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Wochenbericht des DIW Berlin 26/02

Probleme des internationalen Vergleichs industrieller Entwicklungen im europäischen Kontext

Bearbeiter Dorothea Lucke
Jörg-Peter Weiß
Im Rahmen des europäischen Binnenmarktes stellt sich die Frage, wie sich die deutsche Industrie im Vergleich zu der anderer großer EU-Länder entwickelt. Welche Indikatoren sind zur Messung der relativen Position der Industrie und ihrer Zweige unter konjunkturellen und strukturellen Aspekten im europäischen Rahmen geeignet? In diesem Bericht werden Indikatoren wie der Produktionsindex und die reale Bruttowertschöpfung, die üblicherweise zur Beschreibung der industriellen Entwicklung herangezogen werden, analysiert. Neben Deutschland werden die anderen großen Länder der Europäischen Union - Frankreich, Italien und Großbritannien - betrachtet. Es zeigt sich, dass der Produktionsindex allein wie auch die reale Bruttowertschöpfung für sich betrachtet infolge statistischer Eigenheiten zum Vergleich nur bedingt geeignet sind.

Für die Analyse und Prognose der konjunkturellen Entwicklung von Industrien verschiedener Länder müssen Daten verwendet werden, die möglichst nah an den aktuellen Rand reichen. Meist wird dafür der Produktionsindex herangezogen. Der Beitrag der Industrie zum Bruttoinlandsprodukt wird freilich nicht durch die Produktion, sondern durch die Wertschöpfung wiedergegeben. Zentrale Fragen sind daher, wie gut sich die Verläufe von Produktion und Wertschöpfung decken und welche Unterschiede dabei zwischen verschiedenen Ländern festzustellen sind. Ausgangspunkt der Untersuchung sind die von Eurostat veröffentlichten vierteljährlichen Produktionsindizes für das verarbeitende Gewerbe für große Branchen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien; sie sind derzeit von 1991 bis 2001 verfügbar.

Anfang 1999 setzte der Aufschwung im verarbeitenden Gewerbe in diesen Ländern fast gleichzeitig ein (Abbildung 1). Ebenfalls nahezu zeitgleich übertrug sich der von den USA ausgehende Abschwung im Frühjahr vergangenen Jahres. Er bedeutete aufgrund der starken weltweiten Verflechtung des verarbeitenden Gewerbes eine Verschlechterung des weltwirtschaftlichen Klimas insgesamt. Dies wirkte sich in Großbritannien, Italien und Deutschland im Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes etwa gleich stark aus. Das verarbeitende Gewerbe in Frankreich wurde indes weniger heftig von dem Abwärtstrend im Ausland erfasst.

Diese Entwicklung vermittelt das Bild eines engen konjunkturellen Zusammenhangs in Europa. Offensichtlich hat aber die Industrie in den einzelnen Ländern, vor allem in den Aufschwungphasen, von der Wachstumsdynamik sehr unterschiedlich profitiert, so dass sich die Produktionsniveaus deutlich auseinander entwickelt haben. An den Produktionsindizes gemessen ist das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und Frankreich seit 1995 am stärksten gewachsen; die Produktion lag trotz der zum Teil kräftigen Einbußen Ende 2001 noch deutlich über dem Niveau von 1995. Die Produktionsindizes für das verarbeitende Gewerbe in Großbritannien und Italien befanden sich dagegen im vierten Quartal 2001 etwa auf dem Niveau von 1995.

Die Entwicklung der Leistung, d. h. der Wertschöpfung von Branchen über einen längeren Zeitraum, wird mit dem Produktionsindex aber nur bedingt beschrieben. Der Produktionsindex spiegelt die Entwicklung des realen Produktionswertes einer Branche wider, und er verändert sich auch, wenn der Einsatz von Vorleistungen im Verhältnis zur Produktion höher oder niedriger wird. Kurzfristig kann die Veränderung der Vorleistungsquote vernachlässigt werden, längerfristig führt dies jedoch zu Verzerrungen. [1] Will man den realen Beitrag der Wirtschaftszweige zum Bruttoinlandsprodukt oder die Bruttowertschöpfung ermitteln, reicht die Verwendung des Produktionsindex nicht aus, sondern es müssen weitere Indikatoren herangezogen werden.

Dafür bietet sich die STAN-Datenbank [2] der OECD an, in der für international vergleichende Analysen der wirtschaftlichen Entwicklung die benötigten Daten in tiefer sektoraler Gliederung zur Verfügung gestellt werden. Sie enthält absolute nominale Werte für die Produktion und Wertschöpfung sowie Indizes für die reale Entwicklung der Produktion und Wertschöpfung auf der Ebene von NACE-Rev.-1-Zweistellern. [3] Die Jahresdaten reichen zurzeit bis 1999; die realen Werte sind zu Preisen von 1995 bewertet und die Indizes auf dieses Jahr basiert. Somit lässt sich ein Index für die reale Entwicklung der Vorleistungsquote im verarbeitenden Gewerbe und seinen Branchen in den verschiedenen Ländern ableiten. Außerdem ist es möglich, die nominalen Vorleistungsquoten zu berechnen.

Die Angaben lassen erkennen, dass die reale Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im Jahre 1999 nur wenig höher war als 1995. In Frankreich dagegen war von 1995 bis 1999 unter den betrachteten Ländern das weitaus höchste Wachstum im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu verzeichnen.

Offensichtlich haben die realen Vorleistungen in Deutschland im Vergleich zur Produktion wesentlich stärker zugenommen als in den anderen Ländern. Es lässt sich zeigen, dass der Produktionswert und die reale Bruttowertschöpfung die gleiche Entwicklung nehmen, wenn die reale Vorleistungsquote konstant bleibt. Bei optimaler Preisbereinigung dürften sich Qualitätsveränderungen nicht im Preis, sondern müssten sich in der realen Produktion niederschlagen (Kasten 1). Wird beispielsweise ein PC bei gleichem Preis infolge der technologischen Entwicklung leistungsfähiger, müsste dies in einem niedrigeren Preisindex zum Ausdruck kommen, der reale Produktionsindex infolgedessen steigen. Preisveränderungen sind häufig mit Qualitätsänderungen der Produkte verbunden; "reine" Preisänderungen sind indes kaum beobachtbar. Der Einfluss von Qualitätsänderungen muss daher geschätzt werden. Dafür sind unterschiedliche Verfahren entwickelt worden. Je weniger es mit diesen Verfahren gelingt, die Qualitätsänderungen zu erfassen, desto stärker wird die reale Vorleistungsquote vom Verhältnis des Output- zum Inputpreisindex (p pw / p vl), also einer nominalen Größe, verzerrt.

Für die zu vergleichenden Branchen werden in den hier untersuchten Ländern unterschiedliche Preisbereinigungsverfahren verwendet (Kasten 2). Deshalb müssen die Angaben zu den realen Vorleistungsquoten und der realen Bruttowertschöpfung, die man aus der STAN-Datenbank für eine Branche in verschiedenen Ländern erhält, sehr vorsichtig interpretiert werden.

Den Angaben in der STAN-Datenbasis zufolge sind die größten Veränderungen bei der realen Vorleistungsquote in den betrachteten Ländern in der Branche "Herstellung von Büromaschinen und Datenverarbeitungsgeräten" zu beobachten. Während sich in Frankreich die reale Vorleistungsquote im Zeitraum 1995 bis 1999 von 70 % auf 58 % verringerte, stieg sie in Deutschland von 66 % auf 76 %. Dies lässt darauf schließen, dass es in dieser Branche unterschiedliche Einflussfaktoren für die Veränderung der realen Vorleistungsquote gegeben hat (Tabelle 1).

Die ausgewiesene Steigerung der realen Vorleistungsquote in Deutschland deutet auf eine Verringerung der Fertigungstiefe in dieser Branche hin. Dafür spricht die weitgehende Umorganisation der zur Elektroindustrie i. w. S. gehörenden Unternehmen in den 90er Jahren. Dabei wurde die Produktion von Datenverarbeitungsgeräten in neu gegründete Unternehmen ausgegliedert. Die Herstellung von elektronischen Bauelementen, die unter anderem für Datenverarbeitungsgeräte benötigt werden, wurde wiederum speziellen Unternehmen übertragen. Außerdem werden IT-Dienstleistungen immer stärker in spezialisierte Firmen ausgelagert. Die durch die IT-Dienstleistungen erzeugte Wertschöpfung wird dann als Wertschöpfung des tertiären Sektors klassifiziert.

Für die unterschiedlichen Entwicklungen der realen Vorleistungsquoten in Deutschland und Frankreich sind aber in dieser Branche in besonderem Maße auch die national unterschiedlichen Preisbereinigungsverfahren verantwortlich. Deutschland verwendet zur Bereinigung der Preise von Datenverarbeitungsgeräten die Kettenmethode, Frankreich die hedonische Methode, und Großbritannien stützt sich auf die Optionspreis-Methode. [4]

Die in Tabelle 2 für die betrachteten Länder angegebenen Veränderungsraten für die reale Bruttowertschöpfung sind also nicht nur Folge einer unterschiedlichen Leistungsentwicklung in den Branchen, sondern sie umfassen auch Veränderungen in der Unternehmensorganisation und sind Ausdruck von unterschiedlichen nationalen Preisbereinigungsmethoden.

Ebenfalls eine starke Zunahme der realen und nominalen Vorleistungsquoten zeigt die Datenbasis für die Automobilindustrie und die chemische Industrie in Deutschland. In der Automobilindustrie ist eine erheblich erweiterte Ausstattung für die Kraftfahrzeuge festzustellen: Die Ausrüstung der Fahrzeuge mit ABS, ESP, elektronischer Motorsteuerung, Airbags, Klimaanlage, elektronischer Wegfahrsperre u. a. hat dazu geführt, dass ein großer Teil der Wertschöpfung eines Kraftwagens heute in Unternehmen entsteht, die zur Elektrotechnik/Elektronik gehören. Darüber hinaus gab es eine Verlagerung von Fertigungsschritten aus der Herstellung von Kraftwagen und -motoren (WZ 34.1) in die ebenfalls zum Kraftwagenbau gehörende Herstellung von Kraftfahrzeugteilen und -zubehör (WZ 34.3). Die Wertschöpfung des Kraftwagenbaus (WZ 34) blieb dabei konstant, doch der Produktionswert stieg, wobei sich auch die Vorleistungsquote erhöhte. Dennoch war die nominale Vorleistungsquote im Jahre 1999 auch in Deutschland noch niedriger als in Frankreich. Zum einen ist das in der stärkeren Ausrichtung der deutschen Nutzfahrzeughersteller auf schwere Lastkraftwagen mit einer relativ hohen Wertschöpfungsquote begründet. Zum anderen hat in Deutschland im Vergleich zu Frankreich das Segment der "Premiumfahrzeuge" große Bedeutung, bei der teilweise sogar noch Einzelfertigung stattfindet. Die Automobilindustrie in Frankreich ist dagegen im Wesentlichen auf zwei Hersteller konzentriert und auf Massenproduktion ausgerichtet.

Ein steigender Ausstattungsgrad ist nicht nur in Deutschland zu beobachten. Der Rückgang der realen Vorleistungsquote in Frankreich passt insofern nicht zu dieser Entwicklung. Dies ist ein Indiz dafür, dass Preiseffekte die Entwicklung der realen Vorleistungsquote beeinflusst oder sogar dominiert haben. Die Aussagekraft der sehr unterschiedlichen Veränderungsraten der realen Wertschöpfung des Fahrzeugbaus ist im Ländervergleich begrenzt. Die Skepsis wird gestützt durch die Zahlen zur Beschäftigungsentwicklung. In Deutschland hat die Automobilindustrie von 1995 bis 1999 die Beschäftigung erheblich ausgeweitet, in Frankreich dagegen abgebaut.

Die chemische Industrie zeichnet sich in Deutschland und im internationalen Vergleich traditionell durch ein hohes Lohnniveau aus. Dies hat in den 90er Jahren die Unternehmen in Deutschland in besonderem Maße dazu veranlasst, unproduktivere Bereiche - z. B. Buchhaltung, Logistik oder auch die Kantinen - aus den Unternehmen auszugliedern. Dem Rückgang der realen Wertschöpfung (Tabelle 2) steht ein noch größerer Beschäftigungsabbau gegenüber, so dass die Arbeitsproduktivität in der chemischen Industrie in den Jahren 1995 bis 1999 im Vergleich zum verarbeitenden Gewerbe insgesamt überdurchschnittlich gestiegen ist. [5]

Fazit Der Produktionsindex gibt die Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen im konjunkturellen Zusammenhang in den betrachteten Ländern zu analysieren, denn Informationen über die reale Wertschöpfung stehen für die Industriezweige nicht zeitnah genug zur Verfügung.

In den 90er Jahren hat sich die Arbeitsteilung innerhalb der Industrie wie auch zwischen der Industrie und den Dienstleistungen sowohl national als auch im internationalen Kontext verändert. Dabei kam es zu einem Anstieg der nominalen, aber auch der realen Vorleistungsquoten. Der Befund ist, dass zumindest in einigen Branchen die Strukturveränderungen in Deutschland im Zeitraum 1995 bis 1999 von größerer Bedeutung waren als in den anderen Ländern. Der Produktionsindex kann angesichts solcher struktureller Veränderungen die Dynamik der Branchen im internationalen Vergleich nicht zutreffend abbilden.

Statistisch festgestellte unterschiedliche Entwicklungen der realen Vorleistungsquoten und divergierende reale Wertschöpfungsentwicklungen sind auch Ergebnis von Preisbereinigungsverfahren in den betrachteten Ländern und Branchen. Die reale Wertschöpfung gibt die Leistungsentwicklung der Branchen in den verschiedenen Ländern entsprechend verzerrt wieder.

Die Entwicklung des Produktionsindex dürfte die Dynamik der deutschen Industrie im Vergleich zu den anderen betrachteten Ländern für den hier zugrunde liegenden Zeitraum überzeichnen, während die der Wertschöpfung sie unterzeichnet.

Daraus folgt: Um ein realistisches Bild für einen länderübergreifenden Vergleich der Leistungsentwicklung von Branchen zu gewinnen, genügen nicht die für die Leistungsmessung von Wirtschaftszweigen konzipierten Indikatoren. Vielmehr sollten weitere Informationen, z. B. die Entwicklung von Beschäftigung und Investitionen, mit ins Bild genommen werden.

Kasten 1

Zusammenhang zwischen Produktionsindex, realem Produktionswert und realer Bruttowertschöpfung


Der Produktionsindex in der Industriestatistik soll die aktuelle, um Preiseffekte bereinigte Entwicklung des Produktionswertes einer Branche abbilden. Damit Produktionsindizes möglichst zeitnah veröffentlicht werden können, wird keine Totalerhebung durchgeführt, sondern - auf der Basis von Mengen- und Wertveränderungen ausgewählter wichtiger Erzeugnisse einer Branche - monatlich fortgeschrieben. Bei dieser Art der Fortschreibung werden in Deutschland nur Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten erfasst. Bei der realen Produktionswertermittlung auf Branchenebene (VGR) werden dagegen alle Unternehmen berücksichtigt. Sie erfolgt allerdings erst mit großer Verzögerung und auch nur auf Jahresbasis. Produktionsindizes und reale Produktionswerte sind nach der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) somit nicht deckungsgleich.

Der Zusammenhang von nominalem Produktionswert PW und nominaler Wertschöpfung BWS einer Branche ist gegeben durch

(1) BWS = PW - VL,

wobei VL die nominalen Vorleistungen sind. Die reale Bruttowertschöpfung BWS r wird ermittelt durch

(2)
     

Dabei sind p pw der Preisindex des Produktionswertes einer Branche und p vl der Preisindex der in diese Branche eingehenden Vorleistungsgüter. [1] Im Idealfall enthalten die Preisindizes keine Einflüsse, die auf Qualitätsänderungen zurückgehen. In der amtlichen Statistik wird länderweise mit unterschiedlichen Methoden versucht, die Qualitätsänderungen herauszufiltern (siehe Kasten 2). Dies gelingt allerdings nur unvollständig.

Durch Umformungen der Formel 2 erhält man

(3) BWS r = PW r (1 - VQ r),

wobei die reale Vorleistungsquote VQ r definiert ist als

(4)
     

Der reale Produktionswert und die reale Bruttowertschöpfung nehmen also die gleiche Entwicklung, wenn die reale Vorleistungsquote konstant ist. Diese hängt von der nominalen Vorleistungsquote VQ ab, also dem Verhältnis dessen, was die Unternehmen einer Branche an Vorleistungen beziehen (VL) zu dem, was sich dann nach der Weiterverarbeitung im Unternehmen als Produktionswert (PW) ergibt:

(5)
     

[1] Bei diesem Verfahren spricht man von der Methode der doppelten Deflationierung; vgl. Statistisches Bundesamt: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Fachserie 18, Erläuterungen.

Kasten 2

Unterschiedliche Verfahren zur Berücksichtigung von Qualitätsänderungen bei der Ermittlung von Preisindizes


In Deutschland wird für die Berechnung von Zeitreihen für Erzeugerpreisindizes die Kettenmethode angewandt. Die einzelnen Indizes beruhen auf einer Befragung von Unternehmen, bei der die Unternehmen gehalten sind, Qualitätsänderungen in ihren Preismeldungen angemessen zu berücksichtigen.

Die in Frankreich für EDV-Ausrüstungen verwendete hedonische Preisbereinigung beruht auf dem Gedanken, dass ein Gut durch ein Bündel von Komponenten charakterisiert wird. Mithilfe ökonometrischer Schätzungen wird der Stückpreis jeder einzelnen Komponente festgelegt und so ein Volumenindex hergeleitet. Der Volumenindex ist dann im Wesentlichen ein gewogener Durchschnitt der physikalischen Komponenten, die mit ihren jeweiligen Preisen gewichtet werden.

Bei der Optionspreismethode wird folgendermaßen vorgegangen: Wenn der qualitative Unterschied zwischen zwei aufeinander folgenden Modellen eines Gutes in einer Komponente besteht, für die ein Marktpreis existiert, und deshalb für die Kunden eine Option für dieses Extra besteht, wird der aktuelle Preis für das alte Modell berechnet, in dem man vom Preis des Nachfolgemodells den Preis für die Komponente abzieht. Existiert kein Marktpreis für eine Komponente, wird der Hersteller nach ihren Kosten befragt.

Die Verschiedenheit der Methoden der Preisbereinigung spiegelt sich in den Preisverfallsraten für Datenverarbeitungsgeräte wider. Nach Angaben für Frankreich war in den 90er Jahren ein 80-prozentiger Preisverfall bei EDV-Ausrüstungen ermittelt worden, während für Deutschland ein 20-prozentiger und für Großbritannien ein 40-prozentiger Preisverfall gemeldet worden war (siehe dazu: Europäische Kommission: Wirtschaftsanalysen Nr. 12, Dezember 2000).



[1] Vgl. Michael Grömling: Produktivitätstrends der 90er Jahre, statistische Überzeichnung dämpft New Economy Hoffnungen. In: iw-trends, Nr. 2/2001, S. 21 ff.

[2] OECD: STAN Database for Industrial Analysis, Vol. 2002, release 02.

[3] "Nomenclature des Activitées de la Communauté Européenne" ist die europäische Klassifikation der Wirtschaftszweige. Darin werden die Wirtschaftszweige auf verschiedenen Ebenen durch Codes gekennzeichnet. Die erste Ebene (Abschnitte) wird durch Buchstaben (z. B. das verarbeitende Gewerbe durch den Buchstaben D), die zweite Ebene (Abteilungen) durch zweistellige Zahlencodes gekennzeichnet.

[4] Vgl. auch Deutsche Bundesbank: Probleme internationaler Wachstumsvergleiche aufgrund unterschiedlicher Deflationierungsmethoden - dargestellt am Beispiel der EDV-Ausrüstungen in Deutschland und den USA. In: Monatsbericht, August 2000, S. 8.

[5] Von 1995 bis 1999 ist die Arbeitsproduktivität - berechnet als Verhältnis von realer Bruttowertschöpfung zur Zahl der Beschäftigten nach der STAN-Datenbasis der OECD - in der chemischen Industrie um knapp 8 % gestiegen, im verarbeitenden Gewerbe insgesamt um 5,5 %.

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Tabelle 1
Reale und nominale Vorleistungsquoten in den vier großen EU-Ländern
 1995 und 1999
Zu Preisen von 1995

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                                     1995

                       Deutsch- Frank- Italien Großbri-
                         land   reich          tannien

                               nominal (= real)

Verarbeitendes Gewerbe   0,63    0,67    0,69    0,63

darunter:

Chemische Industrie      0,61    0,68    0,70    0,62
Maschinenbau             0,59    0,64    0,68    0,60

Herstellung von
 Büromaschinen und
 Datenverarbeitungs-
 geräten                 0,66    0,70    0,79    0,72

Herstellung von
 Geräten der
 Elektrizitätserzeugung
  und -verteilung        0,59    0,62     -      0,58

Medientechnik            0,65    0,68     -      0,63

Kraftwagenbau            0,66    0,78    0,76    0,72

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                                                  1999

                         Deutschland   Frankreich      Italien   Großbritannien

                         real nominal  real nominal  real nominal  real nominal

Verarbeitendes Gewerbe   0,67   0,64   0,68   0,67   0,70   0,68   0,64   0,62

darunter:

Chemische Industrie      0,68   0,64  (0,69) (0,68)  0,70   0,69  (0,62) (0,63)
Maschinenbau             0,63   0,59  (0,63) (0,62)  0,69   0,68  (0,60) (0,59)

Herstellung von
 Büromaschinen und
 Datenverarbeitungs-
 geräten                 0,76   0,69  (0,58) (0,70)  0,81   0,84  (0,75) (0,74)

Herstellung von
 Geräten der
 Elektrizitätserzeugung
  und -verteilung        0,62   0,61  (0,63) (0,63)   -      -      -    (0,59)

Medientechnik            0,62   0,65  (0,59) (0,71)   -      -      -    (0,62)

Kraftwagenbau            0,75   0,73   0,76   0,77   0,77   0,78  (0,72) (0,72)

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Anmerkung: Die in Klammern gesetzten Werte sind die realen Vorleistungsquoten
 für das Jahr 1998, da die Produktionswerte für 1999 in diesen Branchen nicht
 vorhanden sind. Nicht berechnet werden konnte die reale Vorleistungsquote
 einiger Branchen, da weder Produktions- noch Vorleistungswerte verfügbar sind.

Quellen: OECD; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2002

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Tabelle 2
Veränderungsraten der realen Wertschöpfung von 1995 bis 1999
In %

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                            Deutschland  Frankreich     Italien  Großbritannien

Verarbeitendes Gewerbe          0,6         11,0          2,8          2,2

darunter:

Chemische Industrie            -2,9         13,0          8,3          7,7

Maschinenbau                   -2,9          9,9         -0,7        -10,0

Herstellung von
 Büromaschinen und Daten-
 verarbeitungsgeräten          23,4        137,6        -12,8         65,8

Herstellung von Geräten
 der Elektrizitäts-
 erzeugung und -verteilung      6,2          7,8           -            -

Medientechnik                  40,4        120,5           -            -

Kraftwagenbau                  -1,0         46,2         13,8          9,0

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Quellen: OECD; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2002

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