordinierung der gesamten finanziellen Heranführungshilfe der EU für die Türkei und insbesondere über die Errichtung einer Beitrittspartnerschaft

Februar 2001: Verordnung des Europäischen Rates über die Hilfe für die Türkei im Rahmen der Heranführungsstrategie und insbesondere über die Errichtung einer Beitrittspartnerschaft

März 2001: Beschluss des Europäischen Rates über die Grundsätze, Prioritäten, Zwischenziele und Bedingungen der Beitrittspartnerschaft für die Türkische Republik (seither eigenes Kapitel im jährlichen Fortschrittsbericht, mit Prioritätensetzung)

März 2001: Turkish National Programme for the Adoption of the Acquis (vor allem politische Akzente; Skepsis auf EU-Seite in Bezug auf Verbindlichkeit)

April 2001: Programme for Strengthening the Turkish Economy

August 2002: Republic of Turkey, Pre-Accession Economic Programme 2002, Ankara

Oktober 2002 : Strategiepapier und Bericht der Europäischen Kommission über die Fortschritte jedes Bewerberlandes auf dem Weg zum Beitritt, SEK (2002) 1400-1412, Brüssel

Dezember 2002: Europäischer Rat (Kopenhagen): Beschluss über Aufnahme von zehn Staaten im Mai 2004; Türkei: nach Durchführung der eingeleiteten Reformen Prüfung der Beitrittsreife im Dezember 2004; ggf. unverzüglicher Beginn von Verhandlungen

April 2003: Empfehlung der Arbeitsgruppe für Außenbeziehungen an den Europäischen Rat, eine revidierte Beitrittspartnerschaft abzuschließen (Ratsbeschluss mutmaßlich im Mai)

* Ohne jährliche Fortschrittsberichte (siehe Quelle in der Übersicht, S. 332).




[1] Vgl. OECD: Economic Surveys 2001-2002: Turkey. Paris, Dezember 2002.

[2] Die Geldentwertung hat sich stufenweise aufgebaut: Die durchschnittliche jährliche Inflation steigerte sich von etwa 20 % in den 70er Jahren auf 35 bis 40 % in den frühen 80er Jahren. Gegen Ende jener Dekade bis hinein in die 90er Jahre lag die Rate bei 60 bis 65 %. Im Durchschnitt der 90er Jahre wurden gar 77 % erreicht; der Spitzenwert betrug 107 % (1994). 2001 lag die Türkei mit einem Jahresdurchschnitt von gut 54 % im internationalen Vergleich mit an der Spitze - nur übertroffen von Angola, der Demokratischen Republik Kongo, Simbabwe und Weißrussland.

[3] Seit 1961 hat der IWF mit der Türkei 18 Beistandsabkommen mit einem Kreditvolumen von insgesamt rd. 40 Mrd. US-Dollar geschlossen. Davon wurden rund 90 % im Rahmen der Abkommen vom Dezember 1999 und Februar 2002 bereitgestellt.

[4] Im "Nationalen Programm" werden über die Kopenhagener Kriterien hinaus auch die ökonomischen Kriterien des Maastricht-Vertrages als Ziel angesprochen. Vgl. Turkish National Programme for the Adoption of the Acquis, S. 29/30; Istanbul Post vom 9.12.2002 (http://www.istpost.de/02/12/02/maastrich.htm).

[5] Vgl. OECD: Economic Outlook 73. Paris, April 2003 (noch im Dezember 2002 betrug die Prognose 3,5 %). Nach Einschätzung der OECD scheint eine gewisse Inflationserwartung der wichtigste Bestimmungsgrund der endemisch hohen Geldentwertung zu sein. Vgl. Economic Survey 2002, S. 33. Eine IWF-Studie kommt zu dem Schluss, Inflationserwartungen hingen stark von der Entwicklung im fiskalischen Bereich ab. Vgl. O. Celasun, R. G. Gelos und A. Prati: Would "Cold Turkey" Work in Turkey? IMF Working Paper Nr. 03/49. Washington, D.C., März 2003.

[6] IMF, Press Release No. 03/53 (18.4.2003) bzw. jüngster (mit dem Fonds abgestimmter) Letter of Intent der türkischen Regierung vom 5.4.2003, Punkt 14.

[7] Sie ist inhaltliche Leitlinie der "Beitrittspartnerschaft", in der für prioritäre Maßnahmen (erstmals im Frühjahr 2001) sowohl zeitlich gestaffelte Vorgaben der Umsetzung als auch dafür bereitgestellte Finanzmittel zusammengefasst sind. Die Beitrittspartnerschaft wurde jüngst punktuell revidiert (z. B. zeitliche Streckung der Agrarreform). Vgl. EU-Council, 8208/03 ELARG 36, NT 14, Entwurf vom 8.4.2003.

[8] Darüber hinaus wird eine konstruktive türkische Mitwirkung an einer friedlichen Lösung des Zypern-Konflikts erwartet.

[9] Die Zielmarke von 6,5 % beim primären Haushaltsüberschuss (bezogen auf das BSP) wurde 2002 mit 4 % deutlich verfehlt; dieselbe Vorgabe gilt für das laufende Jahr.

[10] Am 18. April 2003 wurden (innerhalb des Kreditrahmens von insgesamt nahezu 18 Mrd. US-Dollar, davon gut drei Viertel in Anspruch genommen) statt ursprünglich geplanter 1,6 Mrd. nunmehr 701 Mill. US-Dollar freigegeben. Die weiteren Tranchen sollen, nach jeweiliger Überprüfung, in kürzeren Abständen folgen.

[11] Verbraucher- oder Großhandelspreisindex bzw. BIP-Deflator; Jahresdurchschnitte bzw. -endwerte.

[12] Die Fähigkeit zur Umsetzung institutioneller Reformen wird sogar grundsätzlich in Zweifel gezogen von M. Eder: Implementing the Economic Criteria of EU Membership: How Difficult is it for Turkey? In: Turkey and the European Union. Sondernummer von Turkish Studies, Bd. 4, Heft 1, 2003, S. 244.

[13] Zu Details vgl.: Türkei: Stärkung der außenwirtschaftlichen Flanke erforderlich. Bearb.: Siegfried Schultz. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 5/2002. Der Entwurf zur Neufassung des Gesetzes über Auslandsinvestitionen, im Kern schon eingebracht in der Ecevit-Ära, wird gegenwärtig noch im Parlament beraten.

[14] Beispielsweise regionaler Entwicklungsfonds, Sozialfonds und Landwirtschaftlicher Ausrichtungs- und Garantiefonds.

[15] Das Pro-Kopf-Einkommen in Ostanatolien lag 1997 bei gut einem Zehntel (für das gesamte Land bei einem Drittel, im Marmara-Gebiet etwa bei der Hälfte) des EU-Durchschnitts (Pro-Kopf-BIP in Kaufkraftstandards). Vgl. EU-Kommission: Regional Policy - Inforegio. Brüssel, 19.12.2002; EU-Kommission: Die regionalen Merkmale der Türkei, S. 157 .
  In einer weiteren EU-Quelle ist für die gesamte Türkei von 22 % des EU-Durchschnitts (2001) die Rede. Das Spektrum unter den 13 Beitrittsländern bzw. -kandidaten reicht dabei von 25 % (Rumänien) bis 80 % (Zypern). Vgl. EU-Kommission, ECFIN/543/02. Brüssel, Oktober 2002, S. 7.

[16] Bislang ist die Regionalpolitik Sache der Zentralregierung. Sie gehört dort in die Kompetenz von Devlet Planlama Teskilati, der staatlichen Planbehörde. Die bisherige so genannte regionale Verwaltungsstruktur besteht lediglich aus peripheren Untereinheiten der Zentrale; eine Regionalverwaltung westeuropäischer Art gibt es nicht. Auch die Vorzeigeprojekte GAP (umfangreiches Staudamm- und Bewässerungsvorhaben im Südosten), DAP (Entwicklungsprojekt für Ostanatolien) und DOKAP (Entwicklungsplan für die östliche Schwarzmeerregion) sind zentral gesteuert.

[17] Die Einstufung aller Gebiete in ein dreistufiges System (Nomenclature des unités territoriales statistiques - NUTS) wurde fertig gestellt und vom zuständigen Amt der EU, Eurostat, gebilligt. Der Aufbau einer parallelen Verwaltungsstruktur wird vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss angemahnt. Vgl. EU-Turkey Joint Consultative Committee, 27./28.4.2003, Entwurf des Arbeitsdokuments, S. 8.

[18] Neben dem West-Ost-Gefälle gibt es gravierende Unterschiede zwischen den Küstenstreifen und dem Hinterland sowie weitere Abstufungen zwischen den einzelnen Regionen (z. B. Ägäis, Südküste, Ankara versus Schwarzmeer- und anatolisches Kerngebiet).

[19] Vgl. GAP Regional Development Administration: Regions and Regional Planning in EU and Turkey.

[20] Im Nationalen Programm (Punkt 6.1.12) sind für Regionalpolitik 20 Mill. Euro vorgesehen. Der laufende Fünfjahresplan gilt für den Zeitraum 2001 bis 2005.

[21] Vgl. EU-Kommissar Günther Verheugen am 27. Februar 2003 (http://www.turkishdailynews.com).

[22] Für die bisherige Hilfe bei der Heranführung der Türkei an die EU wurden von 2001 bis 2003 knapp 500 Mill. Euro vorgesehen; vgl. Neue Zürcher Zeitung vom 25.2. und 27.3.2003. Davon sind 2001 und 2002 zusammen 230 Mill. Euro ausgezahlt worden; für das laufende Jahr wird mit 140 Mill. Euro gerechnet. Im Rahmen der gerade erneuerten Beitrittspartnerschaft werden für den Zeitraum 2004 bis 2006 insgesamt 1,05 Mrd. Euro bereitgestellt (2004: 250 Mill. Euro, 2005: 300 Mill. Euro, 2006: 500 Mill. Euro).

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Tabelle 1
Jüngere IWF-Beistandsabkommen mit der Türkei

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Zeitpunkt        Laufzeit (Monate)   Betrag (1) (Mill. SZR (2))

Juli 1994               20                    611
Dezember 1999           26                 15 038
Februar 2002            34                 12 821 (3)

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(1) Durchschnittsbetrag der 15 Abkommen vor 1994: 172 Mill. SZR.
(2) Sonderziehungsrechte; 1 SZR = 1,3725 US-Dollar (Dezember 1999) bzw.
1,2416 US-Dollar (Februar 2002).
(3) Gesamtbetrag aller bisherigen Anleihen (1961 bis 2002): 31 Mrd.
SZR (rund 40 Mrd. US-Dollar).

Quellen: IWF, Country Report No. 02/264, Dezember 2002;
International Financial Statistics, verschiedene Ausgaben; OECD,
Economic Surveys: Turkey 2001-2002, Paris 2002.

DIW Berlin 2003

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Tabelle 2
Ökonomische Kennziffern der Türkei

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                                  1998     1999     2000     2001      2002

Reales Bruttoinlandsprodukt,
Veränderung gegenüber dem
Vorjahr in %                       3,1     -4,7      7,4     -7,5       7,8

Bruttoinlandsprodukt je
Einwohner, in US-Dollar          3 160    2 870    2 970    2 120     2 630

Inflationsrate, (1) Veränderung
gegenüber dem Vorjahr in %
    Jahresdurchschnitt            84,6     64,9     54,9     54,4      45,0
    Jahresende                    69,7     68,8     39,0     68,5      29,5

Arbeitslosenquote,
in % der Erwerbsbevölkerung        6,7      7,5      6,6      8,5      10,6

Primärer Haushaltsüberschuss,
in % des BIP                        .       1,5      4,6      6,0 (2)   4,0
                                                                        (2)

Leistungsbilanzsaldo
    in Mrd. US-Dollar              2,0     -1,4     -9,8      3,4      -1,8
    in % des BIP                   1,1     -0,9     -4,9      2,4      -1,0

Auslandsverschuldung
    in Mrd. US-Dollar             96,4    103,0    118,7    113,9     131,6
    in % der Ausfuhren           177,4    225,6    232,3    226,1     243,9

Zufluss ausländischer
Direktinvestitionen
    in Mill. Euro                  837      735    1 054    3 647       450
                                                                        (3)
    in % des BIP                   0,5      0,4      0,5      2,2       0,3
                                                                        (3)

Wechselkurs gegenüber dem
US-Dollar, in 1 000 TL (4)         261      419      625    1 226     1 507

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(1) Zeitreihe ergänzt durch Verbraucherpreisindex.
(2) Zeitreihe ergänzt durch OECD-Schätzung.
(3) Januar bis November.
(4) Türkische Lira.

Quellen:EU-Kommission: EUROPA - Enlargement: Relations with Turkey -
Main Economic Trends, Februar 2003; IMF, International Financial Statistics,
Mai 2003; diess., Turkey: Third Review Under the Stand-By Arrangement - 
Staff Report. Country Report No. 02/264, Dezember 2002 
; OECD, Ecomomic Outlook 73, Preliminary Edition, April 2003; 
Türkische Zentralbank, Datenbank. DIW Berlin 2003 ===============================================================================
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Übersicht
Vergleichende Bewertung einzelner Felder der türkischen Wirtschaftspolitik
anhand der Fortschrittsberichte der EU (1)

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                            1998               1999                2000

Funktionsfähige 
Marktwirtschaft

Status der Wirt-      freies Spiel        Konsolidierungs-    Konsens über
schaftspolitik        der Marktkräfte     programm            Kernpunkte
                      (Ausnahme:          eingeleitet
                      Landwirtschaft)

Reales BIP-Wachstum         -             schlummenderndes     Erholung von
                                          Wachstumspotential   externen
                                                               Schocks

Leistungsbilanz             -                   -              rapide
                                                               verschlechtert

Arbeitslosigkeit            -                   -              erhebliche
                                                               Zunahme

Inflation             Währung chronisch   geringerer Druck     Rückgang
                      instabil

Wechselkursentwick-         -                   -              kontrollierte
lung                                                           Abwertung

Öffentliche Finanze   prioritäres         Haushalts-           Erholung
                                                               weiter
                      Reformfeld          konsolidierung       als geplant;
                                          fortgesetzt          ein Drittel
                                                               außer-
                                                               budgetärer
                                                               Fonds
                                                               aufgelöst

Staatsverschuldung           -                  -              Anstieg der
                                                               Nettoverschul-
                                                               dung

Stabilisierung        Programmerholung    Fortschritte         Verringerung
                      fraglich            erzielt              der Makro-
                                                               volatilität

Preisgestaltung       freie Preisbildung  ein Drittel der      ein Viertel
                      als Ausnahme        Güterpreise im       der Preise im
                                          Preisindex           Index
                                          verordnet            staatlich
                                                               festgesetzt

Privatisierung        Ergebnisse          verbessert durch     erstmals
                      enttäuschend        internationale       bedeutende
                                          Schiedsgerichts-     Ergebnisse;
                                          barkeit              staatliche
                                                               Industrie-
                                                               unternehmen
                                                               als Erblast

Markteintritt         keine größeren      Zutritt frei         keine größeren
                      Hindernisse                              Beschränkungen

Rechtliche Grundlagen bedeutende          verbesserte          Umsetzung
                      Fortschritte        Anwendung            verbesserungs-
                                          erforderlich         bedürftig

Finanzsektor          übermäßige          verbleibende         mangelhafte
                      Bedienung des       Verzerrungen         Überführung
                      Bedarfs der                              von
                      öffentlichen Hand                        Ersparnissen
                                                               in produktive
                                                               Investitionen

Wettbewerbsfähigkeit

Funktionierende       Industrie nutzte    Flexibilität belegt  noch Marktver-
Märkte                Chancen der         (nach Russlandkrise) zerrungen
                      Zollunion

Humankapital          qualitativ          Niveau relativ       mehr Input
                      unzureichend        niedriger            erforderlich

Arbeitsmarktpolitik         -                    -                  -

Kapitalstock                -             Investitionen        modernisie-
                                          volatil              rungs-
                                                               bedürftig

Ausländische Direkt-  weiterhin           Genehmigungen in     unbedeutend
investitionen         Beschränkungen      der Regel
                                          erteilt

Materielle Infra-     unzureichend        Wachstumshemmnis     Qualität sehr
struktur              entwickelt                               uneinheitlich
                                                               (Straßen gut,
                                                               Bahn marode)

Strukturwandel              -                    -             Problem noch
                                                               auf
                                                               mittlere Sicht

KMU/Familienunter-    deutliche           Rückgrat des         Rückgrat der
nehmen                Vormachtstellung    Privatsektors        Privatwirt-
                                                               schaft

Staatliche Eingriffe  rückläufig                 -             Rückgang

Außenhandels-         auf EU              mit EU recht stark   mit EU relativ
verflechtung          konzentriert                             stark

Exportstruktur        ganz überwiegend    zu drei Vierteln     mehr gewerb-
                      verarbeitete        Industrieprodukte    liche
                      Erzeugnisse                              Waren

Gesamtbewertung       Die meisten         Vorrang für Ver-     Stabilität 
                      marktwirtschaft-    ringerung der        unzu-
                      lichen Kennzei-     Inflation und des    reichend; 
                      chen vorhanden;     Haushaltsdefizits    durch
                      erhebliches         erforderlich;        Dominanz des
                      Wachstumspotential; höhere Finanz-       Staates Markt-
                      stärkere Moderni-   disziplin von-       verzerrungen;
                      sierung nach Zoll-  nöten; mehr Auf-     Sozial- und
                      union; mittel-      merksamkeit auf      Regionalge-
                      fristig funktions-  Strukturreformen     fälle
                      fähige Marktwirt-   richten; KMU-        ist zu
                      schaft erreichbar;  Förderung ver-       mildern;
                      besseres Klima für  stärken; enormes     Inflation und
                      Finanzsektor nötig; Regionalgefälle;     öffentliche
                      gravierende regio-  mehr Augenmerk auf   Defizite sind
                      nale Unterschiede   Bildung legen        zu verringern;
                                                               mehr Mittel
                                                               für
                                                               Bildung,
                                                               Gesund-
                                                               heit, Soziales
                                                               einsetzen;
                                                               tief
                                                               greifende Um-
                                                               strukturie-
                                                               rungen nötig

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                                         2001                      2002

Funktionsfähige 
Marktwirtschaft

Status der Wirtschafts-       Vertrauenskrise trotz       mehr
politik                       neuen Wirtschaftsprogramms  Parteienkonsens
                                                          vorhanden

Reales BIP-Wachstum           nachlassende Konjunktur     starke 
                                                          Schwankungen,
                                                          tendenziell
                                                          niedriges Niveau

Leistungsbilanz               deutlich verbessert         moderates Defizit
                              (Abwertung)

Arbeitslosigkeit              steigend                    steigend

Inflation                     zunehmender Druck           anhaltend hoch

Wechselkursentwick-           Absturz nach Freigabe       gebremster Fall
lung

Öffentliche Finanzen          steigende Zinslasten        noch nicht
                                                          saniert, aber
                                                          Nebenhaushalte
                                                          fast aufgelöst

Staatsverschuldung            zinsbedingt hoher           deutlicher Anstieg
                              Schuldendienst

Stabilisierung                neues Policy-Mix            an Glaub-
                              begonnen                    würdigkeit 
                                                          gewonnen

Preisgestaltung               Preise durch                einige Preise noch
                              Subventionen                administriert

Privatisierung                langsamer Fortschritt       noch
                                                          unvollständig
 
Markteintritt                 weiterhin Schranken         lange Verwaltungs-
                                                          verfahren

Rechtliche Grundlagen         schwierige                  Durchführung noch 
                              Durchsetzung                verbesserungs-
                                                          bedürftig

Finanzsektor                  unzureichende               Bankenkrise nicht
                              Mittel                      überwunden

Wettbewerbsfähigkeit

Funktionierende               Basis für Markt-            Funktionsfähigkeit
Märkte                        wirtschaft                  verbessert
                              gestärkt, noch
                              nicht stabil

Humankapital                  qualitative                 zu wenig 
                              Mängel                      Investitionen

Arbeitsmarktpolitik           erst ansatzweise            unterentwickelt
                              vorhanden

Kapitalstock                  starke Schwankungen         Wachstum
                              bei Anlageinvestitionen     verlangsamt

Ausländische Direkt-          unbedeutend                 unerheblich
investitionen

Materielle Infra-             sehr uneinheitlich          geographisch sehr
struktur                      (führt zu                   ungleich verteilt
                              Produktivitäts-             
                              verlusten)

Strukturwandel                schreitet voran             weiter
                                                          beschleunigt

KMU/Familienunter-            Rückgrat der                Stütze der Volks-
nehmen                        Privatwirtschaft            wirtschaft

Staatliche Eingriffe          weiter zurückge-            seltener geworden
                              gangen

Außenhandels-                 wachsende                   hohe EU-Anteile
verflechtu ng                 Verflechtung
                              mit EU

Exportstruktur                noch hoher                  steigender Anteil
                              Textilanteil                von Industrie-
                                                          erzeugnissen

Gesamtbewertung               In Bezug auf                Fortschritte
                              funktionsfähige             begrenzt wegen
                              Marktwirtschaft             Folgen der massiven
                              keine weiteren              Finanzkrisen;
                              Fortschritte;               Reformen greifen;
                              die beiden                  verbesserte
                              Finanzkrisen                Haushaltsdisziplin;
                              beendeten Stabili-          Inflation noch zu
                              sierung;                    hoch;
                              ehrgeiziges                 Privatisierung
                              Wirtschafts-                staatlicher Banken
                              programm verab-             und Unternehmen
                              schiedet; weniger           fortsetzen; weniger
                              Inflation und               Bürokratie für mehr
                              weniger Staat               Direktinvestitionen
                              weiterhin als
                              Forderung

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(1) Die aufgeführten Kategorien folgen dem Raster im jüngsten
Fortschrittsbericht. Die benutzten Begriffe und Wertungen stammen aus der
amtlichen deutschen Fassung der Berichte. Die Wertung in den Fortschritts-
berichten steht zum Teil im Gegensatz zu den OECD-Angaben. Seit dem Bericht
für 2000 ist der Regionalpolitik ein eigenes Kapitel gewidmet.

Quelle: Regelmäßiger Bericht der Kommission über die Fortschritte der Türkei
auf dem Weg zum Beitritt, 1998 bis 2002 (von der EU jeweils im Internet
veröffentlichte Fassung).

DIW Berlin 2003

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