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| Wochenbericht des DIW Berlin 3/02 Ostdeutsche Industrie gewinnt an Boden | |||
| Bearbeiter | Karl Brenke Alexander Eickelpasch | ||
| Die ostdeutsche Industrie galt in der ersten Zeit der wirtschaftlichen Erneuerung noch als Sorgenkind. Nach der Überwindung des tiefgreifenden Einbruchs im Jahre 1992 hat sie sich jedoch immer mehr zum Wachstumsmotor entwickelt. Gleichwohl ist die industrielle Basis noch zu schmal. Um einen tieferen Einblick zu gewinnen, hat das DIW Berlin seit 1991 im Rahmen der von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Berichterstattung über die "Gesamtwirtschaftlichen und unternehmerischen Anpassungsprozesse in Ostdeutschland" eine Reihe von Umfragen unter den Industrieunternehmen in den neuen Bundesländern durchgeführt. Die letzte der inzwischen sieben Erhebungswellen fand im Sommer 2000 statt. Die Umfrage zeigt, dass sich die Lage der ostdeutschen Industrie weiter - und zwar deutlich - verbessert hat. Den Unternehmen ist es immer mehr gelungen, auf den überregionalen Märkten Tritt zu fassen. Kräftige Umsatzsteigerungen gab es insbesondere im Exportgeschäft; die Lieferungen in die alten Bundesländer nahmen ebenfalls stark zu. Dagegen fiel der Zuwachs beim Absatz in die neuen Bundesländer wegen der dort insgesamt schwachen Nachfrage nur gering aus. Markterfolge konnten nicht nur die Betriebe im Besitz eines westdeutschen oder ausländischen Unternehmens verzeichnen, sondern auch die eigenständigen, in der Regel kleinen ostdeutschen Unternehmen. Im Zuge der kräftigen Expansion hat sich auch die Ertragslage der Unternehmen weiter aufgehellt. Die gestärkte Wettbewerbsposition ist nicht zuletzt das Ergebnis der Erneuerung des Kapitalstocks. Die meisten Unternehmen geben inzwischen an, dass ihr Maschinenpark auf dem modernsten Stand oder zumindest hinreichend modern sei. Nach wie vor sind die neuen Bundesländer weit davon entfernt, wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen. So übersteigt der Wert der für privaten Konsum, Staatsverbrauch und Investitionen in Ostdeutschland verwendeten Güter die heimische Produktion um mehr als 40 %. Die riesige Lücke zwischen Absorption und Produktion zeigt, dass es der Wirtschaft Ostdeutschlands noch zu wenig gelingt, Einkommen im Güteraustausch mit anderen Regionen zu generieren. Dass ein solches Problem entstehen würde, zeichnete sich schon zu Beginn der Umstrukturierung ab. Mit der Einführung der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion geriet die Wirtschaft der DDR unter enormen Anpassungsdruck - vor allem die Wirtschaftszweige, in denen überregional handelbare Güter hergestellt wurden und die deshalb in besonders starkem Maße der weit überlegenen Konkurrenz aus dem Westen ausgesetzt waren. So kam es bei der Industrie im Sommer 1990 zu einem dramatischen Produktionsrückgang. In der Folgezeit verschärfte sich die Lage noch durch die raschen Lohnanhebungen. Nach dem Anpassungsschock galt es, die Industrie möglichst rasch vom Fundament her neu aufzubauen. Wie alle regionalökonomische Erfahrung lehrt, ist das allerdings nur über einen langen Zeitraum zu schaffen. Seit 1991 hat das DIW Berlin den Umstrukturierungsprozess der Industrie anhand eigener Unternehmensumfragen untersucht. Neben anderen Themen ging es dabei jeweils um die Situation und die kurzfristigen Entwicklungsperspektiven der Unternehmen, also darum, wie es um deren Ertragslage bestellt ist, ob die Erneuerung des Kapitalstocks vorankommt und wie sich der Absatz entwickelt. Besonderes Augenmerk wird nach Abschluss der Privatisierung auf den industriellen Mittelstand gelegt, denn von dessen Wachstum hängt vor allem ab, wie schnell eines der größten noch bestehenden Strukturprobleme der ostdeutschen Industrie, der Mangel an dispositiven Unternehmensfunktionen, behoben werden kann. [1] Im Folgenden werden die Ergebnisse der letzten, im Sommer 2000 durchgeführten Umfrage vorgelegt. Zum Teil - was die Umsätze anbelangt - spiegeln sie eine günstigere konjunkturelle Situation als die gegenwärtige wider. Gleichwohl sind diese Befunde informativ, denn sie geben Auskunft darüber, wie sich die Einbindung der ostdeutschen Industrie in die internationale Arbeitsteilung entwickelt. | |||
| Umsatzentwicklung und Absatzmärkte |
Nach den Ergebnissen der Umfrage des DIW Berlin lagen die Umsätze der ostdeutschen Industrie im Jahre 2000 um ein Sechstel über denen von 1998, dem hier gewählten Vergleichszeitraum. [2] Besonders stark konnte der Export ausgeweitet werden, und auch der Umsatz mit Kunden im Inland zog insgesamt deutlich an (Tabelle 1). Im Auslandsgeschäft kam es bei den Lieferungen nach Westeuropa, nach Übersee und mehr noch nach Osteuropa zu überaus kräftigen Zuwächsen. Von 1998 bis 2000 erhöhte sich der Wert der Lieferungen nach Osteuropa, die ein Fünftel des Exports der ostdeutschen Industrie ausmachen, um mehr als die Hälfte. Der Export in andere Gebiete nahm um 40 % zu. Beim Inlandsabsatz zeigte sich dagegen ein differenzierteres Bild. Zum deutlichen Wachstum beigetragen haben im Wesentlichen die Lieferungen in die alten Bundesländer. Der Absatz auf den Märkten in der näheren Umgebung der Unternehmen und in anderen Teilen der neuen Bundesländer ist dagegen kaum noch gewachsen. Das heißt aber nicht, dass generell die Absorptionsfähigkeit des ostdeutschen Marktes schwach geblieben wäre. Vielmehr zeigten sich mit Blick auf die einzelnen Teilmärkte erhebliche Unterschiede. Auf der einen Seite ging der Umsatz mit Kunden aus den neuen Bundesländern infolge der nachlassenden Bauinvestitionen vor allem in jenen Industriezweigen zurück, in denen baunahe Waren hergestellt werden - mitunter sehr stark wie bei den Herstellern von Ziegeleierzeugnissen oder von Betonfertigteilen. Auf der anderen Seite hat bei den Herstellern von Zulieferteilen der Absatz auf dem ostdeutschen Markt kräftig angezogen - etwa bei den Produzenten von Metallteilen oder von Maschinenkomponenten sowie bei den Oberflächenveredlern. Die Zulieferer konnten offenbar vom starken Wachstum der ostdeutschen Industrie auf den Märkten in Westdeutschland und im Ausland Nutzen ziehen. Das war es aber wohl nicht allein. Denn das kräftige Wachstum bei der Produktion von Vorprodukten lässt auch vermuten, dass das Netz der regionalen Vorleistungsverflechtung dichter geworden ist. Infolge der Wachstumsunterschiede auf den Absatzmärkten hat sich die regionale Verteilung der Umsätze der ostdeutschen Industrie weiter verschoben. So war der Umsatz der ostdeutschen Industrie mit Abnehmern in den alten Bundesländern im Jahre 2000 erstmals höher als der Umsatz mit Kunden in den neuen Ländern (Abbildung 1). Weiter erheblich vergrößert hat sich der auf den Export entfallende Anteil am Umsatz. Dazu hat auch beigetragen, dass sich eine wachsende Zahl an Unternehmen im Auslandsgeschäft engagierte (Tabelle 2). Trotzdem liegt die Exportquote noch weit hinter derjenigen der westdeutschen Industrie zurück. Im Jahre 2000 betrug nach Angaben der amtlichen Statistik der Exportanteil des verarbeitenden Gewerbes am Umsatz in Ostdeutschland 21 %, in Westdeutschland waren es dagegen 37 %. [3] Am kräftigen Umsatzwachstum haben auch - und sogar in überdurchschnittlichem Maße - die eigenständigen, meist kleinen ostdeutschen Industriebetriebe teilgenommen. Sie konnten im Zeitraum 1998 bis 2000 ihren Marktanteil sowohl in den alten Bundesländern als auch im Ausland stärker ausweiten als die Betriebe im Eigentum westdeutscher Unternehmen. Inzwischen erzielen sie auch mehr Umsatz auf dem westdeutschen als auf dem ostdeutschen Markt. Bei den Lieferungen an ostdeutsche Kunden konnten die ostdeutschen Unternehmen ebenfalls zulegen - insbesondere deshalb, weil nicht wenige dieser Unternehmen für andere ostdeutsche Betriebe Vorleistungen erbringen. Hinsichtlich der Lieferungen in das Ausland haben die eigenständigen Unternehmen zu den Betrieben im Eigentum westdeutscher Unternehmen aufgeschlossen - das gilt für die Exportquote und für den Anteil der im Auslandsgeschäft tätigen Unternehmen. Dieser Befund ist keineswegs selbstverständlich. Zu bedenken ist, dass die eigenständigen ostdeutschen Unternehmen im Durchschnitt mit 39 Beschäftigten je Unternehmen viel kleiner sind als die Betriebe im Eigentum einer westdeutschen Muttergesellschaft (112 Beschäftigte pro Betrieb). Generell sind größere Unternehmen häufiger im Auslandsgeschäft tätig als kleine - nicht zuletzt deshalb, weil sie in der Regel über bessere Möglichkeiten zur Markterschließung verfügen. Zudem können sich die Betriebe im Eigentum westdeutscher Unternehmen bei der Markterschließung auch auf die tatkräftige (und insbesondere finanzielle Hilfe) ihrer Muttergesellschaft stützen. Dass die Betriebe im Eigentum eines westdeutschen Unternehmens trotzdem nicht stärker als die meist kleinen, eigenständigen ostdeutschen Unternehmen auf den überregionalen Märkten agieren, lässt vermuten, dass nicht wenige Investoren aus den alten Bundesländern eine Produktionsstätte in Ostdeutschland vor allem deshalb errichtet oder im Zuge der Privatisierung erworben haben, um den Markt in den neuen Bundesländern zu beliefern. Die Betriebe im Eigentum einer ausländischen Gesellschaft sind dagegen sehr stark auf den überregionalen Absatz und insbesondere auf den Export ausgerichtet, und sie konnten in den letzten Jahren ihren Absatz auf den Auslandsmärkten noch kräftiger als die übrige ostdeutsche Industrie ausweiten. Auf diese Betriebe entfällt zwar nur ein Achtel der Beschäftigten (durchschnittliche Beschäftigtenzahl: 170), aber reichlich 40 % des Exports der ostdeutschen Industrie. Ihre Exportquote erreicht fast 50 %, und reichlich vier Fünftel der Betriebe im Eigentum einer ausländischen Gesellschaft setzen ihre Produkte auch im Ausland ab - unter den übrigen Betrieben ist es knapp die Hälfte. Natürlich haben Betriebe in ausländischem Eigentum besonders gute Voraussetzungen, im Exportgeschäft erfolgreich zu sein, denn nicht selten dürften die Muttergesellschaften oder andere Teile des Unternehmensverbundes für den Marktzugang sorgen. Ostdeutschland scheint für nicht wenige ausländische Unternehmen günstige Standortbedingungen zu bieten. | ||
| Wettbewerbsfähigkeit |
Erstmals wurden bei der Umfrage vom Sommer 2000 die Unternehmen um eine Einschätzung ihrer Wettbewerbsfähigkeit gebeten; gefragt wurde, ob sie sich im Vergleich zu ihren Konkurrenten als schwächer oder stärker einstufen. Die Antworten können nur Einschätzungen wiedergeben. Folgt man den Meinungen der Unternehmen, dann ist die ostdeutsche Industrie inzwischen größtenteils durchaus wettbewerbsfähig. Zwar vertritt ein Sechstel der Unternehmen die Auffassung, dass sie im Wettbewerb kaum mit der Konkurrenz mithalten können (Tabelle 3). Aber knapp ein Drittel glaubt, einen Vorsprung im Wettbewerb zu haben. Die meisten meinen, ebenso stark wie die Konkurrenz dazustehen. Vor allem sind es die am Fernabsatz orientierten Unternehmen, die sich als gut positioniert ansehen. Dasselbe trifft für die Betriebe im Eigentum westdeutscher oder ausländischer Gesellschaften zu. Weil diese Betriebe vergleichsweise viele Mitarbeiter beschäftigen, gilt der Befund also in erster Linie für die größeren Betriebe. Unter den eigenständigen und im Schnitt kleinen Unternehmen vertritt indes nur ein deutlich geringerer Teil als bei den größeren die Auffassung, einen Wettbewerbsvorsprung zu haben. Gleichwohl übertrifft auch bei ihnen die Zahl derer, die besser als die Konkurrenz zu sein glauben, die Zahl derjenigen, die sich unterlegen fühlen. | ||
| Modernität und Größe des Kapitalstocks |
Wichtig für den Aufbau einer neuen industriellen Basis in den neuen Bundesländern ist die Erneuerung des Kapitalstocks. Aufgrund der Entwicklung der Investitionstätigkeit ist anzunehmen, dass mittlerweile ein großer Teil dieser Aufgabe bewältigt wurde. Wie groß die Fortschritte sind, lässt sich aber nicht genau umreißen. Verfügbar sind nur grobe Schätzungen. Um mehr Licht in dieses Dunkel zu bringen, hat das DIW Berlin mit Hilfe der Umfragen versucht, Auskünfte darüber zu gewinnen, wie es um den Umfang und die Modernität des Anlagenbestandes bestellt ist. Wie schon in den Umfragen zuvor zeigte sich auch bei der Erhebung vom Sommer 2000, dass die Erneuerung bei den Ausrüstungen weiter vorangekommen ist als bei den Bauten. Reichlich vier Fünftel der Industrieunternehmen waren der Ansicht, dass ihre Maschinen und anderen Ausrüstungen ausreichend modern oder auf dem neuesten Stand der Technik seien (Abbildung 2). Auf diese Unternehmen entfallen fast 90 % der Beschäftigten. Nur noch ein verschwindend geringer Teil der Unternehmen stuft die eigenen Maschinen und sonstigen Ausrüstungen als weitgehend veraltet ein. Was den Zustand der Bauten anbelangt, ist das noch bei einem Zehntel der Unternehmen der Fall. Dass die Erneuerung der Ausrüstungen weiter vorangekommen ist als die der Bauten, dürfte vor allem daran liegen, dass eine moderne und konkurrenzfähige Produktion vielfach auch in solchen Gebäuden stattfinden kann, die nicht den neuesten Standards entsprechen. Insgesamt gesehen ist aber auch bei den Bauten die Erneuerung weit fortgeschritten, und sie vollzieht sich in jüngerer Zeit offensichtlich sogar rascher als bei den Ausrüstungen. Knapp drei Viertel der Unternehmen, die etwas mehr als drei Viertel der Beschäftigten stellen, bezeichneten ihre Gebäude und anderen baulichen Anlagen als modern oder sehr modern. Im Laufe der letzten Jahre ist der Modernitätsgrad des Anlagenbestandes stetig gestiegen; der Abstand zu dem der Ausrüstungen hat sich immer mehr verringert. Wie nicht anders zu erwarten, haben Unternehmen, die mit modernen Anlagen produzieren, Wettbewerbsvorteile. So finden sich unter denjenigen Unternehmen, die - nach eigener Einschätzung - eine starke Marktposition innehaben, praktisch nur Unternehmen mit hinreichend modernen oder hochmodernen Anlagen (Tabelle 5). Unter den Firmen mit Absatzschwierigkeiten dagegen gibt es vergleichsweise viele, die mit veralteten Ausrüstungen produzieren. Im Durchschnitt sind die Betriebe, die sich im Eigetum eines westdeutschen oder ausländischen Unternehmens befinden, häufiger modern ausgestattet als die eigenständigen Unternehmen. Und weil die Betriebe in westdeutschem und ausländischem Eigentum vergleichsweise groß sind, zeigt sich ein Modernitätsvorsprung der Großbetriebe. Gleichwohl lässt sich feststellen, dass inzwischen auch der weit überwiegende Teil der eigenständigen Unternehmen über moderne Ausrüstungen verfügt. Nicht nur der Modernitätsgrad, sondern auch der Umfang des Anlagenbestandes ist ein wichtiger Wachstumsfaktor. Angesichts der starken Expansion der ostdeutschen Industrieproduktion in den vergangenen Jahren belegt die letzte Umfrage, dass bei manchem Unternehmen die Produktionskapazitäten nicht ausreichen. Ein Viertel der Unternehmen, auf die ein ebenso großer Teil der ostdeutschen Industriebeschäftigten entfällt, gab an, dass bei den Ausrüstungen die Kapazitäten im Hinblick auf die zu erwartende Geschäftsentwicklung zu klein seien (Tabelle 6). Bei den Bauten ergab sich ein ähnliches Bild. Solche Engpässe zeigen sich relativ häufig bei den eigenständigen, meist kleinen Unternehmen - diese haben in der Zeit von 1998 bis 2000 ihren Personalbestand recht kräftig aufgestockt. Und Kapazitätsengpässe gab es generell bei solchen Unternehmen, auf deren Absatzmärkten die Nachfrage wächst. Dagegen ist dies bei Unternehmen, die auf schrumpfenden oder stagnierenden Absatzmärkten agieren, erwartungsgemäß weit seltener der Fall. | ||
| Ertragslage |
Die Ertragslage von Unternehmen ließe sich am besten anhand von Bilanzdaten erfassen. Informationen über die Bilanzen von Unternehmen, die verallgemeinerungsfähige Auskünfte über die Ertragslage in einem bestimmten Wirtschaftsgebiet oder Sektor geben könnten, sind aber kaum vorhanden. Und den Informationen, die verfügbar sind, mangelt es in der Regel an Aktualität. Um die Informationslücke etwas zu schließen, hat das DIW Berlin in der Erhebung vom Sommer 2000 - wie in den Umfragen zuvor - die Unternehmen nach ihrer Ertragslage befragt. Danach erzielten 54 % der Unternehmen im Jahre 1999 einen mehr oder weniger großen Gewinn (Tabelle 7); 26 % der Unternehmen kamen auf ein ausgeglichenes Ergebnis, und 17 % mussten Verluste buchen. Die Ertragslage hat sich damit verbessert: 1997 und 1998 hatten nur knapp die Hälfte, in den Jahren 1994 bis 1996 sogar weniger als 40 % der Unternehmen Gewinne erzielt. Spiegelbildlich dazu nahm der Anteil der Unternehmen, die Verluste hinnehmen mussten, stetig und stark ab. Naturgemäß hängt die Ertragslage der Unternehmen von deren Stellung im Wettbewerb sowie davon ab, ob die Nachfrage auf ihren Absatzmärkten steigt oder schrumpft. Im Übrigen unterscheiden sich die ostdeutschen Industrieunternehmen im Hinblick auf ihre Ertragslage nur wenig. Einerseits gibt es unter den eigenständigen (bzw. kleineren) Unternehmen vergleichsweise wenige mit hohen Gewinnen. Andererseits ist unter ihnen auch der Anteil derjenigen, die 1999 Verluste schreiben mussten, etwas geringer als unter den Betrieben im Eigentum westdeutscher oder ausländischer Unternehmen (bzw. den größeren Unternehmen). In dieser Gruppe ist also die Streuung hinsichtlich der Ertragslage größer als in der Gruppe der kleinen. Den eigenen Erwartungen zufolge hat sich im Jahre 2000 die Ertragslage der ostdeutschen Industrieunternehmen im Zuge des kräftigen Produktionswachstums weiter verbessert. So erwarteten mehr als zwei Drittel der Unternehmen, die im Jahre 1999 noch mit einem Verlust abschlossen, für das Jahr 2000 ein ausgeglichenes Betriebsergebnis oder gar einen Gewinn. Und nur sehr wenige rechneten damit, im Jahre 2000 in die Verlustzone zu geraten. | ||
| Zusammenfassung und Fazit |
Die hohen Produktionszuwächse, die in den vergangenen Jahren erzielt wurden, verdeutlichen, dass die ostdeutsche Industrie große Fortschritte bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit gemacht hat. Vor allem ist es gelungen, auf den Märkten in Westdeutschland oder im Ausland zu expandieren. Dadurch, aber auch durch eine Intensivierung der intraregionalen Vorleistungsverflechtung, konnte die auf Teilmärkten innerhalb Ostdeutschlands rückläufige Nachfrage, insbesondere nach baunahen Gütern, weit mehr als ausgeglichen werden. Kräftig gewachsen ist auch der Absatz der zumeist kleinen, eigenständigen Unternehmen. Offenkundig bildet sich in den neuen Bundesländern allmählich ein leistungsfähiger industrieller Mittelstand heraus. Mit der stärkeren Einbindung in die überregionale Arbeitsteilung wird die Entwicklung der ostdeutschen Industrie naturgemäß in zunehmendem Maße vom allgemeinen konjunkturellen Umfeld bestimmt. So bekam auch sie die weltweite konjunkturelle Eintrübung zu spüren: Seit Anfang des vergangenen Jahres stagniert saison- und arbeitstäglich bereinigt die Industrieproduktion. [4] In Westdeutschland war sie sogar rückläufig. Alles in allem hat sich aber die Lage der ostdeutschen Industrie weiter stark verbessert. Natürlich gibt es auch Unternehmen, denen es schwer fällt, mit der Konkurrenz mitzuhalten. Das ist freilich in einer Marktwirtschaft normal. Trotz der großen Fortschritte beim Aufbau einer neuen industriellen Basis ist diese noch zu schmal. So gibt es in den neuen Bundesländern - je Einwohner gerechnet - nur halb so viele Industriebeschäftigte wie in Westdeutschland. Nur mit hohem Produktionswachstum bei deutlich ausgeweiteten Kapazitäten lässt sich der Rückstand merklich verringern. | ||
| Kasten: Zur Umfrage des DIW Berlin |
Mit der Unternehmensumfrage wurde Anfang Juni 2000 begonnen. Der Rücklauf der Fragebögen erstreckte sich bis etwa November 2000. Neben der Industrie, über die hier berichtet wird, wurden auch Unternehmen in ausgewählten Dienstleistungszweigen und Betriebe des zum verarbeitenden Gewerbe zählenden Handwerks befragt. Insgesamt wurden reichlich 20 000 Unternehmen um Auskunft gebeten. Geantwortet haben 8 086 Unternehmen, von denen 3 633 mit zusammen rund 210 000 Beschäftigten auf die Industrie entfallen.
Über die Grundgesamtheit gibt es keine hinreichenden Informationen. So kommt ein Wirtschaftsbereich "Industrie" in der amtlichen Statistik nicht mehr vor. Als Maßstab für die Repräsentativität der in die Auswertung einbezogenen Industrieunternehmen bieten sich am ehesten die regelmäßigen amtlichen Erhebungen im verarbeitenden Gewerbe an - wenn es auch zwischen deren Erhebungseinheit und den Industrieunternehmen gemäß der DIW-Definition Unterschiede gibt. Danach zählt im Wesentlichen jedes Unternehmen dann zur Industrie, wenn es sich selbst als Industrieunternehmen einstuft. Zudem wurde eine Reihe meist größerer Handwerksbetriebe der Industrie hinzugerechnet. Ein Vergleich der amtlichen Statistik mit der Liste der Teilnehmer an den Umfragen des DIW Berlin zeigt, dass das Sample ein recht genaues Abbild der ostdeutschen Industrie sein dürfte. Das gilt sowohl für die Umfrage vom Sommer 2000 [1] als auch für vorhergehende Umfragen. [2] Angesichts der großen Zahl der Teilnehmer war dieses Ergebnis zu erwarten. [1] Vgl.: Löhne in Ostdeutschland - Anpassung an das westdeutsche Niveau erst auf lange Sicht möglich. Bearb.: Karl Brenke. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 24/2001, S. 362. [2] Mit der Umfrage des DIW Berlin wurden die Umsätze der Jahre 1998 bis 2000 erhoben. Bei den dabei ermittelten Umsätzen für das Jahr 2000 handelt es sich um Plandaten. Nur wenige Umfrageteilnehmer waren nicht in der Lage, entsprechende Angaben über ihre voraussichtlichen Umsätze in jenem Jahr zu machen. [3] Betriebe mit im Allgemeinen 20 und mehr Beschäftigten. [4] Bei Betrieben des verarbeitenden Gewerbes mit im Allgemeinen 20 und mehr Beschäftigten.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 1
Entwicklung des Absatzes der ostdeutschen Industrieunternehmen
nach deren Eigentumsstatus und Absatzgebieten
Veränderung des Umsatzes von 1998 bis 2000 (1) in %
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Umsatz mit Kunden in ...
Gesamter der näheren den übrigen den alten Westeuropa Osteuropa
Umsatz Umgebung neuen Ländern Ländern und Übersee
Eigenständige
Unternehmen 18 6 8 22 30 76
Unternehmen
im Eigentum
westdeutscher
Unternehmen 12 -2 4 16 20 61
Unternehmen
im Eigentum
ausländischer
Unternehmen 25 10 -7 8 73 27
Alle Unternehmen 16 3 4 17 39 54
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(1) Planangabe.
Quelle: Umfrage des DIW Berlin vom Sommer 2000.
DIW Berlin 2002
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 2
Ostdeutsche Industrieunternehmen nach Absatzgebieten und Eigentumsstatus
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... % der Unternehmen lieferten in das jeweilige Absatzgebiet
Nähere Übrige neue Alte Länder Westeuropa Osteuropa
Umgebung Länder und Übersee
Eigenständige
Unternehmen
2000 (1) 80 82 81 43 17
1999 79 82 80 41 16
1998 80 81 79 39 15
1997 78 83 79 38 16
1996 78 82 78 35 15
Unternehmen
im Eigentum
westdeutscher
Unternehmen
2000 (1) 68 76 83 45 25
1999 68 77 82 44 25
1998 68 77 82 44 25
1997 68 74 78 42 25
1996 69 74 78 40 24
Unternehmen
im Eigentum
ausländischer
Unternehmen
2000 (1) 44 77 87 78 43
1999 45 75 88 77 39
1998 43 77 90 74 39
1997 50 86 89 82 50
1996 52 87 90 81 50
Alle Unternehmen
2000 (1) 76 81 82 45 20
1999 76 81 81 43 18
1998 76 80 80 41 18
1997 75 81 79 40 19
1996 75 80 78 38 18
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Planangabe.
Quelle: Umfrage des DIW Berlin vom Sommer 2000.
DIW Berlin 2002
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 3
Ostdeutsche Industrieunternehmen
nach eigener Einschätzung ihrer Wettbewerbsposition
In % der jeweiligen Unternehmensgruppe (1)
-------------------------------------------------------------------------------
Unternehmen,
die sich gegenüber ihren Konkurrenten als ... einstufen
deutlich wenig etwa gleich etwas deutlich nicht
schwächer schwächer stark stärker stärker einschätzbar
Absatzschwerpunkt
Mehr als 75 % des
Absatzes entfallen
auf die nähere Um-
gebung und die
neuen Länder 6 14 51 15 9 4
Mehr als 66 %
entfallen auf
Westdeutschland
und das Ausland 5 11 43 23 14 4
Übrige Unternehmen 4 12 48 17 13 6
Eigentumsstatus
Eigenständige
Unternehmen 6 13 48 18 11 3
Unternehmen
im Eigentum
westdeutscher
Unternehmen 3 10 45 21 17 4
Unternehmen
im Eigentum
ausländischer
Unternehmen 3 10 15 21 17 4
Unternehmen mit ...
Beschäftigten
1 bis 19 7 14 47 16 10 6
20 bis 49 4 12 52 17 12 3
50 bis 99 4 9 46 23 14 4
100 und mehr 3 11 41 27 16 3
Alle Unternehmen 5 12 47 19 12 5
Nachrichtlich:
Beschäftigte in
den Unternehmen 4 10 41 26 15 5
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Jeweilige Zeilensumme = 100.
Quelle: Umfrage des DIW Berlin vom Sommer 2000.
DIW Berlin 2002
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 4
Ostdeutsche Industrieunternehmen
nach eigener Einschätzung ihres Absatzmarktes
In % der jeweiligen Unternehmensgruppe (1)
-------------------------------------------------------------------------------
Unternehmen, die den künftigen Absatzmarkt
für ihre wichtigsten Güter als ... einstufen
deutlich wenig etwa gleich wenig deutlich nicht
schrumpfend schrumpfend bleibend wachsend wachsend einschätzbar
Absatzschwerpunkt
Mehr als 75 % des
Absatzes entfallen
auf die nähere Um-
gebung und die
neuen Länder 16 19 32 23 7 3
Mehr als 66 %
entfallen auf
Westdeutschland
und das Ausland 3 6 32 32 24 3
Übrige Unternehmen 7 12 34 30 15 3
Eigentumsstatus
Eigenständige
Unternehmen 8 11 34 29 15 3
Unternehmen
im Eigentum
westdeutscher
Unternehmen 12 14 30 26 16 2
Unternehmen
im Eigentum
ausländischer
Unternehmen 7 11 30 29 20 4
Unternehmen mit ...
Beschäftigten
1 bis 19 10 11 32 27 16 4
20 bis 49 9 12 32 28 15 3
50 bis 99 7 13 34 27 16 3
100 und mehr 6 12 35 32 13 1
Alle Unternehmen 9 12 33 28 15 3
Nachrichtlich:
Beschäftigte in
den Unternehmen 6 13 33 31 14 3
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Jeweilige Zeilensumme = 100.
Quelle: Umfrage des DIW Berlin vom Sommer 2000.
DIW Berlin 2002
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 5
Ostdeutsche Industrieunternehmen nach der Modernität ihrer Ausrüstungen
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Bei ... % der Unternehmen (1) sind die Ausrüstungen ...
auf dem ausreichend zum Teil weitgehend
modernsten Stand modern veraltet veraltet
Eigentumsstatus
Eigenständige Unternehmen 26 53 18 2
Unternehmen im Eigentum
westdeutscher oder
ausländischer Unternehmen 33 53 11 1
Unternehmen mit ...
Beschäftigten
1 bis 9 24 52 19 4
10 bis 19 25 55 17 3
20 bis 49 28 53 16 1
50 bis 99 29 55 14 1
100 bis 199 34 53 11 1
200 bis 499 40 48 12 -
500 und mehr 58 42 - -
Unternehmen sind gegenüber
ihren Konkurrenten ...
deutlich schwächer 16 48 27 9
wenig schwächer 14 50 31 4
etwa gleich stark 26 58 15 1
wenig stärker 33 56 11 1
deutlich stärker 51 41 7 1
Alle Unternehmen 28 53 16 2
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(1) Jeweilige Zeilensumme = 100.
Quelle: Umfrage des DIW Berlin vom Sommer 2000.
DIW Berlin 2002
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 6
Ostdeutsche Industrieunternehmen nach der Größe ihres Bestandes an Ausrüstungen
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Der Bestand an Ausrüstungen ist bei ... % der
Unternehmen im Hinblick auf die zu erwartende
Unternehmensentwicklung ...
zu klein ausreichend groß zu groß nicht einzuschätzen
Eigentumsstatus
Eigenständige
Unternehmen 27 67 2 4
Unternehmen im Eigentum
westdeutscher oder
ausländischer
Unternehmen 22 72 4 2
Unternehmen mit ...
Beschäftigten
1 bis 9 30 62 2 6
10 bis 19 28 66 2 4
20 bis 49 26 68 3 3
50 bis 99 23 74 1 2
100 bis 199 21 75 1 3
200 bis 499 24 73 3
500 und mehr 18 69 10 3
Marktvolumen der
Unternehmen wird ...
deutlich schrumpfen 10 74 11 5
wenig schrumpfen 15 77 4 4
etwa gleich bleiben 20 77 1 3
wenig wachsen 30 67 0 3
deutlich wachsen 50 48 0 2
Entwicklung nicht
einzuschätzen 21 63 4 13
Alle Unternehmen 26 69 2 3
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(1) Jeweilige Zeilensumme = 100.
Quelle: Umfrage des DIW Berlin vom Sommer 2000.
DIW Berlin 2002
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 7
Ostdeutsche Industrieunternehmen nach ihrer Ertragslage im Jahre 1999
-------------------------------------------------------------------------------
Unternehmen (1) mit ...
deutlichen ausgeglichenen geringen akzeptablen nicht abschätz-
Verlusten Ergebnissen Gewinnen Gewinnen barer Ertragslage
Eigentumsstatus
Eigenständige
Unternehmen 16 27 31 23 3
Unternehmen im
Eigentum west-
deutscher oder
ausländischer
Unternehmen 19 22 23 33 3
Unternehmen mit ...
Beschäftigten
1 bis 9 19 27 29 20 6
10 bis 19 16 28 30 23 3
20 bis 49 16 27 29 25 3
50 bis 99 15 27 31 25 2
100 bis 199 16 22 27 35 0
200 bis 499 19 17 22 40 2
500 und mehr 20 18 20 43 0
Unternehmen sind
gegenüber ihren
Konkurrenten ...
deutlich schwächer 41 30 20 8 2
wenig schwächer 21 32 31 13 2
etwa gleich stark 14 27 32 24 3
wenig stärker 13 21 28 36 2
deutlich stärker 16 22 22 37 3
Marktvolumen der
Unternehmen wird ...
deutlich schrumpfen 30 28 22 17 3
wenig schrumpfen 19 30 29 20 2
etwa gleich bleiben 15 28 31 23 3
wenig wachsen 12 27 32 27 3
deutlich wachsen 18 18 23 36 4
Alle Unternehmen 17 26 29 25 3
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Jeweilige Zeilensumme = 100.
Quelle: Umfrage des DIW Berlin vom Sommer 2000.
DIW Berlin 2002
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