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| Wochenbericht des DIW Berlin 28-29/04 Tendenzen der Wirtschaftsentwicklung 2004/2005 1. Weltwirtschaft im Aufschwung | |||
| Bearbeiter | Arbeitskreis Konjunktur | ||
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Der weltwirtschaftliche Aufschwung hat sich seit Jahresbeginn weiter gefestigt. Die gesamtwirtschaftliche Produktion ist in allen Regionen deutlich aufwärts gerichtet - außer im Euroraum, wo die Expansion noch verhalten ist. Immer deutlicher kommt der sich selbst verstärkende Charakter der weltwirtschaftlichen Expansion zum Tragen. Durch die kräftige Zunahme des internationalen Handels wird eine Aufwärtsspirale für die gesamtwirtschaftliche Produktion ausgelöst (Tabellen 1.1 und 1.2). Gestützt wird die kräftige Expansion durch die vor allem in den USA und Japan, aber auch in Europa expansive Geldpolitik. Die Zinsen sind trotz der gefestigten Konjunktur nach wie vor niedrig und fördern die sich ohnehin beschleunigende Investitionsdynamik. Dabei ist insgesamt bisher noch kein nennenswerter Inflationsdruck zu erkennen, selbst wenn in China die Trendwende von einer Deflation zu positiven Inflationsraten sehr deutlich ausfällt und sich auch in den USA der Preisauftrieb als Folge des Ölpreisschocks und der Abwertung des US-Dollar zuletzt merklich beschleunigt hat. Japan hat hingegen die Deflation noch nicht überwunden, und auch in Europa ist der Preisanstieg moderat. Sicherlich stellt ein starker Anstieg der Ölpreise immer ein Risiko für die weltweite Konjunktur dar. Dies gilt vor allem dann, wenn die dadurch ausgelösten Preisniveauveränderungen zu übersteigerten Lohnerhöhungen führen und den Inflationsdruck erhöhen. Dann müssten die Zentralbanken eingreifen und rasch die Zinsen anheben. Dies könnte den weltwirtschaftlichen Aufschwung zum Erliegen bringen, zumal höhere Ölpreise die Konjunktur in den ölimportierenden Ländern belasten. Wesentlich für die Begrenzung des Risikos ist also, dass sich keine Inflationstendenz herausbildet, wofür derzeit vieles spricht. Für die vorliegende Prognose wird angenommen, dass sich der Ölpreisanstieg zurückbildet, da insbesondere die OPEC ihre Produktion ausweiten und die Aufstockung der Rohölreserven bereits in diesem Jahr die Rohölpreise dämpfen wird. Im Durchschnitt des Jahres 2004 wird mit einem Ölpreis von rund 35 US-Dollar/Barrel (Brent) gerechnet, für das kommende Jahr ist ein Preis von 33 US-Dollar/Barrel unterstellt. [1] Die weltwirtschaftlichen Aussichten sind im Prognosezeitraum günstig. Sowohl in den USA als auch in Asien dürfte der Aufschwung sich mit hohem, im kommenden Jahr etwas vermindertem Tempo fortsetzen. In Russland legt die gesamtwirtschaftliche Produktion weiterhin kräftig zu. In Europa wird die Konjunktur im Verlauf dieses Jahres noch an Dynamik gewinnen, die im Jahre 2005 anhält. Damit dürfte sich auch die Lage auf den Arbeitsmärkten spürbar bessern. | |||
| USA: Aufschwung setzt sich fort - Deutliche Erholung am Arbeitsmarkt |
In den USA hat sich der Aufschwung weiter gefestigt. Im ersten Quartal 2004 wurde die gesamtwirtschaftliche Produktion mit einer Jahresrate von 4,4 % ausgeweitet, nach 4,2 % im Quartal zuvor (Abbildungen 1.1 und 1.2). Hauptstütze des Aufschwungs in den USA sind weiterhin die konsumfreudigen privaten Haushalte, die ihre Ausgaben im ersten Quartal um 3,9 % ausgeweitet haben. Die privaten Bruttoanlageinvestitionen legten um gut 10 % zu. Aber auch die staatlichen Investitions- und Verbrauchsausgaben trugen positiv zum Wachstum bei. Impulse erhielt der Aufschwung von der expansiven Geld- und Fiskalpolitik. Der geldpolitische Leitzins ist mit 1 1/4 % weiterhin niedrig; in realer Rechnung sind die kurzfristigen Zinsen seit mehr als zweieinhalb Jahren negativ. Die Kapitalmarktzinsen sind in den vergangenen Monaten zwar nennenswert gestiegen, der Realzins liegt jedoch immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Fiskalpolitik wirkte bis zuletzt sehr expansiv. Die Ausgaben des Staates stiegen auch wegen erhöhter heimischer Sicherheitsvorkehrungen und der Finanzierung der Kosten des Irak-Konflikts deutlich. Vorgezogene und planmäßig in Kraft tretende Steuersenkungen gaben kräftige expansive Impulse für den privaten Verbrauch und die Investitionstätigkeit. Im Prognosezeitraum wird sich der Aufschwung in den USA fortsetzen, wenngleich mit leicht vermindertem Tempo. Die Verlangsamung beruht darauf, dass die expansiven Effekte der Fiskalpolitik auslaufen und die Geldpolitik beginnen wird, ihre Zügel allmählich zu straffen. Mit dem Wegfall der steuerlichen Impulse wird der private Konsum langsamer expandieren. Der erwartete Zinsanstieg wird - für sich genommen - den privaten Verbrauch dämpfen. Der Immobilienpreisanstieg dürfte schwächer ausfallen. Gleichwohl wird sich der Aufschwung aus eigener Kraft fortsetzen, da er an Breite gewonnen hat und sich seit einigen Monaten eine deutliche Besserung der Lage am Arbeitsmarkt zeigt: Seit Ende des vergangenen Jahres wurden insgesamt fast 1,3 Mill. Jobs geschaffen (Abbildung 1.3). Das macht die Hälfte der seit dem Jahr 2000 verloren gegangenen Stellen aus. Allerdings verharrt die Arbeitslosenquote seit Jahresbeginn bei 5,6 %; offensichtlich verstärken Personen, die sich in den vergangenen Jahren vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, nun ihre Suchanstrengungen [2] wieder. Die Expansion der Ausrüstungsinvestitionen wird im späteren Verlauf des Prognosezeitraums angesichts des etwas weniger dynamischen Konsums und der leicht höheren Zinsen etwas schwächer werden. Dazu tragen auslaufende Steuervergünstigungen bei, die einen Anreiz geben, Investitionen in das Jahr 2004 vorzuziehen. Der weltweite Anstieg der Rohstoffpreise sowie die beträchtliche Abwertung des US-Dollar haben den Preisdruck in den vergangenen Monaten merklich erhöht. Die Inflationsrate, gemessen an der Veränderung des Konsumentenpreisindex gegenüber dem Vorjahr, kletterte von 1,8 % zur Jahreswende auf 3 % im Mai; die Kerninflationsrate (ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel) stieg im gleichen Zeitraum von 1,1 % auf 1,8 %. Bei immer noch hohem Produktivitätsfortschritt und verhältnismäßig moderaten Lohnabschlüssen ist jedoch noch kein Anstieg der Lohnstückkosten zu beobachten. Im Zuge der zunehmenden Beschäftigungsausweitung wird sich der Produktivitätsanstieg konjunkturbedingt etwas abschwächen, und die Kostenbelastung für die Unternehmen wird steigen. Die Wirtschaftspolitik dürfte ihren Kurs im Prognosezeitraum straffen; vor allem die Geldpolitik wird angesichts des weiterhin kräftigen Aufschwungs den Leitzins ab Jahresmitte 2004 in mehreren Schritten anheben. In der hier vorgelegten Prognose ist ein Anstieg um 0,5 Prozentpunkte bis zum Jahresende 2004 angenommen; Ende des Jahres 2005 wird das kurzfristige Zinsniveau rund 2,5 % betragen. Die Fiskalpolitik wird restriktiv. So wird die günstige Konjunktur dafür sorgen, dass im Prognosezeitraum die Einnahmen kräftiger steigen und die staatlichen Ausgaben weniger expandieren als derzeit. Für 2004 wird hier ein Defizit in Höhe von 3,8 % des Bruttoinlandsprodukts veranschlagt. Damit wird die Rückführung des Defizits allerdings schwächer ausfallen als nach den Plänen der Regierung. Einerseits beruhen die Einnahmeschätzungen auf überhöhten Elastizitäten im Hinblick auf das Bruttoinlandsprodukt, da sich die Progression des Steuersystems durch die Reformen der Jahre 2001 und 2003 stärker vermindert hat als von der Regierung eingestellt. [3] Dies wird dazu führen, dass die Einnahmen im Aufschwung schwächer fließen als bei der amtlichen Budgetprognose angenommen. Andererseits ist es fraglich, ob angesichts der immer noch angespannten Sicherheitslage die Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben im geplanten Umfang rückführbar sind.
Alles in allem wird das Bruttoinlandsprodukt in den USA 2004 um | ||
| Asien: Kräftige Dynamik |
Asien gehört derzeit zu den Regionen mit der stärksten gesamtwirtschaftlichen Dynamik; diese wird vor allem durch die sehr starke Exportentwicklung - auch im innerasiatischen Handel - getragen (Tabelle 1.3). Das gilt selbst für Japan, wo die Produktion im ersten Quartal 2004 mit einer Jahresrate von rund 6 % zulegte. Japan hatte sich im Gefolge einer kräftigen Exportexpansion aus der lang anhaltenden Stagnation gelöst; das Bruttoinlandsprodukt steigt seit dem zweiten Quartal 2002. Der Exportboom hat die Gewinnsituation der Unternehmen verbessert, so dass die privaten Investitionen deutlich ausgeweitet wurden, wenn auch zuletzt mit einer abgeschwächten Zuwachsrate. Inzwischen expandiert auch der private Verbrauch kräftig; hierbei dürfte u. a. die verbesserte Beschäftigungslage eine Rolle spielen. Die Arbeitslosenquote lag im April 2004 bei 4,7 %; ein Jahr zuvor hatte sie noch 5,4 % betragen. Trotz der beträchtlichen gesamtwirtschaftlichen Dynamik sinken die Konsumentenpreise weiter, obwohl zu Jahresbeginn die administrierten Preise im Gesundheitswesen merklich angehoben worden waren. Auch der Anstieg des Ölpreises hat nicht zu einer Trendwende geführt; vielmehr wurde dieser weitgehend durch die Aufwertung des Yen gegenüber dem US-Dollar kompensiert. Die japanische Zentralbank hat angekündigt, an ihrer Politik des "leichten Geldes" [4] so lange festzuhalten, bis die Deflation als überwunden gelten kann. Trotz dieser expansiv ausgerichteten Politik legte die Geldmenge M2 nur mit einer Rate von etwa 2 % zu. Diese Entwicklung ist auch auf die immer noch bestehenden Probleme im Bankensektor zurückzuführen, denn die Kreditvergabe der Banken ist seit langem rückläufig. Daher ist mit einer Straffung des geldpolitischen Kurses allenfalls gegen Ende des Prognosezeitraums zu rechnen. Die Finanzpolitik ist darauf gerichtet, in der günstigen gesamtwirtschaftlichen Situation die automatischen Stabilisatoren wirken zu lassen und auch durch Ausgabenkürzungen die notwendige Konsolidierung der öffentlichen Finanzen voranzutreiben. Vor diesem Hintergrund, aber auch angesichts der weltwirtschaftlichen Entwicklung, wird sich die gesamtwirtschaftliche Expansion in Japan im Prognosezeitraum fortsetzen, wenngleich mit abgeschwächten Raten (Abbildung 1.4). Dabei schlägt vor allem die erwartete Abkühlung in den asiatischen Nachbarländern zu Buche. Zugleich wird die Binnennachfrage zur tragenden Säule der Entwicklung. Zum einen wird der private Verbrauch im Zuge der Aufhellung am Arbeitsmarkt und bei steigenden Reallöhnen zulegen. Zum anderen werden die Investitionen weiter steigen, allerdings infolge der moderateren Exportentwicklung etwas langsamer. Vor dem Hintergrund der hohen Leistungsbilanzüberschüsse besteht die Gefahr, dass eine spürbare Aufwertung des Yen den Aufschwung bremsen könnte. Alles in allem wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 4,6 % und im Jahre 2005 um 2,7 % wachsen. Die Arbeitslosenquote sinkt von 4,6 % in diesem Jahr auf 4,2 % im nächsten Jahr. Die Konsumentenpreise werden gegen Ende des Prognosezeitraums wieder leicht steigen. In China setzte sich die kräftige gesamtwirtschaftliche Expansion fort; das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal 2004 mit einer Rate von 9,8 % im Vergleich zum Vorjahr zu. Hierbei schlug die für einen wirtschaftlichen Aufholprozess typische starke Investitionsdynamik zu Buche. Auch die Exporte expandierten kräftig. Die Handelsbilanz war zuletzt - im Unterschied zu anderen asiatischen Schwellenländern - im Defizit. [5] Inzwischen zeigen sich erste Anzeichen einer Überhitzung. So lagen nach einer deflationären Phase die Konsumentenpreise im Mai 2004 um 4,4 % über dem Vorjahresniveau. Zudem kommt es offenbar auch zu Knappheiten, insbesondere bei der Stromversorgung. Die chinesische Wirtschaftspolitik versucht daher, die gesamtwirtschaftliche Dynamik mit geldpolitischen Instrumenten etwas zu drosseln. Allerdings dürften die bislang getroffenen Maßnahmen einer geringfügigen Zinserhöhung [6] und einer verschärften Mindestreservepflicht für die Geschäftsbanken angesichts eines nur bedingt funktionsfähigen Bankensektors kaum ausreichen. Deshalb hat die Regierung durch direkte Eingriffe wie Mengenbegrenzungen und Zuweisungen das Kreditwachstum beschränkt. Betroffen hiervon ist offenbar vor allem die Industrie; [7] die Zuwachsrate der Industrieproduktion lag im Mai bereits unter dem Vergleichswert des Vormonats. Insgesamt wird das gesamtwirtschaftliche Wachstum in China sich im Prognosezeitraum zwar abschwächen, im internationalen Vergleich aber immer noch hoch sein und in diesem Jahr bei 8,5 % und 2005 bei 7,5 % liegen (Tabelle 1.3). Auch die übrigen asiatischen Schwellenländer expandieren rasch. Hier schlägt die Exportkonjunktur ebenfalls zu Buche, und die Investitionen entwickeln sich kräftig. Vielfach wird dies durch eine expansive Geldpolitik unterstützt.
Insgesamt sind die Aussichten der Region im Prognosezeitraum gut. Eine starke Binnennachfrage in Kombination mit einer zunächst noch sehr lebhaften Exportentwicklung wird zu einer kräftigen Expansion in diesem Jahr führen; im nächsten Jahr wird die Dynamik etwas nachlassen.
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| © 28-29/04 | |||

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