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| Wochenbericht des DIW Berlin 21/03 Produktbegleitende Dienstleistungen gewinnen weiter an Bedeutung | |||
| Bearbeiter | Frank Stille | ||
| Produktbegleitende Dienstleistungen werden von den Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland immer stärker als strategischer Faktor im Wettbewerb genutzt. Dabei ist die Tendenz zu integrierten Kundenlösungen unverkennbar. Die sich verlangsamende Auslagerung und der hohe Grad der Selbsterstellung produktbegleitender Dienstleistungen zeigen, dass sie von den Unternehmen überwiegend als Kernkompetenzen angesehen werden.
Produktbegleitende Dienstleistungen stehen in der Regel in engem Zusammenhang mit den Warenprodukten (Hardware). In manchen Fällen werden solche Dienstleistungen allerdings auch unabhängig vom Verkauf einer Ware erbracht. Wie bei den als Input eingesetzten Dienstleistungen müssen produktbegleitende Dienstleistungen ebenfalls nicht in Gänze von den Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes selbst erstellt werden; sie können und werden im Zuge zunehmender Arbeitsteilung auch teilweise durch Zukauf von anderen (Dienstleistungs-)Unternehmen ersetzt (Outsourcing). | |||
| Stellenwert produktbegleitender Dienstleistungen |
Produktbegleitende Dienstleistungen gehören für viele Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes traditionell zu den üblichen Leistungen im Zusammenhang mit dem zu liefernden, dem bereits verkauften oder auch dem ausgedienten Produkt. Planung und Beratung, Instandhaltung sowie die Schulung des Kunden sind oftmals für die Nutzung der Produkte unerlässlich. Für die sachgerechte Demontage und Entsorgung der Produkte ist unter Umständen - auch wegen Umweltvorschriften - ebenfalls vom Hersteller Sorge zu tragen. Auch aufgrund der von der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) eröffneten Spielräume haben Fortentwicklungen bei einigen produktbegleitenden Dienstleistungen stattgefunden (Beispiel: Telewartung oder Telecoaching); gleichzeitig hat sich ihr Umfang angesichts komplexerer Produkte erweitert. Hintergrund dieser Entwicklungen ist unter anderem die technische Flexibilität, die es erlaubt, dem Kunden maßgeschneiderte Produkte zu liefern. Dies gilt für den Pre-Sales-Bereich (z. B. Planung und Erstellung kundenspezifischer Steuerungen zum Betrieb von Anlagen) ebenso wie für den After-Sales-Bereich (z. B. modernisierende Nachrüstung). Überdies hat sich der Stellenwert produktbegleitender Dienstleistungen für die Unternehmensstrategie deutlich erhöht. [1] Einerseits werden sie als Instrument der Produktdifferenzierung genutzt, das die Marktposition und den Markterfolg der Unternehmen wesentlich stärken kann. Professionalisierung und Intensivierung produktbegleitender Dienstleistungen verschaffen den Unternehmen in vielen Fällen einen Wettbewerbsvorsprung. Bis zu einem gewissen Grade können sie es den Unternehmen ermöglichen, dem Preiswettbewerb bei den Produkten auszuweichen und die Erträge zu erhöhen. Andererseits kann die umfassendere und gezieltere Einbeziehung von produktbegleitenden Dienstleistungen in das Leistungsspektrum die Kundenzufriedenheit und die Kundenbindung verbessern. Auf dieser Grundlage erhöht sich für die Unternehmen die Wahrscheinlichkeit, Anschlussaufträge zu erhalten. Außerdem eröffnen sich die Chancen, auch an anderer Stelle der Wertschöpfungskette Umsatz und Ertrag zu stärken und die Möglichkeiten des Cross-Selling auszuschöpfen. Produktbegleitende Dienstleistungen werden also zunehmend zu einem wesentlichen Bestandteil eines integrierten Produktbündels, das auf die umfassende Erfüllung von anspruchsvollen Kundenwünschen abzielt. Sie sind damit nicht mehr in jedem Fall als additive Dienstleistungen zu isolieren (Beispiel: Maschinenlieferung plus Abschluss eines Instandhaltungsvertrages), sondern integraler Baustein einer kompletten Lösung von umfassenden Kundenanforderungen. Anspruch und Kostenbewusstsein der Kunden ändern sich vielfach in einer Weise, dass sie verstärkt solche Komplettlösungen bevorzugen. Im Folgenden werden einige wesentliche Entwicklungen bei produktbegleitenden Dienstleistungen auf der Basis der aktuellen Verbandsumfragen in den Branchen Maschinenbau und Elektrotechnik zusammenfassend dargestellt (Kasten). | ||
| Erfassung von produktbegleitenden Dienstleistungen in den Unternehmen |
Produktbegleitende Dienstleistungen werden in den Unternehmen nur teilweise erfasst. Das Verhältnis von unmittelbar erfassbaren und zu schätzenden Anteilen hängt mit der Art ihrer Behandlung in der betrieblichen Kostenrechnung zusammen. [2] Sie sind häufig Teil der Gemeinkosten. Je mehr ihre Kosten im Rechnungswesen transparent gemacht werden können, desto einfacher lässt sich in der Regel der auf sie entfallende Umsatz von den Unternehmen ermitteln. Anderenfalls müssen die Unternehmen den nicht unmittelbar aus dem Rechnungswesen ablesbaren Teil des Umsatzes schätzen, beispielsweise anhand kalkulatorischer Kosten oder vorliegender Systempreise. Eine andere Frage ist allerdings, ob und in welchem Umfang Unternehmen ihren Kunden produktbegleitende Dienstleistungen in Rechnung stellen wollen. In manchen Fällen mögen ein separates Angebot und damit auch eine getrennte Rechnungsstellung vorteilhaft sein; manchmal soll dagegen der Kunde durch eine vollständige Kopplung der Dienstleistung an das Produkt "umarmt" werden. In diesem Fall kann eine gesonderte Rechnungsstellung nicht opportun sein. Bei komplett in Produktbündel integrierten Dienstleistungen ist eine gesonderte Rechnungsstellung ohnehin schwierig. In den Umfragen von VDMA und ZVEI wurde nach dem Anteil der offen verrechneten Dienstleistungen am gesamten Umsatz mit produktbegleitenden Dienstleistungen gefragt. [3] Im Jahre 2000 wurden 45 % der umgesetzten Dienstleistungen von den Maschinenbaunternehmen den Kunden getrennt berechnet; 55 % waren demzufolge in den Preisen der gelieferten Produkte und Anlagen enthalten (Tabelle 1). Die Unternehmen der Elektroindustrie haben für gut ein Viertel des Umsatzes mit Dienstleistungen eine explizite Fakturierung vorgenommen. Unter den produktbegleitenden Dienstleitungen wird im Maschinenbau das Betreibergeschäft von den relativ wenigen Unternehmen, die diese Dienstleistung anbieten, fast immer offen verrechnet; Teleservice, Hotlines u. Ä. werden ebenfalls weit überdurchschnittlich mit den Kunden offen verrechnet. In der Elektroindustrie nimmt die Demontage den Spitzenplatz ein. Ansonsten ist die Rangordnung in beiden Wirtschaftsbereichen sehr ähnlich: Instandhaltung, Demontage und Entsorgung, Finanzdienstleistungen (Leasing, Finanzierung, Vermietung) und Montageleistungen tauchen überdurchschnittlich häufig getrennt in den Rechnungen auf; dagegen werden Planung, Beratung, Projektierung (einschließlich Auftragsforschung und -entwicklung), Zertifizierung und Dokumentation eher selten offen verrechnet. Die Unternehmen des Maschinenbaus ließen erkennen, dass sie in Zukunft für die Schulung des Kunden und für Planung und Beratung die offene Verrechnung verstärken wollen. | ||
| Häufigkeit der Dienstleistungen und ihr Beitrag zum Umsatz | Aus der Pilotstudie des Statistischen Bundesamtes von 1989 geht hervor, dass rund 44 % der Unternehmen des produzierenden Gewerbes Dienstleistungen für Dritte erbracht haben. In den exportorientierten Wirtschaftszweigen wie Maschinenbau und Elektrotechnik lag dieser Prozentsatz höher. Dies zeigt sich auch in den Erhebungen der beiden Verbände. Im Maschinenbau ist die Schulung des Kunden die im Jahre 2000 am häufigsten - von 80 % der meldenden Unternehmen - bereitgestellte Dienstleistung. Der VDMA betont, dass diese Dienstleistung in den letzten Jahren besonders an Bedeutung gewonnen habe, und begründet dies mit dem erhöhten Erklärungsbedarf angesichts der gestiegenen Komplexität der Komponenten, Maschinen und Anlagen sowie mit der erhöhten Bedeutung maßgeschneiderter Problemlösungen. [4] Für mehr als 70 % der Unternehmen sind auch andere Dienstleistungen wie Inbetriebnahme und Abnahme, Instandhaltung (Inspektion, Wartung, Instandsetzung), Technische Planung etc. sowie Dokumentation und Montageleistungen Teil ihres Leistungsspektrums. Die geringste Rolle spielen das Betreibergeschäft, Zertifizierung, Demontage und Entsorgung sowie Leasing, Vermietung und Finanzierung. Die Häufigkeit der Nennungen korreliert aber nicht mit der Bedeutung, die die entsprechenden produktbegleitenden Dienstleistungen für den Umsatz haben. | ||
| Anteile am Umsatz |
Die Erhebungen des Instituts Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) zu "Innovationen in der Produktion" [5] zeigen, dass sich der mit produktbegleitenden Dienstleistungen erzielte durchschnittliche Umsatzanteil in der Industrie im Laufe der Jahre erhöht hat. Lag er im Jahre 1997 noch bei 6,2 %, so waren es 1999 schon 7,9 %. [6] Bis zum Jahre 2001 ist der Anteil weiter gestiegen. Der vom VDMA und vom ZVEI erfragte Umsatz der produktbegleitenden Dienstleistungen umfasst nicht nur denjenigen, der offen verrechnet wird, sondern auch den verdeckt verrechneten Umsatz. Im Jahre 2000 haben produktbegleitende Dienstleistungen durchschnittlich 18,5 % zum Gesamtumsatz der dem VDMA antwortenden Unternehmen beigetragen (Tabelle 2). Gegenüber 1997 war dies eine deutliche Ausweitung; dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass im Jahre 2000 einige Dienstleistungen explizit hinzugekommen sind. Die Umsatzanteile waren bei kleineren Maschinenbauunternehmen tendenziell höher als bei größeren, was mit ihrer stärkeren individuellen Kundenorientierung zusammenhängen könnte. Am bedeutsamsten war der Umsatzanteil der Instandhaltung (Inspektion, Wartung, Instandsetzung) mit 4,4 %, die damit fast ein Viertel zu den gesamten Dienstleistungsumsätzen beigetragen hat. Die Elektroindustrie erzielte laut ZVEI im Jahre 2000 insgesamt einen Umsatz von 318 Mrd. DM; davon entfielen 69,6 Mrd. DM auf die an der ZVEI-Erhebung beteiligten Unternehmen, die auch Umsätze mit produktbegleitenden Dienstleistungen erzielten, und zwar in Höhe von 15,6 Mrd. DM. Dies entspricht einem Anteil von 22,5 %. Im Unterschied zum Maschinenbau haben in der Elektroindustrie Softwaredienstleistungen im Durchschnitt der Unternehmen 5,2 % des Gesamtumsatzes und damit knapp ein Viertel des gesamten Dienstleistungsumsatzes ausgemacht. "Gerade im Bereich der numerischen Steuerungen und bei intelligenten Speicherbausteinen ist die Erstellung von kundenspezifischer Software ein wesentlicher Teil des Produkts. Mit der Herstellung von Software befassten sich 24,6 % der Beschäftigten." [7] Finanzielle Dienstleistungen (Leasing, Vermietung und Finanzierung) hatten in der Elektroindustrie - anders als im Maschinenbau - kaum eine Bedeutung für den Umsatz. Abgesehen von diesen beiden Ausnahmen sind ähnliche Muster in den beiden Wirtschaftsbereichen festzustellen: Dienstleistungen wie Instandhaltung, Planung etc., Montage sowie Inbetriebnahme haben jeweils einen nennenswerten Beitrag zum Umsatz geleistet. | ||
| Umsatzerwartungen |
In beiden Industriezweigen erwarteten die Unternehmen einen weiteren Anstieg des Umsatzanteils, der auf produktbegleitende Dienstleistungen entfällt. In der Elektroindustrie rechneten 69 % der Unternehmen mit einem Anstieg und 22 % mit einer Verringerung. Für die Unternehmen, die produktbegleitende Dienstleistungen erbringen, ist ein Anstieg des Anteils am Gesamtumsatz auf durchschnittlich 30 % bis zum Jahre 2005 zu erwarten. Der ZVEI hält dies sogar eher für den unteren Rand des Schätzkorridors, da Unternehmen mit hohem Dienstleistungspotential, beispielsweise aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnik, in die Erhebung des Jahres 2000 nicht eingegangen seien. Für Planung, Beratung und Projektierung sowie Softwarelösungen für Kunden gehen überdurchschnittlich viele Unternehmen von weiteren Steigerungen des Umsatzanteils aus.
Im Maschinenbau herrschten ebenfalls überdurchschnittliche Wachstumserwartungen hinsichtlich der produktbegleitenden Dienstleistungen vor. An der Spitze standen hier Teleservice, Software, Schulung des Kunden und Planung. Die erwartete Umsatzzunahme dieser Dienstleistungen dürfte vor allem auch mit den aktuellen Entwicklungen der zur Verfügung stehenden neuen technischen Möglichkeiten zu ihrer "modernen" Erbringung zusammenhängen. Bei Montage, Demontage und beim Betreibergeschäft werden dagegen leichte Rückgänge für wahrscheinlich gehalten. | ||
| Auslagerungsprozess (Outsourcing) verlangsamt | Wie bei Dienstleistungsinputs stellt sich auch bei produktbegleitenden
Dienstleistungen die Alternative, sie weiter selbst zu erstellen oder
sie stattdessen von spezialisierten Unternehmen des Dienstleistungsbereichs
erbringen zu lassen. Unter bestimmten Bedingungen wird der Kauf von anderen
(verbundenen oder unverbundenen) Unternehmen zu einer überlegenen
Alternative gegenüber der Selbsterstellung.
Unternehmen werden die Entscheidung zur Auslagerung von produktbegleitenden Dienstleistungen unter anderem davon abhängig machen, ob sie dadurch Kosten sparen und ihre Wettbewerbsposition halten oder verbessern und ob sie ihre Flexibilität erhöhen und insgesamt ihre strategischen Ziele besser erreichen können. [8] Gegen Auslagerungen werden sich die Unternehmen entscheiden, wenn dadurch Kernkompetenzen beeinträchtigt werden, z. B. durch den Verlust an Kontakten zu ihren Kunden oder zu Marktentwicklungen. [9] Auslagerungen werden auch unterbleiben, wenn es schwierig ist, produktbegleitende Dienstleistungen in Arbeitsteilung mit anderen Firmen effektiv anzubieten. Diese Schwierigkeiten dürften zunehmen, je komplexer die entsprechenden Leistungsbündel sind. In den beiden Verbandsumfragen sind sowohl im Jahre 1997 als auch im Jahre 2000 Angaben zu den geplanten wie auch zu den beabsichtigten Auslagerungen enthalten (Tabelle 3). Im Maschinenbau haben 1997 noch 29 % der Unternehmen angegeben, in den letzten fünf Jahren vor der Befragung Auslagerungen vollzogen zu haben, und 22 % beabsichtigten, weitere Auslagerungen vornehmen zu wollen. Im Jahre 2000 hat sich eine deutlich geringere Auslagerungsintensität gezeigt: Nur noch 15 % der Unternehmen gaben an, in den letzten fünf Jahren vor der Erhebung (also seit 1995) Dienstleistungen ausgelagert zu haben; auch die Absichten, weitere Auslagerungen vornehmen zu wollen, haben sich vergleichsweise deutlich gegenüber 1997 verringert. Für beide Zeiträume standen Montage und Software bei der Auslagerung ganz oben. In der Elektroindustrie ist der Prozess der Auslagerung im Vergleich zum Maschinenbau dynamischer verlaufen: Im Jahre 1997 haben 32 % der Unternehmen von vollzogenen und 34 % von beabsichtigten Auslagerungen berichtet. Im Wesentlichen sind diese Absichten auch realisiert worden. Im Jahre 2000 haben 31 % der Unternehmen der Elektroindustrie angegeben, seit 1995 tatsächlich Auslagerungen vorgenommen zu haben, zu etwa gleichen Teilen in verbundene und unverbundene Unternehmen. In der Elektroindustrie stand wie im Maschinenbau die Montage an der Spitze der Auslagerungskandidaten, gefolgt von Demontage und Entsorgung. Bei den Unternehmen der Elektrotechnik zeichnet sich ebenfalls eine mittlerweile deutlich geänderte Einstellung in Bezug auf weitere Auslagerungen ab: Nur noch rund 14 % der Unternehmen planen, weitere Ausgliederungen vorzunehmen, und zwar im Unterschied zur bisherigen Entwicklung überwiegend an verbundene Unternehmen. Vergleicht man die Absichtserklärungen im Jahre 2000 mit denen von 1997, so ist eine deutliche Verlangsamung des Auslagerungsprozesses in beiden Wirtschaftsbereichen zu erwarten. Dies korrespondiert einerseits mit der zunehmenden Schwierigkeit der Auslagerung angesichts des erforderlichen technischen Know-how. Andererseits weist die Verlangsamung des Auslagerungsprozesses auch auf den erhöhten Stellenwert produktbegleitender Dienstleistungen in der Strategie der Unternehmen hin. | ||
| Selbst erstellen oder kaufen (Make or Buy) | Zusammen mit der gesamten Entwicklung produktbegleitender Dienstleistungen
spiegelt sich das Resultat der getroffenen Auslagerungsentscheidungen
in den Anteilen selbst erstellter bzw. zugekaufter produktbegleitender
Dienstleistungen wider. Hohe Anteile der Selbsterstellung deuten auf eine
vergleichsweise hohe Bedeutung für die strategische Ausrichtung der
Unternehmen hin.
Im Jahre 2000 ist in den Mitgliedsunternehmen beider Wirtschaftsverbände der weit überwiegende Teil der produktbegleitenden Dienstleistungen von den Unternehmen selbst erstellt worden. Im Maschinenbau lag der Anteil bei etwa vier Fünfteln; damit war er deutlich höher als in der Elektroindustrie, wo etwa zwei Drittel der produktbegleitenden Dienstleistungen selbst erstellt worden sind (Tabellen 4 und 5). In der Elektroindustrie wird dieser Unterschied teilweise dadurch ausgeglichen, dass hier die Auslagerung an verbundene Unternehmen mit 21 % eine deutlich größere Rolle gespielt hat als im Maschinenbau mit 8 %. Dieser hohe Anteil der Selbsterstellung einschließlich verbundener Unternehmen ist als Hinweis darauf zu werten, dass die Unternehmen beider Wirtschaftsbereiche produktbegleitende Dienstleistungen überwiegend als Kernkompetenzen ansehen. Gleichwohl scheint insgesamt die Alternative Kaufen für die Elektroindustrie eine höhere Bedeutung zu haben als für den Maschinenbau. Bezüglich der Rangfolge der Selbsterstellung einzelner produktbegleitender Dienstleistungen zeigen sich weitgehende Übereinstimmungen in Maschinenbau und Elektrotechnik. So war der Grad der Eigenerstellung besonders hoch bei der Schulung des Kunden, beim Teleservice und bei der Planung. (In der Elektroindustrie lag allerdings die Dokumentation ganz vorn.) Ähnlichkeiten zeigen sich auch bei der Dienstleistungserstellung durch unverbundene Unternehmen, die ihren Schwerpunkt bei Finanzdienstleistungen (Leasing, Finanzierung, Vermietung), Demontage und Entsorgung, Zertifizierung sowie bei Softwarelösungen für Kunden hatten. | ||
| Fazit |
Unternehmen des Maschinenbaus und der Elektroindustrie gehören zu den Teilen der Industrie, die in der Einbeziehung produktbegleitender Dienstleistungen in ihr Leistungsspektrum am weitesten vorangeschritten sind. Damit verdeutlichen sie gewissermaßen Zukunftsentwicklungen, die auch für Industrieunternehmen anderer Branchen wichtig werden dürften. Hierbei ist die Tendenz zu integrierten Kundenlösungen unverkennbar. Bei den hier im Vordergrund stehenden Industriebranchen zeigt sich, dass Auslagerungen eher an Attraktivität einbüßen. Insgesamt dürfte die Auslagerung bei produktbegleitenden Dienstleistungen deutlich geringer sein als bei den Dienstleistungsinputs der Industrieunternehmen. Kundenorientierte produktbegleitende Dienstleistungen haben für die Strategien der Unternehmen offenbar einen viel höheren Stellenwert als die für die Produktion benötigten. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Dienstleistungen nicht immer trennscharf einer der beiden Seiten der Produktionsprozesse - Input oder Output - zugerechnet werden können. Innovative und erfolgreiche Industrieunternehmen sind nicht mehr allein durch die technische Seite ihrer Produkte ausgezeichnet, sondern zunehmend durch ihre Kompetenz bei komplexen Kundenlösungen unter Einschluss einer Reihe sich fortwährend ändernder und immer professioneller gestalteter produktbegleitender Dienstleistungen. | ||
| Kasten Datengrundlage | Die Informationsbasis zu den produktbegleitenden Dienstleistungen ist schmal. Die aus dem Verkauf derartiger Dienstleistungen resultierenden Umsätze der Industrieunternehmen sind Bestandteil ihres gesamten Umsatzes und damit Teil des Umsatzes des verarbeitenden Gewerbes. [1] Ein getrennter Ausweis solcher Umsatzanteile erfolgt nur ausnahmsweise. Folgende Quellen stehen gegenwärtig zur Verfügung: • In der Kostenstrukturstatistik [2] des Statistischen Bundesamtes wird beispielsweise der Umsatz aus sonstigen (nichtindustriellen/nichthandwerklichen) Dienstleistungen erfasst. Hierzu zählen auch produktbegleitende Dienstleistungen wie Instandhaltung, Reparatur, Planungs- und Beratungstätigkeit sowie Transportleistungen für Dritte. Sie umfassen nur einen Teil der produktbegleitenden Dienstleistungen. • Aufgrund des Interesses an Informationen über den internen Strukturwandel der Unternehmen zugunsten der Dienstleistungen hat das Statistische Bundesamt 1988 eine Piloterhebung durchgeführt. [3] Dazu hat es eine Liste mit 19 verschiedenen Dienstleistungen erstellt und den befragten Unternehmen übermittelt. [4] Dienstleistungen wie Reparatur und Instandhaltung sind darin allerdings nicht enthalten, da sie bereits im Rahmen der Kostenstrukturstatistik erhoben werden. • In den Jahren 1998 und 2001 haben zwei große Unternehmensverbände, der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA) [5] und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. (ZVEI) [6], Befragungen ihrer Mitgliedsunternehmen zu den produktbegleitenden Dienstleistungen durchgeführt. [7] Die Fragenkataloge und Erhebungszeitpunkte waren dabei miteinander abgestimmt. Das Statistische Bundesamt hat mittlerweile (April 2003) mit einer erneuten
Befragung zu den produktbegleitenden Dienstleistungen bei Industrie- und
Dienstleistungsunternehmen begonnen. Im Fragenzuschnitt baut sie auf den
Umfragen der beiden Verbände auf.
[1] Vgl. hierzu beispielsweise G. Lay und P. Jung Erceg: Elemente einer Strategieentwicklung für produktbegleitende Dienstleistungen in der Industrie. In: G. Lay und P. Jung Erceg (Hrsg.): Produktbegleitende Dienstleistungen. Konzepte und Beispiele erfolgreicher Strategieentwicklung. Berlin 2002, S. 5-68. [2] Vgl. hierzu auch H. Simon und A. Damian: Preispolitik für industrielle Dienstleistungen. In: H. Corsten und H. Schneider (Hrsg.): Wettbewerbsfaktor Dienstleistung. München 1999, S. 157-188. [3] Die Anteile sind daher mit den Ergebnissen von 1988 nur bedingt vergleichbar. Aus der Piloterhebung des Statistischen Bundesamtes von 1989 lässt sich nur folgern, dass im Durchschnitt weniger als ein Drittel der Unternehmen ihren Kunden produktbegleitende Dienstleistungen (ausschließlich und getrennt) in Rechnung gestellt hat. [4] VDMA, 2002, S. 6. [5] http://www.isi.fhg.de [6] Vgl. Lay und Jung Erceg, a. a. O., S. 7. [7] ZVEI, 2002, S. 14. [8] Vgl. hierzu beispielsweise Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung: Industrienahe Dienstleistungen am Standort Deutschland. Essen 1995. [9] Bei internationalen Vergleichen spielen u. U. auch die institutionellen Rahmenbedingungen eine Rolle. Auslagerungen können beispielsweise aus Gründen eines in den einzelnen Ländern unterschiedlich gestalteten Haftungsrechts mit größerer oder geringerer Intensität vorgenommen werden.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 1
Offene Verrechnung produktbegleitender Dienstleistungen im Jahre 2000
In % des Umsatzes
-------------------------------------------------------------------------------
Maschinenbau Elektroindustrie
Planung, Beratung, Projektierung (1) 25,0 26,3
Software 49,1 35,1
Dokumentation 27,9 15,8
Schulung des Kunden 29,3 43,9
Montage 56,1 57,9
Inbetriebnahme, Abnahme 53,2 47,4
Zertifizierung 38,5 21,1
Instandhaltung (2) 79,5 75,4
Teleservice, Hotline u.Ä. 74,0 24,6
Betreibergeschäft 95,1 49,1
Leasing, Vermietung, Finanzierung 63,5 61,4
Demontage, Entsorgung 69,4 64,9
Sonstige produktbegleitende
Dienstleistungen 76,0 29,8
Insgesamt 45,0 26,7
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Einschließlich Auftragsforschung und -entwicklung.
(2) Inspektion, Wartung, Instandsetzung.
Quellen: VDMA (2002); ZVEI (2002); Berechnungen des DIW Berlin.
DIW Berlin 2003
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 2
Umsatz produktbegleitender Dienstleistungen
In % des Gesamtumsatzes
-------------------------------------------------------------------------------
Maschinenbau Elektroindustrie
1997 2000 1997 2000
Planung, Beratung,
Projektierung (1) 1,5 3,0 1,6 3,0
Software 0,7 1,1 3,8 5,2
Dokumentation 0,5 0,5 0,8 1,1
Schulung des Kunden 0,4 0,8 0,8 1,1
Montage \ 2,5 \ 2,7
2,4 4,8
Inbetriebnahme, Abnahme (2) / 1,3 / 2,4
Zertifizierung (3) 0,3 0,1 0,4 0,5
Instandhaltung (4) 2,7 4,4 3,1 3,8
Teleservice, Hotline u.Ä. 0,1 0,5 0,2 0,8
Betreibergeschäft 0,0 0,6 0,9 1,0
Leasing, Vermietung,
Finanzierung - 2,6 - 0,0
Demontage, Entsorgung - 0,3 0,3 0,5
Sonstige produktbe-
gleitende Dienstleistungen 1,1 0,8 0,2 0,3
Insgesamt 9,6 18,5 16,8 22,5
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Einschließlich Auftragsforschung und -entwicklung.
(2) 1997 ohne Abnahme.
(3) 1997 mit Abnahme.
(4) Inspektion, Wartung, Instandsetzung.
Quellen: VDMA (1998, 2002); ZVEI (1998, 2002);
Berechnungen des DIW Berlin.
DIW Berlin 2003
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 3
Ausgliederungen produktbegleitender Dienstleistungen
In % der Unternehmen
-------------------------------------------------------------------------------
1997 (1) 2000 (1)
vollzogen beab- vollzogen beab-
sichtigt sichtigt
Maschinenbau 29 22 15 15
Elektroindustrie 32 34 31 14
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Jeweils in den letzten bzw. nächsten fünf Jahren
(bezogen auf den Erhebungszeitpunkt).
Quellen: VDMA (1998, 2002); ZVEI (1998,
2002); Berechnungen des DIW Berlin.
DIW Berlin 2003
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 4
Erstellung produktbegleitender Dienstleistungen im Maschinenbau
Anzahl der Meldungen in %
-------------------------------------------------------------------------------
Selbst erstellt Fremdbezogen
Verbundene Nicht verbundene
Unternehmen Unternehmen
1997 2000 1997 2000 1997 2000
Planung, Beratung,
Projektierung (1) 82 96 8 3 10 1
Software 62 69 12 7 26 24
Dokumentation 84 91 6 4 10 4
Schulung des Kunden 85 97 10 2 5 1
Montage \ 87 \ 5 \ 8
71 14 14
Inbetriebnahme, Abnahme (2) / 95 / 2 / 3
Zertifizierung (3) 73 65 8 11 19 24
Instandhaltung (4) 74 93 13 3 13 4
Teleservice, Hotline u.Ä. 77 96 10 1 13 3
Betreibergeschäft 79 69 13 8 8 23
Leasing, Vermietung,
Finanzierung - 59 - 9 - 32
Demontage, Entsorgung - 74 - 9 - 18
Sonstige produktbe-
gleitende Dienstleistungen 81 76 10 1 9 23
Insgesamt - 80 - 4 - 16
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Einschließlich Auftragsforschung und -entwicklung.
(2) 1997 ohne Abnahme.
(3) 1997 mit Abnahme.
(4) Inspektion, Wartung, Instandsetzung.
Quellen: VDMA (1998, 2002); Berechnungen des DIW Berlin.
DIW Berlin 2003
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 5
Erstellung produktbegleitender Dienstleistungen in der Elektroindustrie
Anzahl der Meldungen in %
-------------------------------------------------------------------------------
Selbst erstellt Fremdbezogen
Verbundene Nicht verbundene
Unternehmen Unternehmen
1997 2000 1997 2000 1997 2000
Planung, Beratung,
Projektierung (1) 78 82 10 6 12 12
Software 64 59 18 12 18 29
Dokumentation 77 86 12 5 11 9
Schulung des Kunden 83 82 11 9 6 9
Montage (2) \ 52 \ 18 \ 31
67 11 22
Inbetriebnahme, Abnahme (3) / 68 / 12 / 20
Zertifizierung (4) 63 57 10 6 26 37
Instandhaltung (5) 75 68 11 12 14 19
Teleservice, Hotline u.Ä. 77 82 13 6 10 11
Betreibergeschäft 63 35 16 29 21 36
Leasing, Vermietung,
Finanzierung - 20 - 31 - 49
Demontage, Entsorgung 60 40 10 23 29 37
Sonstige produktbe-
gleitende Dienstleistungen 73 65 13 11 15 24
Insgesamt 70 67 12 12 18 21
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(1) Einschließlich Auftragsforschung und -entwicklung.
(2) 1997 mit Inbetriebnahme.
(3) 1997 keine Angabe.
(4) 1997 mit Abnahme.
(5) Inspektion, Wartung, Instandsetzung.
Quellen: ZVEI (1998, 2002); Berechnungen des DIW Berlin.
DIW Berlin 2003
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